Charles Portis, True Grit

portis_true_grit Dafür, dass ich an sich recht viel Genre-Literatur lese, sind ziemlich wenig Western dabei. Ich glaube, True Grit (1968) war erst mein zweiter. Mein erster war Riders of the Purple Sage (1912) von Zane Grey, Autor von zwei Dutzend Bestsellern im frühen 20. Jahrhundert. Riders ist sein bekanntestes Buch und möglicherweise der bekannteste Western überhaupt. Geheimnisvolle maskierte Reiter, ein Held namens Lassiter, eine recht kitschige Räuberpistole. Hat das Genre geprägt, heißt es.

True Grit ist da anders. Ich habe weder die John-Wayne-Verfilmung (1969) gesehen noch die mit Jeff Bridges (2010); ich mag Western nicht besonders. Es geht darin um die 14-jährige Mattie, die den Mord an ihrem Vater rächen will und einen Marshall dafür bezahlt, den Mörder zu verfolgen; sie selbst will dabei sein. Die Handlung ist geradlinig und ohne viel Ecken und Wendungen, aber das Buch lebt auch nicht von der Handlung, sondern von der Ich-Erzählerin Mattie. Ich habe es nicht deshalb gelesen, weil ich wissen wollte, was als Nächstes passiert, sondern weil ich lesen wollte, was Mattie von der Welt denkt. Die Geschichte spielt Mitte der 1870er Jahre; erzählt wird sie Anfang des 20. Jahrhunderts von der vierzigjährigen Mattie; verändert hat sie sich in den fünfundzwanzig Jahren dazwischen nur wenig. Mattie ist nüchtern, unsentimental, voller Bibelzitate und Sonntagsschullehrsprüche, schnell mit Einschätzungen und Wertungen bei der Hand, furchtlos, gottesfürchtig und unvergebend. Macht die Buchhaltung auf der Farm ihres Vaters, interessiert sich nicht für Schusswaffen (außer wenn es darum geht, den Mörder ihres Vaters zu töten), hat für Alkohol, Tabak und Revolverhelden nur fromme Sprüche übrig.

Möglicherweise ist der Anfang des Buches berühmt, ich sehe ihn jedenfalls oft zitiert, wenn es um das Buch geht. Er ist aber auch gut, deshalb schließe ich mich der Tradition an:

People do not give it credence that a fourteen-year-old girl could leave home and go off in the wintertime to avenge her father’s blood but it did not seem so strange then, although I will say it did not happen every day. I was just fourteen years of age when a coward going by the name Tom Chaney shot my father down in Fort Smith, Arkansas, and robbed him of his life and his horse and $150 in cash money plus two California gold pieces that he carried in his trouser band.

Diese Geschichte muss man sich doch einfach erzählen lassen.

Wohl auch als Schullektüre geeignet, obwohl ich nie weiß, wie Schüler Bücher aufnehmen, die hauptsächlich vom Erzähler leben.

3 Antworten auf „Charles Portis, True Grit“

  1. Du solltest deine Abneigung gegen Western kurz ablegen und die Verfilmung mit Jeff Bridges mal ansehen. Die ist wirklich großartig, neben einem überragenden Jeff Bridges aber vor allem die Darstellerin der Mattie.

  2. Okay, hab’s mir gemerkt.

    Einfach so hier eine Liste de Western, die ich mag:

    Der Mann, der Liberty Valence erschoss
    Vierzig Wagen westwärts
    Die Letzten vom Red River
    El Dorado (etwas weniger: Rio Bravo)
    High Noon

    und eine Reihe von Westernparodien – Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe / Latigo / die Paleface-Filme mit Bob Hope (die ich aber sehr lange nicht mehr gesehen habe; andererseits: Jane Russell geht immer).

  3. Hm, die Filme kenne ich aus der Kindheit, weil meine Eltern so gern Western gesehen haben und weil man damals ja nur einen Fernseher hatte. John Wayne, Kirk Douglas, James Stewart, Yul Brunner, ui, ja.
    Ich selbst mag aber eher die modernen Umsetzungen. Angefangen bei Silverado, Pale Rider, Erbarmungslos – oder auch Für eine Handvoll Dollar. Etwas neuer: Open Range. Letztlich auch Last Man Standing. Kann man No Country For Old Man dazu zählen? Da habe ich vor einem Jahr das Buch gelesen (deutsch) und fand es klasse. Der Film ist ohnehin super.

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