Berlinfahrt 2014

Letzte Woche war ich in Berlin, politische Bildungsfahrt mit einer 10. Klasse. Mit der Fahrt an sich hatte ich wenig zu tun, es fehlte lediglich eine männliche Begleitperson, und so fuhr ich mit, auch weil die Klasse eine nette Klasse ist. (Dass ich der Meinung bin, dass insgesamt zu viel weggefahren wird, ist ein anderes Thema.) An sich fahre ich nicht sehr gerne weg. Eine Woche ständig unter Menschen, das ist ein bisschen viel für mich.

Aber die Klasse hat sich sehr gut verhalten, und die Kollegin hat die Fahrt sehr gut vorbereitet und durchgeführt. Hier ein Überblick über unser Programm.

Montag

Fahrt mit dem Zug nach Berlin. Ankunft im Hostel (Moabit, zehn Fußminuten vom Bahnhof), dann gleich zum Brandenburger Tor und die Schüler allein Unter den Linden entlang zum Alexanderplatz gehen lassen. Von dort zur East Side Gallery, dann freie Abendgestaltung.

Dienstag

Gleich morgens zum Reichstag, dort eine Führung im Bundestag. Sitzung war leider keine; während der der Sitzungsperiode gibt es alle zwei, drei Wochen eine Woche ohne Sitzungen, während der dann auch Reinigungs- und Wartungsmaßnahmen durchgeführt werden. Aber das weiß man nicht, wenn man – lange vorher – den Termin für die Gruppenführung bucht.

berlin_bundestag

Gelernt: Parlamentsferien sind immer dann, wenn irgendein Bundesland Schulferien hat. Es gibt 41 Stenographen, die – anders als etwa im Europaparlament – nicht mit Stenographiemaschinen schreiben, sondern per Hand, in 10-Minuten-Schichten. (Nicht gesagt wurde uns, dass das, was als Wortlaut der Rede veröffentlicht wird, vorher noch durchgesehen und verbessert wird, also nicht etwa dem echten Wortlaut entspricht.) Mitprotokolliert wird auch das Drumherum, es gibt 8 verschiedene Stufen von Applaus, bis hin zum ¨Tumult¨.
Jeder Besucher sagt: das sieht im Fernsehen größer aus. Die fette Henne, zweieinhalb Tonnen schwer, hängt an nur zwei Seilen. Und die Bundestagsverwaltung sieht sich dezidiert als eigene Institution mit dem Auftrag, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

Danach zum Holocaust-Mahnmal. Gerade in einer Gruppe durchzugehen ist interessant: Außen sind die Stelen nicht hoch, man sieht noch die Köpfe der anderen; je weiter man hineingeht, desto mehr verschwinden die anderen, bis man später nur ab und zu zehn Meter vor sich jemanden kurz auftauchen sieht, der in Querrichtung geht und nach zwei Schritten wieder verschwunden ist.

Nach regnerischer Mittagspause ins Mauermuseum am Checkpoint Charlie. Für die Führung hatten wir einen Zeitzeugen erwischt, der die Inhalte – Geschichte des Checkpoint Charlie und der Fluchtmöglichkeiten in den Westen – sehr anschaulich vermitteln konnte. (Selber Deserteur der Nationalen Volksarmee, dann Fluchthelfer im Westen. Zum Schluss hat er noch eine Kopie des Mordauftrags gegen ihn aus den Stasi-Unterlagen verteilt. “Die zur Liquidierung des Objekts beuaftragten GM [Geheime Mitarbeiter] sind äußerst zuverlässig und besitzen die politischen sowie fachlichen Voraussetzungen um den ihnen übertragenen Auftrag durchzuführen.”)

Es folgte in kurzer Abstecher in das Asisi Panorama zum geteilten Berlin. Ein riesiges fotorealistisches Panorama zeigt einen Blick auf die Grenze, den Todesstreifen, Ausschnitte aus Ost- und Westberlin, als stünde man auf einem Baugerüst im Westen und blickte hinüber.

berlin_panorama

Im Eingangsbereich konnten Besucher aufschreiben, was für sie Freiheit bedeutet. Unsere Schüler trugen gleich mal den Namen unserer Schule ein, aber ich weiß nicht, ob sie das richtig verstanden haben.

berlin_panorama2

Dann eine kleine Pause bis zum Abendprogramm: Kabarett in der Distel. Ausgezeichnet! Kabarett, auch politisches Kabarett, ist für mich immer mit Gesang verbunden. Und gesungen wurde reichlich. Dabei war das ganze zugänglich und auch die Schüler mochten das Programm sehr.

berlin_distel

Mittwoch

So voll wie am Dienstag sollte das Programm nicht mehr werden. Morgens ging es in die Dauerausstellung “GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung” im Tränenpalast. Das ist die ehemalige Ausreisehalle am Bahnhof Friedrichstraße, einer Grenzübergangsstelle. Empfehlenswert. Für Schülergruppen gibt es eine Art Quiz in Form eines Notizheftchens mit Aufgaben.

Danach die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Das ist ein Bau, spät im zweiten Weltkrieg errichtet, das danach den Russen als Untersuchungsgefängnis diente, einige Jahre später an die DDR übergeben und später wiederum erweitert wurde. Dort waren vor allem politische Gefangene untergebracht.

Mittagspause, dann Jüdisches Museum Berlin. Unsere Gruppe wurde geteilt, es gab jeweils eine Führung.

Zum Abschluss des Tagesprogramms optional eine Currywurst bei Konnopke am Prenzlauer Berg. Gepriesen als beste Currywurst Berlins. Hm, ja. Für eine Currywurst war das Gericht dann auch tatsächlich gut, aber es war halt immer noch eine Currywurst, und damit eher nicht mein Geschmack. Die Wurst ist immer so langweilig.

Donnerstag

Gleich am Anfang zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dann den Kufürstendamm entlang spazieren bis zum Museum Story of Berlin: Überblick über Geschichte Berlins. Für die Schüler interessant auch die 1950er und 1960er Jahre. Komische Telefone, eine Jukebox, unverständliche Slogans. (“Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.”)
Optional Kaufhaus des Westens, dann eine lange Mittagspause. Ich war beim Chinesen (kalte Rinderinnereien in Scheiben in scharfer Sauce, danach eine kleine Portion gedämpfte Auberginen mit Hackfleisch). Danach einfach nur in der Sonne gesessen und Pause gemacht.

Nachmittags dann eine Führung der Berliner Unterwelten. Das ist ein Verein, der sich mit der Unterwelt Berlins beschäftigt und dazu verschiedene Führungen anbietet, etwa Tour M: Mauerdurchbrüche. Unteriridische Fluchtmöglichkeiten waren: a) eigene Tunnels, b) das Tunnelsystem der U‑Bahn, da die West-U-Bahnen durch Ostberlin fuhren, wo natürlich alle Zugänge, soweit möglich, unbenutzbar gemacht wurden und c) das gemeinsame Kanalisationssystem. Wir liefen zuerst durch die alte U‑Bahn-Station, umgebaut zum Luftschutzbunker. Die Leuchtfarbe an der Wand stammt noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Als der Führer das Licht ausknipste und sagte: “Wer von euch eine Taschenlampe dabei hat, der kann ja mal…” konnte er kaum ahnen, dass wir zwei ausgewiesene Taschenlampenträger mit uns führten. (“Ist doch praktisch. Kann man immer mal brauchen.”)

Noch kurz zum Mauerpark, dann war wieder freie Abendgestaltung. Alle wieder früh und müde im Hostel.

Freitag

Heimfahrt.

– Das Programm insgesamt war sehr auf Sozialkunde/DDR zugeschnitten. Kein Pergamonmuseum, kein Naturhistorisches Museum, nichts über Leben in Ostdeutschland heute. Aber es waren nur gut drei Tage, und die waren ohnehin voll.

Mein erstes Wordpress-Plugin: Gedichte mit Zeilennummern

Aus Gründen möchte ich gerne auch im Browser Gedichte zum Bearbeiten anbieten. Dazu gehören aber Zeilennummern. Diese Nummern will ich aber nicht von Hand schreiben müssen, dafür gibt es Computer. Zeilennummern sind gar nicht so einfach.

Ich möchte Text einfach aus der Webseite herauskopieren können, um ihn weiterzuverarbeiten; ich möchte ebenso einfach Text in Wordpress anlegen können, der dann als zeilennummerierter Text ausgegeben wird. Wordpress macht automatisch Zeilenumbrüche, wenn man Enter drückt, und einen neuen Absatz, wenn man eine Leerzeile lässt – das soll erhalten bleiben beim Kopierexport ins Textverarbeitungsprogramm.

  • Möglichkeit 1: Vor jede fünfte Zeile wird eine Nummer geschrieben, vor jede andere Zeile ein paar Leerzeichen, leere Zeilen werden nicht mitgezählt. Das ist dann aber schlecht, wenn jemand das Gedicht herauskopieren und bearbeiten möchte: dann muss man die Leerzeichen und Zeilennummern von Hand entfernen.
  • Möglichkeit 2: Man packt jede Zeile in ein eigenes Listenelement und lässt dieses per CSS hochzählen. Aber das Herauskopieren geht auch dann nicht so einfach: Zumindest bei meinem Browser kann man den Text herauskopieren, hat beim Einfügen ins Textverarbeitungsprogramm aber noch Listenartefakte. Unklar ist mir außerdem, wie ich die Grenzen zwischen Strophen markieren soll.
  • Möglichkeit 3: Eine zweispaltige Tabelle, links die automatisch erzeugten Zeilennummern, rechts der Text. So funktionieren die meisten Syntax-Highlighter-Plugins, und dafür habe ich mich dann auch entschieden. Schwierig ist allerdings, dass ich nicht mit vorformatiertem Text (mit dem pre-Tag) arbeiten möchte, sondern mit normal formatiertem Text, also mit Zeilenumbrüchen (br-Tag) und Absätzen (p‑Tag).

Herausgekommen ist mein erstes Wordpress-Plugin: line-numbers-for-poems. Es ist bestimmt noch nicht sehr effizient, und nicht mit sehr großen Texten getestet, aber es tut, was es soll:






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Unter Wasser Bläschen machen

Kinder, ein Rätsel! Hört mich an!
Wer es herausbekommt, kriegt Geld! – Wie kann
Man unter Wasser Bläschen machen?

Das müsst ihr versuchen – unbedingt! -
In der Badewanne. Und wenn es gelingt,
Werdet ihr lachen.

Joachim Ringelnatz

Geschrieben wird das im Wordpress-Backend so:

[poem][title]Unter Wasser Bläschen machen[/title]

Kinder, ein Rätsel! Hört mich an!
Wer es herausbekommt, kriegt Geld! – Wie kann
Man unter Wasser Bläschen machen?

Das müsst ihr versuchen – unbedingt! -
In der Badewanne. Und wenn es gelingt,
Werdet ihr lachen.

[author]Joachim Ringelnatz[/author]
[/poem]

Das Gedicht kann man halbwegs einfach kopieren und ins Textverarbeitungsprogramm einfügen, ohne dass die Zeilennummern mitgehen. Das Design steckt in der begleitenden CSS-Datei zum Plugin, probeweise ist der Titel immer fett und der Autor kursiv.
Ob vor oder nach dem author-Shortcode eine Leerzeile kommt, ist egal, ebenso, ob der title-Shortcode (oder der Text selber) unmittelbar nach dem poem-Shortcode steht oder in der Zeile darunter. Und das war ein hartes Stück Arbeit; was allerdings die Zählung immer noch durcheinanderbringt: wenn der Text mit zwei Zeilenumbrüchen hintereinander anfängt.

Technisches:

Das Plugin funktioniert so, dass es auf einen sogenannten Shortcode im Blogeintrag reagiert und diesen durch etwas anderes ersetzt, auch unter Berücksichtigung des Textes, der sich ursprünglich innerhalb der Shortcode-Grenzen befunden hat.
In meinem Fall wird dieser Text genommen, und a) in die rechte Spalte einer Tabelle geschrieben und b) zeilenweise durchgegangen, ob die Zeile mit einem Zeilenumbruch schließt oder einem Absatzende, damit parallel dazu die entsprechend hochgezählten und ebenso mit einem Zeilenumbruch oder einem Absatzende formatierten Zeilennummern in die linke Spalte geschrieben werden. Die Zeilennummern sollen ja bündig zum Text sein, und Absätze sind gerne mal so formatiert, dass sie mehr Abstand haben als eifnache Zeilenumbrüche.

Das klingt kompliziert, aber eigentlich sind solche Shortcode-Plugins bei Wordpress ganz einfach. Hier die offizielle Seite dazu, und hier ein einfaches Tutorial.

Und danke an @texttheater für die Tipps bei Twitter. Wenn ich das Plugin ein paarmal überarbeitet habe, stelle ich es gerne bei Wordpress ein. Ich kann PHP nur so radebrechen und kenne mich wenig aus bei Wordpress, deshalb gibt es sicher noch einiges bei der Effizienz zu verbessern. Im Moment bin ich erst mal froh, dass das funktioniert.

Babyeinhorn-Rodeo

Die Rechner-Beamer-Kombination in meinem Klassenzimmer funktioniert endlich wieder! Da habe ich gleich mal einen Haufen Clips gezeigt, angefangen mit diesem:

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(Reklame für Pick-Up Choco-Caramel.)

Stilmittelanalyse: Neben den Neologismus beziehungsweise Wortspiel “Zartcore”, das den Schülern zuerst aufgefallen ist, lebt die Werbung vor allem von den Vergleichen. Dabei wird jeweils dieser Keks verglichen mit Rodeoreiten auf Baby-Einhörnen beziehungsweise Stagediving in der Oper. (Im Text ist auch noch von Klippenspringen mit Schwimmflügeln die Rede, das hat es aber nicht in die endgültige Fassung gebracht.)
Die Basis des Vergleichs: Da werden jeweils zwei Dinge in Beziehung gesetzt, die sich augenscheinlich widersprechen, aber doch verwandt sind: Einhörner/Rodeo (Reiten), Stagediving/Oper (Musikveranstaltung) und Klippenspringen/Schwimmflügel (Schwimmen). Oder eben harte Schokolade und weiches Karamell.

Ich habe mal eine schöne Metapher in einem Idee-Kaffee-Werbespot vorgestellt, der ist bei Youtube inzwischen aber nicht mehr anzuschauen. Also gleich immer alles herunterladen, was man für die Schule brauchen könnte; die Frage, ob man das dann auch zeigen darf, kann man später klären.

Zuvor war es um Goethes Maifest gegangen, und manche Schüler interpretierten das angesprochene Mädchen im Gedicht gleich als personifizierten Frühling selber. Kann man machen, muss man nicht, und macht die Interpretation nicht besser. Manchmal ist eine Mauer einfach eine Mauer und ein Mädchen einfach ein Mädchen. Allerdings kann das Mädchen natürlich zusätzlich für etwas anderes stehen, etwa den Frühling: Dann ist es ein Symbol. So wie hier:

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Was da am Schluss hochfliegt, ist einfach eine Taube. Das “ist” nicht die Seele des Sterbenden oder seine gewonnene Freiheit im Tod oder was auch immer – aber sie kann natürlich gerne symbolisch dafür stehen.

(Blade Runner kannten die jungen Leute natürlich nicht; ich hatte vorher kurz die Handlung zusammengefasst.)

Danach Hefteintrag zu Symbolen (“Gegenstände, Orte oder Personen”, “oft gesellschaftlich festgelegt, können aber auch nur für ein Werk oder einen Künstler”) und Sammlung von in unserer Gesellschaft verbreiteten Symbolen, und von Symbolen anderer Kulturen.
Auf die Frage, ob es Symbole gibt, die typisch für einen Autor sind, fielen mir die Bären beim frühen John Irving ein, aber den kennt von den Schülern auch keiner. Deshalb suchten wir dann eher Symbole in Filmen, und das fiel den Schülern sehr leicht. Das hat mich überrascht, ich dachte, die schauen nicht so genau hin. (Kurzer Abstecher zur Filmmusik, aber das ist ein weites Feld.)

Filmische Symbole gibt es viele, etwa das brennende Kaminfeuer für die brennende Leidenschaft (hier als Parodie am Schluss des Ausschnitts) und die Einfahrt des Zugs in den Tunnel bei der Liebesszene (North by Northwest etwa). Ich fange gerade erst an, solche Szenen zu sammeln.

Und zur Metapher “Datenautobahn” muss man sich natürlich die Eurocats (1996) anschauen – wobei das Surfen auf der Datenautobahn schon ein eher wirres Bild ist. Das ist jetzt 18 Jahre her, und noch immer ist das Internet ein “neues” Medium.

Was ich von Fred Astaire noch nicht kannte

Fred Astaire hatte seinen großen filmischen Höhepunkt in den RKO-Schwarzweißproduktionen mit Ginger Rogers in den (eher frühen) 1930er Jahren. In den 1940ern gab es dann nicht mehr so viel; man wollte die jüngere Generation sehen. Für das MGM-Musical Easter Parade (1948) war eigentlich Gene Kelly vorgesehen, aber der war verletzt, so dass noch einmal der alte Astaire herausgeholt wurde. Easter Parade wurde ein Klassiker. Und darauf folgte dann ein zweiter Höhepunkt, mit Die Tänzer vom Broadway (1949), Seidenstrümpfe (1957) und vor allem dem großartigen Vorhang auf! (1953). Darin spielt Fred Astaire einen Tanzstar jenseits seines Höhepunkts, der noch einmal für ein neues Musical herausgeholt wird.

Und das war es, was ich von Fred Astaire kannte, abgesehen von ein paar dramatischen Rollen und den großartigen Kompilationsfilmen That’s Entertainment I und II (1974 und 1976, ein Stück Familientradition im Hause Rau).

Kriege ich jetzt erst mit, dass Fred Astaire in den späten 1950ern und den 1960ern jede Menge Fernsehen gemacht hat! Fernseh-Specials und guest host bei Hollywood Palace.

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“Boom Boom” von John Lee Hooker? Unerwartet:

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Miss Otis Regrets:

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St. James Infirmary Blues – warum muss ich nur an Vincent Price in einer Roger-Corman-Produktion denken?

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Die Tänzerin, Barrie Chase, haben wir alle, ohne sie zu kennen, gesehen in Eine total, total verrückte Welt. (Wie, den kennt Frau Rau nicht? Nicht mal die Einsteigerfassung mit 145 Minuten, wir reden ja gar nicht von der seltenen 190-Minuten-Version? Das muss man unbedingt nachholen. Ich weiß aber nicht, ob das in dem Alter noch geht; bin gespannt, wie der Film sich gehalten hat.)

Als Zuckerl hier die Vollfassung von “Begin the Beguine” mit Fred Astaire und Eleanor Powell, eine dreiteilige Nummer aus Broadway Melody of 1940. Der erste Teil ist dabei eher historisch interessant, ab 2’40’‘ fängt der zweite, ab 6’55’’ der dritte, bekannteste Teil an:

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Richtig spannend, wenn man nebenbei in Astaire Dancing. The Musical Films blättern kann, wo jede einzelne Tanznummer aus jedem einzelnen Film detalliert analysiert ist. Ich kenne sonst ja nur die Analysesprache für Film und Literatur, bei Tanz weiß ich nicht, welche Elemente man untersuchen kann und wie sie heißen.

Interpretationen, Reprise

Am Montag mache ich wieder mal meine Bruce-Springsteen-Johnny-Cash-Stunde. Darüber habe ich schon mal gebloggt, 2005, aber das darf ich ja mal wiederholen. Bei der ursprünglichen Fassung des alten Blogeintrags hatte ich die Audioclips noch selber hochgeladen, inzwischen geht das leichter. Damals gab es Youtube erst seit zwei Monaten und ich hatte vermutlich noch nie davon gehört. (Mein Blog ist älter als Youtube. Älter als der Börsengang von Google, der war August 2004.)

Es fing an mit Goethe, Interpretation, 10. Klasse, “Maifest”:

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

[…]

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb’ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmels Duft,

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst!
Sei ewig glücklich
Wie du mich liebst!

Zum Interpretieren von Gedichten gehört auch, gerade bei Rollenlyrik, die Sprechsituation: Wer spricht wo, wann, warum, zu wem? Hier spricht ein junger Mann, im Frühling, draußen in der Natur, zu einer jungen Frau (auch wenn die wohl nur in Gedanken da ist).
Das heißt – ist das überhaupt ein junger Mann? Kann es nicht auch ein alter Sack Herr sein? Oder eine junge Frau? Für meine Schüler ist das noch gar nicht klar. Zum einen liegt das sicher daran, dass sie nicht mehr unbedingt voraussetzen, dass Mädchen nur von Männern geliebt werden, zum anderen auch sicher daran, dass sie noch unsicher bei der Entscheidung sind, was sie bei Interpretationen einfach als gegeben annehmen dürfen und was sie ausführlicher begründen müssen.

Biographisch weiß man vielleicht, dass Goethe ein junger Mann war, als er das Gedicht schrieb. Also wird der Sprecher im Gedicht wohl auch ein junger Mann sein – dieser Gedanke ist so naheliegend, dass man ihn sich dringend abgewöhnen sollte. Auch ein junger Mann kann ein Gedicht schreiben, in dem der Sprecher eine Frau ist.
Zugegeben, nach meiner Interpretation des Maifests ist der Sprecher auch eher ein junger Mann, aber das mache ich am Gedicht fest, und weil es das Gedicht nicht interessanter macht, wenn der Sprecher eine Frau ist. Andererseits ist es aber auch nicht wesentlich, dass er ein junger Mann ist, und auch nicht wesentlich, dass es keine hundertprozentig genaue Angabe dazu im Gedicht gibt – das wird bei Gedichten wohl üblicherweise nicht explizit dastehen.

Bei manchen Texten ist das anders. In “Über die Verführung von Engeln” von Bert Brecht ist eine der beiden beteiligten Personen ziemlich sicher männlich, die andere dagegen – ja, auf den ersten Blick weiblich. Indiz: trägt einen Rock. Andererseits ist ihr grammatisches Geschlecht durchweg und ganze neunzehnmal Maskulinum, ohne ein einziges Femininum dabei. Das ist zumindest erwähnenswert und kann für eine Interpretation gewinnbringend sein.

Und dann ist da mein Musterbeispiel, “I’m on Fire”:

http://www.dailymotion.com/video/x5io7u_bruce-springsteen-i-m-on-fire_music

Sprechsituaton: Wer spricht (singt) da wo wann zu wem? Der Videoclip und die musikalische Interpretation durch den Autor Bruce Springsteen geben darauf Antwort, und die stellt sicher eine nachvollziehbare Interpretation dar.

Eine andere Interpretation des Lieds gibt es von Johnny Cash:

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Ich finde diese Interpretation – das schrieb ich vor neun Jahren schon mal – gruslig. Wer spricht wo wann zu wem? Nun, ein alter Mann mit zittriger Stimme. “Hey little girl is your daddy home” kriegt da eine ganz andere Bedeutung und das wirkt, nebenbei, auch wieder zurück auf die metaphorische Funktion des “daddy” in der gängigeren Interpretation.

Überhaupt ermöglichen Lieder einen vielleicht direkteren Zugang zu Interpretationsfragen. Bei Cracked erschien gestern eine Sammlung von 35 popular songs that don’t mean what you think.
Die Autoreninterpretation ist keine privilegierte Interpretation. Wenn die Autoren des Village-People-Hits “Macho Man” beteuern, dass das als seriöses, ernst gemeintes Lied gemeint war (“very dark and very serious”), dann macht es das trotzdem nicht dazu. Wenn “One” von U2 auf Hochzeiten gespielt wird, ist die gängige Interpretation wohl, dass es sich um ein Liebeslied handelt; Bono sagt, es geht darin um Trennungen. Also was jetzt? “You Ain’t Seen Nothing Yet” von Bachmann-Turner Overdrive war als Witz gedacht, es ist aber trotzdem keiner geworden. In “Total Eclipse of the Heart” (bekannt durch Bonnie Tyler, hier eine eigentümliche Version des Videoclips zum Lied) geht es laut Autor um Vampire. Diese Interpretation ist denkbar, für uns aber nicht bindend. Und “Lucy in the Sky with Diamonds” hat John Lennon keinesfalls als Anspielungd auf LSD gemeint, sondern es bezieht sich auf eine Kinderzeichnung – und dennoch ist das eine legitime Interpretation, weil man sie am Text festmachen kann.

Schulaufgabentermine

Aus verschiedenen Gründen – Abitur, spätes Ostern/Pfingsten, Zusammenarbeit mit Kollegen – liegt in meiner 10. Klasse die letzte Schulaufgabe des Jahres diesmal außergewöhnlich früh.

Fragen die Schüler neugierig: “Und was machen wir dann danach?”

“Etwas Sinnvolles,” sage ich.

Kurzes Überlegen: “Also schon etwas für die Oberstufe?”

“Nein, fürs Leben.”

Ich hoffe ja mal, dass ich die Gelegenheit zu etwas Freiraum tatsächlich nutzen werde. Ich bin mir sicher, dass die Schüler deswegen nicht weniger motiviert sind, glaube aber auch nicht, dass sie Deutsch plötzlich als größeres Vergnügen empfinden. Bin gespannt.

Stand by Me, Jahrzehnte danach

Different Seasons ist eine 1982 erschienene Sammlung von vier langen Kurzgeschichten – oder Kurzromanen? – von Stephen King. “Novella” heißt diese Länge auf Englisch, und das Terminologieproblem ist noch das geringste bei Texten dieser Länge: Sie lassen sich einzeln auch schlecht verkaufen. King gelang das nur, indem er vier davon zusammenpackte. Die erste wurde als Shawshank Redemption verfilmt, die zweite als Apt Pupil, für die vierte ist ein Film in Produktion. (Eine Geschichte um einen geheimnisvollen Club und eine geheimnisvolle Bibliothek, ganz klassisch und weniger ernst gemeint als die anderen Geschichten. Kann ich mir als Film schwer vorstellen.) Und die dritte, die Herbstgeschichte, heißt als Film Stand by Me.

“The Body”, die ursprüngliche King-Geschichte, ist schon mal sehr gut. Sie spielt in der tiefen Vergangenheit der späten 1950er Jahren, wird aus dem Rückblick erzählt. “Möchtet ihr mal eine echte Leiche sehen?”, fragt einer von vier Freunden, der weiß, wo die Leiche des bei einem Unfall ums Leben gekommenen Jungen aus der Nachbarschaft liegt. Die vier machen sich auf dorthin, eigentlich nur eine Wanderung von ein, zwei Tagen, aber für die Jungen wird es eine Reise. Keine Monster, kein übernatürlicher Horror, nichts Phantastisches.
Der Film fügt dem einen passenden Soundtrack hinzu, einen tollen Regissseur (Rob Reiner), und tolle Schauspieler. Wil Wheaton, einer davon, und in Fankreisen wohlbekannt, hat neulich auf seinem Blog einen kurzen Film von Herve Attia vorgestellt. Attia schneidet Aufnahmen aus Filmklassikern mit neuen Aufnahmen der Originaldrehorte zusammen, Jahrzehnte danach. So auch bei Stand by Me:

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Stand by Me 1986 ( FILMING LOCATION ) from Herve Attia on Vimeo.

Schnüff.

Im Schülerbuch Green Line New 4 ist ein Auszug aus der King-Geschichte; ich habe damit aber noch nie gearbeitet. Es gibt eine Penguin-Schülerausgabe von “The Body”, mit vereinfachtem Wortschatz und britischer Rechtschreibung. Den habe ich im letzten Jahrtausend mal mit einer 9. Klasse angefangen – aber dann musste ich plötzlich als Vertretung mit zum Englandaustausch, und dann kam das Schuljahresende, so dass ich nicht wirklich zum Arbeiten mit dem Text kam.

Die aktuelle Ausgabe ist eine “2nd Revised edition” und laut Amazon einige Seiten dicker als meine alte Ausgabe. Das heißt vermutlich nicht viel, aber zumindest in der alten Ausgabe fehlt ein essentieller Teil, und es wäre schön, wenn auch unwahrscheinlich, wenn sie doch noch aufgenommen worden wäre: Die Geschichte, die der junge Gordie (und spätere Erzähler des Buchs) am Lagerfeuer erzählt. Wie sich der gehänselte Dicke bei seiner Umwelt anlässlich des örtlichen Blaubeerkuchen-Wettessens rächt, indem er a) vor dem Wettbewerb eine große Portion Rizinusöl trink und b) ein Tempo beim Blaubeerkuchenessen anschlägt, das er unmöglich durchhalten kann.

Den Ausschnitt kann man auch bei empfindlichem Magen ansehen, er ist in seiner Übertriebenheit verhältnismäßig behutsam umgesetzt:

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Juvenil, kindisch! Also das muss doch in eine Schülerausgabe! Liest sich auch in der Geschichte gut.

– Attia hat das auch mit anderen Filmen gemacht. Ich habe mir das bei American Graffiti angesehen, auch ein schöner Film; spielt ebenfalls in der Vergangenheit. So gut wie Stand by Me funktioniert das nicht, da hilft das häufige Voice-over sehr.

Lehrerblogschau 2014, kleine Fortsetzung

(Was es mit den Lehrerblogs 2014 auf sich hat, steht in diesem ersten Blogeintrag.)

Der letzte Blogeintrag zum Thema hat mir so viel Vergnügen bereitet, dass ein weiterer mir etwas unnötig vorkommt. Allerdings möchte ich inhaltlich noch einige Sachen ergänzen, so dass ich das hier nachhole. Eigentlich geht es in meiner kleinen Bloggerwelt ja schon wieder um ganz andere spannende Sachen. Aber ich will das hier noch abschließen und noch ein paar Blogs vorstellen. Alte Lieblingsblogs und neue, die gerade jetzt erst nach vorne gerückt sind. Ohne genaue Reihenfolger, einfach um zu zeigen, wie bunt die Lehrerbloggerwelt ist, in der ich mich herumtreibe:

  • Kreide fressen
    Hatte ich beim letzten Mal vergessen. Schreibt nicht mehr so viel, lese ich aber immer gerne. Alter Wegbegleiter.
  • Norberto
    Norbert Tholen nimmt nicht so aktv Teil am Austausch unter Blogger, aber ist – und das schon sehr lange – ein Archiv fundierter Analysen zur deutschen Literatur und Sprache.
  • Bob Blume
    Auslöser der aktuellen Blogparade zu schlechten Lehrern. Das allein reicht schon für einen Eintrag hier!
  • Teacheridoo
    Noch in der Ausbildung. Lese ich schon lange, ist aber erst jetzt durch die Blogparade in den Vordergrund gerückt.
  • Fontanefan
    Ausrufer der Lehrerblog-Schau 2014. Ich sehe ihn als Bindeglied zwischen verschiedenen Bereichen der Bloggerszene. Mich verbindet er jedenfalls mit dem organisierteren Teil der Lehrerblogger.
  • Rete-mirabile.net
    Das schönste Design und hervorragendes Material zu Wikis im Unterricht.
  • Marco Bakera
    Informatiklehrer mit vielen tollen Ideen.
  • Schwamm drüber
    Informatiklehrerin in der Ausbildung, hat 2014 noch nicht so viel gepostet, ich hoffe, das ändert sich wieder! Ich bin ja selber Informatik-Quereinsteiger.
  • Grüße aus der Provinz
    Auf Frau Henner bin ich auch erst durch die Lehrerblogschau gestoßen. Sieht gut aus, auch wenn ich noch nicht viel sagen kann. Aber wo Herr Mess die Karte schon bereitstellt… und Frau Henner hat schon mal klug im letzten Beitrag erkannt, dass da viele Männer bei diesen Blogs sind.
  • Frau Hilde
    Geschichten aus der Schule. Lese ich erst jetzt konzentierter, ich gebe es zu.
  • Lehrer aus Leidenschaft
    Erst durch die Lehrerblogschau darauf gestoßen, deswegen weiß ich noch nicht viel. Aber wer bei der aktuellen Blogparade mitmacht, hat sich einen Platz verdient.
  • Skolnet
    Sieht die Schulwelt so ganz anders als ich und bloggt darüber. Es kann mir nicht schaden, wenn ich als Ausgleich abweichende Meinungen lese. Wenig Anekdoten, viel Theoretisches, viel Grundschuldidaktik.

Und ich habe auch Karten gemacht beziehungsweise drei von Herrn Mess übernommen. Weil die so schön bunt sind, und vielleicht freuen sich ja ein paar.
Allerdings habe ich gemerkt, dass das ein bisschen langweilig ist, immer die gleichen Kategorien. Dementsprechend habe ich dann auch immer schneller und oberflächlicher überlegt, wieviel Sterne da jeweils hingehören. Für die Zukunft stelle ich mir da eher ein Applet vor, mit dem sich jeder seine Quartettkarte selber machen kann, mit selbst gewählten Kategorien. Es macht doch nichts, wenn die Quartettkarten alle unterschiedlich sind, sie sollen ja nicht miteinander konkurrieren.

Deswegen ist es vielleicht keine gute Idee, ein Lehrerblog des Jahres zu küren: Es sollte eher Titel geben wie “Der Sammler”, “Das Archiv”, “Mr/Ms Fortschritt”, “Tüftelblog” und so weiter. Da kann dann jeder Teilnehmer eine Bezeichnung kriegen, und man kann immer noch wählen, auf wen welcher Titel passt.

quartett_kreidefressenquartett_norbertoquartett_bob

quartett_teacheridooquartett_fontanefanquartett_retemirabile

quartett_marcoquartett_schwammdrueberquartett_henner

quartett_hildequartett_lalquartett_skolnet

Blogparade “Versager im Staatsdienst”

Bob Blume ruft zu einer Blogparade auf, indem er einige Fragen zur Diskussion vorschlägt. Blogparade: Da schreiben mehrere Lehrer – wenn sie mitmachen wollen – zu einem Thema. Ich mache selten bei so etwas mit: Mir fällt nur dann leicht, über etwas zu schreiben, wenn gerade der richtige Zeitpunkt da ist (ich Lust dazu habe). Ansonsten ist das mühsam, so interessant ich das Thema prinzipiell auch finden mag, und diese Mühe nehme ich nicht auf mich.

A) Gibt es an deutschen Schulen generell zu viele schlechte Lehrer?

Nein. Ich kann nur für bayerische Gymnasien sprechen; von anderen Schularten habe ich keine Ahnung – und selbst vom Gymnasium nur ein wenig. Es gibt schlechte Lehrer, sicher mehr, als manche meinen, und weniger, als andere glauben. Aber was heißt “zu” viele? Sicher wäre es eine spürbare Verbesserung, wenn es weniger schlechte Lehrer gäbe. Aber wie groß wäre diese Verbesserung, gemessen an anderen Schrauben, an denen man drehen könnte? Klein, glaube ich.
Rein praktisch wird ein Großteil der Lehrer, mich eingerechnet, im Mittelfeld sein, und damit muss man leben. Wenn es keine schlechten Lehrer am Gymnasium mehr gäbe, hätte Bayern dann das G8 nicht eingeführt? Nicht die mündlichen Noten in der Oberstufe stärken müssen, um die Schnitte zu halten? Nicht das Mathe-Abitur quasi-zurückziehen müssen? Das glaube ich nicht. Einen Anteil von schlechten Lehrern kann die Schule verkraften.

B) Woran erkennt man, ob ein Lehrer seinem Job nicht gerecht wird?

Das weiß ich nicht, und das halte ich auch für das Hauptproblem bei der Suche nach schlechten Lehrern. Indizien sind: Der Lehrer ist selber unglücklich mit seiner Arbeit. Oder es gibt häufig und regelmäßig Beschwerden. (Ein paar Beschwerden dürfen aber sein. Wer nie einen bösen Brief kriegt oder einen Test mit kommentierenden Pos-Its zurückkriegt, ist vielleicht etwas zu angepasst.) Ich glaube, ich habe noch nie einen Lehrer getroffen, der nicht für mindestens ein paar Schüler in der Klasse besonders geeignet war – und das gilt selbst für die Lehrer, über die viel geklagt wird.
Noch ein Indiz: Ein geringes Interesse an den Fachinhalten.
Am liebsten würde ich sagen: Die Schüler lernen nichts oder das Falsche, aber wie will man das feststellen?

C) Wie sollte man mit solchen Lehrern verfahren (dürfen)?

Nach der Probezeit kündigen. (Geht nicht mit Beamtenstatus.) Nachqualifizierung verlangen und anbieten. Alternativen aufzeigen. (Schwierig mit Beamtenstatus.)

D) Welchen Anteil hat das Lehramtsstudium?

Keinen großen. Es scheint allerdings möglich zu sein, ein Studium zu absolvieren, ohne ein besonderes Interesse an der Fachwissenschaft zu haben. Das wäre ganz schlecht.

E) Was sollte verändert/ verbessert werden?

Es ist ein Skandal, dass Referendare mit 17 Stunden Einsatz als billige Arbeitskräfte verschlissen werden. Baustellen sind das Verhältnis zwischen Kultusministerium und Lehrern (die einen hätten gerne eines, die anderen nicht) und die Auswahl von Schulleitungen.
Der Lehrerberuf sollte auf jeden Fall auch die fachlich interessierten Studierenden anziehen. Kein wissenschaftliches Schmalspurstudium.

F) Sollten die Schulen die Lehrer selbst aussuchen dürfen?

Ja, bei allen Nachteilen.

G) Sollte der Beamtenstatus abgeschafft werden?

Ja. Ich sage das eher als Bürger. Alle angeblich hoheitlichen Aufgaben, die verbeamtete Lehrer erfüllen, werden schon jetzt auch von angestellten Lehrern im gleichen Maß übernommen. Deshalb sehe ich keine Rechtfertigung dafür. Klar hat das Beamtentum auch Vorteile für Lehrer, auch Vorteile für Staat und Eltern/Schüler.

H) Sollte es eine Art “Belohnungssystem” wie in der freien Wirtschaft geben?

Ja. Oder nein. Ich weiß nicht, wie man das umsetzen sollte. Es gibt im Moment in Bayern (wieder) ein Bonussystem, mit dessen Umsetzung ich nicht zufrieden bin. Mit der aktuellen Folge von Studienrat, Oberstudienrat, Studiendirektor bin ich auch nicht zufrieden. Vielleicht sollte nur einen Dienstgrad haben und Zusatzaufgaben mit Boni honorieren. Wenn das allerdings als Sparmaßnahme umgesetzt wird, wird der Lehrerberuf aber weniger attraktiv für die Leute, die auch Karriere machen wollen – und die braucht es auch.

I) Woran gehen die Kollegen denn kaputt?

Daran, dass ihnen das Unterrichten keinen Spaß (mehr) macht. Aber woher das jeweils kommt, weiß ich nicht.

J) Wie entstehen die 30% Lehrer, die laut Schaarschmidt quasi dissoziiert sind?

Dazu habe ich nur Vermutungen auf einer sehr geringen Datenbasis.

Lehrerblogs 2014

Fontanefan Walte Böhme findet, dass es viele gute Lehrerblogs gibt, und dass die kaum einer kennt. Um das zu ändern hat er dazu aufgerufen, Reklame für Lehrerblogs zu machen. Dazu bietet er an eine Vorschlagsliste für Lehrerblogs, eine Wikiseite bei der Zentrale für Unterrichtsmedien, und dann auch die Wahl zum Lehrerblog 2014. (Mehr dazu unter dem verlinkten Artikel.)

Und man soll auf dem eigenen Blog Blogs vorstellen, die einem gefallen. Dazu habe ich mir ein Bloggerquartett ausgedacht.

quartett_voll

Am schwierigsten waren die Kriterien. Die Häufigkeit der Beiträge und das Anfangsjahr lagen nahe, sind ja sehr quartetttypisch. “Fokussierung” bedeutet, wie sehr das Blog bei einem Thema bleibt. Bei mir selber sind ja immer wieder Sachen dazwischen, die nichts mit der Schule zu tun haben.
Am liebsten hätte ich ja noch mehr Kategorien hinzugenommen: “Design” etwa, oder “Missionierungseifer” oder “Humorlosigkeit”. Aber das Design war mir nicht wichtig genug – inzwischen sollte allerdings unbedingt “Usability” dabei sein, nachdem ich beim Recherchieren bei vielen Blogs lästigerweise kein Archiv gefunden habe. Auch “Musikinstrumente” wäre ein weiterer möglicher Punkt gewesen.

Die Farben geben zur Zeit die Schulart an. Stattdessen kann ich mir auch Kategorien vorstellen: Bildungsblogger, Praktiker, Geschichtenerzähler. Und das ganze noch etwas kleiner, damit man es in die Seitenleiste ins Blog einbauen kann?

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Lehrerzimmer Mein eigenes Blog gefällt mir.

JochenEnglish No-nonsense Material und Gedanken zu Englisch und Sport aus der Praxis von einem äußerst kompetent wirkenden Lehrer. Keine theoretischen Ergüsse.

Kuschelpädagogik Geschichten aus der Grundschule. Das einzige Anekdotenblog, das mir gefällt.

Ich. Alles. Sofort. Arbeitet in einer Schule in – ich weiß es nicht genau, einer psychiatrischen Jugendklinik oder so etwas Schule für Kranke. Geschichten, die an die Nieren gehen. Hat ansonsten wenig mit der Lehrerbloggerszene zu tun.

…ein Halbtagsblog… Sehr hohe Frequenz, sehr viele Beiträge aus der Praxis, schöne methodische Ideen.

Lehrzeit Viel Praxis aus der Informatik.

Herr Mess Latein und Englisch. Einer von den Jungen.

Hauptschulblues Durch dieses Blog kriege ich etwas aus der Hauptschule mit. Weniger Anekdoten, eher Reflexion.

Kubiwahn Gewährt mir Einblicke in die Realschule. Kubiwahn arbeitet noch daran, sich in seine Rolle als Mitglied im Schulleitungsteam einzufinden, und da schaue ich gerne zu.

Herr Larbig Eher Bildungstheorie, und Bücher. Schon lange dabei. Seinen Büchergeschmack werde ich nie verstehen.

riecken.de Mischung aus Bildungstheorie und Praxis. Auch schon lange dabei.

– Das waren jetzt eigentlich vor allem bekannte Blogs. Ich habe viel mehr Lehrerblogs im Feedreader, etwa 140 aktive und nochmal 40 inaktive. Fast alle davon lese ich, bis auf reine Anekdotenblogs und die, bei denen der Feed nur unvollständig angezeigt wird und nicht interessant aussieht. Vielleicht hätte ich eher die schönsten unbekannten Lehrerblogs vorstellen sollen.

Die besten meiner Kollegen lesen gar keine Blogs, schon gar keine Lehrerblogs. Das dürfte an den meisten Schulen so sein. Es geht also auch ohne. Die meisten Lehrer, die sich im Web mit anderen austauschen, machen das bei Twitter, Facebook oder vielleicht noch Google+. Diskutiert und kommentiert wird in Echtzeit, aber flüchtig.

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Nachtrag: Ich habe Hokey vergessen!

Kreidefressen Das, was mir an Blogs das wichtigste ist: Da steckt ein kluger, interessanter Kopf dahinter. [Und dann hatte ich auch noch das falsche Blog verlinkt.]

Nachtrag: Hier die .odg-Vorlage für die Karten.