Ant-Man (2015)

Vorspann

ant-man_2015Ich weiß, ich höre mich an wie der eine, der mir mal auf einer Party den Unterschied zwischen Techno und Electronic Body Movement erklärt hat, oder wie Bob aus Bob’s Country Bunker, bei dem es großzügig beides gibt: Country und Western – aber auch bei Superheldenfilmen gibt es Unterschiede.

Sind die Filme düster und die Namen der Superhelden zusammengeschrieben (Superman, Batman), basiert der Film auf Comics des Verlags DC. Über die reden wir gar nicht, obwohl die sicher auch ihren Platz irgendwo haben mögen. Und dann gibt es die Filme, bei denen die Superhelden einen Bindestrich haben oder mit einem Leerzeichen geschrieben werden: Spider-Man, Ant-Man, Iron Man, Captain America, X-Men. (Thor und Hulk fallen wegen Kürze heraus.) Diese Filme basieren auf Comics des Verlags Marvel. Das sind historisch die Guten, jedenfalls von den 1960ern bis vielleicht Ende der 1980er Jahre, danach verschwimmen die Unterschiede. Allerdings werden die Filme von drei verschiedenen Gruppen produziert, obwohl natürlich auf allen „Marvel“ steht: Die Rechte für Spider-Man liegen bei Sony, und nach einem guten Anfang sind die letzten Filme enttäuschend. Die Rechte für X-Men und Fantastic Four liegen bei Fox, und während die X-Men-Filme ganz okay sind und man Fox dankbar dafür sein muss, dass sie die Superhelden-Welle damit losgetreten haben (und Sony dafür, ihren ersten Höhepunkt produziert zu haben), sind die Fantastic-Four-Filme durch die Bank …unbeliebt. (Hier eine Reihe Verrisse des aktuellen.)

Und dann gibt es die von Marvel (inzwischen zu Disney gehörend) selbst produzierten Filme: Das sind die guten Filme. Das fing 2008 an mit Iron Man (Blogeintrag) und hat noch nicht aufgehört. Der letzte Film aus diesem Haus ist nun eben Ant-Man.

Kurzfassung: Hat mir gut gefallen.

Das Eigentliche zum Film

Der Film ist eine Nummer kleiner als die letzten Riesenschlachten aus dem Haus Marvel, und das war überfällig. Ich möchte nicht nur bombastische Superheldenfilme, sondern Superheldenkomödien und Superheldenkrimis. Diesmal geht es letztlich um einen Einbruchdiebstahl bei einem Hi-Tech-Schurken. Vater, Tochter und Quasi-Adoptivsohn planen das ganze in einem zwar sehr gediegenen, aber trotzdem eher hausbackenen Wohnzimmer. Danach stößt ein Unterstützungsteam von drei Assistenten dazu, die nicht gerade den kompetentesten Eindruck machen: das sind übrigens sehr schöne Nebenfiguren. Dass sie sich dann als erstaunlich fähig erweisen: geschenkt, ebenso wie das schnelle Training des Helden, die fehlende – von mir auch nicht vermisste – Erklärung für die Technik der Kommunikation mit Ameisen. Auch sonst war mir nicht immer klar, warum etwas genau so und nicht anders gemacht werden musste, aber das ist halt bei Einbruchdiebstahlsfilmen so.

Pluspunkte:

  • Relativ viel Zeit wird auf das Training mit den Ameisen und dem schrumpfenden Kampfanzug verwendet, mehr als bei den anderen Filmen. Thor haut mit dem Hammer drauf, Captain America wirft ein Schild, Iron Man ist eine Panzerrakete, das bedarf wenig Erklärung. Aber was man für Tricks anwenden kann, wenn man die Größe ändern kann, das erfordert etwas mehr Erklärung, und die kriegen wir auch.
  • Im Zusammenhang damit macht auch zum ersten Mal 3D tatsächlich für mich Sinn. Es gibt oft etwas Ameisengroßes zentral im Bild vor reichlich Hintergrund. Da kommt das 3D gut.
  • Im Original ansehen: Da gibt es ein paar Schwerze mit lippensychronem Off-Erzähler, die in der Übersetzung nicht so gut funktionieren könnten.
  • Das Verhältnis von Held und Schurke ist ähnlich wie in Iron Man: Ein Erfinder erfindet eine Rüstung, gibt sie aber nicht her; sein Freund-Konkurrent stiehlt ihm Firma und baut seine eigene Rüstung. Aber hier ist das besser motiviert, und der Held ist zweigeteilt: Der Erfinder, Hank Pym (Michael Douglas) war in den späten 1980er Jahren aktiv, sein Nachfolger-Konkurrent-Ziehsohn baut die Erfindungen von damals nachb, und der andere Held ist Scott Lang (Paul Rudd), im Kostüm des alten.
  • Humor. Kennt man von Marvel. Der Regisseur Peyton Reed hat mir davor schon bei Down with Love gefallen. Klar kann man sich fragen, was aus dem Film geworden wäre, wenn Edgar Wright bei dem Projekt geblieben wäre – der von Shaun of the Dead und so weiter. Vielleicht noch etwas Besseres, ja.
  • The Quantum realm: Wenn man ganz arg schrumpft, kommt man in einen merkwürdigen Bereich. Es wird gemunkelt, dass Doctor Strange (mit Benedict Cumberbatch) darauf zurückgreifen wird. Das sah zwar nicht unbedingt nach den gezeichneten magischen Welten von Steve Ditko aus (der Doctor Strange gezeichnet hat), sondern eher nach einem Kosmos von Jacky Kirby – wo sich die Fantastischen Vier üblicherweise herumtreiben. Mal schauen, ob noch etwas daraus wird.

Minuspunkte:

  • Sollen wir tatsächlich einmal wegen einer toten Ameise eine Träne vergießen? Die Szene ist dankenswert sehr kurz, aber dann hätte man sie bitte gleich weglassen können – oder das Verhältnis Mensch-Ameise genauer untersuchen sollen.
  • Die Frauenrollen. Eher: Rolle. Es gibt von einem Gastauftritt abgesehen nur eine. Die (Evangeline Lilly) ist an sich eine sehr gute Figur. Aber auch sie muss am Schluss den Helden küssen. Das war mir nicht motiviert genug.

Historisches:

  • In den Comics ist der ursprüngliche Ant-Man Hank Pym. Ich kann verstehen, dass sie den nicht als Held genommen haben. Er hat lange keine besondere Identität – aber er war ja auch nicht als Superheld geboren: Januar 1962 erschien eine einzelne Geschichte in Tales to Astonish #27, das damals nichts mit Superhelden am Hut hatte, denn Marvel fing just da an damit, sie wiederzuerwecken. In dieser Geschichte ging es um einen Wissenschaftler, der ein Schrumpfserum an sich testet und mit Mühe und Not aus einem Ameisenhügel entkommt. Geschichten dieser Art, um letztlich austauschbare Wissenschaftler und die Folgen ihrer unbedachten Experimente gab es zuhauf. Aber diesmal war die Figur besonders beliebt und durfte ein paar Monate später noch einmal Abenteuer erleben, diesmal mit einem Kostüm: Ant-Man. (Man bemerke den Bindestrich.) Weil der immer noch eher blass war, bekam er bald eine Partnerin, die Wespe, mit mehr Persönlichkeit.
    Erst später entwickelte Ant-Man/Hank Pyn dann eine Persönlichkeit, oder sogar mehrere davon: Erst wurde er Giant-Man, dann Goliath, dann wurde er in einer psychotischen Phase zum schurkenhaften Yellowjacket.
    Sein Nachfolger, Scott Lang, brachte genug Hintergrund für einen Film mit: Ehemaliger Straftäter, alleinlebend, geliebte kleine Tochter.

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