Hierokles und Philagrios, Philogelos

Warum musste ich „bin ja bald achtavierzg“-Jahre alt werden, bevor ich von diesem Buch erfahren habe? Hintergrund, aus Wikipedia und einem Nachwort zusammengeklaut: Im 4. Jahrhundert nach Chr., vielleichwahrscheinlich, erschien diese auf griechisch verfasste Witze-Sammlung. Sie ist in mehreren Versionen überliefert, keine davon vollständig, und enthält wohl auch älteres Material. Dass es solche Sammlungen gibt, weiß man aus anderen Quellen, aber diese ist die einzige, die überlebt hat. Über die Autoren (eher: Herausgeber, Sammler) weiß man wohl auch nichts, und der Zweck der Sammlung ist nicht ganz klar – vielleicht diente sie als Vorbereitung auf Feste von armen Gästen, von denen erwartet wurde, dass sie zur Unterhaltung beitrugen.

Manche der Witze sind unverständlich, andere nicht besonders witzig. Aber viele haben sich erstaunlich gut gehalten – und viele sind kaum verändert noch heute in ebensolchen Witzesammlungen und im Web zu finden. Es gibt keine Häschenwitze, aber sonst viele vertraute Kategorien: Witze über Studierte und das Äquivalent zu Ostfriesenwitzen.

Hier gibt es die Witze auf altgriechisch, dort eine Auswahl an englischen Übersetzungen. 2008 will man einen Witz als Ursprungsfassung des „Dead Parrot sketch“ von Monty Python ausgemacht haben:

Kommt ein Mann zu einem anderen, der ihm einen Sklaven verkauft hat, und beklagt sich, dass der Sklave gestorben sei. Sagt der Verkäufer: „Also bei mir hat er das nie gemacht.“ (18)

Mein Favorit ist der hier:

Ein Irrer träumte, er sei in einen Nagel getreten. Nach dem Aufwachen verband er sich den Fuß. Ein anderer Irrer, der das mitkriegte, sagte darauf: „Kein Wunder, dass die Leute denken, wir seien verrückt. Warum ziehst du denn keine Sandalen beim Schlafen an?“ (15)

Im Original waren das Studierte, aber es passt viel besser angewendet auf die in meiner Kindheit einst populären Irrenwitze.

Jemand machte sich über einen Mann lustig und sagte, dass er mit dessen Frau schliefe. „Ich muss ja,“ antwortete der Mann, aber wieso nimmst du das auf dich?“ (263)

Und ein letzter:

Ein Wahrsager stellte ein Horoskop für einen kleinen Jungen auf. „Der wird mal ein Rechtsanwalt,“ sagte er, „dann ein Beamter, dann ein Statthalter.“ Aber als das Kind starb, beschwerte sich die Mutter beim Astrologen: „Er ist tot, der doch Rechtsanwalt, Beamter und Statthalter werden sollte.“ „Bei der Seele des Toten,“ antwortete der, „ich schwöre, wenn er nicht gestorben wäre, ware das genau so eingetroffen!“ (202)

Die genannten Fasssungen sind meine eher freien Übersetzungen aus dem Englischen, da die deutsche Übersetzung, die ich tatsächlich gelesen habe, wohl noch geschützt sein wird. Insofern sollte man sich, wenn am genauen Wortlaut interessiert ist, eine Ausgabe besorgen – meine habe ich gebraucht für einen Euro gekriegt.

Ich vermute mal, dass Witze ähnlich wie Märchen nicht nur mündlich tradiert werden. Auf ein paar mündliche Generationen folgt wieder eine schriftliche Generation, die den Grundstein für weitere mündliche Weitergabe liefert. Trotzdem finde ich es erstaunlich, wie alt manche unserer Witze schon sind.

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