Moderne Sagen II

Mit einer anderen 6. Klasse habe ich vor ein paar Jahren wiederum andere Sagen geschrieben. Die Prämisse war, dass es an unserer Schule Heinzelwesen gibt, die unerkannt im Schulgebäude leben – hinter Tafeln, in Schubladen, hinter den Lautsprechern im Klassenzimmer – und die verantwortlich sind für manche der ungeklärten oder unerklärten Dinge im Schulalltag.

Dazu entwarfen Schülergruppen jeweils eine Reihe von Haupt- und Nebenpersonen, mit Beschreibungen, Ideen für Geschichten und Konflikte – ganz so, als wäre es die Grundlage für eine Fernsehserie. (Nebenbei: Das möchte ich ohnehin einmal machen: Schüler der Mittelstufe eine Serie entwerfen lassen. Mit Ideen, Zeichnungen, Handouts, einer Präsentation. Vielleicht sogar mit Marktanalyse. Allenfalls die beste Schülerserie wird produziert. Nur als was?)
Hier ist ein Ausschnitt aus dem Ergebnis einer Schülergruppe:


Warum sind die Wichtel und Kobolde am GRG?

„Die Wichtel haben Sachen angestellt, die verboten waren, die Kobolde halfen den Wichteln bei guten Dingen, war auch verboten. Folge: Verbannung aus ihrem Reich ans GRG. Damit sie wieder in ihr Reich zurückkommen, müssen die Wichtel es schaffen, dass 70% der Schüler das Abitur schaffen, und die Kobolde, dass 70% der Schüler von der Schule gehen müssen.“

Die Wichtel:

Pinki (der Jüngste)
Oma Wolly
Opa Green King
Nucky, die Schnecke

pinky

pinky

Kobolde:

Kimico (die Jüngste)
Mutter Elektra
Vater Barnabas

kimico

kimico

Sonstige:

Lettro, der Briefträger und sein Freund World, die Taube

Zu all diesen Personen gibt es ebenfalls Zeichnungen und Skizzen zu Charakter und Verhalten. Und das war nur die eine Schülergruppe.


In der Schulaufgabe und bei Übungsaufsätzen sahen die Themen dann so aus:

1. Ein Wichtel hilft einem Schüler bei einer Schulaufgabe oder beim Ausfragen.
2. Ein Lehrer hat etwas gefunden, das einem Wichtel gehört, und der Wichtel will es sich zurückholen.
3. Alljährlich findet eine Wichtel-Olympiade am Graf-Rasso-Gymnasium statt. Denk dir eine Disziplin aus und erzähle von einem spannenden Wettkampf.
4. Wichtel verscheuchen nachts Einbrecher in der Schule.
5. Erzähle von einem Wettstreit zwischen Kobolden und Wichteln während der Pause, von dem die Schüler und Lehrer nichts mitbekommen.
6. Heinzelwesen gewöhnen den Schülern, die immer am Rauchereck stehen, das Rauchen ab.
7. Drachensteigen auf dem Schuldach – dabei geschieht etwas Spannendes.
8. Im Chemieunterricht geht etwas daneben. Schuld sind Heinzelwesen. Erzähle davon.

Hobbit-Heft

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Mit einer 5. Klasse las ich mal Der kleine Hobbit von J. R. R. Tolkien. Als Projekt ist dabei ein Spiele-Heft entstanden. Man kennt das ja: Der Spieler liest einen nummerierten Abschnitt und muss sich an dessen Ende entscheiden, bei welchem aus einer Auswahl von weiteren nummerierten Abschnitten er weiter lesen möchte. Manche Abschnitte enden ohne weitere Wahlmöglichkeit: Damit ist die Geschichte zu einem Ende gekommen (das glücklich oder weniger glücklich sein kann). Auf diesem Weg muss man während des Lesen immer wieder Entscheidungen treffen, und kann das Heft mehrfach lesen, wobei die Geschichte jedesmal einen mehr oder weniger anderen Verlauf nimmt.

Zuerst legten wir den Ablauf der Geschichte grob fest. Danach teilten wir die Klasse in fünf Gruppen, jede Gruppe bearbeitete einen Teil der Geschichte. Nur die Schnittstellen zwischen den Kapiteln waren festgelegt. Innerhalb des Kapitels gab es also mehrere Entscheidungen, aber nur einen Weg, der zum nächsten Kapitel führte. Das ist zwar weniger interessant, aber leichter zu verwalten. Immerhin gab es den Fall, dass eine Gruppe auf Ereignisse im Text der vorangehenden Gruppe Bezug nehmen wollte: Dann mussten sich die Gruppen halt absprechen.

hobbitpage

Atlas der Literatur

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Das war ein Projekt, aus dem dann nicht so viel geworden ist, wie vielleicht möglich gewesen wäre. Angeregt durch den Atlas der Erlebniswelten, der Karten eines imaginären Kontinents enthält, wollte ich mit Schülern einen Literaturatlas basteln.
Dazu hat eine 7. Klasse in Arbeitsgruppen überlegt, was es für Bereiche der Literatur gibt: Krimis, Western, Liebesgeschichten, Science Fiction, Märchen. Und wann zeichneten sie Karten dazu, mit Flüssen, Gebirgen, Seen. Das Schlachtfeld etwa liegt mitten im Land der Kriegsgeschichten, der Knutschfleck im Reich der Liebesgeschichten (das angrenzt an das Land der traurigen Geschichten).

Vorne im Atlas gibt es eine Übersicht über den gesamten Kontinent:

atlas_gesamt

Die einzelnen Seiten im Atlas sahen so aus:

atlas_innen

Noch war der Atlas aber leer. Aufgabe der Schüler wäre es nun gewesen, die Bücher, die sie gelesen haben, als Städte in den Atlas einzutragen. Dabei geschieht die eigentliche Denkarbeit: Gehört das Buch zu den Liebes- oder zu den Abenteuergeschichten? Oder doch zu den Detektivgeschichten? Man kann ja auch Straßen in die anderen Gegenden anlegen.
Auf diese Weise hätten die Schüler – vielleicht – Analyse betrieben, ohne es zu merken. Bei einem Regferat über ein Buch kommt oft wenig mehr heraus als eine reine Inhaltsangabe, so sehr wir Deutschlehrer uns auch um mehr bemühen. Wenn man Schüler aber begründen lässt, warum sie ein Buch an einer bestimmte Stelle im Atlas eingetragen haben, und welche Straßen von dort in andere bereiche führen, dann können sie plötzlich viel darüber reden.

Leider habe ich mich um diesen Teil des Projekts dann zu wenig gekümmert. Vielleicht hole ich das noch einmal nach – den Atlas habe ich ja jetzt schon.

Streber und stolz darauf

streberundstolz

Schüler, die gute Leistungen bringen, haben es manchmal schwer. Bei den Mitschülern ist das oft nicht anerkannt, vor allem natürlich bei denen, die selber keine guten Leistungen erbringen wollen.

Deswegen hatte ich mal diesen Button entworfen und an Schüler verteilt, die einen haben wollten. Zweihundert Stück waren es damals, glaube ich, jedenfalls lief eine Woche lang ein großer Teil der Schüler damit herum.
Dann hat sich auch das wieder gelegt. Gebracht hat es vielleicht nicht viel, aber mir Spaß gemacht.

Graf Rasso liest: Aufkleber-Album

Eine 7. Klasse hat mit mir ein Klebebilder-Sammelalbum erstellt. Dazu einigten wir uns auf 28 Jugendbücher, klassische und neue, und die Schüler schrieben knappe Inhaltsangaben dazu. Vor allem machten sie aber wunderschöne Bilder – die es, eingescannt und verkleinert, jetzt als Klebebilder gibt.
Für 2 Euro kann man das leere Album kaufen und hat dafür Anspruch auf alle 35 Aufkleber (zu manchen Büchern gibt es mehr als einen). Den Aufkleber kriegt man aber erst, wenn man das Buch gelesen hat.

Hier kann man sich die Klebebilder mal anschauen:
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Bislang haben schon vier oder fünf aus der Klasse ihr Album voll gekriegt. Für die muss ich bei Gelegenheit einen Button machen: „Belesen“ oder so. Das Album ist auch in anderen Klassen der Unterstufe verkauft worden: Da hängt es aber sehr vom Deutschlehrer ab, ob der die Schüler daran erinnert, dass sie Aufkleber kriegen. Von manchen Kolleginnen erhalte ich wöchentlich Listen mit neuen Aufkleberwünschen, von anderen Kollegen höre ich nie wieder etwas.

Und was soll das ganze? Wir haben ein bisschen Inhaltsangabe geübt, und ein bisschen illustrieren, vor allem haben wir ein wirklich schönes Produkt erzeugt. Mir gefallen Sammelalben und bunte Bilder. Außerdem bringt esSchüler vielleicht zum Lesen – vielleicht hätten sie es auch so getan. Allerdings dokumentiert dieses Graf Rasso liest den Lesefortschritt der Schüler. Ich sähe gerne mehr Möglichkeiten für Schüler, ihre Leistungen zu dokumentieren – nicht nur gelesene Bücher, auch selbst Geschriebenes, auch Referate, Fotos, Bilder.

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