Scott Westerfeld, Uglies

Vorgemerkt als Schullektüre, auf Deutsch, 6. oder 7. Jahrgangsstufe.

Uglies spielt in einer Zukunft, wenige hundert Jahre von hier entfernt. Uns kennt man nur noch als die „Rusties“, eine frühere Kultur mangelhafter Nachhaltigkeit, die viel Schrott hinterlassen hat. In der schönen neuen Welt wächst man auf bei seinen Eltern, bis man dann zum „Ugly“ wird und in einer Art fröhlicher Internatsstadt mit anderen Uglies lebt, dort in die Schule geht, Streiche spielt, Sport treibt. Mit 16 tritt man über in die nächste Phase und wird zum „Pretty“. Pretties, das sind quasi die Erwachsenen, die vor allem über ihr Aussehen und die damit verbundene Autorität definiert werden, nicht unbedingt über verantwortungsvolles Handeln oder einen Beruf oder was man sonst mit Erwachsenen verbindet. Vielleicht liegt das daran, dass im Buch eher die New Pretties im Vordergrund stehen, weniger die Middle Pretties, die tatsächlich Berufe haben, oder Late Pretties („Crumblies“).

Pretty wird man nicht von selber, sondern in einer Schönheitsoperation zum 16. Geburtstag. Makellose Haut, gerade Nasen, angemessen hohe Wangenknochen, Immunität gegen Krankheiten, gute Haltung, ein bisschen mehr Körperfett oder weniger, bis das aktuelle Ideal erreicht ist. Und dann lebt man als zufriedener Pretty und hat mit den jungen, etwas übermütigen Uglies wenig zu tun. Uglies fiebern dieser Operation entgegen, die ist so etwas wie der fest zugesagte und verbindliche Porsche zum Schulabschluss.

Meinem Neffen, Ende 6. Klasse, hat das Buch sehr gut gefallen. Ein dickes Plus sind sicher die Hoverboards, Sportgeräte, wie meine Generation sie aus Zurück in die Zukunft II kennt. Erlaubte und unerlaubte Ausflüge damit spielen für Uglies und auch für die Handlung eine große Rolle – und faszinieren sicher viele jugendliche Leser. Mein Neffe hat jedenfalls gleich technische Zeichnungen dazu angefertigt. Die Hauptpersonen sind fast alle weiblich, trotzdem wird das Buch auf Jungs gefallen: es gibt reichlich Action und Verfolgungsjagden und Technik.

Kleiner Spoiler, der wohl gar nicht so überraschend kommen dürfte: Nicht alle Uglies sehen die Schönheitsoperation unkritisch.

[New Pretty:] „Crazy love and jealousy and needing to rebel against the city. Every kid’s like that. But you grow up, you know?“
[Ugly:] „You grew up because of an operation? Doesn’t that strike you as weird?“

Das hat mich an eine Bradbury-Geschichte erinnert, auch wenn die nur am Rand etwas damit zu tun hat. Ich musste etliche Bücher durchwühlen, bis ich den Titel wieder wusste: „One Timeless Spring“ beginnt mit dem Satz „That week, so many years ago, I thought my mother and father were poisoning me.“ Der zwölfjährige Erzähler führt die subtilen Veränderungen, die er seit einiger Zeit an sich wahrnimmt, darauf zurück, dass er einer Krankheit oder Vergiftung leidet. Gefördert wird diese durch seine Eltern, seine Schule, was er dort lernt, was er zu Hause isst. Mit jedem Frühstück, jedem Mittagessen, jeder Schulstunde verändert sich sein Körper, wird erwachsener, sieht er die Zeit der unbeschwerten Kinderspiele davongehen. Er versucht zu hungern, um den Vorgang aufzuhalten. Am Schluss knickt er doch ein.

Und beim Durchblättern dann gleich noch eine, „Fever Dream“: Ein Junge, ähnliches Alter, liegt mit Scharlach im Bett, so sagen es ihm Arzt und Eltern. Er bildet sich aber ein, dass sein Körper nach und nach von Mikroben übernommen wird – erst die Hand, dann den Arm, und so weiter. Am Schluss, nach einer überraschend plötzlichen Heilung, verhält er sich plötzlich gruslig anders. Horrorgeschichte? Pubertätsparabel?

Uglies sehe ich vor allem als Schullektüre, als Erwachsener habe ich das nicht mit der gleichen Spannung gelesen wie Tschick oder Harriet the Spy oder Curious Incident. Aber die Folgebände (Pretties, Specials, und Extras) werde ich vermutlich auch noch lesen.

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6 Thoughts to “Scott Westerfeld, Uglies

  1. Insofern, als die Helden Jugendliche sind, weil die Erwachsenen durch welche Mittel auch immer angepasst sind: ja, und das bietet sich dann auch gleich für einen Vergleich an. Die Bücher kennt heute wohl kaum mehr einer, in unserer Generation war das anders. Ich habe nur den ersten Band gelesen, glaube ich, die Titelbilder waren mir aber aus der Bibliothek wohlvertraut.

  2. Im Englischbuch für Klasse 9 (Green Line) ist ein Auszug davon. Die Schüler fanden’s aber nicht so spannend, weil bis dahin Themen wie Schönheitswahn schon so oft thematisiert wurden und sie dessen müde waren.

  3. So lang bin ich schon aus Englisch heraus, dass ich das nicht weiß… danke für die Information. Das Deutschbuch 9 geht auch mit dem Thema los. Den Westerfield würde ich auch eher in der Unterstufe lesen, und da natürlich auf Deutsch.

  4. Ich habe das Buch gerade als Schullektüre im Englischunterricht gelesen (ich besuche die 9. Klasse). Mich hat es nicht umgehauen, trotzdem fand ich es ganz nett zu lesen. Einige Klassenkameradinnen und -kameraden haben das Buch jedoch regelrecht verschlungen und sie haben sich direkt die Folgebände gekauft. Ich empfehle das Buch für etwas Jüngere, meinem 12-jährigen Bruder, der es auch gelesen hat, hat es nämlich sehr zugesagt.

  5. Vielen Dank für die Rückmeldung, es freut mich, Erfahrungen aus der Schule und von Jugendlichen zu hören. Ich denke auch, eher obere Unterstufe, aber für Englisch macht man das oft so, dass man auf Bücher zurückgreift, die eher für Jüngere sind.

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