Mit Schülern von Joomla nach WordPress umziehen

Ging erstaunlich fix. Unsere Version des Content-Management-Systems Joomla war veraltet, das Update hätte ohnehin ein neues Design erfordert, und die Schüler haben mich überzeugt, dass das, was wir von Joomla wollen, mit WordPress auch alles geht. Die Bedienung ist einfacher und die Wartung auch.

Jetzt muss ich nur aufpassen, dass die Schüler (6.–9. Klasse) uns nicht zuviele unnötige Plugins installieren.

Einige nützliche Plugins:

  • FG Joomla to WordPress: lässt die Daten von Datenbank zu Datenbank umziehen
  • Custom Upload Dir: ermöglicht Untervezeichnisse für den Upload von Bildern, leider eine der großen Schwächen von WordPress
  • Download Manager: stellt Rundschreiben etc. als Download zur Verfügung
  • Global Post Password: alle passwortgeschützten Beiträge mit dem gleichen Passwort verschlüsseln, auch rückwirkend natürlich

Jetzt steht die Seite soweit, im neuen Jahr können wir dann das Design noch weiter verbessern.

Nur dass es nicht verloren geht…

In Coburg hat ein Schulleiter alle Deutsch-Abituraufgaben pauschal um einen Punkt nach oben gesetzt. Offiziell war der Schulleiter, der auch Deutschlehrer war, wohl Drittprüfer – ungewöhnlich, dass es nur einen Drittprüfer für einen ganzen Jahrgang gibt, aber tatsächlich braucht man den selten, nämlich nur dann, wenn sich Erst- und Zweitprüfe rnicht einig werden.
Das mit der eigenmächtigen Notenverbesserung darf er natürlich nicht, aber die Noten gelten trotzdem, sagt das Kultusministerium.

Fachlich beruft sich der Schulleiter wohl darauf, dass die Korrekturen der Deutschlehrer “zu penibel” waren.

Das Ministerium gibt dem Schulleiter fachlich recht, wohl in Form des zuständigen MB, der extrem fleißig gewesen sein muss, um sich die Arbeiten gründlich genug angesehen zu haben.

Der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands stellt sich – siehe Neue Presse – voll hinter das Kultusministerium.

Ich kann mir das mit den zu penibel korrigierten Arbeiten nicht vorstellen. Es sieht eher so aus, als will ein Schulleiter ein Exempel statuieren (dass ich so etwas je schreiben würde…) und seinen Deutschlehrern zeigen, wer der Chef ist. Aus der Ferne lässt sich das schlecht beurteilen. Positiv allerdings, dass es Schulleiter gibt, die sich so etwas trauen. Aber so richtig böse wird das Kultusministerium in dem Fall ja auch nicht werden.

(Alle Links aus den lehrerforen.de)

PRISM, Abhören, Datenschutz

Das muss doch alles ein Fest für Sozialkundelehrer sein. Viel gesprochen wird im Lehrerzimmer aber nicht darüber; vielleicht sind im Juli alle viel zu geschafft (da ist der nervenaufreibendste Monat im Jahr, gefolgt vom Dezember), vielleicht ist das Thema aber auch zu technisch, vielleicht letztlich zu uninteressant. Die englische und amerikanische Presse beschäftigt sich ja auch wenig damit.

Wer wen wie abhört, das wird vermutlich nie geklärt. Zum einen geht es um die Zusammenarbeit der großen Internet-Diensteanbieter mit dem amerikanischen Geheimdienst. Die leugnen das halbherzig, aber es erscheint mir naheliegend, dass der US-Geheimdienst jederzeit und unkompliziert auf alle meine bei Microsoft, Apple, Google, Dropbox gespeicherten Daten zugreifen kann. (Vermutlich auch bei amerikanischen Bürgern, aber sicher bei mir als Europäer.) Zweitens geht es um das Abhören der Internetverbindungen: Ich gehe davon aus, dass alles, was an internationalem Internetverkehr über die USA läuft, abgehört und gespeichert wird. Für Großbritannienien gilt das gleiche, für weitere Länder vermutlich auch. Drittens (weniger wichtig, und einfacher zu klären) geht es darum, dass die USA das wahrscheinlich auch auf deutschem Boden gemacht haben, möglicherweise nicht mal illegal. Der Punkt sollte sich abstellen lasse, viel gewonnen ist für mich damit aber nicht. Viertens geht es darum, dass die Bundesregierung mit dieser Praxis eigentlich einverstanden ist, wie jede andere Regierung auch, solange niemand darüber redet, und natürlich auch davon gewusst hat. Beweisen lassen wird sich das nur, wenn die Geheimdienste geschlampt haben und den Regierung nicht genug Gelegenheit zu plausible deniability gelassen haben.

Was sollte jetzt passieren? Zum einen möchte ich Aufklärung und Transparenz. Keine Regierung möchte diese Transparenz, weil alle Regierungen lieber Informationen haben als Grundrechte achten, solange sie nicht erwischt werden. (Wie nützlich diese Informationen tatsächlich sind, ist noch offen.) Hoffentlich gibt es eine Zivilgesellschaft mit genug Interesse an Aufklärung, die der Regierung auf die Finger schaut. Stattdessen gibt es peinliches Herumgelabere der Bundesregierung, wobei die Opposition in der gleichen Rolle kaum eine bessere Figur machen würde. In der FAZ ist Hans-Peter Uhl überrascht, dass eine E‑Mail innerhalb von Deutschland auch mal über einen ausländischen Server laufen kann. “Für mich war das neu.” Für die Schüler am bayerischen Gymnasium in der 7. Klasse nicht, da gehört das zum Informatik-Stoff. Peinlicher noch das “Supergrundrecht” Sicherheit (Innenminister Friedrich), das alle anderen Grundrechte schlägt.
Außerdem möchte ich Regeln zum Schutz meiner privaten Kommunikation. Die müssen international sein, und das ist tatsächlich ein langer Weg. Im Notfall, also spätestens wenn das Supergrundrecht greift, wird allerdings jede Regierung meine Nachrichten lesen, jede Firma der Regierung meine Daten geben, und die USA und England werden das auch ohne Notfall machen. Bleibt nur: Private Verschlüsselung. Kein De-Mail. Keine Verpflichtung, dem Staat die eigenen Passwörter zu verraten – in England muss man das nämlich, und kriegt Beugehaft, wenn man das nicht tut. Die Idee gefällt sicher jedem Innenminister.

Einen Vorteil hat das alles: Das Deckmäntelchen Kinderpornographie ist unglaubwürdig geworden. Niemand hat ernsthaft behauptet, man würde nur abhören, um die bekämpfen zu können.

Was bedeutet das für mich jetzt? Erstens mache ich Werbung für Verschlüsselung und freie Software. Freie, quelloffene Software deshalb, weil es nur so eine Chance gibt, dass die Software keine Hintertüren hat. Verschlüsselung geht mit dem eigenen E‑Mail-Client leicht, und den sollte man ohnehin benutzen. (Jetzt ist ja wohl ohnehin klar, warum die De-Mail unterwegs entschlüsselt werden soll, eben um dem Geheimdienst die Möglichkeit zu geben, verschlüsselte E‑Mails zu lesen. Sonst kämen die Bürger ja auf die Idee, sich selber um Verschlüsselung zu kümmern, und das Abfangen damit deutlich schwieriger zu machen. Da muss dann schon einbrechen oder einen Staatstrojaner auf den Rechner bringen.)
Ich signiere jetzt zumindests die meisten meiner Mails, vielleicht spricht sich dadurch herum, dass es so etwas wie Verschlüsselung gibt. Selbst bei Verschlüsselung kriegen die deutschen und amerikanischen Geheimdienste natürlich mit, an wen ich wie oft E‑Mails schreibe. Zweitens versuche ich mich weitgehend von den großen Diensteanbietern zu emanzipieren. Drittens folge ich hoffentlich Hokeys Vorbild und trete dem CCC bei.

Die Lösung darf nicht sein, auch das ein unsinniger Regierungsvortschlag, nicht mehr zu kommunizieren, wenn man auf Privatheit Wert legt. Schwieriger wird es allerdings, meien Metadaten zu verbergen. Was ich an Person X schreibe, kann ich vielleicht geheim halten, dass ich mit ihr kommuniziere, nicht: Das sind diese Metadaten, von denen man hört.

Links zum Schluss:

Für die Schule:

  • Beim Lehrerfreund gibt es ein Rollenspiel zu Datenschutz. Ich hab’s mal ausprobiert, ist so mäßig geeignet – gebt auf eure Daten acht, die können für zukünftiger Arbeitgeber usw. interessant sein. Das wissen die Schüler inzwischen aber schon. Um die Kernfragen der aktuellen Skandale geht es dabei aber nicht: was darf der Staat? was bringt das Abhören dem Staat? wie kann ich mich schützen? welche Erkenntnisse kann ich aus der automatisierten Auswertung von Daten gewinnen?
  • Da fanden meine Schüler interessanter, wie Wolfram Alpha das eigene Facebook-Profil analysiert (Anmeldung bei Wolfram Aplha nötig, und bei Facebook natürlich auch): Wer am meisten bei einem kommentiert, durchschnittliche Beitragslänge, häufigste Wörter, um welche Uhrzeit man schreibt und von welchem Gerät aus. Am spanndendsten finde ich aber die Analyse des Freunde-Netzwerks. Wer ist ein “social insider”, also wer hat viele gemeinsame Freunde mit mir, und wer hat als “social outsider” wenige davon? Wer verbindet als “social connector” zwei ansonsten unverbundene Gruppen meiner Freunde? Wer hat viele Freunde, die ich nicht kenne, wer wenige? (Bei Wikipedia die graphentheoretischen Grundlagen dazu – wenn ich wieder mal Graphen in der Schule mache, werde ich nicht mit Landkarten arbeiten, sondern mit Freundes-Netzewerken, das habe ich mir vorgenommen.)
    Bei der Analyse meiner Daten sieht man gleich, dass eine Vierergruppe herausfällt, aus der zwei Personen tatsächlich identisch sind – ein Account unter dem echten Namen und ein Account unter dem Autorenpseudonym, unter dem er einen schwulen Sommerroman veröffentlicht hat.

    (Fußnote: Eine Studie zeigt, dass sich anhand einer Analyse allein der Likes auf Facebook relativ zuverlässige Aussagen über Geschlecht, ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Drogengebrauch und politische Haltung treffen lassen. Ob die Eltern sich getrennt haben, bevor die Person 21 Jahre alt war, lässt sich aber nur mit 60% Wahrscheinlichkeit sagen – aber immerhin.)

  • Welchen Weg Anfragen aus Deutschland nach Amazon, Google, Bild.de, Dropbox, WhatsApp, Youtube typischerweise nehmen, kann man hier sehen: So ziemlich alles läuft über Großbritannien oder die USA. Wenn man die Seite Schülern zeigt, darauf hinweisen, dass die Wege nicht in Echtzeit ermittelt werden (also etwa mit traceroute), sondern gespeichert sind, und dass man keine Ahnung hat, was dieses YouPorn ist, das da auch als Möglichkeit angegeben ist.
  • Eine Analyse des eigenen GMail-Verkehrs bietet Immersion.
  • Schon ein paar Jahre alt ist diese beispielhafte Analyse von Metadaten bei der FAZ. Allein aus den Informationen, wer mit wem man kommuniziert, lässt sich schon vieles schließen.
  • Innenminister Friedrich meint: “Wir müssen die Idylle des Biedermeiers verlassen. […] Was der versiegelte Briefumschlag aus dem Biedermeier war, ist heute die verschlüsselte Kommunikation. Darüber müssen wir reden.” Sehr lesenswert dazu Don Alphonso in der FAZ: Im Gegenteil, wir treten gerade ein in ein neues Biedermeier, das eine Zeit von “übelster Repression, Unterdrückung, Zensur, politischem Mord, aussergerichtlicher Folterkerker und personell und technisch weitestgehender Überwachung” war und dadurch erst zum biedermeierlichen Rückzug ins Private geführt hat.

(Quellen für die Links: netzpolitik.org, Twitter, Frau Rau, die Mailingliste Informatiklehrer.)

“Es sieht derzeit so aus, als ob die Lehrer die Schüler unzureichend motiviert hätten”

So laut Presse der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger.

Es geht um die private Fachoberschule in Schweinfurt, an der fast ein kompletter Jahrgang durchs Fachabitur gefallen ist. Dafür gibt es sicher viele Gründe, naheliegend scheinen mir Fehler bei der Schulaufsicht, der Schulleitung und den Lehrern zu sein, möglicherweise auch bei den Schülern; dazu weiß ich zu wenig. Aber es sollte nicht Aufgabe der Lehrer sein, diejenigen Schüler, die ein Abitur oder Fachabitur wollen, dazu zu motivieren. Zumindest am Gymnasium sollen laut Lehrplan ohnehin nur Schüler sein, “die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen”, die “geistig besonders beweglich und phantasievoll [sind], gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen.”

Dass die Lehrer die Schüler unzureichend informiert, unterstützt, unterrichtet haben, das ist möglich. Aber für die Motivation müssen die Schüler doch hoffentlich selber sorgen. Aber gut, vielleicht ist das an manchen Privatschulen anders. Wenn eine Schule damit würbe, “Wir motivieren Ihre Kinder!”, dann könnte man einen Vorwurf daraus machen, wenn das nicht geschieht.

Zum Merken

Nächstes Mal, wenn sich ein Schüler für ein Referat wie ein Zombie schminkt (blutüberströmter Kiefer, trübe Kontaktlinsen): Unbedingt die Lehrkräfte auf dem Weg zwischen Toilette und Klassenzimmer vorwarnen, oder einen zweiten Schüler mit Hinweisschild zur Beruhigung mitschicken.

Nachtrag: Bild, mit Erlaubnis, aber trotzdem wenigstens ein bisschen verfremdet.
referat_zombie

Terry Pratchett, Nation

pratchett_nation

Viel will ich gar nicht schreiben dazu. Tolles Buch. Ich scheine einer der letzten zu sein, der das merkt; während der Lektüre haben mich zwei Leute darauf angesprochen, dass das ein tolles Buch ist. Ist es auch

Terry Pratchett habe ich früh entdeckt, nach den ersten zwei, drei Scheibenweltbänden, auch mal ausprobiert, aber dann zehn Jahre nichts mehr von ihm gelesen. So richtig begeistert hatte er mich nicht, war aber nett zu lesen. Eine vorne in den Bänden zitierte Besprechung durch David Pringle lobte ihn als “less coarse than Tom Sharpe, less cynical than Douglas Adams”, und genau das Groteske Sharpes schätzte ich eben, Douglas Adams ohnehin.
Aber dann habe ich doch nach und nach fast alles von Pratchett gelesen. Es war immer leicht zu lesen und amüsant, und jedes Buch hatte mindestens ein paar echte Lacher, wie von dem so unaussprechlichen Wort, dass außer von einigen “highly-paid stunt linguists” von kaum jemanden je benutzt wurde. Und ein paar Bücher, gar nicht so viele, waren dann auch richtig gut.

Für mich ist Nation sein interessantestes Buch. Keine Scheibenwelt, nur ein wenig Fantasy. Ein Jugendroman, vielleicht – das würde ich gerne mal an Schülern ausprobieren. Mir ist das Buch sogar etwas zu dick, hätte man raffen können, aber vielleicht macht es das als Jugend- oder auch Schullektüre sogar besonders geeignet. Die dürfen nicht zu dünn sein. Sprache und Erzählweise des Buchs sind kompetent wie immer, aber vom ausgezeichneten Einstieg abgesehen nichts Herausragendes; so viel erwarte ich einfach von einem lesbaren Buch. (Erstaunlich, dass viele Bücher das trotzdem nicht schaffen.) Was bleibt, ist die Handlung. Und die hat mir gefallen.

In einer alternativen Welt ist um 1860 herum der Junge Mau der einzige Überlebende seines Südpazifik-Inselvolkes: eine große Flutwelle hat seine Nation und die umliegenden Inseln überrollt. Er hadert mit sich und mit seinen Göttern, stellt seine bisherigen Überzeugungen in Frage. Ähnlich geschieht das mit der britischen Daphne (Nummer 140 in der Thronfolge), die auf Maus Insel schiffbrüchig wird. Nach und nach sammeln sich Überlebende der Flutkatastrophe auf der Insel. Es geht um Wissenschaft, Atheismus, Aberglauben, das Aufstellen und Überprüfen von Theorien, Religion, Humanismus. Ein echt philosophisches Jugendbuch, auch für Erwachsene gut zu lesen. Oder ist es gar kein Jugendbuch? Meine Schüler lesen Pratchett kaum, seine expliziten Jugendbücher schon gar nicht. Auf die deutsche Übersetzung von Nation wird in Kritiken geschimpft; ich kann selber nichts dazu sagen.

Scott Westerfeld, Uglies

Vorgemerkt als Schullektüre, auf Deutsch, 6. oder 7. Jahrgangsstufe.

Uglies spielt in einer Zukunft, wenige hundert Jahre von hier entfernt. Uns kennt man nur noch als die “Rusties”, eine frühere Kultur mangelhafter Nachhaltigkeit, die viel Schrott hinterlassen hat. In der schönen neuen Welt wächst man auf bei seinen Eltern, bis man dann zum “Ugly” wird und in einer Art fröhlicher Internatsstadt mit anderen Uglies lebt, dort in die Schule geht, Streiche spielt, Sport treibt. Mit 16 tritt man über in die nächste Phase und wird zum “Pretty”. Pretties, das sind quasi die Erwachsenen, die vor allem über ihr Aussehen und die damit verbundene Autorität definiert werden, nicht unbedingt über verantwortungsvolles Handeln oder einen Beruf oder was man sonst mit Erwachsenen verbindet. Vielleicht liegt das daran, dass im Buch eher die New Pretties im Vordergrund stehen, weniger die Middle Pretties, die tatsächlich Berufe haben, oder Late Pretties (“Crumblies”).

Pretty wird man nicht von selber, sondern in einer Schönheitsoperation zum 16. Geburtstag. Makellose Haut, gerade Nasen, angemessen hohe Wangenknochen, Immunität gegen Krankheiten, gute Haltung, ein bisschen mehr Körperfett oder weniger, bis das aktuelle Ideal erreicht ist. Und dann lebt man als zufriedener Pretty und hat mit den jungen, etwas übermütigen Uglies wenig zu tun. Uglies fiebern dieser Operation entgegen, die ist so etwas wie der fest zugesagte und verbindliche Porsche zum Schulabschluss.

Meinem Neffen, Ende 6. Klasse, hat das Buch sehr gut gefallen. Ein dickes Plus sind sicher die Hoverboards, Sportgeräte, wie meine Generation sie aus Zurück in die Zukunft II kennt. Erlaubte und unerlaubte Ausflüge damit spielen für Uglies und auch für die Handlung eine große Rolle – und faszinieren sicher viele jugendliche Leser. Mein Neffe hat jedenfalls gleich technische Zeichnungen dazu angefertigt. Die Hauptpersonen sind fast alle weiblich, trotzdem wird das Buch auf Jungs gefallen: es gibt reichlich Action und Verfolgungsjagden und Technik.

Kleiner Spoiler, der wohl gar nicht so überraschend kommen dürfte: Nicht alle Uglies sehen die Schönheitsoperation unkritisch.

[New Pretty:] “Crazy love and jealousy and needing to rebel against the city. Every kid’s like that. But you grow up, you know?”
[Ugly:] “You grew up because of an operation? Doesn’t that strike you as weird?”

Das hat mich an eine Bradbury-Geschichte erinnert, auch wenn die nur am Rand etwas damit zu tun hat. Ich musste etliche Bücher durchwühlen, bis ich den Titel wieder wusste: “One Timeless Spring” beginnt mit dem Satz “That week, so many years ago, I thought my mother and father were poisoning me.” Der zwölfjährige Erzähler führt die subtilen Veränderungen, die er seit einiger Zeit an sich wahrnimmt, darauf zurück, dass er einer Krankheit oder Vergiftung leidet. Gefördert wird diese durch seine Eltern, seine Schule, was er dort lernt, was er zu Hause isst. Mit jedem Frühstück, jedem Mittagessen, jeder Schulstunde verändert sich sein Körper, wird erwachsener, sieht er die Zeit der unbeschwerten Kinderspiele davongehen. Er versucht zu hungern, um den Vorgang aufzuhalten. Am Schluss knickt er doch ein.

Und beim Durchblättern dann gleich noch eine, “Fever Dream”: Ein Junge, ähnliches Alter, liegt mit Scharlach im Bett, so sagen es ihm Arzt und Eltern. Er bildet sich aber ein, dass sein Körper nach und nach von Mikroben übernommen wird – erst die Hand, dann den Arm, und so weiter. Am Schluss, nach einer überraschend plötzlichen Heilung, verhält er sich plötzlich gruslig anders. Horrorgeschichte? Pubertätsparabel?

Uglies sehe ich vor allem als Schullektüre, als Erwachsener habe ich das nicht mit der gleichen Spannung gelesen wie Tschick oder Harriet the Spy oder Curious Incident. Aber die Folgebände (Pretties, Specials, und Extras) werde ich vermutlich auch noch lesen.