Englische Gedichte vorlesen

Auf Anregung eines Teilnehmers müssen die Schüler und Schülerinnen in meinem Kurs englische Konversation jetzt Gedichte vorlesen – lange Gedichte, und danach wenig darüber reden; oder kurze Gedichte und dafür mehr darüber reden; auch Auszüge möglich. Ich stellte eine Liste mit Gedichtsammlungen zur Verfügung, mit dem Schwerpunkt auf Gedichten, die sich zum Vortrag besonders eignen, machte anhand eines von mir ausgewählten Gedichts vor, wie ich mir das vorstellte, und seitdem verbringen wir die letzten Wochen des Schuljahres so – 20 Minuten Coronatesten, in zwei Gruppen, unter heftigem [Niesen], dann die Gedichte, zwischendrin Pause.

Ich bin sehr daran interessiert, welche Gedichte die Schüler und Schülerinnen auswählen und was sie dazu zu sagen haben. Bisher waren das lauter interessante Sachen. Aber: Das mit dem Vortrag muss man noch mehr üben. Die Aussprache der Wörter ist schon gut, aber dass man auch unterhaltsam vorlesen kann, oder in mehr als einem Tonfall, das ist nicht selbstverständlich. (Ich wusste das, und wir hatten ja vorher dramatisches Lesen anhand eines Dramas geübt, so mit Pausen und Timing und die Zuhörenden im Auge behalten. Dennoch. Gilt für Deutsch genauso wie für Englisch, übrigens.)

Die Gedichte bisher:

Alfred Noyes: “The Highwayman”

Gut hundert Verse, keinen ausgelassen. Eine dramatische Ballade um einen Straßenräuber, böse Soldaten und eine sich opfernde Wirtshaustochter. Und noch heute erzählt man sich, so die letzten Strophe, dass in einer klaren Winternacht der Räuber zu sehen ist und die Schöne, zu der er reitet…

The wind was a torrent of darkness among the gusty trees,
The moon was a ghostly galleon tossed upon cloudy seas,
The road was a ribbon of moonlight over the purple moor,
And the highwayman came riding—
Riding—riding—
The highwayman came riding, up to the old inn-door.

Die Aussprache von “breeches” thematisiert.

cavetown: Boy will be bugs

Ein Auszug aus einem Lied eines englischen Musikers mit Youtubekanal; Inhalt: Teenager mit Problemen. Vorgelesen im Tonfall eines Teenagers mit Problemen. Also, einerseits treffend, andererseits vielleicht weniger schwierig in der Gestaltung als andere Werke.

Edgar Guest: Equipment

Ein berühmtes inspirational poem. Tenor: All die Reichen und Berühmten haben ihr Leben auch nur mit der gleichen Ausrüstung begonnen wie du, “my lad”, und es ist deine Aufgabe, das beste daraus zu machen! Rührend, und auf den ersten Blick motivierend, und sehr amerikanisch, und natürlich so was von falsch:

So figure it out for yourself, my lad,
You were born with all that the great have had,
With your equipment they all began.
Get hold of yourself, and say: “I can.”

Shel Silverstein: Sick

“I cannot go to school today,“
Said little Peggy Ann McKay.

Und der Rest ist eine lange wörtliche Rede, was alles mit der kleinen Peggy nicht stimmt, die aber einfach nur keine Lust hat, in die Schule zu gehen, und erst in den letzten Versen merkt, dass ja gar kein Schultag ist – worauf sie ganz schnell gesundet. Mein Favorit ist der eingestürzte Bauchnabel. Ein Schüler meinte, der Autor müsse ja wohl ein besorgter und rührender Vater gewesen sein, und ich musste mir leider aus Zeitgründen einen Exkurs zu “A Boy Named Sue” verkneifen – das kennt man von Johnny Cash und in vielen anderen Versionen, geschrieben wurde es von Shel Silverstein.

Roald Dahl: The Pig

Auch gut geeignet zum Vortrag: Paarreim, ohne Enjambent, also mit das schlichteste, was überhaupt geht, wie es sich für ein Schwein gehört. Und um ein Schwein geht es, das über den Sinn des Lebens reflektiert und herausfindet, dass es geschlachtet und verwurstet werden soll. Glücklicherweise bietet sich vorher Gelegenheit, den Bauern selber aufzufressen. (Als Fußnote darauf hinweisen, dass Schweine Allesfresser sind und es historische Vorbilder gibt.)

William Blake: The Chimney Sweeper

Und zwar das Gedicht von 1789 (aus: Songs of Innocence) und das von 1794 (aus: Songs of Experience). Die Schüler:in hat viel Hintergrund dazu erklärt.

Christina Rossetti: Remember

Ein Sonett. Viele Antithesen, weil ja auch Sonett halt.

TDDL 2021

Leider zu spät daran gedacht, sonst hätte ich das vor ein paar Tagen hier geschrieben: Gestern, heute und morgen sind die jährlich stattfindenden Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, in deren Rahmen der Ingeborg-Bachmann-Preis (Wikipedia) verliehen wird.

Jeder Kandidat, jede Kandidatin wird dabei in einer Stunde präsentiert: Nach einführenden Worten wird ein Vorstellungsvideo gezeigt, daraufhin lesen Autor oder Autorin fünfundzwanzig Minuten aus ihrem Werk (dieses Jahr auch das per aufgezeichnetem Video), worauf sich die Jury darüber live darüber unterhält. Passt wunderbar in einer Schul-Doppelstunde. Alle Jury-Mitglieder hatten Gelegenheit, vorher den Text zu lesen; der Autor oder die Autorin sind während der Diskussion dazugeschaltet, diskutieren aber nicht mit, sondern müssen nur zuhören. Das Publikum, im Saal oder im Wörthersee, also: irgendwo draußen um das Studio herum, wohin die Aufnahme übertragen wird, hört die Texte zum ersten Mal. Das Publikum ist wichtig, es gibt regelrechte Schlachtenbummler, und in zwei Jahren hätte ich endlich mal Zeit, auch dazu zu gehören.

Es kann für eine Klasse schon interessant sein, da zuzuhören. Heute hatte ich eine passende 10. Klasse in Deutsch: eine Viertelstunde Organisatorisches und einleitende Worte, dann begann um zehn Uhr der Live-Stream – denn inzwischen wird das nicht nur im Fernsehen übertragen, sondern auch im Internet: Hier gibt es die Portraits, Lesungen und die Diskussionen auch zum Nachhören. (Aber live ist für die Schule schon spannender.)

Wir hatten Glück: Die Geschichte und Lesung von Leander Steinmann, “Ein Fest am See” (hier der Text), war für die Schule und diese Jahrgangsstufe sehr geeignet: Nicht experimentell, nicht verwirrend, weitgehend linear, leicht verständlich, ein paar lustige Stellen. Keine Sexszenen. Der Autor stellte sich vor (das Wort “entdeckte” fiel oft) und las sehr gut. Währenddessen schrieb ich meine Meinung versteckt an die Tafel, weil ich als Deutschlehrer gerne eine Meinung habe und die unbedingt teilen muss. Und das nach der Diskussion zu machen, ist wenig sportlich.

Die Diskussion war dann interessant, fast durchgehend auf einem Niveau, dem eine 10. Klasse gut folgen kann. Das Gespräch war von Inhalt und Stil nicht gar so weit entfernt von dem, wie wir uns in der Schule über Literatur unterhalten. Und die Juroren und Jurorinnen hatten unterschiedliche Schwerpunkte und unterschiedliche Meinungen! Das ist immer lehrreich zu hören; wenn ich als Lehrkraft sage, dass man das so oder so sehen kann, und dass ich das vielleicht anders sehe als eine Schülerin oder ein Schüler, dass das dennoch nicht heißt, dass ich Recht habe und die anderen nicht – dann weiß ich nie, ob die mir das auch wirklich glauben. (Wenn etwas gar nicht stimmt, dann sage ich das natürlich auch.)

Ich sah vieles anders als die meisten Jury-Mitglieder, aber meine Klasse war größtenteils bei mir: Der Erzähler war ein Depp, vereinfacht gesagt, und die Geschichte machte nicht klar genug, dass deshalb seine Meinung über andere Menschen arg gefärbt war.

Schön wäre noch gewesen, den Twitter-Hashtag #tddl nebenbei laufen zu lassen. Auf Twitter werden die Textvorstellungen nämlich rege und in Echtzeit diskutiert, aber dazu hätte ich vielleicht mehr Beamerfläche gebraucht und wahrscheinlich die Klasse mit zu viel Input überfordert.

Ted Chiang, Stories of your Life and Others (revisited)

Im April 2019, also spät, habe ich Stories of your Life and Others von Ted Chiang gelesen. Die Geschichten darin und die ganze Sammlung haben mir sehr gut gefallen, warum habe ich damals nicht darüber gebloggt?

Anlässlich eines Podcasts mit Ted Chiang (von dem vorletztes Jahr dann auch endlich eine zweite Kurzgeschichtensammlung erschien) versuche ich mal zu schauen, an was ich mich noch erinnern kann:

  • “Tower of Babylon“
    Sagenhaft. Chiangs erste Veröffentlichung; verdient Preise gekriegt. Es ist Science Fiction im besten Sinn, mit dem Twist, dass es halt in der fernen Vergangenheit spielt: Was wäre, wenn der Turmbau zu Babel technisch möglich wäre, also wenn man halbwegs beliebig Ziegel auf Ziegel türmen könnte? Welche Legenden ranken sich darum, wer sind die Arbeiter, wie arbeiten sie; wie lange dauert der Aufstieg, woher kommt die Verpflegung, welche Infrastruktur ist nötig? Das ist allein schon beste Ingenieur-Science-Fiction, knapp und originell erzählt, und dann kommt halt noch das dazu, was passiert, wenn man den Himmel erreicht.
  • “Understand“
    Relativ konventionelle SF, ein bisschen “Baby is Three”, ein bisschen Scanners? Viel ist nicht hängen geblieben
  • “Division by Zero“
    Wie geht man damit um, wenn die Basis der Mathematik nicht mehr gilt? Keine meiner Favoriten, aber wie eine total ungewöhnliche Geschichte.
  • “Story of Your Life“
    Weiterhin ungewöhnlich. Verfilmt als Arrival, und daher kannte ich die Geschichte schon. Klassische Science-Fiction-Motive, aber mit neuen Aspekten. Und, anders als so viel andere gute SF, alles sehr gut erzählt.
  • “Seventy-Two Letters“
    Wieder ein Favorit. Science Fiction, nur wieder in der Vergangenheit, in einer Steampunk-Welt, mit Golems und Kabbalah und einer gänzlich anders funktionierenden Genetik. Und doch: beste SF.
  • “The Evolution of Human Science“
    Mehr ein Gedankenspiel als eine Geschichte. Wie geht man damit um, wenn ein Teil der Menschheit superintelligent wird? Untersucht wird, wenn ich mich richtig erinnere, nur der Aspekt der Entwicklung der Wissenschaft, insofern ein wenig “Divisin by Zero” zu vergleichen.
  • “Hell is the Absence of God“
    Oh ja. Tolle Geschichte. Wieder beste SF: Was wäre wenn, und dann durchgezogen. Was wäre wenn… es Erzengel gebe, und Gott, aber mehr so alttestamentarisch-weird. Schräg und folgerichtig zugleich.
  • “Liking What You See: A Documentary“
    Eine der konventionellsten Geschichten, wenn auch in einer Reihe von Interviews erzählt, aber auch die hat mir sehr gut gefallen. Es geht um eine Gesellschaft, in der man wählen kann, in der viele wählen, das Empfinden für die Schönheit von einzelnen Menschen abzuschalten. Eine Art Young Adult Fiction, oder habe ich das falsch im Kopf?

Der Podcast, der mich wieder daran erinnert hat:
NYTimes, March 30 (2021) episode of “The Ezra Klein Show.” Transcript: Ezra Klein Interviews Ted Chiang (gibt’s auch bei Youtube, den Podcast)

Was ich daraus an klugen Gedanken mitgenommen habe:

Chiang mag an Superhelden nicht, dass es dabei immer um Helden oder Heldinnen geht, die anders sind als wir, die spezielle Fähigkeiten haben – klüger, stärker, und so weiter; und das könne auch gar nicht anders sein. Da stimme ich ihm zu. Batman mag nominell keine Superkräfte haben, aber de facto natürlich schon. Es gab zaghafte Versuche, etwa einen fünfzehnjährigen Schulbuben zum Superhelden zu machen statt der üblichen Muskelpakete – Spider-Man, um genau zu sein, aber der war bald auch älter und muskulöser, und schon immer supergescheit. Dann gab es Captain Universe – “the hero who could be YOU!” Der war mehr eine Energiewolke, die sich mal über den einen, mal über den anderen Menschen senkte und den oder die zu Captain Universe machte, immer mit den gleichen kräften und dem gleichen Kostüm, aber halt einem deutlich sichtbar anderen Menschen darunter. Auch Tante May war mal Captain Universe, glaube ich.

Chiang beklagt, dass Superhelden und ‑heldinnen fast immer gegen Superschurken kämpfen und nie gegen das Übel, das durch das gesellschaftliche System verursacht wird. Er gibt zu, dass das anders sein könnte, aber selten ist – weil das alles Serienfiguren sind, und deshalb die Welt immer gleich bleiben muss. Klar: Wenn die Superhelden den Kapitalismus abschaffen oder auch nur die Umweltverschmutzung, dann ist die Welt danach anders als zuvor und nicht mehr unsere Welt. (So etwas kann eine Serie wie Perry Rhodan machen, die schon bald aufgehört hat, in unserer Welt zu spielen, und zumindest ein bisschen die Übel unserer Welt angeht – allerdings auf andere Art dennoch unveränderlich ist, weil der Leser und die Leserin ja doch nur die Illusion von Veränderung wollen, aber keine tatsächliche.) – Das fand ich alles sehr klug von Ted Chiang. Es gab mal eine kurze Reihe von Heften, in denen die Squadron Supreme, eine Gruppe von Superhelden und Superheldinnen mit kurioser Entstehungsgeschichte, die Regierung ihrer Welt – die nicht die unsere ist, sondern eine Parallelerde – übernehmen, nur kurz und nur zu ihrem besten. Geht natürlich nicht gut als.

Außerdem wird Chiang zu Clarke’s law gefragt: “Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.” Das gefällt ihm nicht – weil für ihn Magie etwas ist, das nur speziell Befähigte einsetzen können, Geheimwissen, oder wie bei den Superhelden; während Technik früher oder später für alle da ist: kaum ist ein Handy erfunden, hat auch schon jeder eines. Vielleicht habe ich Chiang nicht ganz verstanden, jedenfalls sehe ich das nicht so eng wie er. Den Hintergrund zu diesem, dem dritten der Clarkeschen Gesetze, kenne ich nicht; aber für mich war das immer ein Hinweis auf typische Geschichten der 1950er Jahre, noch vor Clarkes Rendezvous with Rama: ein außerirdisches Artefakt, oder eine Artefakt aus der Zukunft, landet bei Menschen von heute; die glauben erst, wunder was damit anfangen zu können, aber es geht doch alles in die Hose. Und dann ist klar, dass es nur ein solches Artefakt gibt, und nur einen, der es nutzen kann und damit wieder so eine Art Superheld oder Magier wird. Und deswegen ist das wie Magie auch eben nicht für alle und jeden.

Wenn ich wieder Zeit zu lesen habe – im Moment sind mündliche Abiturprüfungen, die letzte, diese und wohl auch noch die nächste Woche – freue ich mich auf den zweiten Geschichtenband von Ted Chiang.

Der IT-Imperativ

Hessen stellt für das Abitur in Informatik in Java Namenskonventionen auf: Java-Styleguides der Abiturkommission, orientiert an anderen Konventionsgebern. Vieles davon ist sinnvoll. Aber an folgende, auch in Bayern verbreitete Regelung halte ich mich schon einmal nicht:

Attributnamen beginnen im Englischen immer mit einem Kleinbuchstaben und im Deutschen mit einem Großbuchstaben, da sonst gegen die Lesegewohnheiten verstoßen wird. Ich ergänze: da sonst auch gegen die Rechtschreibung verstoßen wird. Im Deutschen beginnen Substantive wie Alter, Gehalt und Verbrauch mit einem Großbuchstaben. Im Informatikunterricht diese mit Kleinbuchstaben beginnen zu lassen, ist im Sinne des sprachsensiblen Fachunterrichts vollkommen kontraproduktiv.

via Twitter: https://twitter.com/a_siebel/status/1401618841533358084

Meine Attributsbezeichner haben auch im Deutschen einen Kleinbuchstaben vorn, in Java und in Python. Warum: müßig. Ich habe auch nichts dagegen, wenn andere das anders machen, aber dann bitte mit legitimen Begründungen. Das mit der Rechtschreibung und dem sprachsensiblen Fachunterricht halte ich für Humbug. Dass diese Nichtsprachler immer meinen, für ihren völlig legitimen Geschmack fachwissenschaftliche Argumente heranziehen zu müssen. Die Richtlinien gehen dann ja auch so weiter:

Operationsnamen beginnen in der Regel mit einem Verb, gefolgt von einem Substantiv, z. B. zeigeFigur, leseAdresse und heißen getAttributname bzw. setAttributname, wenn nur ein Attributwert eines Objektes gelesen bzw. gespeichert wird. Wenn eine Operation mehr macht als nur Attributwerte zu lesen oder zu speichern, wird get bzw. set durch z. B. gib und setze ersetzt.

Abgesehen von dem get-gib-Mischmasch sagt der sprachsensibel Unterrichtende in mir: Der Imperativ Singular von “lesen” ist “lies”. Es müsste heißen, wenn man hier Richtigkeit einfordert, liesAdresse. Klar ist hier nur von Verben die Rede, ohne eine bestimmte Form des Verbs zu nennen – aber in allen Beispielen und in der Konvention geht es immer um den Imperativ Singular – gelegentliche Hilfsverben allerdings in der 3. Person. Die Form “lese” ist, hm, vielleicht Konjunktiv I? Im Spanischen wird zumindest bei der verneinten Befehlsform das Konjunktiv-Äquivalent verwendet, das wäre also schon denkbar. Aber wahrscheinlich ist es einfach so, dass sich der ursprüngliche Konjunktiv des starken Verbs “lesen” der Form eines schwachen Verbs annähert. So wie: Hören/hör(e), springen/spring(e), setzen/setz(e), zeigen/zeig(e) – und dann eben auch lesen/lese. Aber nie “lese”, komisch. Etwas stabiler sind ähnlich starken Verben geben und nehmen – obwohl da der Konjunktiv des Kochbuchs auch schon imperativische Bedeutung hat: “man nehme”, und “gebe Antwort” habe ich sicher auch schonb öfter gelesen, nämlich: in der IT.

Ich gebe nämlich der IT die Schuld. Da lese ich nämlich, wie im Beispiel oben, fast nur von “lese” – lese die Anleitung, lese auf Seite 4 nach, auch auf schlecht übersetzten GUI-Buttons steht dann mitunter mal “lese”. Fehlt nur noch eine Kampagne: “Lese öfter mal ein Buch!”

Tatsächlich habe ich mit dem Sprachwandel an sich kaum ein Problem. Und gerade starke Verben nehmen immer mehr schwache Konjugationsmuster an, es gibt sehr viele Mischformen. Und so ist heutzutage, vielleicht, der Imperativ von “lesen” tatsächlich auch schon “lese” – ich traue mich nicht, nachzuschlagen.

Vielleicht kann die IT auch gar nicht so viel dafür und das ist bei, sagen wir, den Fischern ähnlich verbreitet. Ich lese halt mehr IT-Texte statt Angelsport-Material. Und vermutlich bin ich halt nur als Deutschlehrer so pingelig. Andererseits: Siehe oben.

Letzte Pfingstferientage

Zweite Impfspritze gekriegt, wieder keine Impfreaktion außer halt ein paar Stunden danach der leicht schmerzenden Einstichstelle.

Abitur-Erstkorrektur Informatik, Abitur-Zweitkorrektur Deutsch. Sonst weiß ich nicht mehr viel, weil ich meine abgearbeiteten Listenpunkte immer gleich lösche. Ich habe aber schon das Gefühl, dass ich viel getan habe.

Den größten Teil der Umzugskartons losgeworden. Frau Rau hatte bei ebay-Kleinanzeigen inseriert, gleich danach meldete sich jemand, gleich am nächsten Tag abgeholt. Das alles hat in einen Kombi gepasst, wir hätten es selbst fast nicht geglaubt:

Die großen Kartons sind Kleiderboxen, mit Metallstange, um Kleidung an Bügeln einzuhängen. Ich weiß seit über zwanzig Jahren, dass es die gibt, aber Frau Rau und vielen anderen war das neu. (Der Abholer, junger Vater, bereitete sich selber auf einen Umzug vor und freute sich selber über die Kartons.)

Gekocht – häufig, aber jeweils ohne Fotos. Hier sind endlich mal welche. Zur Dokumentation:

Sate-Spieße aus meinem liebsten Kochbuch. Jahrgang 1982 – aber schon mit Zitronengras. Den gemahlenen Kümmel habe ich aber durch Kreuzkümmel ersetzt, habe aber ein schlechtes Gewissen. Die Spieße gab es eigentlichtlich nur, weil ich die Erdnusssoße dazu – auch aus dem Kochuch – hatte machen wollen, schon vor ein paar Tagen. Beim Erhitzen der Soße in der neuen Mikrowelle hat sie allerdings an Konsistenz verloren. (Neue Mikrowelle wegen Umzug in Küche mit solcher.)

Außerdem gab es Pak Choi aus Ernteanteil, schwarze Bohnen, Chili, Knoblauch und mariniertes Rindfleisch aus der Pfanne. Das deshalb, weil ich diese Art der Zubereitung ausprobieren wollte: “velveting” heißt anscheinend die Technik, mit der bei chinesischen Restaurants das Fleisch so weich gemacht wird. Im Web findet man dazu zwei unterschiedliche Vorgehensweisen: Einmal das Marinieren in Eiweiß-Stärke-Mischung, wonach das Fleisch kurz in Öl gegart wird, oder für zuhause: kurz blanchiert wird, um dann jeweils in der pfanne fertig gebraten zu werden. Stimmt schon, das Fleisch war weich, aber wäre es das sonst vielleicht auch gewesen? Die andere Methode ist rabiater: Das Fleisch wird mit etwas Backnatron mariniert und muss deshalb vor dem Garen gut abgewaschen werden. Und ja, dann kriegt das Fleisch eine deutlich weichere Konsistenz. Ich weiß nicht, ob ich das mag, aber ausprobieren will ich das auch mal wieder.

Zum Nachtisch habe ich den restlichen Kirschsaft – Frau Rau hatte letzte Woche Kirschkuchen gebacken – mit Sago-Perlen zu einer Art Grütze zubereitet. Aber eigentlich ging es mir um den leckeren Custard – ich weiß gar nicht das deutsche Wort dafür. Vanillesauce?


  • 1/2 Liter Milch mit dem Mark einer Vanilleschote erhitzen, dann ausschalten und 10 Minuten ziehen lassen
  • 4 Eigelb, 40g Zucker und – optional, aber ich immer mit – 1 Teelöffel Stärke verkleppern
  • die Milch wieder zum leichten Köcheln bringen, dann die Hälfte der heißen Milch in die Schüssel mit der Ei-Zucker-Mischung gießen, fleißig umrühren
  • das alles zurück zur restlichen Milch, dort noch ein kleines bisschen unnter Rühren köcheln, bis die Soße dicklich wird; erkalten lassen