Wochenende; Beziehungen; Löffelpusten

By | 25.6.2017

Am Samstag bin ich von Ismaning nach Freising gewandert, 25 Kilometer, immer an der Isar entlang. Schönes Wetter, aber die Strecke war mir etwas zu wenig abwechslungsreich. Am Sonntag dann ordentliche Generalversammlung des Kartoffelkombinats. Dazwischen Aufsätze korrigieren.

— Ich bin jetzt knapp fünfundzwanzig Jahre mit Frau Rau zusammen. Wer sie kennt, weiß, dass sie manchmal etwas schwierig sein kann; sie wäre die erste, die das zugibt. Ich bin nicht sehr schwierig, aber ich habe auch meine Marotten. Zum Beispiel wenn es ums Reisen geht. Reisen macht mich nervös; das war nicht immer so, ist aber seit fünfzehn Jahren mehr und mehr der Fall. (Tät mich schon mal interessieren, wie das kam.) Ich mache mich gerne sehr rechtzeitig auf den Weg zu Flughafen oder auch nur Bahnhof. Man weiß ja nie: Stau, Unfall, kaputte Fahrkartenautomaten, was da alles passieren kann! Frau Rau geht inzwischen einfach früh mit mir los. Eine Stunde bei Inlandszügen. (Na ja, fast.)

Anscheinend puste ich auch falsch, wenn ich einen Löffel heißer Suppe abkühlen möchte. Das habe ich erst neulich zufällig erfahren, weil Frau Rau und ich uns unsere kleinen Marotten lassen. Und Suppenlöffelpusten… Benimmfibeln nach macht man das eh nicht. Aber wenn man das schon macht, dann pustet man anscheinend direkt auf den Löffel, während ich über den Löffel hinwegpuste, und darüber amüsiert sich Frau Rau, womöglich schon seit Jahren.

Wir versteigen uns in solchen Fällen gerne mal zu möglichst überzeugend klingenden Begründungen. Frau Rau kommt mit Verdunstungskälte, worüber ich dann – ha! – lache und mit Windchill-Faktor kontere. Das Internet ist merkwürdig still, was das korrekte Blasen auf Löffel betrifft. Es gibt etliche Quellen dazu, warum das mit dem Pusten funktioniert (die Etikette-Quellen dazu schenke ich mir):

Aber über die korrekte Art des Pustens wird kein Wort verloren, also das mittige Pusten und kurzfristige Teilen des roten Meers an Tomatensuppe im Gegensatz zum eleganteren Darüberpfeifen, ohne Spritzgefahr und mit mehr Wirbeln (stelle ich mir vor).

11 thoughts on “Wochenende; Beziehungen; Löffelpusten

  1. Fontanefan

    Sich über ineffektives Löffelpusten aufzuregen, sollte erst anfangen, wenn auf den Salat gepustet wird, weil man den mit dem Löffel genommen hat. Getreu dem Spruch: „I eat my peas with honey …“

  2. Herr Rau Post author

    Ein Thema, das also auch dich umtreibt! Es klingt so, als würdest du meine Art des Pustens bevorzugen, aber den direkten Konflikt dazu vermeidest du…

  3. Jan-Martin Klinge

    Zu meiner Entschuldigung: Der Artikel ist von 2012, da war mir der Puste-Konflikt als solcher nicht bekannt.
    Vermutlich wird aber Frau Rau Recht haben: durch das Pusten in die Suppe wird diese weiter „umgerührt“ und mehr Moleküle steigen in die Luft/verdunstet/kühlen, als wenn man nur den Dampf über der Suppe wegpustet.

  4. Fontanefan

    Listig verschweigen uns die Mathematiker, dass es sich beim Löffelpusten um ein Optimierungsproblem handelt, dem mit einer digitalen Logik (vertikal oder horizontal) nicht beizukommen ist. Selbstverständlich sind der Pustwinkel, die Luftstromgeschwindigkeit, der Randüberstand des Löffels , die Konsistenz des im Löffel befindlichen Materials sowie seine Ausgangstemperatur, die angestrebte Verbrauchstemperatur, alle in Relation zur Außentemperatur, und daneben die Luftfeuchtigkeit sowie die Zeitdauer des Puststroms zu beachten, auch wenn man bereit ist, den herrschenden Luftdruck unberüchsichtigt zu lassen.

  5. Joël

    Wenn man die Suppe von Rand des Tellers löffelt ist sie nicht so heiß als wenn man sie aus der Mitte des Tellers nimmt. Ich weiß nicht warum, aber das ist bestimmt physikalisch erklärbar.
    Und da fällt das Pusten dann weg.
    Wird die Suppe aber in einer Terrine gereicht, funktioniert der Trick nicht.
    Das nur mal so nebenbei.

  6. Hauptschulblues

    @Joel:
    Genau das wollte ich Herrn Rau vorschlagen. Das hat mir Frau Hauptschulblues, die aus einer sehr sehr feinen Familie stammt, angewöhnt.
    Auch bei der Terrine klappt es, vom Rand wegzulöffeln, aber man muss längere Pausen einlegen, was dem Magen durchaus bekömmlich ist.

  7. Aginor

    Langsamer essen und die Tellerrand-Methode finde ich auch besser.
    Das pusten praktiziere ich hin und wieder aber auch. Bin ebenfalls ein Draufpuster, glaube aber das nimmt sich nicht viel.

    Zu Marotten im allgemeinen: Jeder hat irgendwelche (und ich habe mehr als die meisten Menschen denke ich, basierend allerdings nur auf meinen Beobachtungen und denen meines Umfelds), die Akzeptanz derselben ist meines Erachtens ein wichtiger „social skill“. Also bis zu einem gewissen Grad natürlich, wie bei allem. Beim Toilettenpapierrollen falsch herum aufhängen hört der Spaß z.B. auf.

    Gruß
    Aginor

  8. Herr Rau Post author

    Woran Beziehungen scheitern können, Jochen: Ja. Man muss halt darüber reden und nicht von vornherein erwarten, dass es automatischklar ist, welche Lebensmittel sofort nachzukaufen sind, wenn sie ausgehen, und wie voll ein Mülleimer gemacht werden darf. (Nur das mit dem Toilettenpapier sollte in der Tat klar sein, Aginor.) – Ich denke, Diskussionen um Zahnpastatuben dürfte es seit einigen Jahrzehnten nicht mehr geben. Früher gab es ja andere Tuben, bei der es tatsächlich unterschiedliche Auspressmöglichkeiten gab. Mit den standhaften Sicherheitstuben heute gibt es das ja nicht mehr.

  9. Frau Schmitt

    Als Atmosphärenphysikerin und Suppenfreundin halte ich bei eher flüssigen Suppen (Hühnersuppe) Draufpusten für effektiver, bei stärker gebundenen (Kartoffel- oder Linsensuppe) dagegen Darüberpusten. Meine Ansicht beruht auf empirischen Tests. Sollte ich die mir nun vorschwebenden in-situ-Messungen tatsächlich realisieren halte ich Sie auf dem Laufenden. Nach passenden Sensoren habe ich bereits gegoogelt.

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