Verlorene Links, Fortsetzung

By | 20.5.2011

Der Webweiser hat auf eine Seite hingewiesen, die – auf Englisch – Werke der Weltliteratur schön aufbereitet: Invitation to World Literature. Zeitleisten, Kommentare, Videos, Text, schön gemacht. Mehr dazu unter den beiden Links. Allerdings: gleich beim ersten Titel, dem Gilgamesch-Epos, das ich mir als ein Fan davon angeschaut habe, ist der Textauszug voller Fehler. „Were its bricks not fired in an over?“ Actually, no, it was an oven. (Per Kontaktformular weitergeleitet. Bin jetzt leserbriefschreibender Deutschlehrer.)

Im Blog Medien im Geschichtsunterricht hat Daniel Eisenmenger ein Fundstück: Historische Schulwandbilder. Solche etwa wie das hier:


„Tabak“ – Schulwandbild aus der Reihe „Ausländische Kulturpflanzen“.

Mehr dazu in Daniels Blog.

Buongiorno, Prof! hat eine Idee für Erörterungen. Er zieht die Seite Wen wählen? heran, auf der Kandidaten (für die Bundestagswahl 2009) zu verschiedenen Themen Stellung beziehen. Etwa zur These: „Das Internet soll stärker reguliert werden“. Die Pro-Contra-Argumente dort kann man, je nach deren Qualität, als Fundgrube für eine Erörterung nehmen oder kritisch auseinandernehmen.

Via Teachersnews: ein ganz tolles Projekt namens ARTigo von verschiedenen Gruppen der LMU (Kunsthistoriker, Informatiker, Sprachwissenschaftler). Ausgangspunkt ist eine Datenbank mit 25.000 bekannten oder weniger bekannten Bilder. Diese Bilder wollen alle verschlagwortet werden. Das geschieht entweder durch Experten oder – bei diesem Projekt – durch ein Spiel: Wenn man mitspielt, kriegt man a) einen unbekannten Mitspieler und b) der Reihe nach fünf Bilder gezeigt. Zu jedem Bild muss man innerhalb einer kurzen Zeit Schlagwörter eingeben. Dafür kriegt man Punkte. Wenn beide – unabhängig von einander arbeitende – Spieler das gleiche Schlagwort eingeben, ist die Wahrscheinlich recht hoch, dass es tatsächlich zum Bild passt, und das wird in der Schlagwortdatenbank vermerkt. Was man davon hat?

„Am Ende jeder Spielrunde werden zu den Bildern noch Angaben zum Künstler, der Titel oder die Datierung angezeigt. Wir denken, dass das einen großen psychologischen Effekt hat: Wenn man vorher mit einem Bild begrifflich gearbeitet hat und im Anschluss die historische Einordnung präsentiert bekommt, memoriert man dieses Wissen besser.“

(Prof. Dr. Hubertus Kohle in einem rbb-Radiobeitrag, aus dem Blog zum Projekt)

Etwas in dieser Art stelle ich mir auch für die Bildbeschreibung im Deutschunterricht vor. Welche Begriffe erwarte ich bei der Beschreibung eine konkreten Bildes?

Bei einem zweiten Spiel kann man unmittelbarer mit einem – weiterhin unbekannten – Mitspieler interagieren. Beide Spieler kriegen in verkleinerter Darstellung eine Reihe von sehr ähnlichen Bildern zu sehen. (Wie die Ähnlichkeit ermittelt wird, weiß ich nicht. Sie sind sich jedenfalls sehr ähnlich.) Ein Mitspieler muss ein ganz bestimmtes Bild aus dieser Reihe dem anderen mit Hilfe von Schlagwörtern beschreiben. Der muss anhand der Schlagwörter herausfinden, welches Bild das ist. Das ist kniffliger, als es klingt.

Und zuletzt ein Hinweis auf DFG Science TV, das Internetfernsehen der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Es gibt eine neue Staffel über Rituale verschiedener Kulturen und Jahrhunderte. Hm, Geschichte! Rituale! Antike! Und natürlich: Gegenwart. Initiationsrituale in Nepal.

Fußnote: meinen ersten Beeren-Pie gemacht. So wie ich ihn sonst nur aus Garfield-Cartoons kenne. Ausgesprochen lecker!

9 thoughts on “Verlorene Links, Fortsetzung

  1. Sebastian Krämer

    Ich war auch schon leserbriefschreibender Beinahe-Lehrer bei kicker.de, der da folgendes Zitat (wohl)feil zu bieten hatte:

    „Ich habe Uli Hoeneß alles zu verdanken“
    Uli Hoeneß

    Eigentlich zu schön, hätte ich es mal dabei belassen …

  2. Sabine

    Oh, jetzt bin ich nach dem Artigo-Spiel süchtig.

  3. A. L.

    Das Artigo-Spiel macht Spaß. Mir erschließt sich aber nicht der Sinn. Wenn meinem Mitspieler nichts anderes einfällt, als mit Mann und Bart so ziemlich alle Porträts zu beschreiben (oder auch gar nichts zu nennen), dann kann ich noch so viele Beschreibungen niederprasseln lassen, ich werde trotzdem keine Punkte bekommen, weil der Mitspieler stumm oder sparsam bleibt. Statt nun die Vielfalt zu belohnen, sozusagen als feinere Unterscheidung der Bilder, wird auf die groben Übereinstimmungen gesetzt. Das kann aber nicht der Sinn von Suchkriterien sein.

    Oder anders gesagt: Je phantasieloser der Mitspieler ist, desto schlechter schneidet man selbst ab.

  4. Sabine

    Ich hatte aber auch schon ein paar stupend einfallsreiche Mitspieler, die hielten mich vermutlich für phantasielos. Ist natürlich das große Angeberspiel, besonders wenn man den Künstler oder gar das Bild identifizieren kann, und auch noch einen Mitspieler hat, dem das auch gelingt.

  5. Herr Rau Post author

    Ich bin stets furchtbar aufgeregt, wenn ich bei ARTigo spiele, weil ich denke, dass der Mitspieler viel mehr von mir erwartet, als ich bringen kann. — Was ist der Unterschied zwischen a) blau hervorgehobenen und b) außerdem gefetteten Begriffen? Steht blau für Übereinstimmung, und fett für: hat es als Erster gesagt?

    Aber ja, man kann nur so viele Punkte machen, wie der Mitspieler zulässt.

  6. A. L.

    Wieso Angeberspiel? Es geht ums Verzeichnen der Bilder über den Umweg des Spieles. Beim Verzeichnen aber ist die Fülle der Stichworte ausschlaggebend. Wenn letztlich nur mehr oder weniger einfallslose Überbegriffe übrig bleiben, ist der Sinn nicht erfüllt. Dann sollten die Macher lieber weiterhin auf ihre professionellen Mitarbeiter bauen, stattdessen das Spiel anders aufziehen, aber die Stichwortschiene weglassen. Danach könnte sich ja jeder nach Herzenslust mit seinem Wissen beweisen, den Wettbewerb suchen oder sich einfach nur schöne Bilder anschauen. So wie hier die Ziele kombiniert sind, halte ich es für misslungen.

  7. Pingback: Das Web-Echo ruft zurück | ARTigo

  8. Sabine

    @A.L., das Spiel zieht sich natürlich seine Spieler mit der Zeit auch. Gerade bei der Memoria-Variante lernt man schnell, das Alleinstellungsmerkmal des Bildes zu identifizieren. Die ewigen gedruckten Fürsten mit Bart und Barett unterscheiden sich oft durch kleine Details wie Becher, Bücher, Schmuck – mit fortschreitender Zeit kommt da schon eine gute Datenbank heraus.

    Ich werde das demnächst im Unterricht mal ausprobieren, als Vorbereitung auf die Bildbeschreibung in der mündlichen Klausur. Mal sehen, ob sich die Schüler drauf einlassen – aber wenigstens lernen sie dann schöne Wörter wie „beard“, „collar“ „ruff“ und „plinth“.

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