Cerebus the Aardvark

Noch mehr fasziniert als Bone neulich hat mich eine andere Serie, die ich seit noch längerer Zeit nur dem Namen nach kannte, und die ebenfalls vor kurzem zum Abschluss gekommen ist: Von 1977-2004 erschienen 300 Hefte Cerebus the Aardvark, mehr als 6000 Seiten, gesammelt in 16 Schwarzweißbänden. Alles von Dave Sim. Die ersten beiden davon habe ich inzwischen gelesen.

Die Geschichten beginnen als amüsante Parodien auf die Sword & Sorcery-Fantasyabenteuer der 70er Jahre. Conan war ein großer Comic-Star, wenige Jahre später würde Arnold Schwarzenegger ihn im Film noch bekannter machen. Die Geschichten um Cerebus spielen in einer solchen Fantasywelt: Schwertschwingende Muskelmänner, seidenbehangene Haremsdamen, böse Zauberer, Edeltsteinschätze, Schlangenmonster. Nur dass der Held der Geschichten ein Erdferkel ist. Ein Erdferkel mit Rüstung und Schwert, versteht sich. Ansonsten sind die Geschichten vergnüglich, so vergnüglich, wie es die Conan-Geschichten tatsächlich auch manchmal sein konnten. Betrogene Betrüger, ein Krug Bier in der Schenke, homerisches Gelächter am Ende. Und mittendrin halt ein Erdferkel.

Daneben erscheinen immer wieder Parodien: Auf Superhelden oder andere Comic-Gestalten, wie Red Sophia, die Cerebus an die Wäsche will. (Comic-Leser erkennen darin Red Sonja.) Ganz zu schweigen von Captain Cockroach oder dem nervigen Elrod (Elric).
Daneben gibt es aber bald die ersten Punkte, die auf größere Geschichten verweisen. Geheimnisse um Cerebus selbst. Und einen amüsanten, charmanten Schlawiner als Herrscher eines kleineren Staats, der aussieht und sich benimmt wie Groucho Marx. Mit Zigarre und gebückter Körperhaltung. Im zweiten Band, High Society , geht es dann nur noch am Rande um Schwerter und Monster, sondern hauptsächlich um Intrigen und Moral und Ehre und gute Absichten und Verrat und hehre Ziele. Und mittendrin ein Erdferkel und Groucho Marx, der sich zum tatsächlich bedrohlichen Schurken mausert, ohne dass er dabei aufzuhörte, Groucho Marx zu sein. Faszinierend. Ob die Handlung komplex ist oder lediglich kompliziert, kann ich nicht sicher sagen, gründlich lesen muss man auf jeden Fall.

Nach allem, was ich so gehört habe, erwartet mich in den nächsten 14 Bänden noch viel Schönes und Unerwartetes.

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3 Thoughts to “Cerebus the Aardvark

  1. Und dann ist Dave Sim leider durchgeknallt und hat seine Hefte mit kruden Thesen zu Feminismus und Antifeminismus vollgeschrieben, bis er es sich mit allen verdorben hatte. Ein völlig klarsichtiger Durchgeknallter im übrigen, so dass man ihm das auch gar nicht wirklich verzeihen kann mit dem Hinweis darauf, dass er halt einfach spinnt. Er spinnt schon sehr systematisch. Ich weiß aber nicht, ob die zusammengebundenen Bände die irrsinnigen Texte aus den Einzelheften auch enthalten. Überhaupt kenne ich Cerebus bisher nur vom gelegentlichen Blättern. Schon weil die Bände sehr teuer sind – wogegen nichts zu sagen ist, schließlich hat Sims das alles im Eigenverlag herausgebracht, um davon leben zu können. Was irgendwie wohl auch geklappt hat.

  2. Das kann ja heiter werden.
    Ich hatte mir gestern die ersten beiden Bände noch einmal angeschaut: Der erste beginnt mit simplen Parodien, der zweite ist schon schwieriger, aber sehr interessant. Irrsinnige Texte sind in den Bänden bislang keine drin, ich arbeite mich langsam nach und nach durch, bis er es vielleicht auch mit mir verdirbt. Ich kann mir vorstellen, dass er irgendwann abhebt. Bei Amazon gibt’s nur ein paar Bände, den ersten mit 540 Seiten für 22 Euro, ich finde das gar nicht so teuer. (Spätere Bände kosten teilweise nur 15 Euro, sind aber auch dünner.)

  3. Die m.E. besten (& wirklich lesenswerten) Bände sind „High Society“ (vol. 2) und „Church & State“ (vol. 3 & 4), Politsatire mit Tiefgang – alles danach ist eher krude (& ich hab mich durch alle Bde. gekämpft, wenn auch mit gelegentlichem Überblättern). Kurzweilige Lektüre ist auch noch der Band „Guys“ (vol. 9 [?]) – Dave Sims Version von „Cheers“. – Die irrsinnigen Texte beginnen mit dem 4bändigen Konvolut „Mothers & Daughters“ (vol. 7-10).

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