Wer das letzte Wort hat, verliert

Als Teenager habe ich die meisten Musiker erst entdeckt, als sie schon lange nicht mehr in kleinen finnischen Clubs spielten, und gerade ihre besten kommerziellen Platten hinter sich hatten: zu spät. Und bei Diskussionen in Foren oder auf Blogsseiten kommt es mir manchmal vor, dass mein brillanter Kommentar im Zug einer gerade laufenden, hochspannenden Diskussion keinerlei Reaktion nach sich zieht. Danach gibt es nur noch Staubwolken.

Daraus habe ich unwillkürlich und – bis heute – insgeheim eine Regel abgeleitet: Wer das letzte Wort hat, verliert. Wer so dumm (oder so klug, das läuft manchmal auf das gleiche hinaus) daherschreibt, dass keiner darauf antworten will, der hat verloren.

So richtig gefällt mir das nicht, weil das quasi heißt, dass irgendwer immer der Verlier ist, und das soll ja nicht so sein. Außerdem muss man ja nicht immer Metaspiele spielen. Gab’s da nicht irgendein Auktions-Spiel, das dazu passt? Mir ist dunkel so.

(Zu einem ähnlichen Thema auch meine Gedanken zu dieser schönen Parabel lesen.)

16 Thoughts to “Wer das letzte Wort hat, verliert

  1. Das geht jetzt aber nicht gegen meinen Kommentar von eben, oder?
    Ich finde ihre Posts eigentlich immer sehr interessant, unabhängig davon was andere davor oder danach geschrieben haben. Das ist der Sinn von Blogs und ähnlichem: Meinung kundtun, Diskussion anstoßen, Menschen informieren. Das wird hier vorbildlich gemacht!

    Mich stört das z.B. in großen Diskussionsforen aber auch, ein einzelner Post an dem man lange gearbeitet hat, damit er möglich umfassend alles anspricht, wird von den meisten einfach überlesen, TL;DR sozusagen.

  2. Hm, ich dachte, das wäre mein Problem. Wir sind ja in einem Forum gemeinsam unterwegs, wo ich das bei meinen Kommentaren manchmal auch denke – nach Wochen schaut man rein und es ist immer noch der letzte Beitrag.
    Allerdings habe ich das einfach immer auf meine Genialität geschoben. Danach kommt halt nichts mehr – jedenfalls nix Vernünftiges mehr.

  3. Ja, das ist das andere Extrem.
    Manchmal kann man dem entgegenwirken indem man Fragen stellt. Aber manchmal ist die Diskussion auch einfach zu Ende, weil alle zufrieden sind. Der Unterschied ist aber zuweilen schwer zu erkennen.

  4. >Das geht jetzt aber nicht gegen meinen Kommentar von eben, oder?

    Der Artikel an sich nicht, das Timing schon.
    Aber danke fürs Mitspielen euch beiden. Ist ja gewagt, gerade unter diesen Artikel zu kommentieren…

  5. Ach, das muss man sich trauen, was hat man schon zu verlieren?
    …außer den Ruf.
    …Tja, wie kann ich jetzt meinen Ruf wiederherstellen?
    Ich muss jetzt hoffen dass noch wer anders nach mir schreibt, sonst habe ich per definitionem Unrecht. Wenn ich aber nichts schreibe dann brennt mir das nicht gesagte unter den Nägeln…

    Mann, das ist ja wie im Gefangenendilemma hier! :D :D

  6. Oh, der Hauptschulblues!
    Noch einer meiner Lieblingslehrer, der darf nicht Unrecht haben! Das nehme ich wieder. :)
    (Oh nein, Herr Rau, was haben Sie nur getan!)

  7. Ich opfere mich. Dafür habe ich schon Ferien. Und ich freue mich immer, wenn im oben schon erwähnten Forum die richtigen Leute das letzte Worte haben sollten – also schreib ruhig. ;)

    Markus

  8. @Db Sehr schönes Kunstwerk, das. Erinnert mich an das Kartenspiel „Nuclear War“ (1965 bis heute, ich habe es in den frühen 1990ern gespielt). Jeder Spieler hat Bevölkerung und Atomsprengköpfe (und Trägerraketen), wessen Bevölkerung ausgelöscht wird, der darf alle verbliebenen Sprengköpfe losschicken. Das führt oft dazu, dass in einer Kettenreaktion dann plötzlich alle verloren haben.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_War_%28card_game%29

  9. Na da muss ich doch glatt das zitieren anfangen:
    „A strange game. The only winning move is not to play.“

  10. Was man hier alles kennenlernt… wow, 50 Jahre alt, ich hätte es auf die 1980er geschätzt, passend zum Film „War Games“ (und bei den Stichworten „Spiel“ und „Atom“ war sofort Evelyn Hamann im Ohr).

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