Zerreißt eure Schulbücher!

Es gibt ein in Spielerkreisen bekanntes Brettspiel, das heißt Pandemic, die Spieler und Spielerinnen müssen dabei gemeinsam die Welt vor einer Pandemie retten. Auf dieses Spiel gibt es eine Art Variante, die heißt Pandemic Legacy. Sie lehnt sich an das Ursprungsspiel an, enthält aber völlig neue Komponenten, und zwar vor allem diese: Man spielt nicht jedesmal das gleiche Spiel, sondern eine Art Kampagne. Die zweite Runde hat zusätzliche Regeln zur ersten, die nächste zusätzliche Spielfiguren, eine weitere ändert das Spielfeld. Wenn ich mich richtig erinnere, kann man das Spiel 18 mal spielen, dann ist es aus. Denn im Lauf des Spiels werden Karten zerrissen, beschriftet, die Spielfläche wird neu gezeichnet, mit Kugelschreiber und Schere und Filzstift wird herumgefuhrwerkt, man eröffnet verschlossene Umschläge mit Überraschungen. Pandemic Legacy hatte großen Erfolg (in Spielerkreisen) und ähnliche Titel folgten. Namensgeber und erstes solche Spiel war Risk Legacy, eine Risiko-Variante aus dem Jahr 2011.

So ähnlich komme ich mir gerade in meiner 7. Klasse im Deutschunterricht vor. Ich arbeite bewusst einmal richtig viel mit dem Buch und möglichst wenig mit Kopien und entdecke dabei interessante neue Sachen im Buch. Außerdem nutze ich mit den Schülern und Schülerinnen die Gelegenheit, die sich dadurch bietet, dass dieser Jahrgang der letzte G8-Jahrgang ist. Die kommende 7. Klasse im nächsten Jahr ist schon G9, hat einen anderen Lehrplan und andere Deutschbücher. Die alten Deutschbücher dürfen die Schüler und Schülerinnen behalten, jedenfalls war das im Vorjahr mit der 6. Klasse so, und die Schule wird die alten Bücher auch nicht mehr haben wollen.

Also nutze ich – bisher nur behutsam – die Möglichkeit, die Kinder zu einem anderen Umgang mit dem Buch anzuleiten. Reinschreiben und Unterstreichen? Kein Problem. Stichpunktlisten durchnummerieren? Dramatische Texte kürzen als Spielvorlage: Klar.

Noch bin ich nicht dabei, Seiten herausreißen zu lassen und als Papierflieger zu verwenden, und ohnehin hätte ich daran letztes Jahr bei der Vorgangsbeschreibung denken müssen. Aber ich bin sicher, das kommt noch. Am Ende des Jahres sollte jedes Buch ein Unikat sein. Vielleicht die Seiten kapitelweise herausreißen und zusammentackern als Heftergänzung? Die Lieblingsseite als Erinnerung ins Heft kleben? Gesichter ausmalen? Meinen Schülerinnen und Schülern fällt sicher auch etwas ein.

Und nächstes Jahr dann das gleiche mit der 8. Klasse!


4 Antworten auf „Zerreißt eure Schulbücher!“

  1. Prämieren der schönsten Cover-Gestaltung wie bei den Reclam-Heftchen?

    Texte schwärzen wie beim Geheimdienst?

    Anfügen einer ausklappbaren Marginalspalte an die Seiten mit Leserkommentaren?

  2. Wenn Ihnen Pandemie mit den Leveln Spaß gemacht hat, darf ich vielleicht mal schamlos für ein von mir illustriertes Spiel, ebenfalls mit Levelprogress und kooperativ, werben: X-Code.
    Kam erst zur Messe Essen raus, ist also sehr neu.

  3. Werben: Aber gerne doch, wir sind ja keine Fremden. Ich hab’s mir mal angeschaut, der Aspekt Levelprogress ist da gar nicht der, der mich interessiert, sondern die von mir so geschätzte Gleichzeitigkeit des Zügemachens.

    >Prämieren der schönsten Cover-Gestaltung wie bei den Reclam-Heftchen?

    Dazu gab’s sogar mal eine Ausstellung und einen Ausstellungskatalog, hier als pdf: https://www.reclam.de/data/media/Kaba_und_Liebe.pdf

    >Texte schwärzen wie beim Geheimdienst?

    Sehr schöne Idee! In Klasse 9 dann bei politischer Lyrik sollen sie erst mal Zensor spielen. Und vorher: Texte so schwärzen, dass ein Gedicht übrig bleibt, zum Beispiel.

  4. Die Idee mit den Büchern finde ich gut. Mein G8-7. Klässler hat auch schon zwei Jahrgänge alte Bücher mit nach Hause gebracht und traut sich dieses Jahr endlich, den Bleistift anzusetzen….
    Schwärzen bis ein Gedicht übrig bleibt finde ich eine super Idee!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.