Zimmer mit Aussicht

Anfang der Ferien suchte ich nach einem Reiseziel und hatte Schwierigkeiten damit. Frau Rau hatte schon mal Erfahrungen mit dem Reiseveranstalter Studiosus gemacht, und kurz entschlossen buchte ich dort acht Tage geführtes Griechenland. Athen und die Peloponnes. Wegen Sonnenschein, Antike und modernem Griechenland.

Jetzt bin ich also Teil einer Reisegruppe (von 14 Personen). Das ist sehr interessant und passt zu meiner aktuellen Lektüre. Da muss ich etwas ausholen: Bei meinem aktuellen W‑Seminar bin ich auf einen deutschen Autor von Schauerromanen aus dem frühen 19. Jahrhundert gestoßen, über den ich mehr wissen wollte. Unter anderem besorgte ich mir eine Aufsatzsammlung zum Trivial- und Schauerroman jener Zeit, und einige Aufsätze darin waren sehr ergeibig. (Darüber werde ich noch einmal schreiben.) Einer brachte mich auf eine Anthologie mit Auszùgen aus Romanen dieser Zeit, Blutiges Biedermeier, und die lese ich gerade. Da werden ständig kleinere Reisegruppen von Räubern überfallen. Überhaupt: Diese Reisegesellschaften, gerne in Postkutschen, kenne ich aus vielen englischen und deutschen Romanen und Novellen. (Und aus einigen Western. Und von Agatha Christie natürlich.) Da sind kauzige Gelehrte dabei, Frauen in Männerkleidung, aufschneiderische Adlige, Priester, Studenten, züchtige Bürgertöchter, Soldaten, ehemalige Soldaten, flüchtige Gefangene, Kaufleute – solche zusammengewürfelte Reisegesellschaften über mehrere Tage gibt es heute normalerweise nicht mehr. Dafür reist man heute zu schnell.

Über die Gruppe schreibe ich diesmal nichts. Schwerpunkte Wien und München, Ich bin der einzige Lehrer darin und nicht der jüngste Mitreisende. Kuriose Gestalten gibt es, aber ich finde ja eh die meisten Menschen kurios.

Tag 1: Abholen vom Flughafen. Nachmittags ein bisschen in die Stadt gelaufen, davor auf den Lykavittós (“Wolfsberg”), die höchste Erhebung Athens. In fünfundzwanzig Minuten ist man oben, es fühlt sich aber länger an, denn es ist sehr heiß und der Weg in der Hitze mühsam. Aber ich hatte genug zu trinken dabei, kriegte Pflanzen zu sehen, wie ich sie noch nie gesehen hatte (neben herkömmlicheren Kakteen), und die größten Schmetterlinge, die ich je gesehen habe. Fotos von allem sind auf der Spiegelreflex, und ich kriege sie erst zu Hause ins Internet. Oben dann erst mal Pause bei einem Bierchen und einem Snack.
Abends traf sich dann die Gruppe zum ersten Mal, Vorstellungen, Planungen, danach gemeinsames Essen im Hotel.

Tag 2: Sehr gut geschlafen. (Am Vorabend noch Klimaanlage heruntergedreht. Vermutlich gilt es als Qualitätsmerkmal, Gästen erfrischend gekühlte Zimmer präsentieren zu können.) Frühstück mit Aussicht und süßen Feigen. Vormittags auf die Akropolis, dort Führung durch unsere Reiseleitung, Kalliopi. Damit wir sie gut hören können, spricht sie in ein Mikrofon, und wir haben einen Funkempfänger (abends aufzuladen, Mini-USB-Anschluss als Audioausgang und zum Laden) mit einem Knopf am Ohr. Das ist sehr praktisch, weil man auch bei großer Umgebungslautstärke alles hört und niemanden stört und sich frei von der Gruppe bewegen kann, weil man die Sprecherin ja auch gar nicht mehr im Auge behalten muss. Außerdem ermöglicht das das Einspielen von Audioclips. Weiße Rosen aus Athen, ahem.

Auf der Akropolis gibt’s übrigens eduroam, ein internationales WLAN von Bildungseinrichtungen und am Sendlinger-Tor-Platz in München. Wenn man von einer Uni einen Zugang gekriegt hat, kann man den überall nutzen, wo es eduroam gibt.

Am Mittag dann das neue Akropolismuseum, in dem die Statuen und Friese ausgestellt sind, die vorher auf der Akropolis waren. Bis auf die, die im Britischen Museum stehen – auf Lord Elgin ist man in Griechenland nicht gut zu sprechen. Eine Führung gekriegt. Mich gefreut über das Schild “Archaeologists are available to answer your questions.” Nachmittag und Abend frei, ich war nach ein bisschen mehr Museum noch im Dionysos-Theater am Südhang der Akropolis (kaum Leute da, im Gegensatz zu oben), danach durch die Stadt strawanzen. Ein leichtes Mittagessen:

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Bier, Raki, Wasser (kriegt man eh immer). Im kleinen Zylinder gleich die Rechnung. Dann weiter Stadt, einen sehr schönen großen überdachten Markt gefunden, auf dem es Unmengen von Fisch gab und Unmengen von Fleisch und Innereien in vielfältigen Zuschnitten. Nur wenig Käse, Obst habe ich gar nicht gesehen, Würste auch nur roh, Nüsse und Süßigkeiten draußen.

Dann wieder Hotel, duschen und fernsehen. Tippen ins Tablet, daher wohl mit viel Tippfehlern. Morgen mehr.

5 Antworten auf „Zimmer mit Aussicht“

  1. Wobei es da weniger um Reisegruppen, mehr um Räuber geht. Und Geheimbünde, Schauerschlösser, Untaten. Und doch: Den Test des “Ich will wissen, wie es weiter geht”, vor dem viel gedrechselte Literatur versagt, bestehen die Geschichten. (Tatsächlich ist der Test so falsch benannt: Er sollte auch dann greifen, wenn man die Geschichte schon kennt.)
    Von E.T.A. Hoffmann gibt es auch eine tolle Räuber-Pistole, auf deren Lektüre ich mich schon sehr freie.

  2. Was, wie? Raki? Warum denn nicht Ouzo?
    Und Pro-tipp: Vorsicht bei Tsipouro! Das Zeug ist gefährlich. Sieht aus wie Ouzo, riecht so, haut einem aber unvergleichlich die Birne weg. :D

  3. Rakí ist eine kretische Bezeichnung für Tsipouro, den habe ich getrunken, nicht den türkischen Rakı. Ich mag Tresterschnäpse lieber als Ouzo. De Rakí kann allerdings zusätzlich noch mit Anis gewürzt sein, den habe ich aber nicht probiert.

  4. Ah, da ist mir der i‑Punkt entgangen wie mir scheint. :D
    Danke für die Info! Beim Tsipouro kannte ich bisher nur die relativ heftigen 60%er (und höher). Geschmacklich war da nicht mehr viel.

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