Zeugnisbemerkungen schreiben lassen

By | 15.7.2006

M. ist eine freundliche, aber etwas verschwätzte Schülerin. Ihre Mitarbeit verdient Anerkennung; ihr Verhalten war der Altersstufe angemessen.

So oder ähnlich steht es zum Jahresende in den Zeugnissen am Gymnasium. Als Klassenlehrer kann man vorgefertigte Bausteine benutzen und deren Schlüsselnummern in das Programm eintippen; man kann sie aber auch ganz schnell ersetzen oder ergänzen durch eigene Bemerkungen.
Trotzdem ist es manchmal schwierig, dem Schüler gerecht zu werden. Es muss etwas dabei sein zu Anlage (das heißt, Persönlichkeit), Mitarbeit und Verhalten.

Wie wäre es, wenn man die Schüler ihre Bemerkungen selber schreiben lässt? Oft genug werden doch Beurteilungen auch von den Beurteilten selber verfasst. Als Lehrer sammelt man dan die Bemerkungen der Schüler digital ein, so dass man sie nur kopieren und einfügen muss.
Natürlich liegt die endgültige Entscheidung dabei beim Lehrer, das muss den Schülern klar sein. Ich denke mir, dass die Schüler und Schülerinnen dann sehr wohl darauf achten, was der Lehrer verändert hat, ob da ein „sehr“ eingefügt oder gestrichen wurde.
Und vermutlich kämen aussagekräftigere Kommentare heraus als bei uns.

Ich bin dieses Jahr Klassleiter bei einer 11. Klasse, und die kriegen in Bayern keinerlei Kommentare ins Zeugnis, deshalb konnte ich das nicht ausprobieren.
Es wird zwar für jede Klasse eine kurze Charakteristik erstellt; die wird aber nur auf der Lehrerkonferenz vorgelesen und erscheint sonst nirgendwo. Aber die wollte meine Klasse nicht für mich schreiben. Bis jetzt steht also noch der Satz darin: „Das Angebot, die Charakterisitk selbst zu schreiben, hat die Klasse leider abgelehnt.“ Bin gespannt, ob das durch die Klassenkonferenz durchgeht; bei der ersten Kontrolle des Protokolls hat sich jedenfalls niemand beschwert.

4 thoughts on “Zeugnisbemerkungen schreiben lassen

  1. Tobias

    Ich muss immer noch darüber grinsen, dass in so ungefähr jedem meiner Zeugnisse etwas im Sinne von „Tobias ist ein kritisch denkender Schüler“, „Tobias hinterfragte schulische Inhalte kritisch“, o.Ä. stand. Meine Interpretation: Tobias stellte viele (zuviele?) Fragen.
    Der Vorteil dieser Bausteine ist eventuell, dass man sehen kann, inwiefern man sich verändert hat, auch wenn sie ansonsten schrecklich unpersönlich sind.

    Und dass sich von uns niemand gemeldet hat, unsere Klassencharakteristik selbst zu schreiben, verwundert mich nicht – ich zumindest charakterisiere mich (und andere Personen, die ich kenne), äußerst ungern.

    Welche Klassen kriegen denn eigentlich Kommentare ins Zeugnis? (Bzw. sind das dann Kommentare über den Schüler oder dessen Klassen, die dann zusätzlich in den einzelnen Zeugnissen stehen?)

    Kriegen wir wenigstens unseren Klassenkommentar zu hören?^^

  2. Herr Rau Post author

    Die Schüler aller Klassen bis auf die 11. und die Kollegstufe kriegen Kommentare ins Zeugnis, jeweils zum einzelnen Schüler. Die Klassencharakteristik erscheint nirgendwo und wird nur in der Lehrerkonferenz vorgelesen; deswegen gebe ich mir auch nur wenig Mühe damit. Wenn ich Zeit habe, mir etwas wirklich Treffendes auszudenken, lese ich euch das vor, sonst nicht.

  3. Kurt

    Die Idee finde ich sehr interessant. Bisher erkläre ich meinen Schülern nur immer, was die Bemerkungen bedeuten und wie sie zustande kommen. Eigentlich könnte ich das einmal ausprobieren. Für dieses Jahr ist es leider schon zu spät, weil die Bemerkungen schon geschrieben sind. Vielleicht probiere ich es beim nächsten Zeugnis aus. Dann hat man wenigstens eine Diskussionsgrundlage, wenn sich der Schülerentwurf weit von meinem Vorschlag unterscheidet.
    Schade finde ich allerdings auch, das man in manchen Jahrgangsstufen keine Bemerkungen ins Zeugnis aufnehmen darf, die dem beruflichen Fortkommen im Weg stehen könnten. Wenn ich im Zeugnis der zehnten Klasse nicht schreiben darf, dass es ein begabter Schüler ist, der mit entsprechender Arbeitshaltung bessere Ergebnisse erzielen könnte… dann ist die Bemerkung oft nichts mehr wert. Wenn irgendwann nur noch da steht: XY war ein Schüler, der versuchte täglcih zur Schule zu kommen und ich alles andere weglassen muss, weil es weder gutes Benehmen noch Mitarbeit gibt, ist das zwar auch eine Aussagen, aber eine sehr wenig differenzierte.

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