Aber die anderen dürfen das doch auch…

Das hört man immer wieder mal in der Schule. Bei den anderen ist das erlaubt, warum dann nicht bei uns? Bei denen geht das, dann muss das auch bei uns gehen!

Vielleicht gibt es zu wenig Zwillinge auf der Welt. Zwillinge entwicklen im Lauf der Zeit ein feines Gerechtigkeitsempfinden. Ja, zuerst geht es darum, dass jeder Zwilling exakt die gleiche Kleidung kriegt und die gleichen Portionen vom gleichen Teller. Später wird das differenzierter: Wenn der eine eine Gitarre zu Weihnachten kriegt, kann der andere durchaus etwas anderes kriegen. (Ich spreche aus Erfahrung.)

Oder es spielen zu wenige diese Ressourcen-Management-Spiele, so wie Sim City:

informatik_frauenanteil_sim

Bei diesen Spielen lernt man, dass man nicht alles haben kann, nicht gleichzeitig jedenfalls; wenn man den einen Regler nach rechts dreht, steigen manche Werte und andere sinken. Und man hat nur begrenzte Ressourcen.

Deshalb finde ich sehr informativ, wenn Schülerinnen mir sagen, dass sie etwas bei Kollegin A dürfen, was sie bei mir nicht dürfen. Das finde ich auch okay – Lehrer sind verschieden, manche Dinge stören mich, andere nicht; es gibt ein paar feste Regeln aber auch viel Gestaltungsfreiraum.

Aaaaaber eigentlich geht es mir ja mehr um die Kollegen. Von denen höre ich auch ab und zu mal “An meiner alten Schule durften wir [diesmal sind die Kollegen gemeint] das aber”. Missversteht das nicht: Ich finde es enorm wichtig, dass man weiß, wie Dinge an anderen Schulen gehandhabt werden. Denn das ist ein prima Gegenargument gegen die Behauptung, irgendetwas sei unmöglich oder verboten.

Aber dass etwas an einer Schule geht, ist natürlich kein Argument dafür, das an einer anderen Schule auch einzuführen. Das wissen Zwillinge und Computerspieler.

2 Antworten auf „Aber die anderen dürfen das doch auch…“

  1. Interessanter Ansatz, mit den Computerspielen als Erklärung. Finde ich als Gamer natürlich super.

    Im vorliegenden Fall finde ich natürlich interessant zu ergründen, woher denn diese Erwartungshaltung kommt, es würde überall gleich laufen. Bei den Schülern vielleicht verständlich “Schule ist Schule, die haben doch immer die selben Regeln oder?”, bei den Lehrern müsste doch aber das Verständnis dafür schon da sein, dass Schulen unterschiedliche Regeln haben was viele Bereiche angeht. Natürlich kenne ich die bayrische Schulordnung nicht, also wie sehr sie für die Regeln in die Details geht, aber ich kann mir vorstellen dass die nicht sooo sehr in Stein gemeißelt sind heutzutage, so im Vergleich zu 1920 oder so.

    Der Vergleich Leben mit Computerspiel erinnert mich übrigens entfernt an einen Artikel den ich heute morgen gelesen habe, und den ich gerade jedem verlinke, weil ich ihn für einen guten Diskussionsansatz halte:

    https://medium.com/life-learning/your-life-is-tetris-stop-playing-it-like-chess-4baac6b2750d#.atkhpzbj1

    Gruß
    Aginor

  2. Das ist wohl alles einfach zutiefst menschlich-natürlich.

    (Link, gelesen, danke. Mir ging’s mal in einer Backgammon-Phase so, dass ich die ganze Welt durch einen Backgammon-Filter gesehen habe.)

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