Wenn man Lehrern (wie mir) glaubt, ist alles einfach

Man muss als Schüler einfach nur da sein, aufpassen, und sich 5 Minuten auf jede Stunde vorbereiten – in der Straßenbahn, im Bus, in der Pause, in der Vorstunde oder zu Hause – Hauptsache irgendwie. Dann klappt das auch!
Die Basis für meine Überzeugung? Ich habe das so gemacht, und bin sehr gut damit gefahren; und die guten Schüler, die ich kenne, machen das so und fahren sehr gut damit. Und die meisten weniger erfolgreichen Schüler, die ich kenne, machen das nicht so.

Der Gedanke, dass das reicht, oder zumindest weitgehend reicht, ist verlockend. Außerdem handelt es sich wirklich um ein Minimum an Aufwand, das absolut zumutbar aussieht und von dem sogar viele Leute ausgehen würden, dass das eine Selbstverständlichkeit sei. Verführerisch ist vielleicht auch der Gedanke: Wenn sie nicht mal dieses Minimum hinkriegen, dann kann ich als Lehrer meine Hände in Unschuld waschen.

Möglicherweise verwechsle ich bei diesem Vorschlag aber Ursache und Wirkung: Sind die guten Schüler deshalb gut, weil sie konsequent auf jede Stunde fünf Minuten Vorbereitung verwenden, oder fällt ihnen vielmehr das mit den fünf Minuten eben darum leicht, weil sie – aus anderen Gründen – gute Schüler sind? Wenn andere Schüler nur dann dieses Miminum leisten können, wenn sie damit rechnen müssen, jederzeit ausgefragt zu werden, dann hilft ihnen dieser Tipp tatsächlich nur begrenzt. (Denn das mit dem Ausfragen lässt sich nicht umsetzen und ist auch nicht sinnvoll.)

Klar ist, dass man mit den Schülern arbeiten muss, die man hat. Die Schüler, die das mit den 5 Minuten nicht hinkriegen, darf man nicht vernachlässigen. Entweder man konzentriert sich darauf, bei ihnen eine Änderung der Einstellung zu erwirken, in der Hoffnung, dass das dann tatsächlich positive Konsequenzen hat (schwierig, aber vielleicht möglich), oder man findet für sie andere Methoden. Ausfragen, Wiederholen des Stoffs der letzten Stunde, solche Sachen. Sind dann homogene oder heterogene Klassen besser, also getrennt nach Minimalvorbereiter/Nichtvorbereiter? Ist Unterricht schlecht, der diejenigen bevorteilt, die sich kurz vorbereiten?

Ich weiß nicht mehr, wo ich mit diesen Gedanken hinwollte, deshalb lasse ich sie jetzt so stehen.

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