Erste Schulwoche 2020/21

Lief gut, unter den Umständen. Ich hatte vergessen, wie viel Absprachebedarf am Anfang jedes Schuljahres es gibt: Deutsch 10 bespricht gemeinsames Vorgehen, Deutsch 11 ebenso; erstes Treffen des Medienteams. Nächste Woche zweites Medienteam-Treffen, Mebisschulungen für alle 5. Klassen – damit auch die halbwegs vorbereitet sind, wenn die Schule oder die Klasse oder die Jahrgangsstufe halb oder ganz von zu Hause aus unterrichtet wird. Schön, wie Systembetreuung und manche Kolleginnen da schon vorarbeiten: Passwörter für Computerraum und Mebis haben sie alle, erste kleine Aufgaben gab es teilweise auch schon.

Die eigenen Mebiskurse hübsch gemacht: Abschnitte und Unterabschnitte, klassenspezifischer Link zu Videokonferenz, E‑Mail-Adresse. Mit allen Klassen, in denen ich bisher war, sichergestellt, dass alle eine E‑Mail-Adresse eingetragen haben, und erste Aufgaben gestellt. Kleineres Updateproblem: Die Namen einiger Schüler und Schülerinnen sind falsch im System, nämlich bei bestimmten Sonderzeichen oder, mein Favorit, Akzent+Leerzeichen statt Apostroph. Die haben wir letztes Jahr korrigiert, aber diese alten Accounts sind automatisch durch neue, in falscher Schreibung, ersetzt worden. Das heißt, wir lassen jetzt mal die falsche Schreibung.

Von meinen acht Klassen oder Kursen dieses Jahr führe ich vier aus dem Vorjahr fort. Dazu zwei neue Oberstufen, zwei neue Unterstufeninformatik. Zu ersteren gehört auch ein Kurs englische Konversation, den es bei uns seit etlichen Jahren gibt, den ich aber noch nie unterrichtet habe. Nur mündliche Klausuren; wohl überhaupt nur mündliche Noten. Mal schauen.

In Deutsch 11 kurz Aufklärung wiederholt, ausgehend vom Begriff der Unmündigkeit, mit dem Kants berühmter Aufsatz beginnt. Dann: was heißt selbst zu denken? Woher weiß man, dass etwas wahr ist? Autoritäten, Empirismus, Rationalismus, Offenbarung; QAnon, Verschwörungsspinner, Mainstreammedien (←wir mögen sie).

Maskentragen läuft okay. Die Schüler und Schülerinnen sind sehr diszipliniert; wenn die Nase raushängt, ist das eher eine schlecht sitzende Maske als Absicht. Die Pausenbereiche sind nach Jahrgangsstufen getrennt, zumindest bei der 5. Klasse, wo ich bisher Aufsicht hatte, sind die Masken aber meist unten – schon mal, weil die dauernd essen und trinken, was ja verständlich und völlig in Ordnung ist. Abstand geht natürlich gar nicht wirklich.

Die vorläufigen Lehrerfotos für dieses Jahr – weil noch etliche fehlen, habe ich mal probeweise Masken auf jedes Gesicht gemalt:

Das Unterrichten mit Maske ist bisher schwieriger, aber nur etwas. Ich rede laut genug; die Schüler und Schülerinnen reden mir zu leise, behaupten aber auf Nachfrage, einander zu verstehen (jedenfalls auch nicht schlechter als sonst; sie reden ja immer zu leise). Wenn jemand redet, sehe ich allerdings nicht, wer redet – das ist im unübersichtlichen Computerraum ein Problem, so dass ich plane, in zumindest einer Klasse weitgehend wortlos zu arbeiten – Rechner anmachen, Arbeitsauftrag bei Mebis herunterladen, arbeiten.

Im Lehrerzimmer trinke ich weniger Kaffee als sonst, weil ich dazu die Maske abnehmen muss. Bis jetzt ist nur noch eine Woche allgemeine Maskenpflicht in bayerischen Schulen; zumindest für München wird das hoffentlich beibehalten – dort steigen die Zahlen. Aber ich arbeite ja nicht in München. Kommende Woche gibt es freiwillige Reihentests für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an meiner Schule.

5 Antworten auf „Erste Schulwoche 2020/21“

  1. Bei uns läuft das mit den Masken auch gut, vor allem bei den Schüler*innen, die sich dann wiederum über die zwei, drei Kolleg*innen beschweren, die mitunter mit heraushängender Nase umherlaufen (warum nur?). Wir haben ein sehr enges und volles Schulhaus und deshalb drei Schichten mit aberwitzigen Stundenplänen. Die Stundenplanerin hat sich da Pelikan-gleich aufgeopfert und die Mittelstufe darf dieses Schuljahr ausschlafen und erst um 9 kommen. Weil gleichzeitig viele wegen des Durchzuges die Türen offen haben, leuchtet es auch den stoffeligsten Lärmbrüdern ein, dass man nicht mehr brüllend durchs Haus laufen kann. Einen Gong gibt es auch nicht, da der sonstige jede Viertelstunde läuten müsste – hoffentlich fällt der ganz der Pandemie zum Opfer. Eigentlich ist das so ganz schön! Wenn man an den Klassenzimmern vorbeigeht, kann man oft Kolleg*innen anlächeln, soweit das mit Maske halt geht.

    Ich hab mir für den Englischunterricht solche Plastikmasken gekauft, wie sie auch im der Gastronomie oft zu sehen sind – laut Hersteller vom Gesundheitsministerium abgesegnet. Die schützen mich etwas weniger, aber wie soll das gehen, wenn die Fünften meinen Mund nicht sehen? Sonst sind mir die bequemen Stoffmasken lieber.

    Email-Adressen für Mebis, das muss ich noch anleiern. Sonst klappt es gut. Ich habe diese Woche dank einer brilliant erklärenden Kollegin die iFrame- Einbindung entdeckt, die alles viel schöner macht und ein wenig Wind des Internets in Mebis holen kann.

    Mein Seminar ist sehr klein dieses Jahr, aber das ist beim allgemein erschwerten Betrieb ein Glück.

  2. Das mit den drei Schichten ist aufwändig und beeindruckend. Den Gong haben wir leider noch nicht ganz abgeschafft, aber er läutet jetzt wenigstens nur Schulanfang und um die Pausen, nicht mehr in den Doppelstunden dazwischen.

    Plastikmasken habe ich zwei bei einer Kollegin mitbestellt, zum Ausprobieren. Stoffmasken sind mir das liebste, ich habe jetzt erst mal probeweise mit Einwegmasken angefangen, und die zwicken mich noch hinterm Ohr.

    Dann viel Spaß im neuen Schuljahr!

  3. Danke für den Einblick!
    Ich bin am Dienstag ins Ref an einer Schule in Würzburg gestartet und anstatt sonst “so viel Zeit wie möglich in der Schule zu verbringen” wird uns gerade zum Gegenteil geraten… Am ersten Schultag wurde hier der Frühwarnwert überschritten und Ende der Woche dann auch die 50er Marke geknackt. Am Freitag konnte noch niemand sagen, ob und inwiefern mit Einschränkungen im Schulbetrieb zu rechnen ist, der Stufenplan war im Gespräch, aber ohne Fälle an der Schule soll der Präsenzunterricht so lange wie möglich weiter gehen. Ganz nach dem Motto “Lieber Präsenzunterricht mit Maske, als DIstanzunterricht und geteilte Klassen”. Das das Ref für unseren Jahrgang anders wird, ist klar, nur inwieweit kann niemand voraussehen.
    Es sind spannende Zeiten.

  4. Ja, das wird sicher ein spannenderes Jahr, als es ohnehin schon geworden wäre. Ich wünsche viel Erfolg und Geduld, und Spaß am Experimentieren und der Freiheit, die dadurch vielleicht ein bisschen kommt. (Ich sitze aber auch weniger und weniger gern im Lehrerzimmer als sonst.)

  5. Sieht bei uns recht ähnlich auch. Allerdings habe ich persönlich schon Schwierigkeiten mich zu gewöhnen. Diese ständige Abwarte-Haltung, wie hoch die Werte in den nächsten Tagen sind, macht das Unterrichten nicht gerade einfach. Permanent hat man im Kopf “Sind wir 30 nächste Woche? Sind wir Halbe-Halbe? Machen wir ganz zu?” Im Stadtgebiet selbst ist das noch ein bisschen drastischer. Eine Schule Luftlinie 2 km von hier ist schon komplett zu. Corona-Fall. Bleibt spannend…

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