Kleinigkeiten aus der Schule

By | 5.5.2017

Robot Karol

Diesen kleinen Clip habe ich in der 7. Klasse gezeigt, wo die Schüler und Schülerinnen mit Robot Karol arbeiten. Karol ist ein kleiner virtueller Roboter, der sich in einer zweidimensionalen Welt voller Felder bewegt und den man so programmiert, dass er Aufträge verrichtet (wie Pakete einsammeln), ohne an die Wand zu stoßen:

Das sind auch nichts anderes als viele kleine Robot Karols, die gleichzeitig durcheinanderwuseln. In der 7. Klasse fängt man halt mit einem an.

G8 oder G9 – macht keinen Unterschied

Seit ein paar Tagen geistert eine Expertise durch die Presse, die feststellt, dass es für die fachlichen Leistung keinen Unterschied macht, ob man auf dem G8 oder G9 war. Hier kann man sich die 54 Seiten pdf herunterladen: https://www.stiftung-mercator.de/de/publikation/chancengleicheit-statt-g8-oder-g9/ – ganz unten, in der Mitte. Laut dieser Expertise wurden als Leistungsindikatoren Schul- und Abiturnoten hergenommen.
Und das halte ich für völlig unbrauchbar. Klar sind die Noten gleich, egal ob G8 oder G9. Ein Kultusministerium kriegt die Noten, die es bestellt (mit vielleicht ein wenig unerwünschter Inflation). Ob die Anforderungen dabei schwerer oder leichter werden, ob die Schüler und Schülerinnen damit leichter zurechtkommen oder nicht, darüber sagen Noten nichts aus. Eine 1 kriegt theoretisch, wer den Anforderungen in besonderem Maß entspricht – praktisch werden diese Anforderungen aber jeweils den Gegebenheiten angepasst. Weniger Zeit zum Üben, geringere Anforderungen.

Wenn Maschinen Menschen bewerten

Interessanter Fund bei netzpolitik.org:

Für die Bertelsmann Stiftung hat Konrad Lischka einen umfassenden Überblick über Anwendungsfälle algorithmischer Entscheidungsfindungsverfahren verfasst. Das Arbeitspapier setzt sich mit insgesamt neun Einsatzfeldern auseinander, von gerichtlichen Rückfallprognosen über Bewerbervorauswahlen und Kreditvergaben bis zu Predictive Policing. Neben deskriptiven Elementen beleuchtet das Papier aus der Perspektive der Teilhabegerechtigkeit Chancen und Risiken.

50 Seiten pdf, für mich als Laien nicht ganz leicht, aber hochinteressant bisher. Es geht darum, wo Algorithmen angewendet werden, um automatisiert Menschen zu bewerten.

Sonst so

Am Montag ist Einschreibung, mal sehen, wie viel neue Schüler sich anmelden. Und ob die Ankündigung des G9 dazu führt, dass jetzt wieder doch ein paar mehr Schüler oder Schülerinnen, die sonst den ruhigeren Weg über die Realschule gewählt hätten, wieder aufs Gymnasium geht.

4 thoughts on “Kleinigkeiten aus der Schule

  1. -thh

    „Laut dieser Expertise wurden als Leistungsindikatoren Schul- und Abiturnoten hergenommen.“

    Das ist aber durchaus konsequent – denn die Noten sollen ja gerade Aufschluss über die Leistung geben. Tun sie das nicht, dann ist m.E. nicht die Wahl des Leistungsindikators falsch, sondern die Benotung …

    „Und das halte ich für völlig unbrauchbar.“

    Unter diesem Gesichtspunkt wären die Noten überhaupt unbrauchbar – denn wenn sie keinen Aufschluss über den Leistungsstand geben, sollte man sich eine Benotung eigentlich sparen (und den Zugang zu weiterführenden Studiengängen ggf. über Eingangsprüfungen regeln).

    Möglicherweise wäre das inzwischen der gegebene Weg …

  2. Herr Rau Post author

    Ganz so weit würde ich nicht gehen. Offiziell sind die Abinoten die richtigen Indikatoren, ja, weil offiziell die Noten nur an den Anforderungen gemessen werden. De facto spielt aber doch die Klassennorm eine große Rolle beziehungsweise die Erfahrung beziehungsweise die Erwartung einer typischen Notenverteilung. Dann lässt sich zwar eine Generation schlecht mit der nächsten vergleichen, aber innerhalb einer solchen geht das schon.

    Leistung ist ja Arbeit pro Zeit… weniger Arbeit in weniger Zeit gibt die gleiche Leistung… Hier passt das ausnahmsweise wirklich.

    Eingangsprüfungen: Dagegen hab eich grundsätzlich nichts. Offiziell darf es die eigentlich nicht geben, und das Kultusministerium möchte die auch zurückfahren. Das müsste sich klar werden, was es eigentlich will.

  3. Beelzebub Bruck

    Am Kontrast zwischen den hoffnungsvollen Gesichtern und den Prüfungsergebnissen der sogenannten Externen (Abiturkandidaten, die sich freihändig oder mit Unterstützung von teuren Privatschulen auf das Abitur, eine Eingangsprüfung für den Zugang zur Universität, vorbereiten) kann man sich dann lebhaft vorstellen, wie aussagekräftig punktuelle Leistungen innerhalb einer sehr kurzen biografischen Phase dann der alternativ seligmachende Gral sein sollen. Da ist mir ein differenziertes, d.h stufenweises, Vorgehen, mit zahlreichen Alternativen erheblich lieber.

    Vom Übertritt ans Gymnasium bis zum Abitur ist das Schulssystem mittlerweile von einem Notenfetischismus geprägt, dessen wahre Adoranten und Apologeten vorrangig auf Elternseite und konsequenterweise auch beim Nachwuchs zu finden sind.
    In den Jahren nach der Schulzeit wird dann der Umstand, dass der verehrte selbst aufgerichtete Notenpopanz gar nicht die tatsächlichen eigenen Fähigkeiten abgebildet hat, zum ego-schulterklopfenden Nachweis angehender Banklehrlinge und Maschinenbauern dafür, dass man ja alles „selbst vollendet hat, heilig glühend Herz“ (Goethe, „Prometheus“). Wären Lehrer und Schulverwaltung nicht jedesmal hoffnungsvolle und vor allem willfährige Toren in der Vollstreckung arithmetischer Kulte und würde man sich mit Eltern und Schülern darauf einigen, dass sich Noten nur auf einen winzigen Ausschnitt von Wissen, Kompetenzen, Fähigkeiten, Interessen und Begabungen beziehen und vor allem einen Ausdruck für Anpassungsfähigkeit darstellen , würde nicht in jedem Frühjahr die Notenklagemauer zum Schauplatz von allerdings echtem Leid für Kinder und Jugendliche.

    Stattdessen erhalten an manchen Schulen Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe bis zu vier zeugnisartige Zettel, auf denen in Genauigkeiten mit schicksalhaften Hundertsteln Exaktheit und Objektivität menetekelt wird, auf dass Eltern in Elternsprechtagen scharenweise zum Notenfeilschen und Ablasshandel (Stichwort: Rettungsreferate) erscheinen.
    Nicht die Noten sind das Problem, sondern ihre gesellschaftliche Bewertung und ihr Stellenwert.

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