Informatikunterricht in Klasse 6

By | 25.11.2017

Heute sehr gerne Informatik in der 6. Klasse gegeben. Das ist nicht immer so.

Wenn man gerade damit angeben will, dann hat Bayern in der 6. und 7. Jahrgangsstufe ein Pflichtfach Informatik (und darüber hinaus im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig in 9 und 10, ab der aktuellen Reform auch in den anderen Zweigen). Tatsächlich gibt es in 6 und 7 aber das Fach Natur und Technik, mit jeweils einer Stunde Informatik darin, losgelöst von Biologie oder Physik, die jeweils den größeren Anteil des Fachs ausmachen. De facto ist das also ein einstündiges Fach Informatik, das lediglich aus kosmetischen Gründen nicht so heißt.

Wenn man die Unterstufenklasse einmal pro Woche für eine Dreiviertelstunde sieht, bringt das kaum etwas. Einstündige Fächer sind Käse. Weil an meiner Schule so viel wie möglich in Doppelstunden unterrichtet wird, kommt es oft vor, dass auch Sechstklassinformatik als Doppelstunde stattfindet, nachmittags, aber nur alle 14 Tage. Das ist noch größerer Käse – Nachmittagsunterricht fällt regelmäßig aus – Sitzungen, Abiturprüfungen, Abiturnachprüfungen.

Auch dieses Jahr gibt es viel doppelstündige vierzehntägige Sechstklassinformatik, aber ich habe meine Klasse gleichzeitig auch im Deutschunterricht, und das macht einen enormen Unterschied. Ich kenne die Schülerinnen und Schüler; sie kennen mich; da können wir alle völlig anders arbeiten. Dann, und nur dann, geht auch in einer Wochenstunde viel.

Außerdem halte ich mich dieses Jahr nur lose an den Lehrplan – die Erfahrung zeigt, dass bei dem 14-Tage-Modus der Lehrplan nicht erfüllt werden kann, was mir quasi die Lizenz zum kreativen Umgang damit gibt. Ziel der 6. Klasse ist Objektorientierung (Attribute, Attribtuwerte, Methoden, Klasse) anhand von Vektorgraphik-, Textverarbeitungs- und Präsentationssoftware. Den theoretischen Einstieg und die Vektorgraphik (LibreOffice Draw) habe ich mir diesmal völlig geschenkt, und gleich mit einem Programm angefangen, bei dem man richtig Code schreiben muss (EOS), und da schreiben die Sechstklässlerinnen jetzt:

rumpf:KREIS
rumpf.mittelpunktSetzen(0,-60)
rumpf.radiusSetzen(60)

und sie zeichnen damit Autos und Schneemänner und Häuser. Das ist ein sehr abrupter Einstieg, aber ich habe nun mal nicht mehr Zeit, und ich kenne die Klasse und weiß, was geht. Wenn die Puntkschreibweise für Methodenaufrufe so wichtig ist, dann doch gleich. Inzwischen spielen die ersten Jungs codecombat.com, wo man mit hero.modeDown() und Python-Syntax Fanatsyfiguren in einem Dungeon bewegt. (Nicht zu verwechseln mit codefights.com, das spiele ich gerade, sofern ich Zeit dazu habe. Macht süchtig. Kleine fiese Programmieraufgaben in der Sprache deiner Wahl, und man kriegt Punkte fürs Weitermachen.)
Das macht alles so viel mehr Spaß als Deutschunterricht, obwohl das da schon auch gut läuft, und ich bin so froh, dass ich da richtig Informatik unterrrichte und nicht einfach nur Digitales. Es ist toll zu sehen, wie die Schüler und Schülerinnen immer mehr Sicherheit im Umgang mit Informatiksystemen gewinnen.

Am liebsten würde ich jetzt mit 3D-Grafik in Python weitermachen, oder mit ersten Kontrollstrukturen. Aber dann halte ich mich doch an den Lehrplan und springe von der Punktschreibweise und den Methodenaufrufen direkt zur Textverarbeitung. Es gibt da zwei Tools, ponto (für Python) und Tolg (Java), beide schon betagt und zumindest in Computerräumen kaum zum Laufen zu kriegen, mit denen man über Punktschreibweise oder Programmcode die Absätze und Zeichen eines Textes bei Open/Libre Office direkt manipulieren kann, also etwa:

from ponto3 import Dokument
dok1 = Dokument()
absatz1 = dok1.erzeugeAbsatz("Hallo Welt")
absatz1.setzeEinzugLinks(2000)
absatz2 = dok1.erzeugeAbsatz("Das ist der zweite Absatz")

Das zeige ich aber nur kurz als Überleitung.

— Ich bin nach den Informatikstunden ganz erschöpft. weil ich da so viel hineinpacke, aber die saugen das auch alle auf. (Ganz anders vor zwei Jahren, einstündig, gleiche Bedingungen – nur dass ich da eben nicht Deutsch- oder auch nur irgend ein anderer Lehrer war.)

2 thoughts on “Informatikunterricht in Klasse 6

  1. Aginor

    Hört sich nach einem gelungenem Unterricht an, sehr gut!
    Und CodeCombat ist eine geniale Idee. Wir hatten ja schon das eine oder andere mal miteinander über Gamification gesprochen und das ist für mich ein tolles Beispiel.

    Gruß
    Aginor

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