„Es sieht derzeit so aus, als ob die Lehrer die Schüler unzureichend motiviert hätten“

So laut Presse der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger.

Es geht um die private Fachoberschule in Schweinfurt, an der fast ein kompletter Jahrgang durchs Fachabitur gefallen ist. Dafür gibt es sicher viele Gründe, naheliegend scheinen mir Fehler bei der Schulaufsicht, der Schulleitung und den Lehrern zu sein, möglicherweise auch bei den Schülern; dazu weiß ich zu wenig. Aber es sollte nicht Aufgabe der Lehrer sein, diejenigen Schüler, die ein Abitur oder Fachabitur wollen, dazu zu motivieren. Zumindest am Gymnasium sollen laut Lehrplan ohnehin nur Schüler sein, „die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen“, die „geistig besonders beweglich und phantasievoll [sind], gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen.“

Dass die Lehrer die Schüler unzureichend informiert, unterstützt, unterrichtet haben, das ist möglich. Aber für die Motivation müssen die Schüler doch hoffentlich selber sorgen. Aber gut, vielleicht ist das an manchen Privatschulen anders. Wenn eine Schule damit würbe, „Wir motivieren Ihre Kinder!“, dann könnte man einen Vorwurf daraus machen, wenn das nicht geschieht.

Tagged: Tags

16 Thoughts to “„Es sieht derzeit so aus, als ob die Lehrer die Schüler unzureichend motiviert hätten“

  1. *zustimm*
    Täuscht mich das, oder häufen sich derzeit wieder die Äußerungen, die aus Kultusministerien gegen die Lehrer kommen? In BaWü bekommt man derzeit auch nur Stoff zum Aufregen geboten…

  2. Ja, in BaWü geht es gerade lustig zu. Der Kultusminister wünscht sich in den Ferien Betriebspraktika für Lehrer. Wenigstens ist aus dem Lehrer als Lernbegleiter ein bisschen die Luft rausgelassen worden, nachdem dessen Galleonsfigur Peter Fratton aufgehört hat – infolge harscher Kritik, etwa hier.

  3. Laut Zeitungsberichterstattung hatte fast die Hälfte der Schweinfurter FOS-Schüler keine ausreichenden Noten für den Zugang zu einer staatlichen FOS. Mir scheint, dass dieses Desaster auf eine übersehene Grundtatsache zurückgeht: Man kann sich Bildung nicht einfach kaufen, so wenig wie man Bildung einfach verkaufen kann.
    Mich würde interessieren, wieviele der durchgefallenen 27 Schüler der privaten FOS in Schweinfurt an anderen Schulen im kommenden Jahr tatsächlich einen Abschluss erreichen.

  4. Schüler aller Schularten, auch der privaten Schulen, müssen immer motiviert werden. Das gehört zu unserem Geschäft, auch wenn laut LP im Gymnasium intrinsisch motivierte Schüler sein sollen. Das war mal so. Seit die laschen Übergangsbestimmungen und der Elternwille den Ausschlag geben, ändern sich zwangsläufig alle weiterführenden Schularten.

  5. Dieses Zitat aus dem Lehrplan ist interessant – man sollte sich allerdings nicht der Hoffnung hingeben, dass die real existierende Schülerschaft in ihrer Gänze dieser idealtypischen Beschreibung entspricht.
    Fakt ist doch, dass die Schüler in der Q11 und Q12 immer heterogener werden und gleichzeitig vielen ein Studium und herausgehobene berufliche Aufgaben nicht unbedingt vorschwebt.

  6. Stimmt schon, der hehre Anspruch des Lehrplans ist nicht viel wert. Kann man ja ehrlich gesagt auch machen, und den Lehrern explizit die Motivieraufgabe zuschreiben. (Und den Etat für Partyhütchen und andere Motivationssachen erhöhen?) Aber dann soll man das deutlich so sagen und den Lehrplan entsprechend anders formulieren.

  7. Wenn die Motivation fehlt, stellt sich die Frage: Wie soll man/ich am besten motivieren? Kann ich überhaupt motivieren? Oder kann ich nur Rahmenbedingungen schaffen, in den das Lernen leicht fällt und Spaß macht?!

  8. Ansprüche werden nicht formuliert, weil sie jeder erfüllt, sondern damit sich jeder daran orientiert. Für Motivation bin ich nicht zuständig, – ich betreibe kein „Geschäft“ – , sondern die Eltern und jeder Schüler selbst. Wer glaubt, man müsse die Schüler zum Jagen tragen, … dem und dessen Schülern geht’s wohl zu gut. Wir sind als Lehrer verpflichtet, guten und interessanten Unterricht zu machen, nicht dazu Leuten das Abitur nachzuwerfen, die das gar nicht haben wollen, indem wir ihnen einreden, sie wollten es haben. Letzteres also, Marco, Rahmenbedingungen.

  9. Punktuell motivieren, das geht – man sehe sich das mal in einem Fitnesstudio an, das funktioniert: „Kommt schon, wir schaffen noch FÜNF, noch VIER…Jawohl, super!“
    Das geht auch im Unterricht.
    Aber die Grundmotivation, die muss vom Schüler kommen – wenn jemand nicht lernen WILL, sich nicht interessieren WILL, nicht die nötige Zeit und Sorgfalt aufbringen WILL…das können wir als Lehrer nicht auffangen oder durch einen gut platzierten Pep talk verändern.

  10. Einzelfall? Von elf externen Kandidaten, die in Icking zum Abi antraten, hat es kein einziger geschafft. Also auch 100%!

    Liegt das am Extern oder am Procedere?

    Wenn hier behauptet wird:
    „Man kann sich Bildung nicht einfach kaufen, so wenig wie man Bildung einfach verkaufen kann.“
    müssten wir vielleicht erst fragen, was Bildung ist?

    Ist das G8 Bildung? Ist Latein im Schweinsgalopp Bildung? Kaufen wir uns nicht Bildung, wenn wir unsere Kinder in die Sprachferien schicken und die die das aus Kostengründen nicht können, dann das Nachsehen haben?

    „Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen.“
    … und wir sollen sie auf lebenslanges Lernen vorbereiten, sind aber, als Institution, mehrheitlich nicht fähig, den erwiesenermaßen besseren Doppelstundenunterricht konsequent umzusetzen und durchzuführen.

  11. @Stephan

    Mit dem Abi erlangt man nicht notwendigerweise Bildung, scheint mir, sondern in erster Linie ein Zertifikat, das einem zum Besuch weiterer Institutionen berechtigt.
    Wer am Gymnasium Bildung haben möchte, kann sie bekommen. Aber wer einfach pragmatisch die notwendigsten Aufgaben erledigt – ohne wahnsinnig viel inneres Engagement oder reges geistiges Interesse, kommt i. d. Regel auch durch.

  12. Susann, ist denn für Bildung noch Zeit im G8?

    Oder trimmen wir unsere Schüler mit dem aktuellen Programm nicht nur auf Schmalspurmarktwirtschaft? Mit möglichst viel Stoff in möglichst kurzer Zeit?

    Marco hat schon Recht, daß wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen sollten.

    Interessant Gestern die Meldung, dass ein Coburger Direktor Abinoten nach oben korrigiert hat. Das werde ich in Zukunft auch tun. Als Trostpflaster für geschundene G8-Schüler.

  13. So sieht gute Motivation aus:

    Bester und größter Jahrgang des BSG
    Ein Viertel der 87 Bad Kötztinger Abiturienten hat eine Eins vor dem Komma.
    Höhere Übertrittsquote gewünscht:
    Unter dem Motto „Keiner darf verloren gehen“ bedankte er sich bei den Eltern, für ihre Entscheidung die Kinder ans Gymnasium zu schicken.
    1970 schafften von 83 Schülern in der 5. Klasse weniger als die Hälfte den Weg bis zum Abitur (49,4 %). Beim diesjährigen Jahrgang hätten 109 Schüler ihre Schulzeit am Gymnasium begonnen und 87 das Abitur erhalten. Das seien 80 Prozent!

    Machen alle anderen bayerischen Schulen was falsch?

  14. die schweinfurter privatschule hat auf jeden fall falsch gemacht, dass sie nicht staatlich anerkannt war und deshalb nicht wie in coburg, die arbeiten selbst korrigieren durfte. so fliesen die noten der oberstufe bei den externen nicht mit in die abinote mit ein. das ist dann wie bei der übertrittsprüfung. wenn wir wollen, bestehen die prüflinge, wenn wir das nicht wollen, weil wir so schon genug übertritte haben, dann bestehen sie nicht. ;-(

  15. Ach die Bildung und das aktuelle G8 und das Kollegium, das noch immer dem G9 hinterher trauert.
    Und die Kollegen die seid 20 Jahren ihren Unterricht durchziehen und selbst unflexibel sind wie Beton, ohne inneres Engagement oder weitere geistiges Interesse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.