Ah, Schulanfang!

Was für ein schöner Beruf: Einmal im Jahr, Mitte September, sozusagen im frühlinghaften Wonnemonat des Lehrerberufs (siehe auch Eugen Roth, “So ist das Leben”) – einmal im Jahr mindestens fühlt man sich voller Schwung und Optimismus, will die alten Fehler vermeiden und neue ausprobieren, freut sich auf neue Gesichter (Schüler) und ist nur mäßig mürrisch gegenüber den alten (Kollegen).

Der Herbst kommt dann früh genug.

– Gestern war die Eröffnungskonferenz. Ich habe Fotos der neuen Kolleginnen für die Fotowand gemacht und gleich mal nach ihnen gegoogelt. (Es war eine lange Konferenz, die mich nicht völlig forderte.) Mein Stundenplan ist gut, wie jedes Jahr, ich bin aber auch leicht zufrieden zu stellen. Spannende Klassen, aber jede Klasse ist spannend, zumindest im September.

Ansonsten viele spannende Interna.

9 Antworten auf „Ah, Schulanfang!“

  1. Da hab ich gleich wieder eine Frage, die beschäftigt mich schon viele Jahre:
    Werden die Schüler eigentlich irgendwann zu einer gesichtslosen Masse? Wenn ja: Von welchen Faktoren hängt das Ihrer Meinung nach ab?
    Professoren sagen es liegt einfach an der Menge. Bei 400 Studenten oder so im Hörsaal, und das noch halbjährlich, da glaube ich das auch gerne. Da merkt man sich nur die, die durch irgend etwas hervorstechen. Aber ist das bei Lehrern nicht auch schon eine Menge? Also bei 40 Schülern pro Jahr kommt da schon was zusammen.

    Ich hatte damals Lehrer, die haben schon ein Jahr später bei manchen meiner Schulkameraden nicht nur die Namen vergessen, sondern auch dass sie diese Schüler jemals gesehen hatten (oder gaben das zumindest vor), während andere Jahre später auf der Straße einen vorbeikommenden ehemaligen Schüler mit Namen ansprechen konnten.
    Ich stelle mir das schwer vor, jedes Jahr so mehr oder weniger der gleiche Stoff, man hat das ganze hundertmal erzählt (ok, vielleicht bei einem Physiklehrer oÄ schlimmer als in Deutsch oder Englisch), und die Schüler rauschen geradeso durch. Gerade wenn man sich die Namen gemerkt hat sind sie wieder weg.

    Und wenn es so ist mit dem vergessen, meinen Sie das ist etwas gutes oder schlechtes? Ich bin mir ziemlich sicher dass die Lehrerschaft da geteilter Meinung ist.

  2. >Werden die Schüler eigentlich irgendwann zu einer gesichtslosen Masse?

    Nein, nie. Wenn 400 vor einem sitzen: klingt nachvollziehbar, aber um die 30 da sitzen, dann nicht. Selbst wenn es, alle Klassen zusammengezählt, 200 sind (mein Maximum). Wenn es mehr werden, wenn man etwa Musiklehrer ist, dann kann ich das nicht beurteilen.

    Das heißt aber nicht, dass man nicht nach einem Jahr sehr viele vergisst. Nach ein, zwei Jahren kann ich mich kaum mehr an Namen erinnern, an Gesichter eher. Aber auch da: Bloß weil man ein Jahr lang zusammengearbeitet hat, heißt das nicht, dass man im nächsten Jahr (wo man mit neuen Schülern eine Beziehung eingegangen ist) die alten noch vor Augen hat.

    Klar ist, dass bestimmte Klassen einem besser hängen bleiben als andere. Das hängt an vielen Sachen.

  3. @Aginor
    Ich stelle fest, dass bei mir der aktuelle Jahrgang sehr präsent ist – natürlich gibt es Schüler, die ich 1x pro Woche sehe und über die ich sehr wenig weiß, auch noch im Juli. Aber Klassen, die ich häufiger habe, die sind nie einen gesichtslose Masse. Manche sind präsenter als andere, aber ich interessiere mich für alle und habe sie auch im Kopf – die Leute, die mir sehr viel Kopfzerbrechen machen, mit denen ich besonders gut “kann”, oder die in irgendeiner Weise aus der Masse herausstechen, merke ich mir jahrelang und kann dann auch wieder anknüpfen, wenn ich sie zufällig sehe.
    Schüler, die ich nach einem Jahr nicht mehr unterrichte, kickt mein Gehirn pünktlich vor dem nächsten Schuljahr auf eine niedrigere Stufe der Bedeutsamkeit – ich vergesse sie nicht, aber sie fungieren in meinem Gehirn unter “ferner liefen” (abgesehen von denen, die ich mir aus oben genannten Gründen sehr gut gemerkt habe). Ich erkläre mir das mit der “monkey sphere”, den ca. 150 Leuten, mit denen man sich umgeben und zu denen man eine persönliche Beziehung aufbauen kann. Ich unterrichte im Jahr ca. 120–150 Schüler, die sind in dem einen Jahr “meine” “monkey sphere”, nach diesem Jahr müssen die Plätze frei werden für die nächste Generation meiner “monkey sphere”…klingt seltsam, für mich aber schlüssig. :-)

  4. Alles Gute, nicht nur zum Schulanfang – Sie sehen aber noch deutlich jünger aus :-) (cooler Avatoon)
    Danke für das Roth’sche Gedicht.
    Anne
    (neue Kollegen googlen… eigentlich naheliegend, aber darauf muss man erstmal kommen)

  5. Avatoon war ein Geburtstagsgeschenk. Ja, auf meinen jugendlichen Charme bin ich heimlich stolz. (Also, nicht so heimlich, halt.)

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