Podcasts, Tom Waits, Diner lingo

Ich höre immer wieder Podcasts, ein paar stelle ich hier vor. Und bei dem letzten davon schreibe ich dann auch etwas über den Einsatz in der Schule!

Arkam Insiders: Seit weit über hundert Folgen unterhalten sich Mirko und Axel schon (auf deutsch) über jeweils eine Geschichte von H. P. Lovecraft oder anderen Autoren aus dessen Umfeld, mitunter auch über Biographisches zu HPL.
http://arkhaminsiders.com/

Sigma 2 Foxtrot: Ein SF- und Phantastik-Podcast, in dem sich Axel mit wechselnden Gästen über fantastische Geschichten unterhält. Bin schon auf manche interessante Texte gestoßen dadurch, und genau so interessant ist es, wenn ich die Texte bereits kenne und eine Meinung dazu habe.
http://sigma2foxtrot.com/

H. P. Lovecraft Podcast: Englischsprachig, kostet Geld; aber einmal pro Monat gibt es eine frei zugängliche Folge. Chris Lackey und Chad Fifer sprechen seit über 450 Folgen über Horrorgeschichten – angefangen mit Lovecraft, chronologisch durch alle seine Texte, dann weiter bei den Autoren, die Lovecraft in seinem umfangreichen Essay „Supernatural Horror in Literature“ erwähnt, und inzwischen über alles mögliche.
https://hppodcraft.com/

Textlastig: Falk und Simon spielen in unregelmäßigen Abständen Textadventures, sehr gelegentlich auf Englisch, meistens sind es deutsche Spiele. Sie spielen in Echtzeit, mit all den Pannen und Problemen und Sackgassen, die diese Spiele gerne mal mit sich bringen. Dementsprechend ist das eher etwas für Freunde des Genres.
https://textlastig.com/

Reply All: PJ Vogt und Alex Goldman bringen seit 2014 einen Podcast über Themen, die etwas mit Internet oder Technik zu tun haben. Beliebte Kategorien: Lösungen für technische Probleme oder Betrugsopfer, teilweise mit großen Umwegen; manchmal auch nur Kurioses oder Interessantes. Mein Favorit: yes-yes-no, wo ein Gast oder der Chef von PJ und Alex einen kryptischen Tweet vorbeibringt, den er nicht versteht, und der dann von PJ und Alex erklärt wird. Manchmal muss man dabei sehr weit ausholen. Von Gamergate und Pizzagate hören Leute wie ich bei Reply All zum ersten Mal, das aber recht früh.
https://gimletmedia.com/shows/reply-all

Slate Political Gabfest: Ich höre etliche Podcasts aus dem Hause Slate, Lexicon Valley etwa, einen Podcast über ein sprachwissenschaftliches Thema von John McWhorter. (Allerdings geht es meist um Lexik und Phonologie, manchmal Wortarten und Sprachwandel; eigentlich nur selten um Syntax.) Aber der Großvater ist das Gabfest, eine Art journalistischer Frühschoppen einmal pro Woche mit relativ festem Team – Themen meist amerikanische und Weltpolitik.
https://podcasts.apple.com/us/podcast/slates-political-gabfest/id158004641

Song by Song: Diesen Podcast habe ich erst vor kurzem entdeckt, bin erst bei Episode 20 oder so, insgesamt gibt es bishlang um die 180 Folgen. Martin Zaltz Austwick und Sam Pay und – zumindest bisher – Gäste gehen chronologisch sämtliche veröffentlichte Platten von Tom Waits durch, je Lied eine Folge. Von Tom Waits habe ich selber etwa 30 Platten, aber das sind auch etliche Sammlungen und Livealben dabei. Das erste Album (Closing Time) enthält bereits ein perfektes Lied (Grapefruit Moon), daneben aber viele Nummern, in denen Waits noch seine Richtung sucht – sehr interessant für Fans, aber vielleicht nichts für den Einstieg. Aber bereits die zweite Staffel des Podcasts, die sich mit dem zweiten Album beschäftigt (The Heart of Saturday Night), kann ich sehr empfehlen.
http://www.songbysongpodcast.com/

Was das mit der Schule zu tun hat

So wie die drei Leute von Song by Song hätte ich gerne, dass sich Schüler und Schülerinnen über Lyrik unterhalten! Ein bisschen Inhaltsangabe, Betrachtung der Sprechsituation, persönliche Erinnerungen und Assoziationen und auch Abschweifungen. Vergleiche mit ähnlichen Texten. Ein paar stilistische Auffälligkeiten, aber nicht alle, und nur welche, zu denen man etwas sagen möchte. Vielleicht ist das der Hauptunterschied und dann wohl nicht in der Schule replizierbar: Die Sprecher wollen über die Texte reden, haben eine Meinung zu ihnen, auch wenn sie sie gar nicht mögen. Den meisten Schülern und Schülerinnen sind die Text eher egal oder sie wissen nicht, dass sie eine Meinung dazu haben dürfen, oder sie erhalten nicht genug Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Ein weiterer Unterschied: In der Schule muss man die eigene Meinung eigentlich immer begründen, im Podcast nicht so sehr – einmal, weil da Musiker kraft ihrer beruflichen Autorität sprechen, außerdem, weil ihre Meinungen nachvollziehbar, interessant, glaubwürdig und ernst gemeint sind.

Und doch: Wie schön wäre es, sich so über Lyrik zu unterhalten, auch in der Schule.

Ich fürchte, es bringt auch nichts, in der Schule mal als Beispiel diese Podcasts zu hören: Sie sind auf Englisch, und man muss die Lieder kennen oder zumindest mögen. Und Tom Waits, selbst die zugänglicheren frühen Platten, sind… ein erworbener Geschmack. (Aber sooooo gut.)

Exkurs: Diner lingo

Zumindest in den frühen Alben erzählt Tom Waits immer wieder von nächtlichen Barbesuchern und LKW-Fahrern, von Kellnerinnen und kleinen Gaunern. Gegessen und gefrühstückt wird im Diner. Und zu diesem Diner oder greasy spoon, einer amerikanischen Institution, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt und die ich aus Filmen und Büchern der 1930er und 1940er Jahre kenne, gibt es einen eigenen Slang, den auch Tom Waits häufig zitiert. Vermutlich ist der so ein ähnliches Relikt wie der cockney rhyming slang und gar nicht mehr authentisch, aber ein paar Reste davon kenne ich vom alltäglichen Gebrauch von Besuchen bei der amerikanischen Verwandtschaft in meiner Kindheit und Jugend:

  • Spiegeleier sunny side up: so wie unsere vertrauten Spiegeleier, aber wenn es dafür eine eigene Bezeichnung gibt, heißt das, dass es auch andere Formen des Spiegeleis gibt
  • (eggs) over easy: Spiegeleier, die man noch einmal kurz wendet, so dass auch das Eigelb leicht angebraten wird
  • moo juice: Milch; bottle moo kenne ich aus einem Lied aus den 1940ern.
  • burn one: wirf einen Hamburger auf den Grill, wenn er durch sein soll, heißt er hockey puck (und on the hoof ist das Gegenteil davon).
  • to eighty-six heißt: von der Liste streichen/zurücknehmen; kenne ich auch von außerhalb der Essenssituation
  • java für Kaffee – und da kommt letztlich auch der Name für die Programmiersprache her

Hier ist ein kleiner Überblick über Begriffe: http://mentalfloss.com/article/31493/understanding-diner-lingo-55-phrases-get-you-started, und hier kann man ein Quiz dazu machen: https://www.dinerlingo.com/quiz/. Auch Wikipedia hat viele Beispiele.

6 Antworten auf „Podcasts, Tom Waits, Diner lingo“

  1. Nur ein paar Assoziationen – weil es schon Nacht ist und jetzt ein Tom Waits Song gut tun würde.

    Ich meine, dass es im englischsprachigen Bereich oft die Form gibt, sich über Songs und ihren Hintergrund auszutauschen. Jedenfalls habe ich immer wieder mal englische Songs im Deutschunterricht benutzt für Phasen des kreativen Schreibens o.ä. Wenn ich dann nachforschte im Netz, stieß ich auf Threads, in denen Ideen zu Songs ausgetauscht wurden – es ging immer um „song meanings“. Im Deutschsprachigen fand ich das nie – aber vielleicht habe ich dort auch nie danach gesucht.

    Songs von meiner Liste für den Unterricht:

    Enough to be on your way – James Taylor

    Jeremy – Pearl Jam

    Martha – Tom Waits

    Tom Waits brachte mir ein Freund aus den USA mit nach einem einjährigen Aufenthalt dort (1987/88). Das erste Album war „Nighthawks at the diner“, von dem du hier wohl auch sprichst und was sprachlich allem widersprach, was wir im Englischuntericht gelernt hatten. Und ja, ein Lieblingssong ist immer noch „Eggs And Sausage“. Mein Lieblingsalbum immer noch „Asylum Years“.

    The Avett Brothers – Head Full of Doubt/Road Full of Promise … ist in diesem Zusammenhang immer noch ein Song, den ich nie so richtig verstanden habe, wobei mir einzelne Zeilen aber ungemein eingängig erscheinen – ich sie aber nicht übersetzt bekomme.

    Es gibt eine wunderbare Live-Performance davon unter (zweiter Song):

    https://www.youtube.com/watch?v=eyg00Qe3j3Y

    Und wenn man sieht, wie man sein Cello auch noch spielen kann, dann bin ich schnell bei den Dead South:

    https://www.youtube.com/watch?v=B9FzVhw8_bY

    Und so geht es die ganze Nacht, wenn man mag. Gute Nacht.

    In Hell I’ll Be In Good Company.

  2. H. hat auch immer wieder Songs in seinem Englischunterricht eingesetzt, inspiriert von Frau H. – natürlich leicht zu verstehende und auch zu übersetzende ( das selbstverständlich frei und mit einer gehörigen Portion eigener Kreativität), viel Beatles, vor allem Kinks, auch Chuck Berry, halt der Schulstufe entsprechend. Die Lieder wurden im Anschluss auch gesungen (oder gegrölt).

  3. Reply All, große Liebe. Der Anruf des in der Türkei festsitzenden jungen Mannes aus Syrien aus Episode #139 spukt mir immer noch im Kopf herum.

    Ähnlich großartig ist Helen Zaltzmanns The Allusionist.

  4. Zum Thema gebratene Eier:

    Das, was wir landläufig als Spiegelei bezeichnen, ist eigentlich ein Setzei – auf einer Seite beraten. Ein Spiegelei ist (logisch) ein Ei, das auf beiden Seiten gebraten worden ist.

  5. Dead South habe ich mir gleich mal eine Platte gekauft, danke für den Tipp. Und: Lieder, die man nicht ganz versteht, sind eh mit die besten. Die bleiben bei einem.

    Reply All habe ich von dir Sabine, bald nach Erscheinen, und höre seitdem alle Folgen.

    Setzei: Hatte ich noch nie gehört, gleich mal kundig gemacht. Danke! /Warte nur noch darauf, das mal elegant im Gespräch einfließen lassen zu können.)

  6. „Setzei“ ist wohl eher nord- oder nordostdeutsches Küchenlatein, in Süddeutschland heißen die Spiegeleier, immer schon.
    Diners gibt es natürlich noch: zuletzt in Maine, Upstate New York und im nördlichen Pennsylvania, auch in der 72. oder 73 St. West in Manhattan, gleich ums Eck vom Dakota-Building und dem Eingang zum Central Park gibt’s presiwert the American Grease Fix, mit diesem typischen, unsäglichen Traubengelee für den Toast…

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