Dann also doch: Das quritanische Pferd

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Vor neun Jahren erreichte mich ein an mich adressierter Brief mit einem kleinen gehefteten Produkt darin: 8 Seiten, DIN A 6, sauber geheftet, also ein klassisches Zine-Format, wie man es beidseitig auf eine A4-Seite ausdruckt, diese faltet, zusammenheftet und an den Rändern einschneidet. (Armin Hanisch hat eine Vorlage, wie man das technisch am einfachsten macht.)

„Das quritanische Pferd. Ein Schlüsselroman.“ Vorgeblich war das Heft ein Rekrutierungswerkzeug der Gruppe Chiffre, die gegen die Gruppe T.A.K.A.T. (englisch: TAKAT) kämpft. Wer die einfachen verborgene Nachricht im Text entziffert, darf sich Agent nennen, Spezialagenten haben neue Rekruten angeworben, Botschafter kann man nur werden, wenn man die schwieriger verschlüsselte Nachricht dechiffriert. Die letzte Seite des Heftchens enthält eine Tabelle mit den verschiedenen möglichen Verschiebungen der Cäsar-Chiffrierung, was einen Hinweis auf Vigenère darstellt. Und tatsächlich, die Botschaft ist auch mit Vigenère verschlüsselt; mit kryptografischer Software-Hilfe habe ich das inzwischen dechiffriert.

Aber: Was war das?

Poststempel war Augsburg. Das Heftchen enthielt eine Adresse, (http://)www.quritania.com, aktiv November 2017 bis vielleicht Dezember 2020, erster Wayback-Snapshot August 2018. Dort gab es eine Kontakt-Email bei protonmail.com, eine CC-Lizenzierung, eine englischsprachige Version der PDF-Vorlage war extern beim Filehoster weebly.com herunterzuladen (und sie ist auch im Jahr 2026 noch dort). Dazu der Hinweis, es handle sich um eine spielerische Einführung in Verschlüsselungstechnik: „The Count of Quritania“ is a MVB (Minimal Viable Book) which gives a playful introduction to cryptography and cryptanalysis.

Dezember 2020 wurde die Domain aufgegeben, ich habe sie mir bald darauf geholt, sie verweist inzwischen auf einen Blogeintrag von mir.

Wer war das? Warum? Welcher Augsburger Weggefährte leitete das an mich weiter? Im Web finde ich nichts dazu, keine Werbekampagne für irgendetwas, keine Selbstdarstellung eines Vereins oder einer Agentur, keine Offenlegung. Dabei sah das qualitativ durchaus professionell gemacht aus. Im Web: eigentlich nichts. Ich fand nur einen verwaisten Link und einen Forenbeitrag, in dem jemand die gleichen Fragen hat wie ich: https://forum.worldofplayers.de/forum/threads/1514641-Kennt-jemand-dieses-Buch.

Ob ich doch mal eine E-Mail an die Adresse hätte schreiben sollen?

Und wieso wird aus dem Pferd ein Count?

Der englische verschlüsselte Text benutzt den gleichen Schlüssel wie der deutsche, allerdings ist die letzte Zeile fehlerhaft: Sie ist im Klartext mit dem deutschen Text identisch, weshalb man beim Übersetzen des Heftchens ins Englische wohl geglaubt hat, einfach die deutsche chiffrierte Fassung verwenden zu können, weil der Schlüssel ja gleich ist. Aber ach! die Länge des Klartexts der beiden Fassungen ist bis dahin um 2 verschieden, also funktioniert das nicht.


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6 Kommentare zu „Dann also doch: Das quritanische Pferd“

  1. […] Dann also doch: Das quritanische Pferd […]

  2. Sandra

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  3. Illuminatenspam, das ist es, was ich ales Antwort kriege? Seufz.

  4. Aginor

    Bin ein bisschen spät, aber evtl. weiß Klaus Schmeh etwas darüber. Er mag solche Dinge und beschäftigt sich beruflich und privat damit.

    Leider ist sein Blog „Cipherbrain“ seit kurzem (2022 fühlt sich an wie gestern) nicht mehr aktiv. Aber bestimmt kann man ihn auf einem der sozialen Netzwerke erreichen. Wäre einen Versuch wert.

    Gruß
    Aginor

  5. Klaus Schmeh hatte ich damals abonniert, das war immer sehr interessant. Ich habe ihn leider nirgendwo mehr gefunden, und einfach so an eine E-Mail-Adresse schreiben, die ich noch im Impressum finde… das erscheint mir vielleicht etwas aufdringlich, wenn er sich doch so zurückgezogen zu haben scheint. Aber vielleicht wird der Neugiersdruck noch größer.

  6. Aginor

    Ich glaube auf Facebook ist er noch aktiv (nutze ich aber nicht).

    Gruß
    Aginor

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