Arbeitszeiterfassung in der Schule

Im Nachhinein: Das ging gestern durchs Netz und interessiert mich heute schon gar nicht mehr besonders. Aber ich halte es trotzdem mal fest, Chronistenpflicht und so.

Der Europäische Gerichtshof hat ein Urteil erlassen, das gerade viel diskutiert wird und auch für mich in meinem Beruf als Lehrer interessant ist. Hier eine unaufgeregte Zusammenfassung:

Das Urteil des EuGH C‑55/18 zur Arbeitszeiterfassung – Breathe!
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Kurzfassung, meine, unamtlich: Damit Arbeitnehmer nicht indirekt zu Überstunden gedrängt werden können, ohne diese ausreichend dokumentieren zu können, muss der Arbeitgeber eine Möglichkeit schaffen sich zu vergewissern, wie viel die Angestellten arbeiten.

Das betrifft mich formal erst einmal nicht, interessiert mich aber trotzdem. Mein Arbeitgeber will in der Tat nicht wissen, wie viel ich eigentlich arbeite. Auf Spitzenbelastung mit mehr als 10 Stunden oder fehlende 11 Stunden Pause zwischen zwei Arbeitstagen achte ich nicht; das kommt wahrscheinlich gelegentlich vor, aber nicht oft. Wie das mit Klassenfahrten ist, ist auch so eine Frage. Am wichtigsten ist mir aber die reguläre Arbeitszeit: Offiziell beträgt die 40 Stunden pro Woche. Bezahlt werden wir aber nicht nach Zeit, sondern nach Unterrichtsstunden: 23 Stunden Unterricht pro Woche mit Vorbereitung und Korrekturen, dazu die angesetzte Anzahl an Konferenzen und Elternabenden und laufende Extrawünsche des Kultusministeriums, die immer mal wieder anfallen. Dass das in der Unterrichtszeit mehr ist als 40 Stunden, ist klar, und dass man in den Ferien weniger arbeitet, auch – darüber hinaus ist das meiste unbekannt.

Ich glaube nicht, dass ich sehr viel mehr arbeite als meine 40 Stunden. Irgendwann habe ich mal zusammengerechnet und bin auf 42 Stunden gekommen, aber das war auch nur geschätzt. Ich würde mir vor allem gerne aussuchen, mit welchen Arbeiten ich diese Zeit fülle, aber das geht aus guten Gründen nicht. Ich lese viel und programmiere und treibe mich online herum; das zählt nicht zu meiner Arbeitszeit, aber führt dazu, dass ich viele meiner Arbeiten sehr schnell erledigen kann. Ich bin flink am Computer, sicher flinker als die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen, und auch das hilft mir dabei, schnell zu arbeiten.

Allein: Was soll geschehen, wenn das Kultusministerium feststellt, dass manche Lehrer oder Lehrerinnen länger brauchen, oder manche Fächer mehr Arbeit erfordern? (Wir wissen doch alle wie das mit Deutsch und Mathe ist, wenn wir nicht unredlich sind.) Sollen die einen dann mehr Aufsichten führen, mehr unterrichten, oder dürfen die sich dann selbstständig beschäftigen? Müssen manche Fächer weniger unterrichten oder keine Aufsichten führen? Erst wenn es darauf eine Antwort gibt, spielt es es eine Rolle, ob man Arbeitszeit zählt oder nicht.

- Die aktuelle Arbeitszeitstudie wird vielleicht Ende des Jahres veröffentlicht, sonst kenne ich nur eine von Mummert + Partner Anfang 1997: Ja, Lehrer und Lehrerinnen insbesondere an Gymnasien arbeiteten deutlich mehr als im sonstigen öffentlichen Dienst, jedenfalls im Durchschnitt – das Minimum lag darunter, das Maximum arg weit darüber. Passiert ist dann wohl nichts.

Podcasts, Tom Waits, Diner lingo

Ich höre immer wieder Podcasts, ein paar stelle ich hier vor. Und bei dem letzten davon schreibe ich dann auch etwas über den Einsatz in der Schule!

Arkam Insiders: Seit weit über hundert Folgen unterhalten sich Mirko und Axel schon (auf deutsch) über jeweils eine Geschichte von H. P. Lovecraft oder anderen Autoren aus dessen Umfeld, mitunter auch über Biographisches zu HPL.
http://arkhaminsiders.com/

Sigma 2 Foxtrot: Ein SF- und Phantastik-Podcast, in dem sich Axel mit wechselnden Gästen über fantastische Geschichten unterhält. Bin schon auf manche interessante Texte gestoßen dadurch, und genau so interessant ist es, wenn ich die Texte bereits kenne und eine Meinung dazu habe.
http://sigma2foxtrot.com/

H. P. Lovecraft Podcast: Englischsprachig, kostet Geld; aber einmal pro Monat gibt es eine frei zugängliche Folge. Chris Lackey und Chad Fifer sprechen seit über 450 Folgen über Horrorgeschichten – angefangen mit Lovecraft, chronologisch durch alle seine Texte, dann weiter bei den Autoren, die Lovecraft in seinem umfangreichen Essay “Supernatural Horror in Literature” erwähnt, und inzwischen über alles mögliche.
https://hppodcraft.com/

Textlastig: Falk und Simon spielen in unregelmäßigen Abständen Textadventures, sehr gelegentlich auf Englisch, meistens sind es deutsche Spiele. Sie spielen in Echtzeit, mit all den Pannen und Problemen und Sackgassen, die diese Spiele gerne mal mit sich bringen. Dementsprechend ist das eher etwas für Freunde des Genres.
https://textlastig.com/

Reply All: PJ Vogt und Alex Goldman bringen seit 2014 einen Podcast über Themen, die etwas mit Internet oder Technik zu tun haben. Beliebte Kategorien: Lösungen für technische Probleme oder Betrugsopfer, teilweise mit großen Umwegen; manchmal auch nur Kurioses oder Interessantes. Mein Favorit: yes-yes-no, wo ein Gast oder der Chef von PJ und Alex einen kryptischen Tweet vorbeibringt, den er nicht versteht, und der dann von PJ und Alex erklärt wird. Manchmal muss man dabei sehr weit ausholen. Von Gamergate und Pizzagate hören Leute wie ich bei Reply All zum ersten Mal, das aber recht früh.
https://gimletmedia.com/shows/reply-all

Slate Political Gabfest: Ich höre etliche Podcasts aus dem Hause Slate, Lexicon Valley etwa, einen Podcast über ein sprachwissenschaftliches Thema von John McWhorter. (Allerdings geht es meist um Lexik und Phonologie, manchmal Wortarten und Sprachwandel; eigentlich nur selten um Syntax.) Aber der Großvater ist das Gabfest, eine Art journalistischer Frühschoppen einmal pro Woche mit relativ festem Team – Themen meist amerikanische und Weltpolitik.
https://podcasts.apple.com/us/podcast/slates-political-gabfest/id158004641

Song by Song: Diesen Podcast habe ich erst vor kurzem entdeckt, bin erst bei Episode 20 oder so, insgesamt gibt es bishlang um die 180 Folgen. Martin Zaltz Austwick und Sam Pay und – zumindest bisher – Gäste gehen chronologisch sämtliche veröffentlichte Platten von Tom Waits durch, je Lied eine Folge. Von Tom Waits habe ich selber etwa 30 Platten, aber das sind auch etliche Sammlungen und Livealben dabei. Das erste Album (Closing Time) enthält bereits ein perfektes Lied (Grapefruit Moon), daneben aber viele Nummern, in denen Waits noch seine Richtung sucht – sehr interessant für Fans, aber vielleicht nichts für den Einstieg. Aber bereits die zweite Staffel des Podcasts, die sich mit dem zweiten Album beschäftigt (The Heart of Saturday Night), kann ich sehr empfehlen.
http://www.songbysongpodcast.com/

Was das mit der Schule zu tun hat

So wie die drei Leute von Song by Song hätte ich gerne, dass sich Schüler und Schülerinnen über Lyrik unterhalten! Ein bisschen Inhaltsangabe, Betrachtung der Sprechsituation, persönliche Erinnerungen und Assoziationen und auch Abschweifungen. Vergleiche mit ähnlichen Texten. Ein paar stilistische Auffälligkeiten, aber nicht alle, und nur welche, zu denen man etwas sagen möchte. Vielleicht ist das der Hauptunterschied und dann wohl nicht in der Schule replizierbar: Die Sprecher wollen über die Texte reden, haben eine Meinung zu ihnen, auch wenn sie sie gar nicht mögen. Den meisten Schülern und Schülerinnen sind die Text eher egal oder sie wissen nicht, dass sie eine Meinung dazu haben dürfen, oder sie erhalten nicht genug Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Ein weiterer Unterschied: In der Schule muss man die eigene Meinung eigentlich immer begründen, im Podcast nicht so sehr – einmal, weil da Musiker kraft ihrer beruflichen Autorität sprechen, außerdem, weil ihre Meinungen nachvollziehbar, interessant, glaubwürdig und ernst gemeint sind.

Und doch: Wie schön wäre es, sich so über Lyrik zu unterhalten, auch in der Schule.

Ich fürchte, es bringt auch nichts, in der Schule mal als Beispiel diese Podcasts zu hören: Sie sind auf Englisch, und man muss die Lieder kennen oder zumindest mögen. Und Tom Waits, selbst die zugänglicheren frühen Platten, sind… ein erworbener Geschmack. (Aber sooooo gut.)

Exkurs: Diner lingo

Zumindest in den frühen Alben erzählt Tom Waits immer wieder von nächtlichen Barbesuchern und LKW-Fahrern, von Kellnerinnen und kleinen Gaunern. Gegessen und gefrühstückt wird im Diner. Und zu diesem Diner oder greasy spoon, einer amerikanischen Institution, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt und die ich aus Filmen und Büchern der 1930er und 1940er Jahre kenne, gibt es einen eigenen Slang, den auch Tom Waits häufig zitiert. Vermutlich ist der so ein ähnliches Relikt wie der cockney rhyming slang und gar nicht mehr authentisch, aber ein paar Reste davon kenne ich vom alltäglichen Gebrauch von Besuchen bei der amerikanischen Verwandtschaft in meiner Kindheit und Jugend:

  • Spiegeleier sunny side up: so wie unsere vertrauten Spiegeleier, aber wenn es dafür eine eigene Bezeichnung gibt, heißt das, dass es auch andere Formen des Spiegeleis gibt
  • (eggs) over easy: Spiegeleier, die man noch einmal kurz wendet, so dass auch das Eigelb leicht angebraten wird
  • moo juice: Milch; bottle moo kenne ich aus einem Lied aus den 1940ern.
  • burn one: wirf einen Hamburger auf den Grill, wenn er durch sein soll, heißt er hockey puck (und on the hoof ist das Gegenteil davon).
  • to eighty-six heißt: von der Liste streichen/zurücknehmen; kenne ich auch von außerhalb der Essenssituation
  • java für Kaffee – und da kommt letztlich auch der Name für die Programmiersprache her

Hier ist ein kleiner Überblick über Begriffe: http://mentalfloss.com/article/31493/understanding-diner-lingo-55-phrases-get-you-started, und hier kann man ein Quiz dazu machen: https://www.dinerlingo.com/quiz/. Auch Wikipedia hat viele Beispiele.

Avengers: Endgame (leichte Spoiler)

Schon letzte Woche war ich in Avengers: Endgame. Wer’s nicht weiß: Das ist ein Marvel-Superheldenfilm, und zwar der 22. in einer Reihe von zusammengehörenden und – mäßig – aufeinander aufbauenden Filmen, die vor elf Jahren mit Iron Man (Blogeintrag) begann. Nach dem ersten Drittel der Filme gab es einen größer angelegten Film, in dem die Charaktere der vorangehenden, nur sehr lose verknüpften Filme, versammelt wurden; nach dem zweiten Drittel wieder, und nach dem dritten gab es sogar zwei dieser Riesenevents: 2018 Avengers: Infinity War, den ich echt schlecht fand, der aber ein Riesenerfolg war; und jetzt eben dessen Fortsetzung – der mir angesichts des Vorgängers überraschend gut gefallen hat.

Avengers: Endgame ist drei Stunden lang und spielt alles Geld ein, das es gibt, und bricht alle modernen Rekorde, die man sich vorstellen kann. Teilweise mit einem Riesenabstand. Das ist für mich das Interessanteste am Film, und wahrscheinlich ist das ein nicht wiederholbares Phänomen. Denn der Film baut vor allem darauf auf, dass die Zuschauer möglichst viele der vorangegangenen Filme gesehen haben. (Und Fernsehserien.) Das gibt es nicht bei Star Wars, Star Trek oder James Bond. Man hat als Filmeschauer eine Menge Zeit und Energie investiert, und die Filme waren auch fast alle überaschend respektabel, und man hat sich dafür eine Belohnung verdient, irgendwas Kathartisches, Anerkennung für die gemeinsam verbrachten elf Jahre – und die bietet dieser Film dann auch.

SPOILER folgen:

Das erste Drittel des Film ist unerwartet deprimierend. Der letzte Film endete nach endlosen hektischen Prügeleien auf dieser niedergeschlagenen Note, und der neue macht da weiter und kostet das eine Stunde lang aus – ganz ohne Hektik, gemächlich. Respekt. Dann kommt ein witziges Drittel, und das letzte Drittel ist dann Haudrauf, wie es das Publikum erwartet und verlangt. Ich könnte ja darauf verzichten.

Ganz kurzer Podcast dazu – anscheinend kann man den Film sogar sehen, wenn man gar keinen der 21 Vorgänger gesehen hat:

AVENGERS ENDGAME: „No amount of money ever bought a second of time“
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Alles gutes Popcornkino, aber richtig gute Filme sind nicht dabei. Wenigstens war diesmal die Musik ganz ordentlich. Die Schauspieler und Dialoge sind es ohnehin immer. Wer weiß, am Ende macht Marvel nicht weiter wie bisher sondern überrascht das Publikum mal wirklich? Insgesamt: Respekt, viel Respekt von meiner Seite, aber keine Liebe, oder nur indirekt – über die Erinnerung an die Comics meiner Kindheit und frühen Jugend

Ruhe vor dem Sturm: Nach den Osterferien…

…ist vor dem Abitur. Deutsch war schon, Mathematik ist morgen, Englisch nächste Woche – da bin dann ich dabei.

Und heute war Elternsprechtag. Bei uns läuft das so, dass sich die Eltern über eine Webseite in einer der freien Slots eintragen, jeweils sieben Minuten zwischen 17 und 19 Uhr. (Außerdem: Länger dableiben bei großem Andrang.) Bei mir wieder alles Slots besetzt, lauter nette Eltern, gut in der Zeit gelegen. Ich bin immer schon fünf Minuten vorher da, das gibt einen Vorsprung, und ich fasse mich kurz, so dass ich zwischendrin immer ein wenig Luft habe.

Kommenden Montag ist Einschreibung: Da treten die Eltern der künftigen Fünftklässler und ‑klässlerinnen mit Geburtsurkunden und Übertrittszeugnis an, um ihr Kind an der Schule anzumelden. Der Plan, kurzfristig einen sorting hat dafür aufzutreiben, scheiterte, aber es wird ja eh noch niemand in Klassen eingeteilt. Diesmal bin ich wieder mal bei der Einschreibung dabei und sitze an einem der Rechner.

Montag nachmittag habe ich (wieder mal) eine schulinterne Mebis-Fortbildung gegeben. Diesmal habe ich mich nicht daran orientiert, was mein Publikum gerne gewusst hätte, sondern daran, was ich glaube, dass sie wissen sollten. Sonst wollen alle immer gleich hören, wie Multiple-Choice-Tests gehen, dabei gibt es viel Wichtigeres:

  • Passwort für Schul-WLAN speichern
  • Moodle-App installieren und konfigurieren
  • Kurse anlegen, richtiges Format wählen
  • Themen für dauerhaft verfügbaren Grundwissenskurs überlegen
  • Überschriften und Texte verfassen
  • dann kann man über anderes Material und später vielleicht Aktivitäten nachdenken

Dazwischen habe ich gezeigt bzw. ausgeteilt, was man alles machen kann. Das wie kommt viel später, bei Interesse. Insgesamt glaube ich, dass es trotzdem nie viele Lehrern und Lehrerinnen geben wird, die Mebis/Moodle-Kurse gestalten werden. Aber das ist okay, solange die anderen die Kurse dann nutzen wollen und Ideen für deren Inhalt haben.