Babyeinhorn-Rodeo

Die Rechner-Beamer-Kombination in meinem Klassenzimmer funktioniert endlich wieder! Da habe ich gleich mal einen Haufen Clips gezeigt, angefangen mit diesem:

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(Reklame für Pick-Up Choco-Caramel.)

Stilmittelanalyse: Neben den Neologismus beziehungsweise Wortspiel “Zartcore”, das den Schülern zuerst aufgefallen ist, lebt die Werbung vor allem von den Vergleichen. Dabei wird jeweils dieser Keks verglichen mit Rodeoreiten auf Baby-Einhörnen beziehungsweise Stagediving in der Oper. (Im Text ist auch noch von Klippenspringen mit Schwimmflügeln die Rede, das hat es aber nicht in die endgültige Fassung gebracht.)
Die Basis des Vergleichs: Da werden jeweils zwei Dinge in Beziehung gesetzt, die sich augenscheinlich widersprechen, aber doch verwandt sind: Einhörner/Rodeo (Reiten), Stagediving/Oper (Musikveranstaltung) und Klippenspringen/Schwimmflügel (Schwimmen). Oder eben harte Schokolade und weiches Karamell.

Ich habe mal eine schöne Metapher in einem Idee-Kaffee-Werbespot vorgestellt, der ist bei Youtube inzwischen aber nicht mehr anzuschauen. Also gleich immer alles herunterladen, was man für die Schule brauchen könnte; die Frage, ob man das dann auch zeigen darf, kann man später klären.

Zuvor war es um Goethes Maifest gegangen, und manche Schüler interpretierten das angesprochene Mädchen im Gedicht gleich als personifizierten Frühling selber. Kann man machen, muss man nicht, und macht die Interpretation nicht besser. Manchmal ist eine Mauer einfach eine Mauer und ein Mädchen einfach ein Mädchen. Allerdings kann das Mädchen natürlich zusätzlich für etwas anderes stehen, etwa den Frühling: Dann ist es ein Symbol. So wie hier:

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Was da am Schluss hochfliegt, ist einfach eine Taube. Das “ist” nicht die Seele des Sterbenden oder seine gewonnene Freiheit im Tod oder was auch immer – aber sie kann natürlich gerne symbolisch dafür stehen.

(Blade Runner kannten die jungen Leute natürlich nicht; ich hatte vorher kurz die Handlung zusammengefasst.)

Danach Hefteintrag zu Symbolen (“Gegenstände, Orte oder Personen”, “oft gesellschaftlich festgelegt, können aber auch nur für ein Werk oder einen Künstler”) und Sammlung von in unserer Gesellschaft verbreiteten Symbolen, und von Symbolen anderer Kulturen.
Auf die Frage, ob es Symbole gibt, die typisch für einen Autor sind, fielen mir die Bären beim frühen John Irving ein, aber den kennt von den Schülern auch keiner. Deshalb suchten wir dann eher Symbole in Filmen, und das fiel den Schülern sehr leicht. Das hat mich überrascht, ich dachte, die schauen nicht so genau hin. (Kurzer Abstecher zur Filmmusik, aber das ist ein weites Feld.)

Filmische Symbole gibt es viele, etwa das brennende Kaminfeuer für die brennende Leidenschaft (hier als Parodie am Schluss des Ausschnitts) und die Einfahrt des Zugs in den Tunnel bei der Liebesszene (North by Northwest etwa). Ich fange gerade erst an, solche Szenen zu sammeln.

Und zur Metapher “Datenautobahn” muss man sich natürlich die Eurocats (1996) anschauen – wobei das Surfen auf der Datenautobahn schon ein eher wirres Bild ist. Das ist jetzt 18 Jahre her, und noch immer ist das Internet ein “neues” Medium.

12 Antworten auf „Babyeinhorn-Rodeo“

  1. “Die jungen Leute” – Du bist gut! *chuckle*

    Steht nicht in Mendes’ “Road to Perdition” Wasser in jedweder Form für den Tod?

    Zum Thema Internet + Schnelllebigkeit der Zeit neulich ein schönes Beispiel gehört: Welcher Satz ist typisch für die 90er Jahre? “Geh mal aus dem Internet, ich muss telefonieren!”

  2. “(Blade Runner kannten die jungen Leute natürlich nicht; ich hatte vorher kurz die Handlung zusammengefasst.)”
    Ach.com – das war doch die eigentliche Motivation für die gesamte Unterrichtseinheit, gib’s zu.

  3. Oh, ja die Erinnerung daran an, das eine Mauer auch eine Mauer sein kann und das auch bleibt, erinnert mich sehr an ein vor Jahren gehaltenes Kleist-Seminar, mit dem ich zur Marquise von O. einmal in einen Interpretationsrausch geriet, der sich an nichts mehr hielt, allein der Rausch hielt an…

  4. “Road to Perdition” habe ich weder gesehen noch gelesen, D. Den Tod im Wasser gibt’s auch bei der Effi, allerdings halt weniger deutlich als im Blade-Runner-Ausschnitt.

    Videos auf Mebis stellen, Quirks? Die Links natürlich, aber rechtlich sicher ist nur das private Herunterladen, der Rest mindestens ungeklärt. Und Moodle-Mebis ist da sehr vorsichtig; ich bin mir nicht mal sicher, ob man Youtube-Videos allein schon einbetten darf.

    So ein Rausch ab und zu ist natürlich auch schön. Aber wie bei anderen Eauscherzeugern: Man muss damit umgehen können. :-)

  5. “Road to Perdition” ist nicht besonders sophisticated, aber imho ein guter, solider Film zum Thema “Väter & Söhne” (und Verbrechen). Die Wasser-Metapher ist etwas überdeutlich, anders gesagt: Wenn’s im Film regnet, jemand in der Badewanne sitzt oder Meereswellen an den Strand rollen, steht das Unheil schon parat ;)

  6. Wenn die Technik mal funktioniert muss man das sofort nutzen :) (und zur Symbolik-Stunde hätte es auch nicht gepasst).
    Ui, die Tunneleinfahrt – dagegen ist das aufsteigende Feuerwerk beim Kuss von Cary Grant und Grace Kelly (“Über den Dächern von Nizza”) ja harmlos :)
    Ich erinnere mich dunkel, dass in einem dieser Klamauk-Filme (war es die “Die nackte Kanone” mit Leslie Nielsen und Priscilla Presley?) der ganze Geschlechtsakt symbolisch nachgestellt wird: Tunneleinfahrt – Ölpumpenschwengel schwingt rhythmisch hin und her – Weltraumrakete startet – Feuerwerk. Vielleicht auch noch mehr Bilder, leider finde ich die Stelle nicht.

  7. @Db:
    EXAKT daran dachte ich auch! Aber ich hatte gedacht, es wäre “Hot Shots” gewesen, konnte es mangels Zugriff auf den Film leider nicht verifizieren und zermartere mir nun seit gestern den Schädel, welcher Film das war.
    Aber evtl. kann der Herr Rau mit den Tipps ja schon was anfangen kann. Wäre jedenfalls definitiv sehr erheiternd anzuschauen.

  8. Was, es gibt Schüler die Blade Runner nicht kennen? Kulturbanausen!! Hmmm… ok, dann bin ich vielleicht doch älter als ich dachte. Weiss auch nicht ob ich jetzt schimpfen soll weil den armen Schülern ein guter Film gespoilert wurde.

    Viele Leute sind übrigens überrascht wenn man erwähnt, dass die Zeilen die Roy Batty am Ende spricht, von Rutger Hauer (IIRC am Abend davor) geschrieben worden sind. Sie trauen das diesem Rohling gar nicht zu. Spricht wiederum für seine Qualität als Schauspieler. Und ein (wenn auch nicht sooo verbreitetes) Mem hat er damit auch gleich erschaffen.

    Die Romanvorlage ist übrigens auch sehr gut, wenn auch etwas anders. Aber vermutlich zu schwer für den Englischunterricht schätze ich. Wobei ich sie in der Oberstufe im LK glaube ich gerne gelesen und interpretiert hätte, wenn ich so drüber nachdenke…

    Ein sehr ins Auge stechende Symbol fand ich auch vor einiger Zeit in einem Musikvideo, von Robbie Williams und Kylie Minogue: “Kids”, letzte Szene IIRC. Sie steigt zu ihm in die Badewanne und dann sieht man wie sich ein Korken aus einer Champagnerflasche löst…

    EDIT: Oh ja, und dann natürlich die Verfilmung von Clockwork Orange! Die ist (wie das Buch selbst) voll mit Symbolen. Und nebenbei gesagt überraschend nah am Buch (zumindest an der amerikanischen Fassung, die hat ja das verkürzte Ende).

  9. Über den Dächern von Nizza: Schon heruntergeladen, das Feuerwerk, danke! Ist aber auch nicht gerade subtil – also gut geeignet.

    TVTropes hat eine ganze Liste von Sexy Discretion Shots. Darüber habe ich auch die Szene gefunden, aus Nackte Kanone 2 1/2: https://www.youtube.com/watch?v=Mn25PoMUuYQ Würde ich in der Schule eventuell vermeiden…

    Ah, Blade Runner. Herbst 1982 auf illegaler VHS-Kopie gesehen, auf meinem ersten Science-Fiction-Con. (Na ja, Star-Wars-Con.) Guter Film, und stilbildend. Ob man die Romanvorlage – hat mir auch gefallen, ist aber lange her – in Englisch im G8 lesen kann, weiß ich nicht. Eher schon. Wie sie ankommt, das kann ich nicht beurteilen.
    Natürlich habe ich den Schülern die Szene auch deshalb gezeigt, weil ich diese Szene stets griffbereit im Kopf habe. Und ja, damit sie mal von Blade Runner gehört haben. Frau Rau sagt zwar manchmal, ich soll die Schüler selber Sachen entdecken lassen, aber es bleibt sicher noch genug für sie übrig.

  10. Hallo Herr Rau,

    danke für diesen Artikel, er diente mir als Ideengenerator zu meiner Analyse des Edeka-Spots “Supergeil” auf YOUTUBE…bitte MEHR von solchen Analysen ;)

  11. Meine lieben Schülerchen stehen selten in Gefahr einer Überinterpretation von sprachlichen Bildern, nein im Gegenteil – einige sind regelrecht blind für mögliche andere Bedeutungen.
    Ich frage mich da manchmal, ob ihre Welt dann nicht ein klein wenig… ähm… langweilig ist? Für meine liebe Tamara ist das einfach eine Fahrt in einen Tunnel…

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