Format zeigen

By | 12.11.2017

Spielt es eine Rolle, in welcher Art Datei ich jemandem Informationen schicke? Aber ja. Dieser Cartoon erklärt, wie viel Vertrauen man dem Inhalt einer Datei entgegenbringt, abhängig von deren Dateiformat:

Cartoon zu Dateiformaten
https://xkcd.com/1301/
Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5

Eine .pdf-Datei ist glaubwürdiger als eine .doc-Datei, eine Grafik als .png glaubwürdiger als eine mit der Endung .jpg oder gar .jpeg, un d von .gif brauchen wir erst gar nicht anzufangen.

Dieser Cartoon ist natürlich überspitzt, aber da ist auch Wahres dran. Wenn mir eine Behörde eine .docx-Datei schickt, seufze ich, und erwarte wenig und halte wenig von dieser Behörde. Beispiel: Fortbildungsangebot – kommt das als .docx statt als .pdf, weiß ich, dass da jemand dahintersaß, der keine Ahnung hat. (Bei einem Informatiklehrertag obendrein, seufz.) Ähnlich gilt das für Dateien zum Download auf Schulhomepages, Rundschreiben der Schulleitung. Der Inhalt mag noch so gut sein, ich vertraue dem Urheber erst mal weniger.

Vielleicht ist das aber gar nicht wichtig. Wenn die Erzeuger dieser Dateien den Unterschied zwischen .pdf und anderen Formaten nicht kennen, spielt er für die Adressaten ebenfalls keine Rolle? Gehören Randall Munroe von xkcd und ich zu einer immer kleiner werdenden Gruppe?

Anlass für diese Gedanken war dieser Tweet:

Ich weiß nicht, welche Diskussion dem Tweet voranging; da ich nicht regelmäßig twittere und so auch nicht immer alle Tweets meiner Timeline lese, betrachte ich Tweets als weitgehend kontextfrei – kleine Kunstwerke, die auf eigenen Füßen stehen müssen. Jedenfalls widersprach ich, denn ich halte Libre Office ans Schulen nicht für gescheitert – jedenfalls unter den Schülern. Es sind die Lehrer, die auf Microsoft Word bestehen, und da wiederum vor allem die Schulleitungen, die regelmäßig Schreiben als .docx erhalten, weil die übergeordneten Behörden die so gerne versenden. Schuld daran ist fehlende Kompetenz, was Dokumente und Dateiformate ist. Viele Kollegen und Kolleginnen – am Kultusministerium, in Schulleitungen, als normale Lehrer – wissen gar nicht, dass es so etwas wie Dateiformate gibt und sind überhaupt nicht in der Lage, mündige Entscheidungen zu treffen. Der Unterschied zwischen Betriebssystem und (anderer) Software, zwischen offline und online ist ja oft schon nicht klar.

Das macht diese Kolleginnen und Kollegen für mich ein Stück kleiner. Verachten ist sicher zu stark, aber irgendwas zwischen geringschätzen und belächeln kommt hin, Tendenz zum ersteren.

Noch weniger verstehe ich die, die es eigentlich besser wissen müssten:

Ich habe ja angeboten, „schüttelt es mich“ durch „fühle ich mich beschämt“ zu ersetzen, aber das wollte Andreas nicht. :-) Warum es ihn schüttelt: weiß ich nicht, weil kontextfrei. Wenn es Microsoft-User schüttelt, wenn sie eine odt-Datei kriegen, dann schüttelt es Libre-/Open-Office-User genauso, wenn sie eine pdf-Datei kriegen.

Die Ursache ist: docx (als Implementierung des Standards OOXML) und odt (als Implementierung des Standards ODF) sind nicht völlig kompatibel. Das liegt an der Komplexität der Formate, aber auch daran, dass Microsoft kein Interesse daran hat, den anderen Standard zu fördern; der eigene Standard wurde nur unter bedenklichen Umständen als ISO zertifiziert (Wikipedia). Auch die 6000 Seiten Dokumentation von OOXML machen es anderen nicht leicht, den Standard zu implementieren.

Welche Software die Leute benutzen, das ist mir völlig egal. Ich mag die Menüstruktur von Libre Office lieber, aber wer mit Microsoft besser zurechtkommt: Gerne. (Ich glaube, die Serienbreiffunktion ist dort übersichtlicher, weiß das aber nicht sicher, weil ich ja nicht damit arbeite.) Wichtig ist, welches Dateiformat unterstützt wird und am Ende herauskommt. Das sollte offen, transparent, und möglichst auch noch nicht-proprietär sein. Klar will Microsoft keine Trennung von Software und Dateiformat; dass .docx nur von Word richtig bis in die Feinheiten unterstützt wird, ist ja ein wichtiger Grund für den Erfolg von Word.

Bei den Schülern und Schülerinnen sieht es übrigens so aus:

Ich lasse mir immer wieder Aufsätze per Mail oder über Moodle schicken, zu den Formaten mache ich dazu keine Angaben. Selbst Pages ginge zur Not. Unter Schülern ist odt also durchaus verbreitet. Wir bieten in der Schule aber auch kein Rundum-Sorglos-Microsoft-Office-365-Paket an. Der objektorientierte Informatikunterricht beginnt mit Klassen bei LibreOffice, das funktionale Programmieren – oder der Ansatz dazu – ebenfalls. Schnickschnack bei der Präsentation wird dabei vermieden, damit ist auch genug Kompatibilität zwischen der Microsfot und Libre Office vorhanden.

Die Formatfrage halte ich für wichtig. Mündige Nutzer sollten sich bewusst für ein Format entscheiden können. Die aktuelle Unmündigkeit ist zum Teil selbstverschuldet. OER in proprietären Formaten halte ich bei pdf und mp3 für völlig in Ordnung, weil es dafür verschiedene offene Programme gibt; OER, das mit docx arbeitet, das nur durch ein einziges kommerzielles Programm unterstützt wird, geht gar nicht. Das ist wie eine Kommunikationssteuer, die an Microsoft gezahlt wird.

13 thoughts on “Format zeigen

  1. Bernicz

    Ich muss im (Schul-)Alltag letztendlich auf alles vorbereitet sein. Im Büro benutzen wir MS Office – vom KM kommen eigentlich nur pdf-Dateien, da wär‘s wurscht, aber unsere Unterrichtsplanung (also die Maistatistik) findet in Excel statt (von der Regierung vorgegeben), das ist eine Datei, die möchte man lieber nicht in Calc öffnen, da hilft‘s also nix. Auf den Lehrerarbeitsplätzen gibt‘s MS Office und LibreOffice, auf den Schülerrechner nur LibreOffice. Bei den Lehrern erlebt man eine bunte Mischung, merkt man letztendlich dann wenn jemand krank ist und Arbeitsblätter für die Vetretung per Mail schickt, da kommen pdf, doc, docx und odt, ich kann keinen Zusammenhang zwischen Computeraffinität und Office-Suite erkennen. Das Anbieten von Fortbildungen zu Textverarbeitung oder Arbeitsblattgestaltung ist eigentlich nicht mehr möglich – früner hatten alle brav ihr Office 2003, jetzt sitzen da 20 Leute mit 11 verschiedenen Textverarbeitungen.

  2. Hauptschulblues

    Hauptschulblues bevorzugt Sender, die Libre Office- oder pdf-Dateien verwenden. Denn das heißt, dass sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht haben, wie man sich von Microsoft weg bewegen kann. Und wenn sie etwas fertig geschrieben haben, es dann auch als pdf-Datei speichern und schicken können: Eine Stufe über dem … User.

  3. Carsten

    Also, ich habe seit Word 3 für DOS mit MS Office gearbeitet, zwischendurch Star-, Open oder LibreOffice ausprobiert und immer wieder zu MS Office zurückgekehrt, wobei ich denke, dass ab Word für Windows 6.0 das Programm außer bei der Rechtschreibkorrektur keine Fortschritte mehr gemacht hat und zuletzt an Übersichtlichkeit sogar verloren hat. Als Billigalternative für Schülerarbeitsplätze reicht LibreOffice allemal aus, und für viele Einzeldokus ebenfalls. Als ich mal selbstständig war, habe ich erwogen, mit OpenOffice auszukommen, aber gerade die Serienbrieffunktion war grottenschlecht und taugt ohne Wenn-Dann-Bedingungen gar nichts. In Sachen Seriosität finde ich, dass es darauf ankommt, wofür man ein editierbares Doku zur Verfügung stellt. (Selbst MS Office ist nicht gleich MS Office und docx nicht gleich docx, wenn man zwischen Windows und Mac Dokus austauscht. Da finde ich das gute alte RTF immer noch am besten, sofern man nicht auf Makros angewiesen ist.) Wenn man nur zum Lesen weitergibt, dann bitte PDF. Glaubwürdigkeit/Seriosität hängt für mich eher an der Zweckmäßigkeit des Formats als an der Extension.

  4. Beelzebub Bruck

    Nach einem Wochenende bei dem zwölf erwachsene, digitalaffine Menschen in ihre Laptops starrend eine Konferenz weitgehend nur simuliert haben, glaube ich, dass es Wichtigeres gibt, als das Format beim Dateiversand. Die Verwahrlosung im persönlichen Gesprächsumgang, die ich da beobachten konnte, erstreckt sich dann für mich in logischer Konsequenz auch auf die Datenformate, die man verwendet. Wer selbst bei einer persönlichen Begegnung sein Gegenüber nicht anschaut, sondern parallel ständig – natürlich absolut wichtiges – Multitasking zwischen E-Mail und seinen Social Media Kanälen betreibt, hat bereits eine Verhaltensstörung. Wen wundert’s, sind die anderen ja doch nur „User“ mal belächelt, mal geschüttelt. Unprofessionalität und Ungeschicklichkeit finde ich dagegen verzeihlich.

  5. Regine

    Ich würde dem Tweet von Andreas Hofmann schon deshalb widersprechen, weil ich LibreOffice nicht für ein Betriebssystem halte… ;-)

    Aber da mag auch einfach der Kontext zum Tweet fehlen.

    Wenn eine Datei ordentlich formatiert ist und auch weiterhin so aussehen soll, kommt eigentlich fast nur pdf in Frage. Ansonsten leidet die Formatierung, je nach Programmversion, installiertem Druckertreiber, installierten Schriften etc. – manchmal glücklicherweise nur wenig, manchmal zerbröselt es einfach alles.

    Bei „Arbeitsdokumenten“, in die der Empfänger vielleicht selbst noch etwas einfügt, verschicke ich deshalb in der Regel doc bzw. odt UND pdf. So bleibt die Bearbeitbarkeit erhalten, und trotzdem kann man noch sehen, wie das Ganze bei mir ursprünglich mal aussah.

  6. Pingback: Format zeigen | quisquilia

  7. Aginor

    Mein Ansatz zur Thematik:

    (Wow, merke nach dem Schreiben dass das ganze sich schon wieder wie ein Rant liest, sorry. Ist nicht aggressiv gemeint, zumindest nicht sehr.)

    doc ist besser als docx weil das mehr – und ältere – Programme lesen können.
    Trotzdem nur marginal besser. Aber wenn man in einer Firma z.B. verschiedene Rechner mit verschiedenen Word-Versionen hat (z.B. weil man in der Firma einfach LibreOffice oder ähnliches nicht durchgesetzt bekommt) ist es besser man einigt sich auf etwas recht altes, allein aus Gründen der Kompatibilität.

    Ich trenne zwischen den Anwendungsfällen ein wenig:
    – Wenn das ganze fertig formatiert und hübsch mit Überschriften, Bildern und sowas sein soll: PDF, am besten mit eingebetteten Schriftarten. Bitte nicht einen schrottigen PDF-Konverter verwenden der Bilder aus den Seiten macht oder ähnliches, zum einen wegen der Bildgröße und zum anderen möchte ich auf einfache Weise Text markieren und herauskopieren können.
    RTF ist auch OK, ein wenig spartanisch aber absolut in Ordnung.

    – Text zum weiterverwenden, z.B. Codeschnipsel oder sowas: TXT. Und nur TXT. Einfache ASCII-Textfiles verrupfen mir nicht den Code, während Word z.B. gerne mal doppelte Bindestriche (Kommentarzeichen in manchen Sprachen) in irgendein komisches Zeichen umwandelt. Tabs = 4 oder 5 Leerzeichen. Jedes Programm das etwas anderes macht ist für die Mülltonne.
    Mit den CRLF und so weiter kann ich leben, immerhin gibt es ein paar Editoren die das ganze unabhängig von Linux oder Windows korrekt anzeigen und auch Linux-ASCII-Dateien nicht kaputtmachen (Notepad++ zum Beispiel)

    – Tabellen: CSV. Und nur CSV, idealerweise mit Strichpunkten getrennt. Das kann zur Not mit jedem Texteditor auf jedem Betriebssystem geöffnet werden und ist einfach in Programme einlesbar. Super zu parsen. Außerdem kann jedes Versionskontrollsystem diese Dinger problemlos diffen, was ein RIESEN Vorteil ist!

    – Wenn jemand unbedingt Diagramme machen will in einem XLSX-File oder so, dann soll der- oder diejenige das ganze einfach als PDF mitliefern aber nicht in einem komischen proprietären Binärformat. Außerdem schwächelt Excel (und auch so manches andere Programm) damit wenn XLS- oder XLSX-Files größer werden als ein paar Megabyte. Weiss gar nicht wo gerade die Grenze ist, aber ich habe Programme laufen die manchmal ein paar Gigabyte große Files raushauen. Schon arm wenn man das nicht aufmachen kann.

    – Präsentationen sind in PDF genauso gut wie in PPT oder dem LibreOffice Format. Dann entfallen schon die nervigen Animationen. Wobei… glaube PDF kann das inzwischen sogar.

    – Bilder am liebsten als PNG, aber ich verstehe es wenn Leute JPG verwenden. Wenn die Bilder aus einer Kamera schon so rauskommen, von mir aus. Schön wäre aber wenn jemand nicht an eine Email Bilder anhängt die 6 Megabyte groß sind, die kann man ruhig verkleinern. Aus den Kameras kommen die eben mit drölf Megapixeln raus aber das heisst doch nicht dass das unbedingt sein muss.

    – Bonus: Archive. Ich finde ZIP ist OK. Jeder kann 7zip (OpenSource) installieren und die Sache ist gegessen, und selbst Windows bringt zwischenzeitlich einen Packer/Entpacker mit. Und man sollte lernen damit umzugehen.

    Und ja, Herr Rau, ich habe auch das Gefühl wir (ich meine die Leute die sich für Dateiformate interessieren) sterben aus, zumindest im Mainstream. Übrig bleiben irgendwelche Nerds…. ok… vielleicht war das nie anders…

    In meiner Generation sehen das – meiner Erfahrung nach – die meisten Leute nicht so eng, da wird einfach kommentarlos das vorhandene proprietäre Ding verwendet, egal wie gammelig es ist, und wenn wir noch eine Generation warten ist das ganze durch. Dann läuft alles nur noch Apple-style-Stockholm-Syndrom-mäßig mit den vorinstallierten oder anderweitig unterstützten Programmen (App-store etc.) und die Leute finden das auch noch gut. Da will ich selbst als Mittdreißiger krückstockwedelnd über die alten Zeiten und die missratene Jugend schwadronieren, aber es ist nunmal so. Vermutlich werden wir es überleben. :D

    Was mich aber wirklich geärgert hat, das waren Lehrer, Professoren und dergleichen mit einem technischen Verständnis jener Art, die einen dann zu Microsoft Word zwingen wollten. Ich erwarte im 21. Jahrhundert von jemandem mit einem Hochschulabschluss oder sogar einem Doktortitel dass er oder sie einen PC nicht nur ein wenig bedienen kann sondern auch ein wenig darüber weiss, und von jemandem der an einer Hochschule (und eigentlich auch an einer Schule ) lehrt erwarte ich dass er oder sie nicht blind für solche Basics ist. Wo der Begriff Browser unbekannt ist, aber das blaue „e“ als „das Internet“ bezeichnet wird, und Windows und Word die einzigen geläufigen OS bzw. Office-Programme sind, da schüttelt es mich nicht nur, das ist inakzeptabel. Und das ist mir in diesem Jahrtausend in Schulen und Hochschulen begegnet.

    Gruß
    Aginor

  8. Herr Rau Post author

    >Das Anbieten von Fortbildungen zu Textverarbeitung oder Arbeitsblattgestaltung ist eigentlich nicht mehr möglich – früner hatten alle brav ihr Office 2003, jetzt sitzen da 20 Leute mit 11 verschiedenen Textverarbeitungen.

    Am besten wäre es so, wenn die Teilnehmer bereits mit ihren Programmen arbeiten können würden, und man bei der Arbeitsblattgestaltung nur noch über Typographie und so etwas spricht.

    Ansonsten schließe ich mich an: pdf im Standardfall, und ansonsten Zusammenarbeit über Google Docs/Wikis, solche Sache, oder eben so wenig Formatierung wie möglich. Ansonsten muss man sich einigen, und ich passe mich auch an. Aber ich möchte, dass mündige Nutzer sich bewusst für ein Dateiformat entscheiden, und das können die meisten nun mal nicht, weshalb diejenigen, die es besser wissen, das vormachen sollten.

  9. Tanja

    Im ersten Moment möchte ich eigentlich alles, was oben geschrieben wurde, sofort und gerne unterschreiben. Ich stutze selbst machmal bei bestimmten Dateiformaten, die mir so im E-Mail-Anhang daherkommen, ärgere mich über zerschossene Texte und wundere mich über dies und das und vor allem manche Unwissenheit in Bezug auf all die schönen technischen Wunderwerke, die jeder zu Hause rumstehen hat.
    Jaja, natürlich müssen wir alle langsam mal im digitalen Zeitalter ankommen, weil doch alle Welt digitalisiert wird oder ist und das ja eigentlich alles inzwischen (Überlebens-)Grundlage ist. Und jaja, jetzt gibt es doch Computer, Internet und Co. schon sooo lange – langsam müsste doch mal jeder so einen gewissen Mindeststandard an Wissen darüber vorweisen können.
    Aber dann fällt mir ein, dass es zum Beispiel Automobile schon so viel länger als Computer gibt. Und alle Welt fährt damit in der Gegend herum. Und bis heute haben wir es nicht geschafft, das Auto zu beherrschen. Weder kriegen wir es hin, damit NICHT die Umwelt zu verpesten, noch die irre Menge an Unfalltoten zu vermeiden, noch habe ich (und ich fahre ja nun doch schon ein paar Jährchen mit so einem Ding in der Gegend herum) auch nur irgendeine Ahnung, wie das unter der Motorhaube eigentlich so wirklich funktioniert. Also eigentlich kenne ich mein Notebook besser als mein Auto. Es fällt mir leichter, neue Apps auf dem Smartphone zu installieren als Winterreifen bei meinem Auto.
    Vielleicht denken sich einfach nur viele Menschen bei ihren Computern das, was ich mir bei meinem Auto denke: Hauptsache, es fährt, ich komme damit von A nach B und es passt alles rein, was ich so aufheben und transportieren muss. Wenn ich dann bei der Benutzung auch noch flottelotte vorankomme und nebenbei etwas Nettes zu sehen bekomme, dann bin ich schon zufrieden.
    (Wer bleibt eigentlich hier freiwillig auf dem neuesten Stand, paukt ab und zu die alten und neuen Verkehrsregeln, wiederholt alle paar Jahre mal die „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ und lässt im Führerschein eintragen, wenn die neu erworbene Sehschwäche plötzlich das Tragen einer Sehhilfe erfordert?)

    Was spreche ich eigentlich über Dateianhänge oder Automotoren, Installation von Apps und zerschossene Texte? Ich lese tagtäglich Texte, in denen keine Groß- und Kleinschreibung, keine Kommata, keine Abstände zwischen Absätzen, Zeilen, ja Wörtern und kaum Inhalte und selten Achtsamkeit und Motivation erkennbar sind. (Und so weiter und so weiter.)
    Eigentlich ist es völlig egal – auf den Inhalt kommt es an. Mir ist ein gutes .gif allemal lieber als ein inhaltlich falsches oder absolut belangloses .tex!

  10. Herr Rau Post author

    Der Vergleich mit dem Auto stimmt schon. Das heißt, wenn die Rechner erst einmal für alle so sehr Black Box sind wie es die Autos heute schon sind, dann gibt es genauso wenig Kontrolle wie bei den Autos – und da sehen wir ja, wo das hinführt.
    Aber ja, auf den Inhalt kommt es vor allem an. Aber eben auch auf die Form – und dazu gehören auch Rechtschreibung, Layout, Typographie, Dateiformat. Tatsächlich kommt es ja auf den Einsatzzweck der Datei an. Der Ausgangspunkt war ja auch ein Cartoon…

  11. Aginor

    Grundsätzlich Zustimmung, aber ich finde der Auto Vergleich hinkt an mindestens einer Stelle EXTREM:

    Autos sind nur Transportmittel. Mit Computern macht man SO viel mehr, sie sind in jedem Bereich unseres Lebens, überall.

    Und auch wenn ich mich technisch mit dem Auto nicht auskenne: Umgehen können sollte ich damit. Das bedeutet die Bedienelemente zu kennen (wo sind Blinker, Scheibenwischer etc.), und die Verkehrsregeln. Ich muss nicht wissen wie die Einspritzpumpe funktioniert, genausowenig wie ich wissen muss wie der Zugriff auf den L2-Cache eines Prozessors funktioniert oder der GIF Komprimierungsalgorithmus.

    Und genau da ist das Auto Beispiel einfach schlecht. Denn das Niveau auf dem sich sehr viele Leute in der Bedienung ihres PCs jahrelang bewegen, und darauf auch noch stolz sind, ist – wenn man unbedingt den Autovergleich bemühen will – vergleichbar mit einem Fahrschüler in der ersten praktischen Fahrstunde, der aber die Theoriestunde verschlafen hat und weil er vielleicht in einem ländlichen Bereich aufgewachsen ist auch keinen echten Einblick in Verkehrsregeln auf unseren Straßen hat.
    Der kriegt das Auto angelassen und mit etwas Hilfe einigermaßen rucklig über die Dorfstraße gefahren. Was passiert wenn dieser arme Kerl danach in München auf dem mittleren Ring während des Berufsverkehrs ausgesetzt wird?
    Genau das passiert aber zwangsweise, denn heute wird einfach von Menschen mehr abverlangt was PCs angeht, vom Privatbereich bis zum Berufsleben, überall sind PCs und die Mehrheit der Menschen beherrscht nicht einmal die Basics.
    Niemand fordert dass jeder lernen muss wie ein PC funktioniert, genausowenig wie man wissen muss wie das Auto funktioniert. Aber bedienen sollte man ihn können, und da gehören Grundlagen, wie welches Dateiformat für welchen Zweck gut ist, einfach dazu.

    Es ist echt traurig. :(

    Gruß
    Aginor

  12. Herr Rau Post author

    Manchmal fürchte ich, der Vergleich wird in Zukunft immer weniger hinken. Dann hören Computer auf, Geräte zu sein, mit denen man alles machen kann, sondern man wird sie benutzen mit den Standardapps und nur mit denen und nur wie vorgesehen. (Von mir aus auch gerne kreativ und kommunikativ und kollaborativ.) Daneben gibt es die Mechaniker, die die Rechner einrichten, niedere Arbeit sozusagen. Ansonsten ist das eine ferngewartete black box, wie die Autos heute auch. Nur völlig vernetzt.

  13. Michael

    Ich persönlich sage meinen Kids immer, dass sie Dokumente an mich als PDF schicken sollen. Das klappt nach kurzer Einweisung auch in fast allen Fällen richtig gut. Wenn ich mir anders herum vorstelle, dass ich meine Dokumente als Word- oder LibreOffice-File zu ihnen schicke, kräuseln sich mir die Nackenhaar,e weil ich nicht weiß, wie die Files bei ihnen ankommen und was sie öffnen können. Daher finde ich einen einigermaßen gut nutzbaren Standard auch sinnvoller als ein Wust an Files.

    Klar ist es manchmal sinnvoll auch ein Word-Dokument zu senden. Vor allem, wenn man will, dass darin gearbeitet wird. Aber ich schicke nicht 5 verschiedene Formate für eine einzige Datei.

    Übrigens arbeite ich zum Großteil selbst mit LaTeX, daher ist mir die Endung .tex durchaus bekannt und ich weiß auch über deren Vor- und Nachteile ;D Problematisch wird es hier nur, wenn ein Kollege ein solches Dokument von mir möchte, weil er „mal eben Aufgaben da raus kopieren“ will oder ähnliche Späße damit machen möchte. Dann steht der sonst versierte Kollege nämlich meist ziemlich blöd da.

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