Butterfinger

Das erste Mal in den USA war ich 1973, glaube ich, so mit sechs Jahren. Und dann immer wieder mal, 1978, 1979, 1980, 1985. Diese Reisen haben mich sehr geprägt. Die kleine Broschüre “Was Sie über das Land wissen sollten” habe ich schon Monate vor jedem Urlaub herausgezogen und fast auswendig gelernt: Nickel, Dime, Quarter; George Washington und die Catskills und Trinkgeld, ein Sammelsurium von Informationen. Drüben habe ich aus Comics und Fernsehen (aber noch nicht: Zeitungen, und vermutlich nicht einmal Speisekarten in größerem Umfang) und den Rückseiten von Cereal-Packungen alles Neue aufgesogen wie ein Schwamm. Und zwischendrin gab es …

Orangenmarmelade 2021 (und Cornish Pasties)

Wie jedes Jahr um diese Zeit wird aus dem hier: das hier: (Noch mit Wasser und Zucker und dem Saft der Pomeranzen dazu, versteht sich.) Das war der Samstag. Am Sonntag machte ich Cornish Pasties. Immer wenn die Kartoffelkiste uns eine Steckrübe einsteckt, gibt es die. (Und manchmal auch ensaladilla russa, spanischen russischen Salat, aber nicht mitten im Winter.) Inhalt sind Steckrübe und Kartoffel aus dem Karotffelkombinat, dazu Zwiebel und Zwerchfell vom Rind. Nicht den Nierzenzapfen, sondern “die dünne Kron”, wie mein Metzger sagt. (Wenn man bei dem nach Kronfleisch fragt, heißt es: vom Schwein oder vom Rind? Dicke oder …

Asynchrones Arbeiten adelt Althergebrachtes*; Wurstwaren

In zeitgemäßen Kreisen sind Hausaufgaben verpönt. Weil… weiß nicht genau, muss man diese Kreise fragen; schlechte Erinnerungen an den eigenen Matheunterricht, Belegstellen bei Hattie und vielen anderen Studien, unglückliche Erfahrungen mit den eigenen Kindern? Natürlich gibt es blöde, unsinnige, schlecht gestellte Hausaufgaben. Aber Hausaufgaben an sich als Problem? Ich sehe drei Möglichkeiten für das schulische Lernen: a) Lernende verbringen einen Zeitraum, sagen wir: zwei Stunden am Nachmittag außerhalb der Schule mit selbstständiger Arbeit, b) Lernende haben den Nachmittag außerhalb der Schule frei,c) Lernende sind den Nachmittag über in der Schule. Das heißt dann Ganztagsschule, und ich denke natürlich an sinnvolle …

Mildes Butter Chicken Curry

Das ist ein einfaches Curry, eher mild, aromatisch. Dauert länger zu machen, als man denkt, ist aber gar nicht kompliziert. In einer Plastikschüssel mit Deckel: 150 g griechischer Joghurt (10% Fett) 1 EL Zitronensaft 1 EL Garam Masala 1 EL Kurkuma 1 EL Kreuzkümmel gemahlen 2 Hühnerbrüste, in nicht zu kleine Stücke geschnitten einige Stunden im Kühlschrank marinieren. Dann: 2 Zwiebeln hacken und in 3 EL Butterschmalz lange bei milder Hitze braten, so 15 Minuten lang 2–3 Knochblauchzehen, 2–3 EL fein gehackter Ingwer 1 EL ganze Kreuzkümmelsamen, 1 ganze Chilischote dazu und alles noch für 5 Minuten dabei lassen; soll …

Rückblick auf Kartoffelkiste KW 42 als Strohsingle

(Hier der ursprüngliche Inhalt der Kiste.) Im Rückblick: Viel Deftiges, wenig Kompliziertes; es musste schnell gehen, und es sollte genug übrig bleiben für mindestens zwei, manchmal auch drei Mahlzeiten. Und man hört es vielleicht heraus, ich denke irgendwie gerne in Resten. Morgen kommt dann die nächste Kiste, die letzte, mit der ich ohne Frau Rau fertig werden muss.

Strohsinglekochen Woche 1, weitere Fotos

Seit Anfang August wartete ich auf einen Blumenkohl in der Kartoffelkiste, um dieses Rezept auszuprobieren, und jetzt war ja endlich einer drin: Weil mir zu Blumenkohl nicht viel einfällt und Frau Rau nicht alle Blumenkohlgerichte mag. (Außer mein Blumenkohlcurry, aber das kenne ich ja schon.) Und Käse, Käse geht eh immer. Also Blumenkohlröschen mit Currypulver, etwas Öl und Salz im Ofen garen. Eine Bechamel mit viel Käse (und Senf, Knoblauch) machen. Filo-Blätter buttern, Springform auslegen, mit Bechamel, Blumenkohl, Bechamel füllen, zuklappen. Sieht am Ende nicht mehr ganz so gut aus wie am Anfang, hat aber sehr gut geschmeckt (Kunststück, Blumenkohl …

Strohsinglekochen Woche 1

Frau Rau ist operiert, es geht ihr gut. Freitagabend ist Feierabend: Am Samstag und Sonntag muss ich ja doch immer arbeiten, dafür halte ich mir den Freitag frei, und da kaufe ich gerne ein und koche. Aus den grünen Tomaten aus der Kiste wurde Chutney: Und zwar nach diesem Rezept (etwas kleinere Menge, längere Kochzeit; Apfelessig statt Malzessig). Neu war mir, dass man ganz anders einmacht, als ich das kenne. Zumindest in den USA gilt die open kettle method, wie ich sie auch bei meiner Orangenmarmelade benutze, als veraltet und brandgefährlich – im Nu holt man sich Botulismuskeime. Botulismus spielt …

Kartoffelkiste, Woche 1 des Alleinessens

Heute morgen brach Frau Rau auf in eine Klinik, um sich dort ein neues Hüftgelenk einbauen zu lassen. Lange Geschichte, und dramatisch genug, aber davon erzählt Frau Rau selber a.a.O. (am anderen Ort). Hier geht es um mich, den für etliche Wochen Zurückgelassenen. Unter anderem bin ich Bewahrer der wöchentlichen Kartoffelkiste, unserem Genossenschaftsanteil. Der kommt bei uns immer am Donnerstag und sieht für diese Woche so aus: Auch auf Wunsch von Frau Rau – aber ebenso aus eigenem Interesse – will ich festhalten, was ich damit und mit den nächsten Kisten anstelle. Mein Plan für die Woche: Donnerstag: grüner Salat …

Gulasch, Räuber, kommunikativer Sexismus

Abendessen war Wildschweingulasch, um die Heizperiode einzuleiten: Dazu Böhmische Knödel, fast so gut wie in meiner Kindheit. Ich habe allerdings weniger Rollmuster innen in Erinnerung. Das Rote ist Moosbeerenmarmelade, gesammelt, gemacht und geschenkt bekommen vom lieben Kollegen. Als Nachtisch gab es doch noch Sommerliches: Zum ersten Mal Wassermelone aus dem Kartoffelkombinat, unserer Anbaugenossenschaft. War sehr süß, sehr lecker. In der Schule in der 10. Klasse Die Räuber gemacht. Eigentlich ist ja gerade Lyrik, aber da habe ich Übungsaufsätze gekriegt, und Drama kommt bei vielen besser an – ich finde das Stück auch sehr zugänglich. Erste Szene, Besetzungsfragen: der alte Moor …

Kartoffelkombinatsessen, eine Woche lang

Frau Rau und ich kriegen ja jede Woche eine Kiste mit den Anteilen aus dem Kartoffelkombinat, der Gärtnereigenossenschaft, an der wir beteiligt sind (Blogeintrag dazu). Im Sommer und Herbst ist viel drin, im Winter und Frühling weniger, aber alles machbar. Ich schreibe hier mal mit, was ich mit der Kiste in der letzten Woche gemacht habe. Donnerstag: Ein kleiner Eichblatt- und ein kleiner anderer Salatkopf, beide aus Ernteanteil. Den Salat macht Frau Rau, weil die sehr gut Salatdressings machen kann. Dazu Honigmelone, die noch im Haus war, und eigens gekaufter Parmaschinken. Foto vergessen. Freitag: Tater tots nach Ottolenghi aus Ernteanteilkartoffeln, …