Kurze Antwort: Warum dürfen Lehrer ihre Fahrtkosten nicht selber bezahlen?

Zu Anfang meiner Zeit als Lehrer war es gängige Praxis, dass man bei Fahrten (Schullandheim, Ausland) nur die Hälfte der Kosten für Reise und Übernachtung erstattet bekam. Nachdem ein Lehrer auf die Zahlung von 16,32 Euro geklagt hatte, entschied dann 2007 der Bayerische Verwaltungsgerichtshof, dass diese Praxis grundsätzlich rechtswidrig ist. Alter Blogeintrag dazu.

„Grundsätzlich“ heißt, dass es Ausnahmen geben darf; ich finde leider das KMS nicht, in dem festgehalten ist, was es für Ausnahmen gibt. Es sind wenige und nur unter bestimmten Bedingungen. Trotzdem sollten Lehrer überhaupt keine Ausnahmen machen. Im Moment ist zum Beispiel ein Höhepunkt des Beurteilungszeitraums, in dem die meisten Lehrer sozusagen eine Note von der Schulleitung und ein Zeugnis von der Schulleitung kriegen. Das steht dann zum Beispiel lobend drin, dass man sich engagiert – eine Voraussetzung für eine gute Bewertung – und auf die eine oder andere Fahrten geht. Wenn diese Fahrten auch nur zum Teil selbst finanziert wären, hieße das, dass man selber finanzielle Mittel aufwendet, um eine gute Beurteilung zu kriegen. Deshalb dürfen Lehrer ihre Fahrtkosten nicht selber bezahlen.

10 Thoughts to “Kurze Antwort: Warum dürfen Lehrer ihre Fahrtkosten nicht selber bezahlen?

  1. Hier in Rheinland-Pfalz dürfen die Fahrtkosten für Lehrer bei Klassenfahrten, Exkursionen etc. nicht auf die Schüler umgelegt werden. Das Land hat aber auch nicht die Mittel, allen Kollegen diese Kosten zu erstatten. Leider ist es daher an vielen Schulen Praxis, dass die Lehrer selbst die Kosten tragen. Das Argument, dass man Geld für eine gute Beurteilung aufwendet, habe ich noch nicht gehört, finde sie aber einleuchtend. Zum Teil wird das Problem umgangen, indem der Reiseveranstalter Freiplätze für Lehrer ausweist. Natürlich legt der Veranstalter sicherlich die Kosten auf die übrigen Teilnehmer um, aber es ist dann nicht der Lehrer, der das tut.

  2. Freiplätze dürfen wir inzwischen auch wieder annehmen, Fahrtkosten ansonsten nicht auf Schüler umlegen. Sponsoring ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt, aber noch nicht verbreitet.

  3. Das ist ein interessanter Gedanke! Wie sieht es dann mit den Kosten für Fortbildungen aus? Die zahle ich doch auch selbst und erreiche dadurch unter Umständen einen Mehrwert für Beurteilungen und Beförderungen. Wie sollte man das dann einordnen?

  4. Gute Frage. Fortbildungen sind Pflicht. Man könnte allenfalls argumentieren, dass der Dienstherr ja dafür sorgt, dass genügend kostenlose Fortbildungen angeboten werden. Weiß nicht, ob das so ist.

  5. Für Besucher der Schule (z.B. Lehrer von Partnerschulen) Kost, Logis u.ä. zu übernehmen, könnte dann aber auch schon problematisch sein?

  6. Hallo Roland,

    vielen Dank für Deinen Link zur kleinen Anfrage beim Landtag RLP. Die Auskünfte waren mir nicht bekannt, und meine Darstellung oben war natürlich vereinfacht, da das Einverständnis aller Eltern nicht selbstverständlich ist. Die Anfrage und die Antworten werde ich an unseren ÖPR weiterleiten!

  7. Lieber Herr Rau,
    ich benötige dringend Auskunft darüber, wo man nachlesen kann, dass die Annahme von Freiplätzen (wieder) erlaubt ist? Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich die Plätze umlegen muss.

  8. Freiplätze dürfen wir – unter bestimmten Umständen -ö annehmen, müssen Sie aber tatsächlich umlegen, soweit ich weiß. (Siehe hier.) Aber sicher bin ich mir nicht, dass das nicht schon wieder geändert wurde.
    Für Lehrer ist das egal, weil schließlich alle ihre Fahrtkosten vollständig erstattet werden müssen. Das Umlegen dient nur dazu, dass man mit dem Fahrtkostentopf besser haushalten kann.

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