E.T.A. Hoffmann, „Die Räuber“ (und anderes im Urlaub Gelesenes)

E.T.A. Hoffmann, „Die Räuber“

(Text.) Zwei junge Leute („mögen sie Hartmann und Willibald genannt werden“) ziehen auf Abenteuer Richtung in Italien und geraten in einen Räuberhinterhalt in einem Wald in Böhmen. Glücklich entronnen werden sie vom örtlichen Grafen aufgenommen. Der heißt Maximilian und hat einen Sohn Franz. Auf dem Schloss lebt auch die Gräfin Amalia, die von Franz begehrt wird, dessen Liebe aber nicht erwidert. Ha, denken sich Hartmann und Willibald, das ist ja fast wie bei Schillers Räubern, fehlen nur noch ein Bruder Karl und ein Diener Daniel. Sie sprechen Franz auf die Ähnlichkeit in der Konstellation an. Der erbleicht. Denn natürlich gibt es noch einen Bruder, Karl mit Namen, der tatsächlich unter die Räuber gegangen ist. Und Daniel, den Diener, gibt es auch.
Die Geschichte entwickelt sich dann auch weiter wie bei Schiller. Allerdings ist Karl wohl wirklich ein fieser Räuber, und Amalia liebt ihn als Unwürdigen. Am Schluss brennt das Schloss, das Geschlecht wird ausgelöscht, wie wir in zwei Briefen lange nach der Haupthandlung erfahren.
Spuren von Usher und, natürlich, Rosencrantz und Güldenstern. Ein toller Ausgangspunkt für eine Geschichte, ein schöner letzter Absatz („Willibald und Hartmann, gedenken aber noch jetzt […] oft jenes entsetzlichen Trauerspiels in Böhmen, dessen ersten Akt ein seltsames Verhängnis sie mitspielen ließ, und in ihrem innersten Gemüt erbeben dann tiefe Schauer“) – aber was ein Borges oder eben Tom Stoppard daraus gemacht hätten, das entgeht Hoffmann noch. Ist aber auch eine nachgelassene Novelle.

E.T.A. Hoffmann, „Ignaz Denner“

(Wikipedia.) Eine wilde Räubergeschichte. Der brave Andres, gräflicher Jäger in ärmlichen Verhältnissen, erhält immer wieder finanzielle Hilfe und Arznei für seine schwerkranke Frau von einem Fremden, der ihn in einigermaßen großen Zeitabständen besucht. Schließlich stellt sich heraus, dass der Fremde Ignaz Denner ist, berüchtiger Anführer eine Räuberbande. Er verstrickt Andres in seine Machenschaften. Nachdem er sich schuldig gemacht hat, will Andres nichts mehr von Ignaz wissen. — Später wird das Gut des Grafen überfallen, Andres ist auf einer Reise und hat kein Alibi. Nach seiner Rückkehr erfährt er, dass Ignaz seinen (Andres‘) jüngsten Sohn getötet hat. („Die ganze Stube voller Blutflecke an dem Boden, an den Wänden, sein jüngster Knabe mit zerschnittener Brust tot auf seinem Bettchen.“) Außerdem wird Andres als Mittäter unschuldig eingekerkert.
Jetzt geht die Geschichte erst richtig los. Ignaz ist nicht nur heimlich der Vater von Andres‘ Frau, sondern ein Hexenkünstler, der aus dem Blut von Kindern Untersterblichkeitsserum gewinnt. Das hat er bei seinem Vater gelernt, einem noch fieseren Schwarzkünstler, der auch noch auftaucht. Andres erhält doch noch ein Alibi und wird gerettet, aber seine Frau stirbt bald, und Denner macht sich an das zweite Kind heran. („Vor dem Feuer lag Georg nackt ausgebreitet auf einer Art Rost, und der verruchte Sohn des satanischen Doktors hatte hoch das funkelnde Messer erhoben zum Todesstoß.“)
In der zweiten Hälfte der Novelle driftet die Geschichte gehörig ins Gruselig-Konstruierte ab. Interessant.

E.T.A. Hoffmann, „Haimatochoare“

(Wikipedia.) In dieser sehr kurzen Briefnovelle wird die wachsende Feindschaft der eigentlich befreundeten englischen Naturforscher J. Menzies und A. Brougthon erzählt. Sie entzweien sich während einer Expedition nach Hawaii, wo der eine eine bezaubernde Südseeprinzessin entführt und der andere darauf besteht, dass sie ihm gehört. Bei Wikipedia wird die Pointe verraten.

Charlotte Perkins Gilman, „The Yellow Wallpaper“

(Wikipedia, wo auch Link zum Volltext.) Eine Gruselgeschichte von 1892, die ich als ebensolche als junger Mensch kennenlernte. Eine kränkelnde Frau, die unzuverlässige Erzählerin, wird nach und nach wahnsinnig in dem Zimmer, in das ihr Mann sie zur Rekobvaleszenz drängt. Auslöser ist das Muster der gelben Tapete, nach und nach entdeckt sie darin eine Frauenfigur, die einem Gittermuster im Vordergrung zu entkommen versucht. Man kann die Geschichte mindestens als Gruselgeschichte lesen, als Chronologie eines Wahnsinn, und natürlich drängt sich heute – aber wohl schon zur Entstehungszeit – eine feministische Deutung auf.

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