Butterfinger

Das erste Mal in den USA war ich 1973, glaube ich, so mit sechs Jahren. Und dann immer wieder mal, 1978, 1979, 1980, 1985. Diese Reisen haben mich sehr geprägt. Die kleine Broschüre “Was Sie über das Land wissen sollten” habe ich schon Monate vor jedem Urlaub herausgezogen und fast auswendig gelernt: Nickel, Dime, Quarter; George Washington und die Catskills und Trinkgeld, ein Sammelsurium von Informationen. Drüben habe ich aus Comics und Fernsehen (aber noch nicht: Zeitungen, und vermutlich nicht einmal Speisekarten in größerem Umfang) und den Rückseiten von Cereal-Packungen alles Neue aufgesogen wie ein Schwamm.

Und zwischendrin gab es Besuche der USA-Verwandtschaft, und Pakete. Inbesondere gab es da eine Süßigkeit (neben den rettungsringförmigen “Live Savers”-Bonbons), die es mir angetan hatte: Butterfinger. Oder doch Butterfingers? Schon fingen die sprachlichen Probleme an. So sieht die Packung heute aus:

Heute, denn vor einigen Jahren wurde das Design geändert. Und das Rezept. Und überhaupt, es heißt, dass das Originalrezept ohnehin in den 1980er Jahren verloren ging (“The Untold Story of Butterfinger”) – das Produkt selber gibt es seit 1923.

Wie so ein Butterfinger-Riegel innen aussieht, zeige ich nicht; ich habe nämlich nur noch zwei und die hebe ich mir auf. Bilder gibt es online ohnehin zuhauf. Der Geschmack erinnert am ehesten an Erdnuss-Weichkrokant, das ganze ist ist knusprig, sehr süß, salzig, blättrig; ziemlich orange, und je nach Erhaltungszustand knirschig-spröde bis saftig-biegsam. (Knirschig ist besser.)

Wie angedeutet: ich mag Butterfinger sehr, sehr gern. Und es gibt sie in Deutschland nicht zu kaufen. Das ist gesund für mich. Ursprüngliche Versuche noch im letzten Jahrtausend scheiterten, weil der Riegel hier als genmodifiziertes Produkt nicht akzeptiert wurde; seit einigen Jahren gehört die Marke Ferrero, und die verkaufen das hier nicht. Gar nicht. Mein Süßigkeitenimportladen darf sie nicht einmal importieren: vom Hersteller nicht erlaubt. Onlinequellen gibt es wenige, auch Amazon führt fast immer ins Leere. Das Produkt taucht in vielen Katalogen auf, ist dann aber doch “nicht lieferbar”.

Seit Mitte der 1970er Jahre gibt es Butterfinger in meiner Familie. Mal als Plural, mal als Singular, und ausgesprochen wurde es oft “Betterfinger”. Warum? Der englische a‑Laut in “butter” ist nicht der gleiche wie der entsprechende deutsche a‑Laut. Bei den meisten Entlehnungen wird dennoch das “a” genommen – aber ein anderer Laut hat sich gehalten in älteren Aussprahen von “lunch”, “cup” und “butler”, nämlich jeweils mit “ö”-Laut. Euken Oker zitiert im Büchlein “Wort-Spielereien” ein Gedicht:

Marschall French
aß im Trench
seinen Lunch.
So ein Mensch!

(Der Hintergrund hier ist der, dass es auf “Mensch” notorisch keinen Reim im Deutschen gibt – außer eben bei Fremdwörtern wie “lönch”, denn “ö” und “e” gelten meist als legitimer Reim.)

Erhalten hat sich dieser ö‑Laut nur in der Aussprache von “Pumps”, also den Schuhen. Das Wort gibt es im Englischen auch, wenn auch mit anderer Bedeutung. Hier ein langer Blogeintrag, wie unterschiedlich das Niederländische und Deutsche mit diesem englischen a‑Laut umgehen – dort nämlich tatsächlich mehr mit “ö”.

Jeeeedenfalls: Daher, glaube ich, kommt das auch mit den “Betterfingers”. Weil “Bötterfinger” ja noch falscher klingt.

Weil es hier also keine Butterfinger gibt, habe ich nach diesem Rezept selber welche gemacht:

Schmeckt gut, aber das Trocken-Zähe des Originals fehlt. Vielleicht die Zuckermasse auf noch einen Tick mehr als 140 Grad erhitzen? Und es ist natürlich nicht orange. Außerdem sollte es hellere Schokolade sein und eine dünnere Schicht.

7 Antworten auf „Butterfinger“

  1. Mann, da werden Teenie-Erinnerungen wach! Ich kann mich noch erinnern, wie die Butterfinger damals Mitte der Neunziger in der Exportwaren-Abteilung beim hiesigen Karstadt für richtig viel Kohle verkauft wurden. Hast du mal diesen Wonderbar probiert? Der sieht von der Verpackung her recht ähnlich aus und hatte ebenfalls Erdnusskrokant im Inneren

  2. Ach, ich habe erst ein wenig hineingeschaut, aber ich sehe schon, dass es nicht bei meinem bisherigen Versuch bleiben wird. Danke!

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