Terry Pratchett, Nation

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Viel will ich gar nicht schreiben dazu. Tolles Buch. Ich scheine einer der letzten zu sein, der das merkt; während der Lektüre haben mich zwei Leute darauf angesprochen, dass das ein tolles Buch ist. Ist es auch

Terry Pratchett habe ich früh entdeckt, nach den ersten zwei, drei Scheibenweltbänden, auch mal ausprobiert, aber dann zehn Jahre nichts mehr von ihm gelesen. So richtig begeistert hatte er mich nicht, war aber nett zu lesen. Eine vorne in den Bänden zitierte Besprechung durch David Pringle lobte ihn als „less coarse than Tom Sharpe, less cynical than Douglas Adams“, und genau das Groteske Sharpes schätzte ich eben, Douglas Adams ohnehin.
Aber dann habe ich doch nach und nach fast alles von Pratchett gelesen. Es war immer leicht zu lesen und amüsant, und jedes Buch hatte mindestens ein paar echte Lacher, wie von dem so unaussprechlichen Wort, dass außer von einigen „highly-paid stunt linguists“ von kaum jemanden je benutzt wurde. Und ein paar Bücher, gar nicht so viele, waren dann auch richtig gut.

Für mich ist Nation sein interessantestes Buch. Keine Scheibenwelt, nur ein wenig Fantasy. Ein Jugendroman, vielleicht – das würde ich gerne mal an Schülern ausprobieren. Mir ist das Buch sogar etwas zu dick, hätte man raffen können, aber vielleicht macht es das als Jugend- oder auch Schullektüre sogar besonders geeignet. Die dürfen nicht zu dünn sein. Sprache und Erzählweise des Buchs sind kompetent wie immer, aber vom ausgezeichneten Einstieg abgesehen nichts Herausragendes; so viel erwarte ich einfach von einem lesbaren Buch. (Erstaunlich, dass viele Bücher das trotzdem nicht schaffen.) Was bleibt, ist die Handlung. Und die hat mir gefallen.

In einer alternativen Welt ist um 1860 herum der Junge Mau der einzige Überlebende seines Südpazifik-Inselvolkes: eine große Flutwelle hat seine Nation und die umliegenden Inseln überrollt. Er hadert mit sich und mit seinen Göttern, stellt seine bisherigen Überzeugungen in Frage. Ähnlich geschieht das mit der britischen Daphne (Nummer 140 in der Thronfolge), die auf Maus Insel schiffbrüchig wird. Nach und nach sammeln sich Überlebende der Flutkatastrophe auf der Insel. Es geht um Wissenschaft, Atheismus, Aberglauben, das Aufstellen und Überprüfen von Theorien, Religion, Humanismus. Ein echt philosophisches Jugendbuch, auch für Erwachsene gut zu lesen. Oder ist es gar kein Jugendbuch? Meine Schüler lesen Pratchett kaum, seine expliziten Jugendbücher schon gar nicht. Auf die deutsche Übersetzung von Nation wird in Kritiken geschimpft; ich kann selber nichts dazu sagen.

6 Antworten auf „Terry Pratchett, Nation“

  1. Pratchett ist echt ein zweischneidiges Schwert, aber besonders gut und vielleicht auch mit Schülern zu lesen ist The amazing Maurice and his educated rodents. Die Märchenbezüge sind erste Klasse und der Kater entwickelt sich atemberaubend. :)
    Die Übersetzungen sind leider wirklich meistens unter aller Kanone.

  2. Ich hab mal Pratchett mit Schülern gelesen – der Ausdruck „zweischneidiges SChwert“ trifft es haargenau – die einen kriegten sich vor Lachen nicht mehr ein, die anderen saßen mit verständnislosem Stirnrunzeln da und fanden’s doof…

  3. Maurice habe ich gelesen, kann mich aber kaum mehr erinnern, außer an den Rattenkönig. Hab’s mal zum Wiederlesen herausgelegt. Ansonsten ist es wohl immer schwierig, Lustiges zu lesen, weil das mit dem Humor so eine Sache ist, die auf einzelne Leute sehr unterschiedlich, äh, wirkt.

  4. Bei Pratchett ist es wirklich eine zweischneidige Sache – bei Erwachsenen sicher mehr noch als bei Jugendlichen. Es gibt diejenigen, die ihn vergöttern (dazu gehöre zweifelsohne ich, ich bin ein Jünger!) und die, die nicht wirklich verstehen, was daran eigentlich so großartig sein soll.

    Nation fand ich persönlich lange nicht so gut wie erwartet, da habe ich mich bei den Tiffany Aching-Romanen doch weitaus mehr unterhalten und zum Nachdenken angeregt gefühlt. Aber jeder wie er mag.

    Btw. mein Sohn kommt ins DSA-Alter, es ist so schön!

    Einen herzlichen Gruß,
    Frau Aching, ach nee, Weh ;-)

  5. Wir hatten hier daheim mal einen Deal – mein Mann willigte ein „A Suitable Boy“ zu lesen und ich würde im Gegenzug drei Pratchetts seiner Wahl lesen. Das Resultat war, dass er jetzt „A Suitable Boy“ liebt (und mein Exemplar eine Autorenwidmung für ihn drin hat…) und ich nach 1 1/2 Pratchetts entnervt aufgegeben habe, weil ich den Humor so vorhersehbar finde.

    Aber ich glaub’s ihm schon, dass was dran ist.

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