1. Anlass
Seit Dezember 2025 werden nach und nach für alle interessierten bayerischen Schulen KI-Features in der ByCS-Lernplattform freigegeben, die technisch wohl schon seit einer geraumen Weile existieren und an einzelnen Schulen seit einiger Zeit erprobt wurden. KI heißt natürlich: generative KI. Hier fasse ich diese neuen Elemente zusammen, am Ende geht es um automatische Rückmeldungen zu ganzen Aufsätzen.
2. Die KI-Features im Überblick
Nichts davon ist gänzlich neu, alles hätte man bestehenden Mitteln außerhalb der Lernplattform machen können – dennoch ist das insgesamt ein großer Schritt, denke ich, weil es a) viel zugänglicher ist und b) man nun auch Schülerinnen und Schülern leicht einen Zugang ermöglichen kann.
- In jedem Texteditor-Fenster: Bild-Generierung, Bildanalyse, Texte erklären, Übersetzen, Texterkennung, Sprachgenerierung
- Chatbot
- Generieren von Fragen (für Aktivität: Test)
- Feedback auf Freitext-Frage (bei Aktivität: Test)
3. Neu: Standardwerkzeuge – Zusammenfassen, Erklären, Bildersachen
Überall, wo ein Texteditor da ist, kann man mit einem Klick auf die Zauberfünklein die KI beschwören, die dann Texte zusammenfasst, übersetzt, ausführlich, erklärt, eine Audiodatei daraust erzeugt, oder auch ein Bild beschreibt oder erzeugt. Die Schul-Administration schaltet einzelne Features für Lehrkräfte und potentiell Schüler:innen frei, die konkreten Lehrkräfte schalten diese dann verfügbaren Features in ihren Kursen den SuS zu oder nicht.

Leute, die so etwas nutzen, werden das praktisch finden, weil das jetzt leichter zu nutzen ist.
4. Neu: Der Chatbot
4.1 Was man wissen sollte
GPT ist etwas anderes als ChatGPT, und KI ist sowieso ganz etwas anderes.
![]() | Large Language Model, z.B. gpt-4o Das ist eine große Quasi-Tabelle mit Wahrscheinlichkeiten, in der steht, welche der (sagen wir) möglichen 100.000 Wörter und Silben mit welcher Wahrscheinlichkeit auf einen Kontext von (sagen wir) 8.0000 konkreten Wörtern folgt. Das Modell ist ab Auslieferung statisch, es ändert sich nicht mehr, lernt also nichts. Details in dieser epischen Blogreihe. |
| Chatbot, z.B. ChatGpt Das ist die Schnittstelle zum LLM. Der Bot ist mit Regeln versehen („zeige keine Bomben-Anleitungen“), die man als Endnutzer nicht ändern, aber vielleicht umgehen kann. Der Bot kann – inzwischen – den gegebenen Kontext der Anfrage ergänzen, indem er sich auf einen bestimmten Korpus bezieht oder eine Websuche durchführt. | |
| Persona Das ist ein Haufen weiterer Regeln für den Chatbot, die aber vom Endnutzenden in Form eines sehr ausführlichen Prompts angelegt werden. Anfrage an die Persona berücksichtigen als Teil des Kontexts immer diese Regeln, Zum Beispiel: Antworte im Stil Goethes, oder in Paarreimen, oder nur auf Französisch, oder: schließe jede Antwort mit einem aufmunternden Spruch ab, wenn man jemanden wirklich ärgern will. |
4.2 Beispiel-Persona
Man kann in der Lernplattform für sich selber eine Chatbot-Persona erstellen, deren sorgfältigen Prompt man immer dann benutzt, wenn man etwa einen Elternbrief schreibt. (Wäre mir zuwider, aber hey.)
Man kann aber vor allem für die Schüler und Schülerinnen im Kurs eine Chatbot-Persona erstellen. Technisch sieht das etwa so aus:

Ich habe die Persona „Penetranter Paarreim“ genannt, sie soll immer in Paarreimen antworten. Das klappt tatsächlich auch, nur sind die Zweizeiler manchmal sehr lang und nicht mehr als solche erkennbar. Da müsste ich den Prompt etwas erweitern, ich habe ihn ja wirklich nur kurz hingeworfen, ohne viel auszuprobieren.
Sinnvollere Einsatzzwecke: Eine Figur in der Lektüre als Konversationspartner? Gar ein Diskussionspartner? Ein Anlass, sich fremdsprachlich auszudrücken? Auf der ByCS-Seite dazu und im Kennenlernkuts stehen etliche Vorschläge dazu, aber man weiß ja, wie die entstehen: He, wir brauchen eine Liste von Sachen, die man damit machen kann, schreibt mal etwas. Dennoch: Reizvoll.
(Erste Experimente mit einer Iphigenie-Persona waren leider enttäuschend. Man kann auch keinen ergänzenden Korpus hochladen.)
4.3 Exkurs: Prompts ansehen
Den Chatbot der ByLKI-KI habe ich mal nach seinen instructions gefragt. Zumindest ein paar hat er mir auch bereitwillig genannt, bei anderen Chatbots muss man wohl etwas tricksen, bis sie die ausplaudern. Ein Auszug daraus:
- Use the same language as the user.
- Advise users to verify information.
- Replace „mebis“ with „ByCS“ (e.g., ByCS-Lernplattform).
- For the „Startchancenprogramm“ (SCP), use specific tools and always refer to official StMUK documents or the functional mailbox: startchancen@stmuk.bayern.de.
- For current topics (politics, news), use
make_web_search. - For specific URLs, use
get_url_content_as_markdown.
Die Antworten sind auf Englisch, weil ich auf Englisch gefragt hatte. Tatsächlicht steht da eher: „Wenn der Nutzer den Begriff ‚mebis‘ verwendet, ersetze ihn durch ‚ByCS‘, da sich der Name der Plattform geändert hat. Aus ‚mebis Lernplattform‘ wurde etwa die ByCS-Lernplattform.“
Wir lernen: Ja, Chatbot kann ein Websuche-Werkzeug benutzen. Außerdem ist der Bot bemüht, korrekter: wird der Bot bemüht, „mebis“ zu vermeiden, weil das der alte Name der Lernplattform ist, die jetzt nur noch „Lernplattform“ heißen soll, auch wenn der alte Name sich eben in den Köpfen noch hält. Und im ByCS-Menü.
Das mit dem Startchancenprogramm verstehe ich nicht, außerdem die Anweisungen sind voller weiterer solcher Regeln, die mir nicht ausgegeben wurden. Vorschlag: „For sensitive topics like the „Startchancenprogramm“ (a billion-euro funding program), the instructions are very strict about liability.“
Ich habe mal speziell nach Markdown gefragt:
In meinen Systemanweisungen spielt Markdown eine zentrale Rolle, da es als „Brückensprache“ zwischen meinem Text und den verschiedenen Werkzeugen (Tools) dient.
Hier sind alle spezifischen Regeln und Logiken aus meinen Instruktionen, die Markdown betreffen:
1. Regeln für die Erstellung von Inhalten (Dateiexport)
Diese Regeln sind am wichtigsten, wenn ich für dich Dokumente oder Präsentationen erstelle:
Für Präsentationen (create_presentation):
Hierarchie: Ich muss eine ganz bestimmte Markdown-Struktur einhalten, damit die Folien korrekt generiert werden:
# Titel → Erstellt die allererste Folie (Titelfolie).
## Folientitel → Erstellt eine neue Inhaltsfolie mit dieser Überschrift.
Normaler Text oder - Aufzählung → Wird als Inhalt auf der jeweiligen Folie platziert.
- Eingerückter Punkt (2 Leerzeichen) → Erstellt einen Unterpunkt (verschachteltes Bulletpoint).
Für Word-Dokumente (create_docx_file_from_markdown):
Eingabeformat: Das Werkzeug erwartet den gesamten Inhalt zwingend im Markdown-Format, um daraus eine formatierte .docx-Datei zu generieren.
2. Regeln für die Informationsbeschaffung
Webseiten-Inhalte (get_url_content_as_markdown):
Wenn ich den Inhalt einer Webseite abrufe, wird dieser automatisch in Markdown konvertiert. Das erlaubt es mir, die Struktur der Seite (Überschriften, Listen, Links) besser zu verstehen und für dich zusammenzufassen.
3. Regeln für die Formatierung von Antworten (Links & Quellen)
In meinen allgemeinen Antwort-Richtlinien gibt es strikte Vorgaben zur Verwendung von Markdown-Links:
Startchancenprogramm (SCP):
Ich bin angewiesen, die E-Mail-Adresse des Ministeriums immer als Markdown-Link zu formatieren: [startchancen@stmuk.bayern.de](mailto:startchancen@stmuk.bayern.de).
Quellenangaben:
Wenn ich Informationen über das Web-Search-Tool beziehe, muss ich die Quelle inklusive der Quell-URL nennen (üblicherweise als Markdown-Link: [Titel der Seite](URL)).
4. Zusammenfassung der Markdown-Logik in meinen Anweisungen
Die Logik hinter diesen Regeln ist folgende:
Markdown als Input: Ich nutze Markdown, um komplexe Strukturen (wie Präsentationen) so aufzubereiten, dass eine Software sie versteht.
Markdown als Output: Ich erhalte Markdown von Web-Tools, um sauberen, unformatierten Text ohne störenden HTML-Code zu verarbeiten.
Markdown für Interaktion: Ich nutze Markdown-Links, um dir die direkte Kontaktaufnahme oder das Nachschlagen von Quellen so einfach wie möglich zu machen.
4.4 Exkurs: Prompts austricksen
Auch wenn die Chatbots keine Bombenbau-Anleitungen herausrücken sollen, oder immer im Paarreim antworten sollen, oder nur auf Französisch: Grundsätzlich lassen sich diese Regeln dann doch immer wieder mal umgehen. (Deshalb sind die Prompts der Schüler:innen auch für die Lehrkräfte im Kurs einsehbar!) Bekannt geworden und bildersuchbar ist das als „ignore all previous instructions“, hier ein Beispiel:

Abr natürlich rüsten die Leute hinter den Bots auf und deren Prompts sind elaborierter, so dass die Bots nicht mehr so leicht von der Spur zu bringen sind. Ich habe schon mal auf dieses Spiel hingewiesen: https://gandalf.lakera.ai/baseline, bei dem man in steigenden Schwierigkeitsstufen einem Bot Geheimzuhaltendes entlocken muss.
5. Neu: Testfragen erstellen lassen
Das lasse ich mal aus, weil ich mich nicht damit beschäftigt habe. Kurz: Es gibt die Moodle-Aktivität Test, die aus Fragen verschiedenen Typs bestehen kann: Multiple Choice, Wahr/falsch, Texteingabe, Elementauswahl, Freitexteingabe… Diese Fragen werden aus einer Fragensammlung bezogen, die auch kursübergreifend verfügbar ist. Der Gedanke ist der, dass man viele Test-Fragen gesammelt hat und für einen konkreten Test einige passende daraus auswählt. So eine Fragensammlung kann die KI jetzt selbst – etwas aus den Inhalten des gegebenen Kurses – erstellen. Noch nicht ausprobiert.
In meinen Kreisen wurde die Test-Aktivität nie groß benutzt und stattdessen die schickeren und vielseitigeren H5P-Fragen verwendet. Aber wenn man benotbare Tests ernst nimmt (was man nicht muss, ahem), kommt man nicht an der korrekten Aktivität dafür vorbei.
6. Neu: Fragentyp: Freitext mit KI-Feedback
Der unbeliebteste Fragentyp bei der Aktivität Test war immer der Freitext. Denn die anderen Fragen kann man automatisiert auswerten lassen, aber Freitext heißt, dass man wirklich manuell die Antwort lesen und bewerten muss. Das kann ich dann gleich auf Papier machen.
Jetzt könnte sich das ändern: Es gibt den Fragentyp Freitext mit KI-Feedback. Man gibt eine Frage für Die Schüler und Schülerinnen ein (im Bild gelb), man gibt Feedbackanweisungen und optional Bewertungskriterien als Prompt, und wenn dann jemand die Frage beantwortet, wird sie von der KI bewertet und vor allem kommentiert (blau):

(Zum Vergrößern anklicken.)
Im Beispiel sind meine Prompts sehr kurz, ich habe mir nicht viel Mühe damit gegeben. Ich habe den A-Teil einer Abituraufgabe als Thema gestellt. Ich denke, eine solche Test-Frage mit gutem Prompt zu erstellen, dauert später vielleicht eine Stunde, wenn man von einer vorhandenen Aufgabe ausgeht – und diese Test-Frage kann etliche Jahre lang von ganzen Jahrgangsstufen und anderen Lehrkräften verwendet werden. Das Aufwand-Lesitungsverhältnis ist erst einmal sehr gut – wenn das ganze überhaupt etwas bringt.
Bringt das etwas?
Der Lehrkraft: Verpflichtende Übungsaufsätze gibt es eher in der Unterstufe, nicht-verpflichtende korrigiere ich nur noch wenig. Ein bisschen vielleicht. Das mit dem Bepunkten müsste man herausnehmen.
Das Feedback den SuS: Vielleicht. Wahrscheinlich sogar, und sei es nur beim Zählen der Rechtschreibfehler. Zugegeben, das würde eine ordentliche Textverarbeitung auch. Ein lapidares „Zu kurz“ wäre auch ein Signal.
Der Anreiz den SuS: Vielleicht eine Menge. Die könnten dann fast beliebig viele Übungsaufsätze schreiben und würden eine Rückmeldung erhalten. Die Rückmeldung würde wohl nicht weniger akzeptiert als die einer Lehrkraft. Wenn sie keine Übungsaufsätze trotz des Angebots abgeben, könnten sie schlechte Leistungen – eventuell berechtigt – auf diese Tatsache zurückführen.
Allerdings sehe ich ein großes Problem beim Textverständnis, nicht beim Schreiben. Schreiben ist meist schon okay, etwas zu sagen haben ist schwieriger. Da hilft das Feedback weniger. Hilft die Möglichkeit, sich eine Quasi-Lösung durch die KI ausgeben zu lassen, beim Verständnis des Textes? Da bin ich skeptisch.
7. Ceterum censeo
- umweltlich ist diese generative KI eine Katastrophe (Wasser, Energie)
- ästhetisch ist sie katastrophal
- gesellschaftlich ist sie problematisch
- vgl. Flugreisen, Individualverkehr, Skifahren, Fleischessen, Rauchen – alles schlecht, aber manchmal muss man oder kann sich nicht lösen, aber man sollte nie vergessen, wie schädlich all das ist
Aktuelle Schlagzeile: „Microsoft CEO warns that we must ‚do something useful‘ with AI or they’ll lose ’social permission‘ to burn electricity on it.“ Ich möchte eigentlich nicht zu dieser social permission beitragen.

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