Briefwahl
Am Sonntag war ich wahlhelfen, zum ersten Mal bei der Briefwahl. Wir saßen in einer großen halle, viele Dutzend von Tischen, mit jeweils acht oder neun Personen daran, und zählten, öffneten dann rosa Umschläge und zählten, öffneten graue Umschläge und sortierten und zähltenund sortierten und zählten. Die Umschläge waren nicht interessant, nur der Inhalt, und so warfen wir die geöffneten leeren Umschläge auf den Boden wie Schalen von Sonnenblumenkernen oder Pistazien in einer spanischen Bar bei Hemingways früher.
Wie Breifwahl geht, ist ganz einfach zu verstehen, wenn man den TCP/IP-Stack oder das Schichtenmodell der Internetkommunikation kennt. Deshalb hier auch eine schöne Klausuraufgabe, die ich hier veröffentliche, weil die Internetkommunikation aus der 12. in die 11. Jahrgangsstufe, also vor der Kursphase, gewandert ist:
Bei Wahlen gibt ein Wähler eine Stimme (für eine Partei) beim Wahlamt ab, so dass das Wahlamt daraufhin alle Stimmen zusammenzählen kann. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, darunter die Briefwahl, und die soll uns hier interessieren: Der Wähler oder die Wähleri gibt den Stimmzettel in einen blauen Umschlag, und diesen wiederum zusammen mit dem autorisierenden Wahlschein in einen zweiten, roten Umschlag. Dieser wird in einen Briefkasten der Post eingeworfen, worauf er über verschiedene Wege zum Briefkasten der Poststelle des Wahlamts kommt. Dort werden am Nachmittag des Wahltags um 16 Uhr alle roten Umschläge geöffnet und nach einer Überprüfung die innen liegenden blauen Umschläge von den beiliegenden Wahlscheinen getrennt – dadurch wird die Anonymisierung der Wahl erreicht.
Zuständig dafür ist die Tagschicht des Wahlhelferteams.Ab 18 Uhr werden dannvon der Abendschicht des Teamsdie inneren Umschläge in Empfang genommen und ausgezählt. Nach Beendigung der Auszählung gegen die Ergebnisse dann an das Wahlamt, das dann unter anderem die Ergebnisse von Brief- und persönlicher Wahl zusammenzählt.Stellen Sie diese Situation in einem Schichtenmodell dar vergleichbar dem ISO-OSI-Schichtenmodell; benutzen Sie dazu mindestens fünf Schichten.
(Dass mit dem Tag- und Abendteam stimmt so nicht, es gibt nur ein Team. Didaktische Reduktion, vielleicht nicht ganz sauber. Und die Umschläge innen sind nicht immer blau.)

Aufräumendes Programmieren
Ich habe endlich ein unaufgeräumtes Programmierprojekt, über das ich gebloggt habe, was zu einer Veröffentlichung in einer Zeitschrift geführt habe, halbwegs in Ordnung gebracht, Abläufe darin systematisiert, das ganze auf 8 Seiten dokumentiert. Es geht dabei um die didaktische Programmierumgebung Greenfoot (Java, für Spiele und Simulationen und alles mit 2D-Grafik) und Reinforcement Learning.
Auslöser für das Aufräumen war letztlich die Fachleitungstagung Informatik für den Bezirk München, auf der ich vertretungshalber war, und auf der ich an das schöne Spiele Snake erinnert wurde, und wie ich es für die Schule im Zusammenhang mit Algorithmik brauchen kann. Ich neige zu Projekten, bei denen alle Schüler und Schülerinnen eine Klasse beisteuern, kapsele das meisten aber so sehr, dass nicht viel Algorithmik übrig bleibt. Also: furchtbar objektorientiert, so dass am Ende gar nicht mehr viele Schleifen und Bedingungen nötig sind, dabei will ich die doch üben. Bei Snake können die Schüler und Schülerinnen alle einen mehr oder weniger komplexen SnakeBot in die Arena schicken und gegeneinander antreten lassen:
Im Film sieht man drei solche Bots. Stößt einer an, werden alle zurückgesetzt. Einer verwendet, so wie ursprünglich gedacht, einen tatsächlich sehr simplen, aber auch sehr effektiven Algorithmus; die anderen beiden sind KI-Lehrlinge, die sich beide nach dem Prinzip des Reinforcement Learning ihre Strategie selber beigebracht haben: Der eine mit einer Q-Tabelle, der andere mit einem neuronalen Netz stattdessen, und letzterer ist nicht besonders gut; ich weiß noch nicht woran das liegt. Anders als der Bot mit dem einfachen Algorithmus, der mehr Information über das Spielfeld hat, wissen die beiden KI-Bots nur, in welche Richtung sie blicken (N, O, S, W) und für jeden Richtung außerdem, ob der Schritt dorthin gerade möglich ist oder nicht. Das macht 4 * 2 * 2 * 2 * 2 Zustände, also 64, nicht sehr viele.
Kann man erkennen, welcher Bot der ohne KI ist? Die Zahlen verraten natürlich ein wenig.
(Übrigens Vielleicht schlägt sich das Neuronale Netz besser, wenn die Agenten nicht nur 1, sondern 2 oder 3 Schritte in jede Richtung blicken können. Mehr experimentiert habe ich noch nicht.)
Schulroutine
Ich bin jetzt eine Woche ein Jahr an der neuen Schule, und höre jetzt auf, sie neue Schule zu nennen. Ich bringe schon viel weniger Namen durcheinander, auch die Vornamen fallen mir ein; die vielen leute, die ein halbes oder ganzes jahr nach mir gekommen sind, halten mich für uraltes Stammpersonal. Wie auch sonst.
Zu Ende gelesen: Der Ewige Held
Mann, Mann. Ich habe als Teenager nie viel Michael Moorcock gelesen. Der Name tauchte oft auf, aber meine Zufallsfunde beschränkten sich auf einen Corum-Band und die ersten vier Bände Jerry Cornelius. Von Elric hatte ich natürlich gehört, aber wohl höchstens mal eine versprengte Kurzgeschichte gelesen. Ich entnehme Podcasts, die ich höre, dass die Elric-Geschichten gut sind. Aus Vollständigkeitsgründen habe ich in den letzten Jahren sechs kurze Moorcock-Romane um Dorian Hawkmoon gelesen, und alle waren sie mehr oder weniger schwach, und jetzt den siebten, Der Ewige Held (The Quest for Tanelorn), und der war der schlimmste von allen.
Eigentlich müsste mit die Hawkmoon-Welt gefallen: So weit in der Zukunft, dass es wie Vergangenheit wirkt; nicht so weit wie bei Jack Vance’s Sterbender Erde, eher so wie bei Frank Herberts Dune, nur auf einen Planeten beschränkt. Wie bei Herbert gibt es am Anfang einen nicht mehr menschlichen unsterblichen Gottkaiser; die Reste Europas sind noch den Ortsnamen noch gut erhalten. Wie bei Herbert gibt es ein mittelalterliches Feudalsystem, Herzöge, Burgen. Wie bei Herbert ist die Technik ein Gemenge von Science Fiction und altertümlich anmutender Technologie. Statt Cyberpunk oder Steampunk eher (hab’s nachgeschlagen) Clockpunk, mitunter sogar Bronzepunk, nur eben in der Zukunft, nicht der Vergangenheit. Gibt’s da ein Wort für?
Wenn die Handlung nur nicht so großmäulig und schwammig zugleich wäre, und sich auf diese doch eigentlich recht interessante Welt beschränken würde. Aber nein, es werden nach und nach immer weitere Dimensionen und Parallelwelten und andere Welten aufgebaut und benutzt und weggeworfen. Kosmisch, Baby, soll man da wohl ausrufen.
Der Ewige Held ist von der Mühe, ihn zu lesen, und dem fehlenden Vergnügen dabei, nicht uninteressant. Es ist ein Schlussstein unter Moorcocks großer Geschichte vom Ewigen Helden, wo die Herren des Chaos und die Herren der Ordnung und das Kosmische Gleichgewicht und ihr jeweiliger Champion in Form des Ewigen Helden – hier Hawkmoon, Elric, Erekosë, Corum – aufeinandertreffen und ein letztes Mal unverständliche kosmische Dinge tun, bevor sie sich alle zur Ruhe setzen. Mit dabei die geflügelte Katze Schnurri. Ich erfinde nichts.
Vielleicht lag’s an der Übersetzung.
Schreibe einen Kommentar