Die Fledermaus

Ausnahmsweise die andere, die von Johann Strauß (Wikipedia und Semperoper): Zum Geburtstag gewünscht, mit Verspätung gekriegt, jetzt endlich angehört: Die Fledermaus. Und grad schön is‘!

Mit meinem Aufwachsen bin ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Man hat mich viel in Ruhe gelassen, wenn man davon absieht, dass ich mich lange nicht gegen Geh-doch-mal-raus-Radtouren wehren konnte. Aber ich war früh in den USA, lernte alte Filme kennen, Shakespeare in Form von Fernsehinszenierungen lieben, und war immer wieder Oper und Operette ausgesetzt. Dazu ein wenig Theater, gar keine Prosa, aber viel Musik. Sehr hatte mich Musik nie interessiert, aber man nimmt doch etwas mit.

Unter anderem gab es eine Videokassette mit der Fledermaus (Betamax), die ich drei-, viermal gesehen habe. Jedenfalls konnte ich mich an viel erinnern, und die CDs jetzt haben diese Erinnerungen noch einmal aufgefrischt.

Ich weiß noch, wie ich als – Fünfzehnjähriger? – mit meinen Eltern zu Freunden fahren musste und so gar keine Lust dazu hatte. Die ganze Autofahrt saß ich hinten und sang leise vor mich hin: „Galücklich iiist, wer vergiiist, was nun einmal nicht zu äääändern iiiist.“ Das muss furchtbar gewesen sein. Dass das aus der Fledermaus ist, habe ich erst jetzt gemerkt.

Mir gefällt an der Fledermaus die Musik und die Handlung: Herr von Eisenstein muss ein paar Tage ins Gefängnis wegen Beamtenbeleidigung. Sein Freund Dr. Falke überredet ihn, den Abend zuvor heimlich auf dem Fest des Grafen Orlofsky zu verbringen; Eisenstein verabschiedet sich unter Krokoldistränen von seiner Frau Rosalinde, sie singen gemeinsam zwischen Dur und falschem Moll hin- und herspringend: „Oh je, oh je, wie rührt mich dies.“ Die Frau hat nämlich auch etwas vor, und zwar ein spätes Abendessen mit ihrem ehemaligen Liebhaber Affred. Die Zofe Adele wird aus dem Haus geschickt, sie stibitzt sich ein Kleid der gnädigen Frau und geht ebenfalls auf den Ball bei Orlofsky.
Alfred will Rosalinde betrunken machen: „Trinke Liebchen, trinke schnell, Trinken macht die Augen hell“. Er hat es sich schon recht gemütlich gemacht, als der Gefängnisdirektor Frank kommt, um Eisenstein persönlich abzuholen. Natürlich hält er Alfred für Eisenstein, der will Rosalinde nicht kompromittieren (ich weiß noch genau, dass ich das Wort damals gelernt habe) und geht ins Gefängnis, nicht ohne sich zuvor als vorgeblicher Ehemann zwei Küsse geraubt zu haben.

Der Gefängnisdirektor hat es eilig. Er will noch auf ein Fest. Orlofsky natürlich. Der ist ein russischer Graf, fuuurchtbar gelangweilt und eigentlich ein Mezzosopran. (Ich habe eine Aufnahme mit Iwan Rebroff, der das ganze Stück durch im Falsett singt. Gruslig. Wem das was sagt, der ist noch meine Generation.) „Ich lade gern mir Gäste ein“, singt er, und die dürfen sich nicht langweilen oder mit dem Trinken aufhören, sonst werden sie rausgeworfen. „Die Majestät ist anerkannt“ singt der Chor, und damit ist der König der Weine gemeint: Champagner!

Auf dem Ball glaubt Eisenstein, das maskierte Kammermädchen Adele zu erkennen. Die Gesellschaft lacht ihn aber aus, allen voran Adele: „Sie verzeihen, ha-ha-ha, wenn ich lache, ha-ha-ha“. Eisenstein selber gibt sich auf dem Ball als französischer Marquis aus, trifft auf den Gefängnisdirektor Frank, der sich ebenfalls als französischer Adliger ausgibt. Sie werden einander vorgestellt, richtig Französisch kann natürlich keiner von beiden, und sie führen einen Dialog, der nur aus ein paar halbgaren Brocken besteht.
Rosalinde ist inzwischen auch auf dem Ball. (Wie sie dorthin kommt, weiß ich nicht, ich geb’s zu.) Sie ist als ungarische Gräfin maskiert; ihr Mann flirtet heftig mit ihr, ohne sie zu erkennen. Im Uhrenduett nimmt sie ihm seine Uhr ab, die Teil eines Tricks ist, mit dem er gerne Frauen anspricht.

Der Morgen naht. Alle trinken Brüderschaft („Brüderlein und Schwesterlein“). Eisenstein und Frank wanken beide Richtung Gefängnis; Eisenstein ist überrascht, dass dort schon ein anderer Eisenstein einsitzt (Alfred). Er gibt sich als Anwalt aus und berät Alfred und Rosalinde. Gibt sich am Ende zu erkennen, wutenbrannt („Ja ich bin’s, den ihr betrogen/Ja ich bin’s, den ihr belogen“). Glücklicherweise hat Rosalinde die Uhr und kann ihm sein eigenes Fehlverhalten beweisen.
Trotzdem ist er ernstlich böse, und nur Dr. Falke kann mit einem Gemisch aus Lüge und Wahrheit die Wogen glätten.

Tolle Musik. Sehr witzig. Und sehr wenig moralisch im traditionellen Sinn. Erinnert mich an Komödien der Restorationszeit, abgesehen vom Ende, als nicht das Erwischtwerden, sondern tatsächlich das Fremdgehen das Problem zu sein scheint. Natürlich ist das Stück nicht sehr demokratisch, die feine Gesellschaft reklamiert Sonderrechte für sich.

Ähnlich amoralisch schön ist das kaum bekannte The Wrong Box von Robert Louis Stevenson und Lloyd Osborne. Groteske Gestalten, die sich gegenseitig aufs Kreuz legen wollen; eine obskure Erbschaftsgeschichte und eine Leiche, die verborgen werden muss und von einem zum anderen weitergereicht wird. Auf die Idee, die Obrigkeit zu informieren, kommt keine einzige der Figuren.

Ja. Hm. Das wollte ich nur mal sagen.

Christy Moore wieder mal

Jetzt habe ich doch wieder die alte Gitarre herausgekramt. Schon vor einiger Zeit war ich freundlicherweise auf die Doppel-CD Christy Moore Live In Dublin 2006 hingewiesen worden. In der letzten Woche bin ich erst dazu gekommen, sie anzuhören. Mehrfach natürlich, wie sich das gehört, und immer hintereinander. Sie ist wirklich sehr gut; die Kombination von Western- und elektrischer Gitarre kommt viel besser, als ich sie von dem Live-Auftritt in Erinnerung hatte. „Viva la quinte brigada“ höre ich rauf und runter, und die anderen Lieder auch.

Und das war so schön, dass ich halt die Gitarre wieder herausgekramt habe. Jeden Tag nur ein bisschen, die Finger tun schön weg, dauert ein wenig, bis die Hornhaut wieder da ist. Macht aber Spaß. Muss am Wochenende neue Saiten kaufen.

Kleine Empfehlung dazu, die mir schon länger in den Tasten hängt: Christy Moore, One Voice. Eine Art Autobiographie: etwa 250 Liedtexte aus seinem Repertoire, und zu jedem Lied schreibt Christy Moore ein oder zwei Seiten: Wo er es her hat, warum es ihm gefällt, eine Anekdote dazu. Auf diese Art erfährt man viel über Christy Moore, aber nicht chronologisch, nicht vollständig: „I’ve not visited every nook and cranny of my life; I’ve only gone where the songs have taken me.“ Und das reicht mir auch, Vollständigkeit ist eh unmöglich, interessiert mich auch nicht. Manche Bemerkungen verstehe ich gar nicht, zuviel Insiderwissen ist nötig, Hintergrundwissen über Irland fehlt mir. Man erfährt etwas über seine Familie, seinen Nervenzusammenbruch, Alkoholismus, viel irische Politik ist drin, seine Wandlung vom Radikalen zum Gemäßigten. Welche Lieder wann von wem verboten wurden.

Gut die Hälfte der Lieder kenne ich. Sehr lehrreich war, wieviel das ausmacht: Bei diesen Liedern summe ich beim Lesen mit. Alle anderen Texte bleiben bloße Gedichte. Und Gedichtbände lesen macht nur manchmal Spaß.

Namen von Mix-Kassetten

Über Mix-Kassetten wird ja gelegentlich gebloggt.
Die meinen (aus den späten 80ern und frühen 90ern) tragen alle Namen. Die wichtigsten davon heißen:

  1. The Best Thing In The World, Except For Cough Drops
    Nicht sehr schwer.
  2. A Bowl Of Night
  3. Cigars Had Burned Low
    Schon relativ schwierig. Ich habe schon mal darüber geschrieben.
  4. The Dead Lady Of Clowntown
    Sehr obskur.
  5. Driving Too Fast, Or Not Enough Sleep
    Das Buch könnte man kennen, die Stelle ist obskur und bezieht sich eigentlich auf ein anderes Buch.
  6. Duncan And The Distant Phonograph
    Da musste ich gerade eben selber nachschlagen. Aber jetzt weiß ich’s.
  7. Early-Blooming Parentheses
    Wunderbarer Text.
  8. The Man In The White Dinner Jacket
    Einfach.
  9. Medicine for Melancholy
    Sehr einfach zu recherchieren.
  10. Shatter’d Lamps & Scatter’d Clouds
  11. So Jimmy Knew His Stuff
    Steht immerhin auf der ersten Seite.

Ich würde ja gerne ein Stöckchen daraus machen, aber wer gibt seinen Mix-Kassetten schon Namen?

Die Autoren der Quellen, wenn auch in anderer Reihenfolge:
Ray Bradbury, Harold Brodkey, Raymond Chandler, Roddy Doyle, F. Scott Fitzgerald, James Hilton, S. Morgenstern, Omar Khayyam (in der Fitzgerald-Übersetzung), Englische Romantiker, J.D. Salinger, Cordwainer Smith.

Christy Moore

Man begegnet sich im Leben immer zweimal. Christy Moore bin ich jetzt zum vierten Mal begegnet, will heißen: Zum vierten Mal war ich in einem Christy-Moore-Konzert. Zweimal in Deutschland, zweimal in England; das letzte Mal (letzte Woche) ganz zufällig und unvorhergesehen. Ich hatte gedacht, dass ich Christy Moore kaum mehr live sehen würde; dazu ist er zu selten in Deutschland (denke ich), und ich kriege ohnehin nie mit, wenn irgendwo ein Konzert ist.
Um so schöner war es also, dass ich das Konzert zufällig erwischte. Es war nicht so gut wie früher, aber es war gut. Jetzt bin ich zufrieden.

Christy Moore lernte ich 1989 oder 1990 gleichzeitig aus zwei Ecken kennen: Einmal über eine Kommilitonin, die eine Christy-Moore-CD hatte und ein irisches Liederbuch, und einmal über meinen Plattenfreund, der mich beständig mit neuer Musik versorgte. (Üblicherweise waren es eher exotische Amerikaner als irische Folk-Sänger.)

Christy Moore ist in Irland berühmt. In Großbritannien wohl auch. Ob man ihn in Deutschland kennt, weiß ich nicht: In den 70er und 80er Jahren schwärmten junge Deutsche gerne mal von Irland, hörten irische Musik, und wollten unbedingt mal Urlaub dort machen. Auf Hochzeiten und in Wohnzimmern begegnete man allerorten einem „Traditional Irish Blessing“, das da anfängt: „May the road rise up to meet you“ (oder wie ich selber paraphrasiere: „May you fall flat on your face“). — Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht; jetzt schwärmt man wohl wieder mehr für Mittelerde oder Neuseeland .

Biographische Details zu Christy Moore schenke ich mir, ich müsste sie ohnehin erst von seiner Web-Seite herausfinden. Er ist jedenfalls 60 Jahre alt, sein erster Auftritt war 1965, bald darauf verbrachte er einige Zeit in England und lernte das Leben der Exil-Iren kennen; das politisierte ihn. Mit der Gruppe Planxty wurde er bekannt; Planxty spielte alte und neue irische Lieder. Dann viele viele Solo-Platten, Auftritte und Interviews, eine Art Autobiographie (die ich allerdings noch nicht kenne).

Was ich an Christy Moore mag:

  • Die Art, wie er singt. Die Arrangements sind schlicht; live trat er meist alleine auf (letztes Mal hatte er allerdings einen zweiten Gitarristen dabei), spielt Gitarre mit Stahlseiten, manchmal auch eine irische Trommel, und singt. Bei den Konzerten war er sehr konzentriert, ließ wenig Zeit zwischen zwei Nummern für Beifall, wollte kein Mitklatschen (auch wenn das englische Publikum anders als das deutsche tatsächlich auf 2 und 4 klatschen kann). Nach jeweils einer Stunde begann er dann aufzutauen, entschuldigte seine Einsilbigkeit mit stets neuer Nervosität beim Auftreten, und fing an, mehr mit dem Publikum zu kommunizieren, ging auf Zwischenrufe und Liedwünsche ein. Zu vielen Liedern erzählt er, wie er ihnen das erste Mal begegnet ist und deutet an, warum er sie singt.
  • Die Lieder, die er singt. Es sind selbst geschriebene, aber auch sehr viele Lieder anderer Künstler. (Das mag ich. Damit steht das Lied im Vordergrund und nicht das Gesamtkunstwerk Interpret+Lied, an das wir uns heute gewöhnt haben. Angefangen hat das ja wohl erst mit dem Rock’n’Roll. Davor gab es keine Cover-Versionen, oder genauer: Es gab keine Originale. Es gab nur Lieder, die von verschiedenen Leuten gesungen werden. Bevor die Charts anhand verkaufter Platten errechnet wurden, maß man die Menge der verkauften Musiknoten. Vor hundert Jahren wurde ein Lied durch eine Show am Broadway bekannt, was sich die Künstler am Broadway gut bezahlen ließen, und danach verkauften sich die Noten, und das Orchester im Hotel oder Restaurant spielte die Nummern dann ebenfalls. Ich habe jedenfalls großen Respekt vor Musikern, die auch mal Lieder anderer Leute singen. Gute Lieder erkennt man auch daran, dass sie verschiedene Interpreten zu verschiedenen Interpretationen reizen.)
    Christy Moore singt einige irische Volkslieder wie „Cliffs of Doneen“ und „Black is the colour of my true love’s hair“, einige wenige irische Kunstlieder der letzten zweihundert Jahre („The Curragh of Kildare“), vor allem aber moderne irische Lieder wie „Nancy Spain“ von Barney Rush oder „Fairytale of New York“ von Shane McGowan/Jem Finer, dazu viele eigene Lieder. Viele der Lieder sind politisch.

Eine Art Lieder interessiert mich besonders, die nur am Rande etwas mit Christy Moore zu tun hat: Lieder zu zeitgeschichtlichen Vorgängen. Protestsongs. Vor allem dann, wenn sie ganz konkret werden, Namen nennen, die sonst vielleicht in Vergessenheit gerieten. Hier wird, oder wurde, Information noch mündlich weitergegeben, in Liedern aufgezeichnet. Zum Beispiel (alles Lieder, die auch Christy Moore singt):

  • „Sacco and Vanzetti“ (Woody Guthrie). Zur Erinnerung siehe Wikipedia-Eintrag oder diese Seite. Wie schuldig oder unschuldig die beiden waren, ist offen (zur Zeit geht man davon aus, dass mindestens einer tatsächlich beteiligt war); unbestritten ist jedoch, dass ihr Gerichtsverfahren und ihre Hinrichtung 1927 nicht rechtmäßig waren. Woody Guthrie schrieb und spielte ein ganzes Album mit „Ballads of Sacco and Vanzetti“. Das bekannteste Lied daraus nennt den Schauplatz, nennt die Namen des Richters, der Ankläger, bringt Zitate.
  • Namen nennt auch „Scapegoats“ (Cowan/Moore). Darin geht es um die Birmingham Six – sechs gebürtige Nordiren, in Birmingham lebend, wurden 1975 zu lebenslänglicher Haft wegen eines IRA-Bombenattentats verurteilt. Schon während der Verhandlungen gab es Vorwürfe, die Beweise seien manipuliert worden; 1991 wurde das Urteil aufgehoben, 2001 gab es Schadenersatz. Ein ähnlicher Fall sind die Guildford Four.
  • „Viva la quinte brigada“ (Christy Moore). Ein Lied über die Internationalen Brigaden, genauer: die daran beteiligten Iren, die im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco kämpften. Wikipedia hat eine Liste von ausländischen Teilnehmern am spanischen Bürgerkrieg, zählt aber nur die berühmten Namen auf. Christy Moore nennt die weniger Bekannten: „Bob Hilliard was a Church of Ireland pastor / Form Killarney across the Pyrenees he came / From Derry came a brave young Christian Brother / Side by side they fought and died in Spain // Tommy Woods age seventeen died in Cordoba / With Na Fianna he learned to hold his gun / From Dublin to the Villa del Rio / Where he fought and died beneath the blazing sun“. Moore verschweigt nicht, dass auch auf Seiten Francos Iren kämpften.
  • „The Ludlow Massacre“ (Woody Guthrie): Siehe Wikipedia-Eintrag.
  • „They never came home“ (Christy Moore): Ein Lied um den Stardust-Brand von 1981: Bei einem Feuer in einer Disco starben 48 junge Menschen. Panik, abgesperrte Notausgänge, keine Verurteilung für die Betreiber, aber Gerichtsurteil gegen Christy Moore wegen des Liedes. Ich habe das Lied auf dem Konzert letzte Woche zum ersten Mal gehört, sonst hätte ich nie von dem Stardust-Brand erfahren.

Natürlich ist diese Art der Geschichtsschreibung einseitig, oberflächlich und ein wenig sensationslüstern. Und bestimmt bekomme ich zu hören, dass ich die wichtigsten Beispiele für Lieder dieser Art ignoriert habe. Ich lerne gerne dazu.

Zum Konzert letzte Woche habe ich gar nicht mehr viel zu sagen. Als Vornummer erschien (unangekündigt, aber auch nicht sehr überraschend) der irische Musiker Freddie White und sang und spielte auf der Gitarre einige eigene Nummern, aber auch Versionen von „Martha“ von Tom Waits und eine eigenwillige Version eines zumindest mir vorher nicht bekannten Irving-Berlin-Stücks, My Walking Stick.
Christy Moore danach war nicht allein, sondern hatte sich einen zweiten Gitarristen mitgebracht: Declan Sinnott, der akustische, häufig aber auch E-Gitarre zu Christys akustischer Gitarre spielte. Das gab bei ein oder zwei Liedern nette Effekte (vor allem bei „North and South of the River“), ansonsten fand ich es überflüssig. Christy allein ist mir lieber, aber wenn er mal etwas Neues ausprobieren möchte, soll er das jederzeit machen.
Schon bald setzten die Zwischenrufe und Wünsche ein. Christy, ernst und still bis auf ein knappes „Thank you“ zum Beifall, bat sich erst einmal eine Stunde Ruhe aus, um seine Nummern zu spielen. Danach taute er auf, erzählte ein paar Ankedoten, machte sich über ein paar tatsächlich sehr störende Zwischenrufer lustig, und erfüllte Musikwünsche. Folgendes hat er gespielt; vermutlich habe ich ein paar Titel vergessen, und die Reihenfolge bringe ich ohnehin nicht mehr zusammen:

All I Remember
North and South of the River
Yellow Triangle
Viva la quinte brigada
America, I Love You (= „America, You are not the world“ von Morrissey)
Ordinary Man
Go Move Shift
Don’t forget your shovel
Ordinary Man
Reel in the flickering light (ein leichtfüßiges, lustiges Lied)
Biko Drum
Burning Times
All for the Roses
Lisdoonvarna (auf Wunsch; mit der üblichen Van-the-Man-Einlage)

Plattentipp: Als Einstieg und Überblick Christy Moore Live at the Point. Christy live mit Gitarre, alte und neue Lieder, laute und leise, lustige und ernste. Nicht so viel ernste wie auf den letzten Platten.
Für den Anfang vermeiden, da untypisch: Das Traveller-Album.

Ookla the Mok

Das hier ist für die Comic-Fans.

Ookla the Mok haben in der Filk-Szene angefangen, Musik zu machen, aber inzwischen haben sie es auf mindestens fünf ganz legitime Schallplatten gebracht. Die Lieder klingen immer noch ein bisschen nach Garage, aber ich finde das ganz angenehm. In den Liedern auf dem Album Super Secret geht es vor allem um Comic-Book-Fans. Wer dem Link folgt, kann in alle Lieder reinhören.

Mein zweitliebstes Lied darauf ist „Super Powers“. Viel Gitarre, viel Lärm, schöner Text:

I got bitten by a radioactive bug (1)
I tried an experimental drug (2)
I went out for a stroll on a gamma testing range (3)
I found an enchanted Uru cane (4)

I made a serum that made me small
I modified the serum so it would make me tall (5)
I got radioactive isotope in my eye (6)
A dying alien helped me accessorize (7)

Na, das ist doch einfach, oder?
(1) Natürlich kein „Käfer“, sondern etwas Achtbeiniges.
(2) Im Zweiten Weltkrieg.
(3) Grün.
(4) Spitzname: „Goldilocks“.
(5) Ant-Man. Giant-Man. Goliath. Yellow-Jacket. Eine lange Geschichte.
(6) Verfilmt.
(7) Der erste von DC. Auch grün.

Ich bin stolz, auch die esoterischeren Anspielungen im Rest des Liedes auflösen zu können. Hier gibt’s den vollständigen Text von „Super Powers“; man kann dort auch das Lied als mp3 anhören. Es geht darin nicht nur um die Aufzählung verschiedener Superhelden und deren Entstehungsgeschichten, sondern auch um die Vision einer schönen Liebesgeschichte unter nerds:

And when you get home at the end of your day
I’ll pack your parachute and put away
Your utility belt and gas grenades
You were never meant to see
I showed you my secret identity
I suppose that I could always hypnotise you
If I wanted to
But I propose another thing
You can wear my decoder ring

Mein liebstes Lied ist aber „Stop talking about comic books or I’ll kill you“: Der Monolog der verzweifelten Freundin eines Superhelden-Comic-Fans.

Stop talking about comic books or I’ll kill you.
I don’t care if the Hulk could defeat the Man of Steel.
I’m gonna rearrange your face if you continue to debate
whether Logan’s claws could pierce Steve Roger’s shield.

Auch hier kann man den ganzen Text lesen oder als gestreamtes Real Aduio hineinhören. Lohnt sich.
Wer wissen möchte, was es mit Logans Klauen und Steve Rogers‘ Schild auf sich hat, kann mich gerne anmailen und fragen. Bitte fragt! Bitte! Frau Rau kann’s schon nicht mehr hören.

(Mehr zu Ookla the Mok auf dieser Ookla-the-Mok-Fanseite; alle Quellen und Links in diesem Beitrag stammen daraus.)

The Jazz Singer II

In meinem letzten Eintrag habe ich meine Vorkenntnisse zu The Jazz Singer dargelegt, den Arte letzte Woche in einer 1998 restaurierten Fassung gezeigt hat. Wie geschrieben, war ich nicht wirklich vorbereitet auf das, was kommen sollte.

Überraschung 1: Der Film, oft gepriesen als erster Tonfilm, ist das nur zum Teil. Nur die Musiknummern und ein paar Zeilen gesprochener Text um sie herum hat synchronisierten Ton, der Rest ist Stummfilm, komplett mit Texttafeln. Aber es gibt etliche Musiknummern: In dem Film geht es um Gesang, er ist gedreht nach einem Theaterstück mit Gesang; der Hauptdarsteller war berühmt als Sänger. Ich glaube, man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie der plötzliche Originalton auf das Publikum gewirkt hat.

Überraschung 2: Den Film kriegt man weniger oft zu sehen, als er es verdient hat. Stummfilme gehen nicht gut, hierzulande sagt einem dieser Film eh nicht viel, und in den USA ist der Film heute vielen aus Gründen der political correctness peinlich. Es gibt nämlich die Tradition des blackface: Weiße Entertainer schminken sich schwarz, die Lippen bleiben ausgespart und sehen so wesentlich größer aus; und dann singt der Entertainer in der Rolle eines Schwarzen. In The Jazz Singer ist aber nur eine einzige Blackface-Nummer, wenn auch zweimal gebracht: Zuerst hinter, danach vor der Bühne – und diese Nummer bringt die Handlung voran und gibt Sinn. (Zu blackface später mehr. )

Überraschung 3: Aber jüdisch ist der Film bis ins Mark; warum hat mir das keiner gesagt?

Wir beginnen mit ein paar Straßen- und Marktszenen im jüdischen Ghetto in New York. Überblendung auf Kantor Rabinowitz, der in der fünften Generation Kantor. Sein dreizehnjähriger Sohn Jakie Rabinowitz soll einmal nach ihm Kantor werden und am Abend Kol Nidre singen, aber Jakie treibt sich lieber in einer Kneipe herum und singt Jazz (erste Musiknummer). (Das ist aber nicht der Jazz, der heutzutage spät nachts in den Regionalprogrammen kommt, sondern einfach die Erwachsenen-Popmusik dieser Zeit; noch keine Kunstform, sondern verrufene Schwarzen- und vor allem Kneipenmusik. Gute Musik; das, was später Bing Crosby und Frank Sinatra singen.)
Es kommt zum Streit, auch die liebende Mutter Sara kann nicht schlichten. Während der Vater am abend Kold Nidre singt (zweite Musiknummer) verlässt Jakie die Familie und geht ins Show Business. Er schlägt sich recht und schlecht durch (dritte und vierte Musiknummer), nur manchmal denkt er traurig an Mutter und Vater – etwa wenn er in Chicago das Konzert des Kantors Joseff Rosenblatt besucht (fünfte Musiknummer).
Schließlich erhält er seine große Chance: Eine große Revue in New York. Er besucht seine Eltern und freut sich immens, seine Mutter wieder zu sehen. Er erzählt ihr begeistert von der Revuew und singt seiner Mutter ein Lied daraus am Klavier vor („Blue Skies“ von Irving Berlin) (sechste Musiknummer). Da erscheint sein Vater; der alte Streit ist nicht beigelegt – Jakie, der sich jetzt Jack Robin nennt, möchte auf der Bühne singen und nicht in der Synagoge. „Verlasse dieses Haus!“ und „Ich habe keinen Sohn mehr.“

„The Eve of the Day of Atonement“ / „Der Vorabend des Versöhnungstages“ – Während der Proben für die Revue erkrankt Jakies Vater – sein Herz ist gebrochen. Sara Rabinowitz besucht ihren Sohn und will ihn überreden, statt des Vaters Kol Nidre zu singen; es würde dem im Sterben Liegenden vielleicht neuen Lebensmut geben. Aber die Revue ist die Chance, auf Jack sein Leben lang gewartet hat. Es ist Generalprobe; die Mutter sieht ihn in blackface und meint: „Jakie, this ain’t you?“ Der mitgekommene Freund der Familie: „He talks like Jakie – but he looks like his shadow.“
Während Jack „Mother of mine“ probt (siebte Musiknummer) , sieht die Mutter ein, dass ihr Sohn auf die Bühne gehört, und verlässt das Theater. Die Nummer ist hier zwar in blackface, aber sonst überhaupt nicht in der Rolle eines Schwarzen. „Mother of mine, I’m sorry I wandered away, breaking your heart“ – im Finale wird das noch einmal aufgenommen werden.
Jack besucht nach der Probe, kurz vor der Premiere, seinen sterbenden Vater. Sie versöhnen sich. Die Szenen sind sentimental, aber wirkungsvoll. Es gibt immer noch keinen Sänger für Kol Nidre in der Synagoge. Seine Bühnenpartnerin und der Produzent treiben Jack in der Wohnung seiner Eltern auf und verlangen von ihm, sofort mit zum Theater zu kommen. Wie wird sich Jack entscheiden?

– Die Premiere fällt aus. Jack singt Kol Nidre (achte Musiknummer), sein Vater hört ihn vom Krankenbett aus; parallel geschnittene Szenen Synagoge-Krankenzimmer; der Vater stirbt in Frieden, während Jack singt.
Etwas sehr schnell geht es dann weiter mit „The season passes – and time heals – the show goes on.“ Die Show hat es anscheinend doch noch auf die Bühne gebracht; das Haus ist voll; Jacks Mutter sitzt im Publikum. Al Jolson als Jack Robin singt voller Schwung seine Glanznummer: „Mammy“ (neunte Musiknummer). Diesmal passt das blackface immerhin zum Text: Jolson/Jack singt von seiner „mammy“ in „Alabammy“.

Ende.

Wow. Die Geschichte funktioniert als Film besser, als man vielleicht denkt; anders gesagt, der Film hat sich gut gehalten. (Es gibt zwei Remakes des Films; außerdem spielt eine Simpsons-Episode darauf an, in der es um die Vergangenheit von Krusty dem Klown geht: Er ist Sohn eines Rabbis, mit dem er sich zerstritten hat, weil Krusty Komiker werden wollte statt Rabbi wie sein Vater. Bart und Lisa versöhnen die beiden miteinander.)
Jacks Konflikt wird in sentimentalen und herzergreifenden Szenen dargestellt. Das geschieht etwas zu ausführlich; es gibt meiner Meinung nach unnötige strukturelle Wiederholungen: Zuerst kommt der Freund der Familie ins Theater, um Jack zu holen (allerdings eine sehr lustige Szene, wie der konservative Jude auf die frivole Bühnenwelt trifft), dann die Mutter; erst muss er sich zwischen Generalprobe und Synagoge entscheiden, dann zwischen Premiere und Synagoge. Variety bemängelte 1927 die fehlende Liebesgeschichte, die ich selber nicht vermisst habe; ansonsten schrieben sie Folgendes:

Undoubtedly the best thing Vitaphone has ever put on the screen. The combination of the religous heart interest story and Jolson’s singing ‚Kol Nidre‘ in a synagog [sic] while his father is dying and two ‚Mammy‘ lyrics as his mother stands in the wings of the theater, and later as she sits in the first row, carries abundant power and appeal.
[…] Al Jolson, when singing, is Jolson. There are six instances of this, each running from two to three minutes. When he’s without that instrumental spur Jolson is camera-conscious. But as soon as he gets under cork the lens picks up that spark of individual personality solely identified with him. That much goes with or without Vitaphone [i.e. the synchronized sound system]. (Variety 1927)

Wunderbar, diese Formulierung: „as soon as he gets under cork“ – damit ist der verbrannte Korken gemeint, mit dem früher das Gesicht schwarz angemalt wurde.

Besonders faszinieren mich an diesem Film zwei Dinge:

Der Umgang mit dem Judentum. Die Hauptpersonen des Films sind Juden, weil nur so diese Handlung denkbar ist. Ihr Leben findet in einer jüdischen Welt statt, die dem Publikum damals vertraut gewesen sein muss. Natürlich waren viele Mitglieder des Showbusiness selber Juden – aber das Publikum doch nicht. (Immerhin war das Stück schon am Broadway ein Erfolgt.) Und dennoch wird weder erklärt, was ein Kantor ist. Oder was Kol Nidre ist. Warum Jakie auf der Bühne Jack Robin heißt. Oder dass Kantoren berühmt genug sind um Gastkonzerte in anderen Großstädten zu geben. Das scheint alles als bekannt vorausgesetzt worden sein.
Dabei ist das kein exklusiv jüdischer Film. Es geht nicht ums Judentum; Judentum ist nicht das Thema. Es ist Voraussetzung für die Handlung, auf eine Art und Weise, wie das heute kaum mehr möglich ist.
Den Kantor Rosenblatt, dessen Konzert Jack in Chicago besucht, gab es übrigens wirklich: Er spielt und singt sich im Film selber; außerdem singt er in der ersten Nummer den Vater von Jakie. In einem Auszug aus Yossele Rosenblatt, einem Buch, das sein Sohn 1954 über ihn geschrieben hat, wird erzählt, wie es zu Kantor Rosenblatts Rolle in The Jazz Singer kam.

Al Jolson, der größte Entertainer der Welt: Ich hatte keinen Grund, davon auszugehen, dass an dieser Behauptung irgendwas Wahres ist. Und die Frau Rau hat er auch ziemlich kalt gelassen; aber sie hatte vorher auch noch keine seiner Nummern gehört, während ich zumindest „Mammy“ und „Toot, Toot, Tootsie Goodbye“ in den Jolson-Versionen kannte. Und vor allem bei dieser zweiten Nummer hat sich sein Auftritt als ungemein energiegeladen herausgestellt. Warum mich das so beeindruckt hat? Ich weiß nicht. Natürlich wirkt vieles etwas antiquiert. Und dazu das übertriebene Makeup und die Mimik des Stummfilms. Aber trotzdem blieb noch viel Präsenz für mich übrig; auf ein Konzert mit Al Jolson würde ich gerne gehen.

[A] leathery baritone, that could sing like a lark, wail like a wounded animal, declaim like a street-corner soapbox orator, hit the high notes, and then zoom down again in a delightful nasal slur-slide. […] And if all these tricks didn’t work, then Al grabbed their attention by whistling and clapping and snapping his fingers. Or else he went into his own special ragtime dance, full of wriggles and slides and hands on hips. Nobody slept when Al was working. (Ian Whitcomb im Begleitheft zu einer CD mit den Film-Aufnahmen von Jolson)

Sein Gesang ist bei „Blue Skies“, ein bisschen – ist manieriert das richtige Wort? (Ich kenne mich bei Musikterminologie überhaupt nicht aus.) Ich sehe das lieber so, dass er einfach zu viel Energie hat; er kann einfach nicht ruhig singen, so wie andere Leute nicht ruhig sitzen können. Ständig zappelt er mit der Stimme.
Ich habe mir jedenfalls gleich bei eine Doppel-CD bestellt; hier bei Amazon kann man in einige Nummern reinhören.

Jolson war selber Sohn eines sehr strengen Kantors; der Film basiert auf einem Stück von Samson Raphaelson, nach seiner Kurzgeschichte, inspiriert von Al Jolsons Leben. Hier ist eine kurze Biographie aus der Sicht eines Freimaurerkollegen.
Auf der Bühne spielte George Jessel die Rolle von Jakie Rabinowitz; er wollte die Rolle im Film aber nicht übernehmen, ebenso wenig wie Eddie Cantor, dem sie nach ihm angeboten wurde. Keine für sie sehr geschickte Entscheidung, im Nachhinein betrachtet.
Auf dieser Al-Jolson-Website kann man einige Videoclips anschauen.

„If you don’t get my letter then you’ll know that I’m in jail.“ Das ist eine Zeile aus „Toot, Toot, Tootsie Goodbye“; in dem Lied nimmt ein Mann von seiner Freundin (?) Abschied. Ich selber bin der Zeile, die vermutlich weit verbreitet ist und keineswegs in diesem Lied ihren Ursprung haben muss, zum ersten Mal begegnet in „On the Nickel“ von Tom Waits: Ein sehr poetisches und wunderschönes Abschiedslied. (Auf der Platte Foreign Affairs ist ein Medley „Jack & Neal/California, Here I Come“; letzteres ist eine bekannte Al-Jolson-Nummer.)

Exkurs: Blackface Die Konvention, sich als Weißer schwarz zu schminken, stammt aus einer Zeit, als Schwarze praktisch nicht auf der Bühne zugelassen waren. Und später mussten teilweise auch diese blackface auftragen, wenn ihre Haut nicht dunkel genug war; das stand zumindest bei dieser kurzen Verteidigung und historischen Einordnung des blackface anlässlich einer Amateuraufführung von Show Boat. Blackface wird dort unterschieden von der Tradition der minstrel show, aber das ist eine andere Geschichte.

Aus dieser Quelle auch folgendes Zitat:

Just before the show opened, I went to New Orleans to talk to black blues singers – about Jolson and the whole business of whites blacking their faces. It was the artist rejoicing in the name Tugboat Henry who put it all into perhaps astonishing perspective for me: „No, you couldn’t do it today with anything like the same effect,“ he said. „But we should always be grateful for Jolson. He gave us a dignity which no one else was letting us have.“ And then he said, pointedly, „The only other person who did that for us was Jerome Kern with Show Boat“.

Das alles heißt nicht, dass es nicht auch Künstler in blackface gab, die lediglich negative Stereotypen darstellten.

Die berühmtesten Künstler in blackface waren vielleicht Amos & Andy – als Radioprogramm, das von den späten 20ern bis in die 40er Jahre lief (und darüber hinaus, aber das ist eine lange, andere Geschichte; und 1932 gab’s auch einen Kinofilm). Heute ist die Show aus Gründen der political correctness nicht mehr zu sehen oder zu hören; dabei sind vor allem die frühen Episoden immer noch gut und keinesfalls rassistisch – wenn man die Prämisse, dass Weiße Schwarze spielen, nicht schon als Rassismus gelten lassen will. (Das gilt übrigens keinesfalls für alle Radiosendungen dieser Zeit, oder alle Sendungen, in denen Weiße Schwarze spielen; Amos & Andy beziehungsweise Freeman S. Gosden und Charles V. Correll waren nun mal die besten ihrer Art.) Vor allem die frühen Episoden – täglich 15 Minuten – waren Straßenfeger, und das weniger wegen des Klamauks, sondern wegen der spannenden Soap-Opera-Fortsetzungshandlung: damals ein völlig neues Konzept. Kinos unterbrachen ihre Vorstellung für 15 Minuten, damit das Publikum Amos & Andy hören konnte.

Jongleure waren als Tramp verkleidet, Komiker kleideten sich irisch oder als Cowboys; Clowns schminkten sich weiß, Minstrels schwarz. Und sangen dann irische Schnulzen oder erzählten, wie Eddie Cantor, witzige Monologe mit yiddischen Wortfetzen. Ay caramba, ich glaube, für heute lasse ich es gut sein.

Filk

Nach der amerikanischen Volksballade „The Ballad of Jesse James“:

Sauron had some rings, they were very useful things,
And he only wanted One to keep.
But Isildur took the One just to have a little fun.
Sauron’s finger was inside it–what a creep!

CHORUS: Now, Sauron had no friend to help him at the end,
Not even an Orc or a slave. (Orc! Orc!)
It was dirty Frodo Baggins that fixed his little wagon
And laid poor Sauron in his grave.

„Filk music“ hat wohl irgend etwas mit „folk music“ zu tun. Entstanden ist das, sagen wir mal, auf Fantasy- und Science-Fiction-Conventions: Es handelt sich dabei um Lieder, deren Text sich mit dem Fantasy- oder Science-Fiction-Thema des Cons beschäftigt.
Das kann zweierlei heißen: Es gibt einmal Lieder, in denen es um Cons und Fandom geht: Die Anreise, die Verpflegung, die Szene – etwa Come to the SF Con frei nach „Cabaret“, oder Bouncing Potatoes nach „Waltzing Mathilda“. Das ist aber oft nur mäßig interessant. Vor allem geht es nämlich um Lieder, die sich mit den Inhalten der Comics oder Science-Fiction-Serien beschäftigen: Traditionals und aktuelle Hits werden umgetextet. Etwa so:

(Ein Con sieht etwa so aus – das erinnert doch sehr an den Abi-Streich dieses Jahr – alles schon mal gemacht, vor fünfzehn Jahren:)

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Manche Filk-Musiker werden dann auch professionelle Künstler. Die Band „Ookla the Mok“ kommt aus der Filk-Szene und hat schon einige CDs verbrochen.

Meine zwei Lieblingslieder sind einmal Super Powers, in dem es um verschiedene Möglichkeiten geht, Superkräfte zu erlangen. Man kann es sich (neben weiteren Liedern) als mp3 hier herunterladen.

Außerdem gibt es da noch das köstliche Stop talking about comic books or I’ll kill you. Um dieses Lied wirklich genießen zu können, muss man wohl den Blick in den Augen seiner Liebsten kennen, der einem sagt: Es reicht.

„I’m gonna rearrange your face if you continue to debate whether Logan’s claws could pierce Steve Roger’s shield.“

Filk-Songbooks:
Swarthmore Warders of Imaginative Literature
The Virtual Filksing