Theorie und Praxis organisierter Lehr- und Lernvorgänge (außerunterrichtlich)

By | 23.4.2017

In den Osterferien habe ich mal beim Probestudium Informatik an der LMU vorbeigeschaut und auch einen Schüler von mir getroffen. Die sechs Jahre zuvor war ich jeweils daran beteiligt gewesen, mit Workshop und so, aber es ist schön, die Osterferien auch mal mit freien Tagen beginnen zu können.

Am letzten Freitag war ich an einer befreundeten Uni als Referent eingeladen, eher so als Trainer, oder Coach, oder was auch immer. Und Mensch, habe ich mich verrückt gemacht davor. Es ging darum, dass künftige Informatiktutoren – also Studierende, die die Übungen zu den Vorlesungen begleiten, die Übungsaufgaben korrigieren, Teilnehmerfragen beantworten – einen ganzen Tag lang einen Workshop dazu kriegen sollten, der sie aufs Tutorensein vorbereit. Oder so. Und weil ich so etwas noch nie gemacht habe, habe ich zugesagt.

Wenn ich weiß, was ich Leuten beibringen soll, dann kann ich das. Aber in den ersten Jahren in der Schule, an der Uni, und auch jetzt wieder – da habe ich immer große Zweifel, was ich überhaupt beibringen soll, udn wieviel sich überhaupt in Veranstaltungen lernen lässt. Und gerade lehren… woher soll ich denn wissen, wie das geht? Ich weiß, wie ich das mag, und ich das mache, aber das ist doch nicht allgemein gültig.

Obendrein wurde ich für die Veranstaltung gut bezahlt, wollte also wirklich auch etwas bringen. Nun, es lief dann doch ganz glimpflich ab.

Allerdings war ich unrasiert. Denn am Sonntag danach war ich Haar- und Bartmodell bei einer Friseurschulung. Man hatte mich darauf angesprochen, und weil ich so etwas noch nie gemacht habe, habe ich zugesagt. So ist das halt immer. – Aufgeregt war ich da aber nicht. Aber doch, wenn man dann mit dem Rasiermesser rasiert wird, zweimal, dann denkt ein Germanist schon automatisch immer an den Barbierjungen von Segringen. (Und Western, also ich zumindest.)

Zum Friseur gehe ich gerne, auch wenn es für den mit den Jahren immer weniger zu tun gibt. Ray Bradbury fasst das in Death is a Lonely Business schön zusammen, indem er den Anfang von Moby Dick abwandelt:

Every time it is a damp drear November in my soul I know it is high time to go from the sea again, and let someone cut my hair.

Vorher-/Nachher-Bild:

Herr Rau vor Rasur und HaarschnittHerr Rau vor Rasur und Haarschnitt

(Und ja, der letzte Haarschnitt ist nicht so lange her, deswegen sieht man obenrum nicht so viel.)

Und ein bisschen etwas Friseurliches habe ich auch gelernt, weil ich ja zugehört habe, wie der Ausbilder den Kursteilnehmern das erklärt hat.

8 thoughts on “Theorie und Praxis organisierter Lehr- und Lernvorgänge (außerunterrichtlich)

  1. Hauptschulblues

    Ich muss mich auch unbedingt einmal rasieren lassen; mein Friuseur spricht schon lange davon.
    Es muss etwas Besonderes sein.

  2. Beelzebub Bruck

    Darf man sich jetzt wieder rasieren lassen? Mir erklärte ein Friseur mal, dass derlei in unserem Land gar nicht mehr erlaubt sei, wegen HIV-Infektionen und so. Allerdings war das vielleicht nur eine faule Ausrede, die mir ein Gemetzel erspart hat. In Sizilien und in der Türkei rasiert sehr man ordentlich, vergisst auch Augenbrauen, Nase und Ohren nicht, allerlei erfrischende Duftwässerchen … In Albanien habe ich mich nicht getraut, trotz des erstklassigen Haarschnitts dort.

  3. D.

    Ich habe mal jemandem vor mehr als einem Jahrzehnt einen Rasierkurs geschenkt. Der Barbier (so nenne ich ihn mal) erklärte vorab detailliert, welche Messer taugen, wie man sie schleift & pflegt, wie man die Haut vor- und nachbereitet, wie der Schaum beschaffen sein muss und last but not least: wie man raisert. Dann ging es in die Praxis und er rasierte Schritt für Schritt die Vorgehensweise erklärend die eine Gesichtshälfte seines Probanden, gab ihm dann das Messer in die Hand und sagte lächelnd: „Und nun Sie. Und nicht vergessen: Jede Narbe, die Sie sich mit dem Messer zufügen, bleibt sichtbar.“.

    Früher lernten Friseure das Rasieren an Luftballons.

  4. Aginor

    Hehe, ich muss beim Rasiermesser auch immer analog zu Herrn Raus Beispiel an Sweeney Todd denken. :D

    Es ist Friseuren nicht gesetzlich verboten zu rasieren und war es soweit mir bekannt ist auch nie.
    Habe das auch schon machen lassen (vor ein paar Jahren bei einem türkischen Friseur in meiner Stadt. War selten besser rasiert muss ich sagen, der Mann verstand sein Handwerk. Höre auch dass alte italienische oder spanische Salons es noch recht häufig anbieten).

    Es gibt da Vorschriften die die Friseure einhalten müssen, insbesondere eben für die Messer entweder Einwegklingen zu verwenden oder diese nach irgendwelchen Vorschriften zu desinfizieren usw. Daher machen es die meisten Friseure nicht. Zu aufwendig, zu komplex, schwer einzuhaltende Vorschriften machen es juristisch ein wenig riskant. Zudem wird es den Lehrlingen heute in der Berufsschule nicht mehr beigebracht, man muss einen extra Kurs machen.
    Meist sind es auch recht teure Friseure die das anbieten, denn es ist zeitaufwändig und damit teuer. In der heutigen Zeit, in der es sehr viele Billigfriseure gibt, und auch fast jeder erwartet dass alles billig ist beim Friseur, ist das natürlich schwer.

    Gruß
    Aginor

  5. Herr Rau Post author

    >Zudem wird es den Lehrlingen heute in der Berufsschule nicht mehr beigebracht, man muss einen extra Kurs machen.

    Ja, so ein Barber-Kurs muss das auch gewesen sein, wo ich war. Erst Öl, damit, uh, weiß nicht; dann Rasierschaum (die brushless variety, sihee auch Burma Shave) zum Weichmachen der Haare, dann heißes Handtuch, zum Öffnen der Poren, was wiederum die Barthaare aufrichtet, dann nochmal Schaum, dann die erste Rasur. (Und ja, das ganze Drumrum auch deshalb, um dem Kunden erklären zu können, wieso das dann 30 Euro kostet.)

    Und dazwischen immer wieder: desinfizieren. War dann auch schön glatt danach.

  6. Joël

    Wie sie vermutlich wissen, war ich ja in meinem früheren Leben Friseur/Barbier. Hach, da kommen Erinnerungen und Anekdoten hoch…

  7. Herr Rau Post author

    Barbierblog? (Gibt’s bestimmt schon.) Glücklicherweise übten die Teilnehmer am Sonntag nur das Rasieren und Schneiden und nicht die Konversation, ich bin nämlich ein eher schweigsamer Friseurbesucher. Aber das lernt man wohl im Job, das mit der Konversation.

  8. Joël

    Ich habe das Wort Barbier gewählt, weil ich es so viel schöner finde als Herrenfriseur.
    In die Maskenbildnerei bin ja ein später eingestiegen.
    Das mit der Konversation hatte und hat übrigens ein großen Vorteil. Wenn ich heute junge ausgelernte Maskenbildner/innen sehe, können sie alle nicht mit Schauspieler umgehen, weil sie nicht die Erfahrung haben wie man mit Kunden umgeht. Denn neben dem Fachwissen, der technischen und künstlerischen Begabung ist das Zwischenmenschliche auch sehr wichtig.

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