Pressemitteilung des Kultusministeriums.
Wenn das Kultusministerium mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort möchte, hätte es das schon lange haben können: Keine Schreiben, in denen mir mitgeteilt wird, wie viele Übungsaufsätze ich zu schreiben lassen habe, oder wieviele Prüfungen. Keine Schreiben darüber, ob ich Diktate schreiben darf oder nicht. Keine Schreiben dazu, wie kontextbezogen Vokabelabfragen im Fremdsprachunterricht sein müssen. Keine Anweisungen, ob ein Test im Umfang eines Jahrgangsstufentests vom Anspruch im Bereich einer Schulaufgabe einzuordnen ist.
Deswegen macht Kultusminister Spaenle ja auch klar: „Die Eigenverantwortliche Schule ist keine autonome Schule.“ Die wichtigen Entscheidungen werden zentral getroffen.
Tatsächlich geht es vielleicht nur darum, Geld zu sparen. Es gibt zu viele A15-Stellen, genauer: zu viele Lehrer, die auf potentiellen jA15-Stellen sitzen und auf eine Beförderung warten. Was genau eine beförderungsrelevante Stelle ist, ist in einem Katalog festgelegt. Wenn man weniger Kandidaten auf solche Stellen haben möchte, muss man die effektive Anzahl dieser Stellen reduzieren, eben durch die Einführung einer mittleren Führungsebene. Denn das sind dann die neuen A15-Stellen, oder glaubt jemand, dass die zusätzlich zu den alten A15-Stellen kommen? Mit der Eigenverantwortlichen Schule entscheidet die Schule dann selber, welche solcher Positionen es geben soll, und zwar, ahem, „im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel.“ Will heißen: Wo es jetzt 10 solcher Stellen gibt, wird es in Zukunft nur noch 6 geben.
Ich verstehe das zum Teil sogar. Die aktuelle Verteilung, welche Stelle beförderungsrelevant ist und welche nicht, ist eher historisch gewachsen und keinesfalls ideal. (Und werden in Zukunft dann auch proportional weniger Studiendirektoren direkt aus dem Kultusministerium kommen, oder sind das dann genau die Leute, die in Zukunft die mittlere Führungsebene bilden werden?)
Vielleicht bin ich nur zu pessimistisch und es geht es gar nicht um eine Reduzierung der Stellen, sondern tatsächlich nur um eine Änderung der Aufgabenbereiche. Das wäre sogar lobenswert. Vielleicht sollen Schulen wirklich „künftig in eigener Verantwortung Schulentwicklungsprogramme erstellen und darin selbst Entwicklungsziele festlegen“ und „ein Konzept zur Erziehungspartnerschaft vor Ort entwickeln,“ das „von den Regelungen in den Schulordnungen abweichen“ kann.
Andererseits heißt es: „Bayernweit werde auch künftig an den Schulen derselben Schulart derselbe Lehrplan gelten. Eine qualitativ hochwertige Lehrerausbildung und die Lehrerversorgung wird im Flächenstaat Bayern weiterhin gesichert.“ (Die Zuteilung der Lehrer läuft also weiter zentral über das Kultusministerium.) „Als Instrumente der Qualitätssicherung werden auch künftig der Lehrplan, die Zielvereinbarungen, interne und externe Evaluationen sowie Vergleichsarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen dienen.“
Das schöne an solchen Blogeinträgen ist, dass ich die in fünf Jahren herauskramen und schauen kann, was daraus geworden ist.
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