Unterricht im Kollegstufenzimmer

Die Kollegstufe, sie heißt schon lange nicht mehr so in Bayern, aber im KoZi (Kollegstufenzimmer) lebt sie noch weiter. Heute musste ich mit meinem W-Seminar aus technischen Gründen umziehen, und ein anderes Klassenzimmer war gerade nicht da, die Bibliothek auch nicht wirklich geeignet – da boten die Schüler das KoZi an. Als Lernort: sagenhaft.

Unterricht im Kollegstufenzimmer

Heute wäre ohnehin eine Doppelstunde gewesen, in der wir – über ein vorbereitetes Thema – geredet hätten; ich hätte die Stühle im Klassenzimmer im Kreis aufgestellt. Aber so ist das noch viel besser! Es gab nicht viel aufzuschreiben, jeder sollte etwas sagen, in lockerer Atmosphäre. Und das geht ganz wunderbar im Kozi. Die Gestalt oben auf dem Sessel mit der Decke bin übrigens nicht ich.

Solche Lernorte kenne ich vom Studium in England. In der Sprachwissenschaft weniger, aber sowohl der Sprachphilosopiekurs (Language, Truth and Literature, oder so etwas – Derrida und Russell und Wittgenstein und Heidegger) als auch Modern Poetry (Ezra Pound) fanden in den Büros der Dozenten statt, mit jeweils nur sechs oder sieben Teilnehmern, bequem auf Sesseln und Couches, und man unterhielt sich über die vorbereiteten Texte. Besser geht’s nicht.

Mit einer Unterstufe will ich das nicht machen, aber Oberstufenunterricht, bei dem geredet wird, den würde ich am liebsten jedesmal im KoZi halten. Womöglich noch mit Kaffee und Kartoffelchips!

(Vor Fotografieren gefragt, klar.)

3 Antworten auf „Unterricht im Kollegstufenzimmer“

  1. Wunderbar! Das ist ein toller Lernort! Es kommt gar nicht so selten vor, dass man in der Schule Neues entdeckt, weil man ausweichen muss oder es irgendwo eine Panne gegeben hat. Manchmal hätte ich als Leiterin Lust, kurzfristige Probleme gar nicht mehr schnellstens zu lösen, sondern alles im positiv unkontrollierten Sinne laufen zu lassen.

  2. Ich denke immer gerne an die Zeiten zurück, noch im alten Schulgebäude, als mal eine Tür im Klassenzimmer fehlte oder der Schulgong ein paar Tage nicht funktionierte: das war unkontrolliert und sehr schön.

  3. Das ist echt ein netter Raum, erinnert mich ein bisschen an das Fachschaftszimmer während meines Studiums. Nur mit weniger Bier halt. :D

    Alternative Lernorte fand ich auch als Schüler schon interessant, wobei ich aber die Einschätzung teile dass die Effizienz des lernens abhängig vom Alter der Schüler stark schwanken dürfte.
    Bei uns gab es damals einen der Lehrer, der in derartigen Stunden gerne mal freiwillig wo anders hinging. Im Sommer konnte es gut sein dass die Stunde in den Pausenhof verlegt wurde, und das eine oder andere mal fand das ganze in der Aula statt. Man lernte wie es ist, in einem großen Raum zu sprechen, und auch in Anwesenheit von Leuten die es nicht interessiert was man da redet.
    Er ist mir (im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen) gut in Erinnerung geblieben. Ging nicht jedem so, aber ich fand das gut. Das gewohnte Umfeld Klassenzimmer mal austauschen, wenn es praktikabel ist. :)

    Gruß
    Aginor

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