Wochenrückblick

Samstag, 21. Januar 2012

1. Uni

Eine Aufgabe der beiden teilabgeordneten Lehrer im Wintersemester besteht darin, einen Repetitoriumskurs zu halten. Theoretische Informatik, Algorithmen und Datenstrukturen, Betriebssysteme und Datenbanken sind die wichtigsten Themengebiete, und wenn natürlich die Studenten die Hauptarbeit leisten, so muss ich doch typsiche Staatsexamensaufgaben heraussuchen, auf untypische hinweisen, und Lösungen parat haben. Für manche gibt es Musterlösungen, für die neueren nicht – also muss ich die erst einmal selber lösen, und auch die Musterlösungen muss ich erst einmal begreifen und kritisch beäugen. Mein Studium ist jetzt schon über sechs Jahre her, und wenn das auch ein vollwertiges Staatsexamen ist, so war das Studium schon sehr konzentriert und ich stoße immer wieder auf Bereiche, die ich ganz vergessen oder nie gewusst habe. Jetzt, nach dem ersten Durchgang, fühle ich mich erst einmal erleichtert, durchgekommen zu sein. Und beim nächsten Mal läuft das dann lockerer. Da muss ich zwar wieder Neues lernen, aber jetzt ist eine ordentliche Basis da. Jedenfalls fühle ich jetzt nicht mehr ganz so sehr als Hochstapler.

2. Schulalltag

Schulforumssitzung, Treffen Personalrat und Schulleitung, technische Vorbereitungen aufs Zwischenzeugnis. Die eine 9. Klasse habe ich ja durchs Schulhaus geschickt, die andere 9. gestaltet selbst einen Moodlekurs – erst mal nur zum Herumspielen, vielleicht kriege ich sie aber so zur Teilnahme oder es stellt sich gar als nützliches Werkzeug heraus. Kommt etwas Brauchbares heraus, wenn Schüler selber einen Kurs zu einem Thema anlegen?

3. SOPA

Am Mittwoch blieb die englischsprachige Wikipedia dunkel, ebenso wie andere Webseiten auch. Das war ein Protest gegen SOPA, den Stop Online Piracy Act, einen Gesetzesentwurf der USA, der inzwischen in dieser Form erst einmal von Tisch ist.

Die Theorie hinter SOPA: Es gibt zu viele Urheberrechtsverstöße im Internet. Ein neues Gesetz soll es erlauben, in- und ausländische Webseiten zu sperren (das heißt, aus dem DNS, dem Internet-Telefonbuch, zu entfernen und dadurch für Laien unauffindbar zu machen). Auch Facebook, Google, Wikipedia, die auf solche Seiten verlinken, dürfen das nicht mehr, ohne sich strafbar zu machen.

Ich bin aus mehreren Gründen gegen SOPA. Der Grund: Die Beweislast liegt dabei beim Angegriffenen: irgendwer behauptet einen Urheberrechtsverstoß. Dann kommt man auf eine schwarze Liste und wird gesperrt. Wenn Google das nicht tut und sich hinterher herausstellt, dass da tatsächlich ein Urheberrechtsbruch vorliegt, macht sich Google strafbar. Also muss man als Diensteanbieter sicherheitshalber sperren.
Außerdem wird so eine Zensurstruktur geschaffen, die es ermöglicht, beliebige Seiten zu sperren. Wikileaks hat durch die Veröffentlichung von geheimer diplomatischer Korrespondenz oder geheimgehaltenen Kriegsvideos kein Gesetz gebrochen, auch kein Urheberrecht. Trotzdem: bei einer bestehenden Zensurinfrastruktur würde, da bin ich mir sicher, Wikileaks sofort von den USA für die USA gesperrt.

Wenn Urheberrechtsbrüche vermutet werden, kann man das vor Gericht bringen und anklagen. Dazu braucht man kein SOPA. Da macht es auch gar nichts, wenn verschiedene Länder beteiligt sind. Die meisten Straftaten sind in vielen Ländern ebensolche, da kann man auch international kooperieren. Das hat die Schließung von Megaupload und die Verhaftung der Betreiber – in Australien – zwei Tage nach den SOPA-Protesten gezeigt.

Ein grundsätzliches Problem ist allerdings: Jedes Land hat irgendetwas, dass in seinem Land illegal ist und in anderen Ländern legal. Das möchte das Land dann für seine Bewohner sperren. Das wird noch öfter Probleme geben.

Anschauen: Die Daily Show zu den SOPA-Protesten. “Bring in the nerds.” “Actually, the word you may be looking for is ‘experts’.”

Ein Nebenschauplatz ist der: Ich bin dafür, dass man 69 Jahre nach dem Tod eines Schriftstellers dessen Werk ohne Erlaubnis verbreiten darf. Ich bin dafür, dass man bei Buchbesprechungen in Blogs das Titelbild des Buches verkleinert abbilden darf. Ich bin dafür, dass man ein paar Sekunden Fußballübertragung in einem Remix bei Youtube verwenden darf. Ich bin dafür, dass man kostenlos aus Büchern zitieren darf, bei denen die Rechteinhaber nicht mehr auszumachen sind. Ich bin dafür, dass ich in einem Film-Podcast ein paar Sätze aus dem Film einspielen darf. Das ist bei uns alles verboten.
Einerseits ist es den Rechteverwertern natürlich egal, wofür oder wogegen ich bin; die haben die Regierungen dazu gebracht, dementsprechende Gesetze zu erlassen, weil sonst die Kultur des Abendlandes untergeht, und diese Gesetze gelten nun mal. Andererseits ist es sinnlos und schädlich, Gesetze zu haben, die dem Rechtsempfinden so vieler Bürger widersprechen.

4. Apple und digitale Schulbücher

Apple hat das Geschäft mit digitalen Schulbüchern auf dem iPad eröffnet. Die Buchsoftware darauf ist nun erweitert, so dass Anmerkungen und Grafiken möglich sind; es gibt ein neues Mac-Programm zum Erstellen von Büchern dafür; und die damit erstellten Werke kann man auf einer Art iTunes nur für Schulbücher verkaufen. Aber auch nur dort und nicht anderswo. (Kostenlose Bücher kann man auch auf anderen Wegen verbreiten.)

  • Hokey betont, dass trotz aller Kritik an Apple und deren restriktiven Vorstellungen bei Dateiformaten und Vertriebswegen Apple auf diesem Weg wenigstens Leben ins Thema digitale Schulbücher bringt.
  • Maik Riecken weist darauf hin, dass Apple-Produkte und das App-Unwesen Nachteile haben: der Benutzer entfernt sich dadurch immer mehr von einem Verständnis, was wirklich im und um den Computer herum geschieht, und gibt Kontrolle darüber ab.
  • EduShift zieht bereits ein erstes Fazit und nennt Einzelheiten.
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Tabellenkalkulation, Funktionen, und Idee für ein Kartenspiel

Mittwoch, 18. Januar 2012

In der 9. Klasse arbeiten die Schüler mit Tabellenkalkulationsprogrammen, in meinem Fall Open Office Calc. Manchmal benutze ich auch das Wort Excel, aber immer auf der zweiten Silbe ausgesprochen, weil man ist ja Ober- und Englischlehrer. Excel, von to excel, und demnach ein Wortspiel mit ex-cell, wie in Zelle, gell.

Dabei sollen die Schüler aber nicht primär den Umgang mit solchen Tabellenkalkulationsprogrammen lernen, sondern das – allgemeinbildendere – Prinzip von Datenverarbeitung als Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe. Es geht etwas rein ins System, das System macht irgendwas damit, und es kommt etwas heraus. Klingt einfach, ist aber oft zu übersehen. So funktionieren auch Funktionen, wie man sie aus der Mathematik kennt: eine Zahl geht rein, oder auch mehrere, und eine – häufig davon verschiedene – Zahl kommt heraus. Tabellenkalkulationsprogramme sind voll von solchen Funktionen:

  • summe(zahl1; zahl2) – zwei Zahlen gehen rein, eine kommt heraus, zum Beispiel gibt summe(4;5) als Ausgabe 9
  • wenn(bedingung; dann; sonst) – drei Sachen gehen rein, eine kommt heraus, zum Beispiel bei wenn(b1>12; “ja”; “nein”)
  • zählenwenn(bereich; zahl) – viele Sachen gehen rein, eine kommt heraus, zum Beispiel gibt mir zählenwenn(b1:b30;6) die Anzahl der 6er im angegebenen Bereich
  • abrunden(zahl1; zahl2) – zwei Zahlen gehen rein, eine kommt heraus, zum Beispiel gibt abrunden(3,14159;2) als Ausgabe 3,14
  • code(text) – ein Text geht rein, eine Zahl kommt heraus, nämlich die ASCII-Codierungsnummer des ersten Buchstabens des Eingabetextes

Bei diesen Funktionen ist aber wichtig, dass ich die richtigen Datentypen als Eingabe wähle. summe(4;5) geht, weil beide Eingabewerte Zahlen sind und das bei summe so sein muss. summe("Hallo";"Peter") geht nicht, weil die Eingabewerte Text sind und nicht Zahlen.

Es gibt bei den gängigen Tabellenkalkulationsprogrammen – Wortungetüm, auf Englisch kürzer: spreadsheet – übrigens nur zwei Datentypen: Text und Zahl. Alles, was man in eine Zelle eingibt, läuft letztlich auf das eine oder andere hinaus. Eine Zahl, etwa die Zahl 2, kann ich darstellen als Währung, dann gibt es automatisch Nachkommastellen und ein Eurozeichen: 2,00 €; oder als Prozentwert, dann wird die Zahl 2 eben als 200,00% dargestellt. Ich kann sie aber auch, und das ist weniger bekannt, als Datum darstellen, dann steht da: 1.1.1900, oder als Boolescher Wahrheitswert, dann steht da WAHR. Aber im Grund bleibt das immer die unveränderte Zahl 2. Ich kann also auch damit rechnen: eine Zelle, in der das Datum 1.1.1900 steht, multipliziert mit einer Zelle, in der das Datum 2.1.1900 steht, ergibt den 5.1.1900, natürlich. Nicht dass das viel Sinn macht.
Das Allgemeinbildende daran ist: 1. Daten bleiben gleich, auch wenn man sie verschieden darstellt. 2. Daten bedeuten erst dann etwas, wenn man sie interpretiert – ob eine 2 eine 2 ist oder WAHR oder der 1.1.1900 oder 48 Stunden oder Mitternacht, das ist Definitions- und Interpretationssache.

Funktionen kann man auch verknüpfen:

  • abrunden(3,14159;2) gibt 3,14, und
  • summe(abrunden(3,14159;2);2) gibt 5,14, und
  • produkt(summe(abrunden(3,14159;2);2);2) gibt 10,28

und beliebig so weiter. Darstellen kann man das grafisch in Datenflussdiagramm. Das fällt nicht allen Schülern leicht.
In so einem Diagramm steht ein eckiger Kasten für einen ein- oder ausgegebenen Wert, also eine Zahl oder einen Text. Die Funktionen werden durch Ellipsen dargestellt, aus der 1 Pfeil hinausgeht (zu einem Ausgabekasten oder zur Weiterverarbeitung in einen Eingang einer weiteren Funktion) und im Prinzip beliebig viele Pfeile hineingehen – sagen wir, 1-3, der Einfachheit halber.

Zum Üben heute habe ich heute meine Neuntklässler ins Schulhaus geschickt, solche Diagramme anlegen.

  • Arbeitsmaterial dazu: Papier im Format DIN A5, Stifte, Handy.
  • Anlegen des Materials: auf jedes Blatt kommt entweder ein Kasten, der mit “Text” oder “Zahl” markiert ist. Oder es kommt ein Ellipse darauf, aus der unten jeweils ein Pfeil heraus und oben 1-3 Pfeile hinein gehen. Jeder Pfeil wird ebenfalls mit “Text” oder “Zahl” markiert.
  • Von diesen Blättern eine ganze Menge verschiedene anlegen.
  • Dann kann man diese Blätter zusammenpuzzlen. Die einzigen Legeregeln: 1. Pfeile dürfen nie in der Luft hängen, sondern müssen immer irgendetwas verbinden, und 2. man darf nur “Text” mit “Text” und “Zahl” mit “Zahl” verbinden.
  • Auftrag: im Schulhaus in Gruppen ein schönes großes Puzzles zusammenlegen, und überlegen, welche Funktionen die Ellipsen darstellen könnten. Fotografieren.

Wenn man sich daran hält, kommen immer syntaktisch korrekte Diagramme heraus, die man fehlerfrei in der Tabellenkalkulation umsetzen kann. (Hat natürlich nicht bei allen geklappt.) In eckigen Kästen darf dabei immer nur eine Zahl oder ein Text stehen, sonst nichts, und schon gar nichts Zusammengesetztes wie “Maxis Alter = 12″ – dazu neigen meine Schüler nämlich.

Datenflussdiagramme sind eigentlich für mehr gedacht als die Beschreibung von Funktionen, und auch die Angabe der Datentypen (“Text”, “Zahl”) ist nicht üblich. Aber ich wollte das explizit als Vorbereitung auf die zehnte Klasse. Dort bereiten nämlich Datentypen und die Java-Syntax von Funktionen den Schülern Schwierigkeiten, und überhaupt der Gedanke, dass in Funktionen etwas hinein- und etwas aus ihnen herauskommt. Vielleicht beginne ich die nächste 10. Klasse überhaupt nicht objektorientiert, sondern mache unmittelbar mit Funktionen und Datentypen weiter.

Zu Hause ist mir dann die Idee gekommen, ob man nicht ein Kartenspiel aus diesem Diagrammpuzzle machen kann. Ich habe mal ein paar Blankospielkarten genommen – so etwas sollte jeder Lehrer zu Hause haben, ist sehr inspirierendes Spielzeug – und darauf herumgekritzelt:


(Um, denkt dabei noch jemand außer mir an Illuminati! von Steve Jackson Games?)

Grün steht dabei für einen Datentyp (sagen wir: Zahl), rot für einen anderen (Text). Rechtecke gibt es in grün und rot. Auf der Rückseite der Ellipsen/Funktionen-Karten ist noch einmal die gleiche Ellipse abgebildet, jetzt aber mit dem Namen einer Funktion, die zu deren Ein- und Ausgabepfeilen passt. Auf der Rückseite der obersten Ellipsenkarte könnte etwa summe stehen oder auch aufrunden oder das logische und, und vielleicht eine kurze Erklärung der Arbeitsweise dieser Funktion. (Oder sollte man doch mit mehr Datentypen arbeiten: Ganzzahl, Kommazahl, Text, Wahrheitswert?)

Fehlen nur noch Spielregeln. Ideen, noch völlig ungetestet:

  • Jeder Spieler legt reihum eine passende Karte an, bis einer keine Karten mehr hat. Ein neues Diagramm darf erst angefangen werden, wenn das alte keine offenen Pfeile mehr hat.
  • Optional: Wenn das Diagramm fertig ist, werden die Ellipsenkarten umgedreht und auf jedes Zahl-Kästchen ohne Pfeil darauf (also jeden Eingabewert) kommt ein Würfel, frisch gewürfelt. Dann das Ergebnis ausrechnen und vergleichen. Wie man das bei Text machen könnte, weiß ich noch nicht.
  • Oder Romme-artig: man kann immer nur ganze und komplette Diagramme auf einmal auslegen, die aus mindestens drei Karten bestehen müssen. Mehr Karten bringen deutlich mehr Punkte, so dass es sich eventuell lohnt, noch nicht gleich alle kleinen Diagramme abzulegen.
  • Optional: Man kann bei ausgelegten Diagrammen anderer Spieler anlegen.
  • Anderes System: Sieben Karten kommen vom Stapel aufgedeckt in die Mitte. Welcher Spieler sagt als Erstes, wie viele davon man maximal in ein korrektes Diagramm einbauen kann?
  • Anderes System: Sieben Karten kommen vom Stapel aufgedeckt in die Mitte. Reihum wählt jeder eine davon und legt sie ans gemeinsam erstellte Diagramm an. Der Spieler, der eine Karte so anlegt, dass der folgende das Diagramm komplettieren kann, verliert.

Das wäre doch mal etwas für eine Informatiker-Fortbildung. Ich hätte auch noch Ideen für andere Spiele.

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Pressemitteilung

Dienstag, 17. Januar 2012

“Alle zum Halbjahr frei werdenden Stellen werden mit Absolventen des aktuellen Prüfungsjahrgangs neu besetzt” – September ist Haupteinstellungstermin (Pressemitteilung 006)

Was ist denn das für eine Aussage? Natürlich werden alle frei werdenden Stellen neu besetzt, sonst wären es keine frei werdenden, sondern abgeschaffte Stellen. Und natürlich werden sie mit Absolventen des aktuellen Jahrgangs besetzt, mit wem sonst? Die Aussage bedeutet einfach nur: “Wir stellen zu diesem Termin niemanden von der Warteliste ein.”

Dass der Haupteinstellungstermin im September ist, stimmt, und soll den Gedanken nahe legen, dass im September mehr Leute eingestellt werden. Ist es diesen September oder 2013, an dem wegen der Lebensarbeitszeitverlängerung, abgesehen von Block-Altersteilzeit, kein Lehrer in den Ruhestand geht (weil das dann nur entweder im Jahr zuvor oder danach geschieht)?

Am Beispiel der Lehrerbedarfsprognose 2004 machte der Kultusminister deutlich, dass Studieninteressenten sich zu Beginn ihres Studiums über die Einstellungschancen zu Ende des Studiums zuverlässig informieren konnten und können.

Da ist möglicherweise etwas dran. Natürlich ist die Prognose 2004 nicht mehr online. Ich kenne keinen Link am Kultusministerium, der länger als zwei Jahre gültig wäre. Meine älteste Quelle ist die Prognose von 2007, und da steht tatsächlich drin, dass “Studenten für die Fächer Mathematik, Physik, Informatik, Latein, Spanisch, Kath. Religionslehre sowie Evang. Religionslehre” bessere Chancen haben, “da sich insbesondere ab dem Jahr 2011 ein durch die veränderte Stundentafel am G 8 bedingter Nachholbedarf an Bewerbern mit diesen Fächern abzeichnet.” In anderen Fächern brauche man deutlich weniger Lehrer, zu meinem Fach Deutsch gibt es allerdings keinerlei Angaben.

Ich weiß allerdings nicht, wie bekannt diese Prognosen sind; ich habe selber erst Anfang 2010 mitgekriegt, dass es die gibt.

»Als ich davon hörte, bin ich gestern nachmittag gleich rübergegangen, um sie mir anzusehen. Man hatte sich nicht gerade viel Mühe gemacht, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Ich meine, dass man’s jemandem gesagt hätte oder so.«
»Aber die Pläne lagen aus …«
»Lagen aus? Ich musste schließlich erst in den Keller runter …«
»Da werden sie immer ausgehängt.«
»Mit einer Taschenlampe.«
»Tja, das Licht war wohl kaputt.«
»Die Treppe auch.«
»Aber die Bekanntmachung haben Sie doch gefunden, oder?«
»Jaja«, sagte Arthur, »ja, das habe ich. Ganz zuunterst in einem verschlossenen Aktenschrank in einem unbenutzten Klo, an dessen Tür stand “Vorsicht! Bissiger Leopard!”«
(Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis)

Kommunizieren heißt ja auch im Lehrerzimmer nicht, dass man irgendetwas aushängt. Aber vielleicht wissen Unis, Berufsberater und Seminare da tatsächlich mehr.

Brauchen tun wir Lehrer natürlich schon an Schulen. Kranke und schwangere Lehrer werden durch Mehrarbeit vertreten. Ethik wird an den meisten Schulen, die ich kenne, in mehreren Jahrgangsstufen nur ein- statt zweistündig unterrichtet. Ist in Bayern halt doch nicht so wichtig wie Religion. Man hält sich insgesamt mit Referendaren über Wasser, die in den letzten Jahren immer mehr Stunden arbeiten mussten (so dass man weniger Lehrer fest anstellen musste).
Welt online vorgestern: Deutschland muss dramatischen Lehrermangel fürchten, auch wenn es da um die ganze BRD geht und nicht um Bayern. Eine Forderung von dort muss man unterstützen: dass Länder nicht mehr im Schweinezyklus anstellen – alle paar Jahre jeden Kandidaten, ob gut oder schlecht, und dann wieder alle paar Jahre keinen, egal wie gut.

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Hör- und Lesetipp: Lockdown – the coming war on general-purpose computing

Sonntag, 15. Januar 2012

Lesetipp. Oder für Erörterungen in der Schule als Grundlage. Oder überhaupt für die Schule. Warum sind die Themen da so langweilig? Vor- und Nachteile von Fernreisen, oder vom Fernsehen (ja, das gibt’s immer noch) oder Internet, pffff.

Also besser: Cory Doctorow, Lockdown – the coming war on general-purpose computing. (Der Link führt zu einer leicht gestrafften englischen Textfassung eines Vortrags, den es auch als Videoaufnahme und als deren deutsche Übersetzung gibt. Links dazu bei Netzpolitik, wo ich auf den Vortrag aufmerksam gemacht wurde.)

Die These des Vortrags (und ja, der Vortrag ist nicht antithetisch; es ist nur in der Schule, wo wir antithetisches Argumentieren so in der Vordergrund rücken) ist die: der aktuelle Kampf um DRM (Digital-Rights-Management) und Software-Rechte (was darf ich mit meiner gekauften Musikdatei alles machen?) ist nur der Anfang; die nächste Frage wird sein: Was werde ich mit meinem Computer machen dürfen?

*

Dazu etwas Hintergrund, kann man überspringen: Rechenmaschinen (Wikipedia) gibt es seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das sind mechanische Maschinen, die zum Beispiel Zahlen addieren können. Man gibt ein paar Zahlen ein, dreht eine Kurbel, und kriegt das Ergebnis. Oder Multiplikationsmaschinen, oder Maschinen, die noch mehr Berechnungen ausführen können. Aber das waren alles Maschinen, die für eine bestimmte Art oder bestimmte Arten von Berechnung gebaut wurden, und mit denen nur genau diese möglich waren. Nachfolger dieser Maschinen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren elektrisch und nicht mehr nur mechanisch, aber auch nur zu bestimmten Berechnungen fähig.

In den 1920er Jahren ging es in der Mathematik darum, was man überhaupt alles berechnen kann, und wie man das formalisieren kann. (Vorsicht, bin Laie und kenne mich da wenig aus. Das ist aber spannender, als es vielleicht klingt.) So ab 1930 herum überlegte sich Alan Turing dazu das Konzept der universellen Rechenmaschine oder Turing-Maschine. Das wäre eine Maschine, die anders als bisherige Rechenmaschinen nicht nur bestimmte Arten von Berechnungen ausführen kann, sondern alle. Eine Turing-Maschine kann alles berechnen, was man überhaupt berechnen kann.
Das ist das theoretische Standbein des modernen Computers. Computer sind genauso mächtig wie Turing-Maschinen (aber auch nicht mächtiger, weil es mächtiger nicht geht). Das praktische Standbein des modernen Computers kommt aus der Ingenieurswissenschaft: Konrad Zuse baute sich die Z1 und später die Z3, den ersten programmierbaren Universalrechner, der eben alles berechnen konnte, was sich berechnen ließ.

Heute ist das selbstverständlich, dass ein Computer eine Maschine ist, die praktisch alles kann. Deshalb kann ich auf meinem uralten iPod ja auch Doom installieren und spielen. Computer sollen und müssen auch ständig neue Sachen berechnen, an die man vorher nie gedacht hatte. Man installiert ständig neue Software, und laufende Programme verändern sich selber, und das Betriebssystem kriegt ein Update.

*

Zurück zu Doctorow:

Er beschreibt erst einmal sehr schön die Entwicklung des Versuchs, Software vor dem Kopieren zu schützen: zuerst war die Software verschlüsselt. Dazu musste man verhindern, dass jemand an den Schlüssel kommt. Dann musste man vebieten, dass dieser Schlüssel weitergegeben wurde. Dann musste man verbieten, dass man anderen sagte, wie man an solche Schlüssel kam. Und so immer weiter: verbieten, verbieten, verbieten. Man darf Verschlüsselungssoftware nicht analysieren, man darf verschlüsselte Software (also auch Musik) nicht illegal entschlüsseln, man darf anderen nicht sagen, wie das geht.

Nur dass das nicht funktioniert. Wer will, kann alles kopieren, basta.

Das sei aber nur der Anfang, so Doctorow. Im Moment möchte eigentlich vor allem die Film-, Computerspiel- und Musikindustrie, dass ich mit meinem universellen Computer nicht alles machen darf, was ich mit meinem universellen Computer machen kann. (Und der Staat erlässt Gesetze, die das bewirken sollen.) Bald werden andere Industrien dazu kommen.

Und sie alle werden sich wünschen, dass bestimmte Programme nicht laufen dürfen auf den Computern. Das geht aber nicht, weil diese Rechner nun mal universell sind. Das einzige, was man machen kann: man kann dem Benutzer verbieten, seinen Rechner als universelles Werkzeug zu benutzen. Man kann verbieten, andere Betriebssysteme aufzuspielen, man kann verbieten, sich anzuschauen, welche Prozesse gerade laufen, also was der Computer im Moment alles tut. Damit erteilt man dem Rechner aber die Lizenz, zu machen, was er will – also was seine Hersteller wollen, unkontrollierbar durch den Benutzer.

Wenn ich einen neues Handy kaufe, habe ich in der Regel keine vollen Rechte auf dem System. Das heißt, ich kann auch nicht kontrollieren, was das Ding eigentlich tut. (Also, ich kann das sowieso nicht, weil ich mich damit nicht auskenne. Aber es reicht ja, dass es andere gibt, die dazu in der Lage sind.) Noch ist es allerdings erlaubt und relativ einfach möglich, sich diese Rechte zu besorgen. Dann kann man theoretisch kontrollieren, was das Ding tut – insbesondere, was es vielleicht ohne Wissen des Benutzers tut.

Und das, so Doctorow, ist der nächste Schritt nach dem DRM. Noch kann und darf man sich Root-Rechte auf seinem Kindle und seinem iPad verschaffen. Gilt das auch für meinen zukünftigen 3D-Drucker? Für mein elektronisches Schulbuch, Türschloss, Hörgerät, Lesebrille, und was noch alles auf uns zukommt?

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Liederliste für die Schule

Mittwoch, 11. Januar 2012

Als ich noch jung und munter war und es jene kurze Phase zwischen Mixkassette und USB-Stick gab, Ende des letzten Jahrtausends, habe ich mal eine Mix-CD zusammengestellt mit Liedern, die etwas mit einzelnen Schulfächern zu tun hatten. Für Kollegen, zum Geburtstag oder einfach so, ich weiß es nicht mehr. Und bevor ich die lange Liste aufgehobene Liste jetzt einfach lösche, verewige ich sie mal hier im Blog. Irgendwann wird sie vielleicht mal nützlich. Vielleicht ergänze ich sie auch nach und nach, wenn mir mehr Titel einfallen. Zu Französisch und Physik habe ich nichts, wie ich sehe; und Informatik gab es damals noch nicht in meiner Sichtweite.

(In Klammern die verlinkten Interpreten, nicht unbedingt die bekanntesten Versionen, nur gelegentlich die Autoren selber.)

Biologie

Chemie

Deutsch

Englisch

Ethik

Geographie

Geschichte

Griechisch

Kunst

Latein

Mathematik

Philosophie

  • Bruce’s Philosophers’ Song (Monty Python)

Religion

Sozialkunde

Sport

Wirtschaft und Recht

Musik

Schulleitung

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Mailingliste für Informatiklehrer

Montag, 9. Januar 2012

Ich profitiere sehr von einer Englisch-Mailingliste, auf der ich bin (auch wenn ich wenig aktiv bin, da ich im vierten Jahr keine Englischklasse mehr habe). Dort gibt es regegn Austausch, eine Handvoll Mails am Tag, von denen ich manche lese, andere nicht. Manche enthalten Hinweise auf Neuigkeiten – Bücher, Fernsehsendungen, aktuelle Zeitungsartikel, auf didaktisches Material. Andere sind Fragen oder Antworten zu methodischen oder fachwissenschaftlichen Aspekten. Schön und praktisch, so etwas.

Für Deutsch bin ich auch auf so einer Liste, aber da ist viel weniger los. Keine kritische Masse, schätze ich. Oder sind die Englischlehrer kommunikativer – oder internetfreundlicher? Da könnte etwas dran sein.

Es gibt jetzt auch für Informatik eine neue Mailingliste, unter:
http://www.schule.bayern.de/service/mailinglisten
kann man sich anmelden. (Die Liste auswählen, die “Informatik” im Namen hat.)

Bin gespannt, wie internetaffin Informatiklehrer sind. Es gibt schon eine Mailingliste (ZUM-Informatik), auf der ich auch bin, wo aber nicht viel los ist. Haben Informatiklehrer weniger Austauschbedarf oder gibt es einfach nicht genug solche Lehrer? Ich habe ja ein bisschen den Verdacht, dass Mathe-Physik-Lehrer, und aus dieser Richtung kommen die meisten Informatiklehrer noch, weniger interessiert am Austausch an sich sind. Dafür haben die an meiner Schule die engste Zusammenarbeit untereinander.

Nachtrag: Die Adresse der Englisch-Mailingliste ist: http://groups.yahoo.com/group/enpaed/

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Bücher 2011

Donnerstag, 5. Januar 2012

Nicht viel gebloggt über Bücher, stelle ich fest. Die drei Bücher mit + haben mir besonders gut gefallen, ein - heißt, dass das Buch mich enttäuscht hat. Etwas mehr als die Hälfte sind alte Bücher, der Rest Neuerscheinungen. Mit den alten bin ich meist besser gefahren. Nur wenige Bücher wiedergelesen °. Insgesamt vor allem in der zweiten Jahreshälfte weniger Bücher als letztes Jahr, aber es waren auch ein paar dicke Wälzer dabei. Der Stapel ungelesener Bücher ist jedenfalls deutlich reduziert.

  1. Sam Weller, The Bradbury Chronicles
  2. Maurice Gorham, Back to the Local
  3. Janne Teller, Nichts
  4. James Herriot, All Creatures Great and Small
  5. Beverley Nichols, The Tree That Sat Down
  6. Philip A. Shreffler (Hrsg.), Sherlock Holmes by Gas-Lamp
  7. Lizzie Doron, Es war einmal eine Familie -
  8. Alan Bradley, The Sweetness at the Bottom of the Pie
  9. Daisy Ashford, The Young Visiters
  10. Dick Lupoff/Don Thompson, All in Color for a Dime
  11. Vincent Starrett, The Private Life of Sherlock Holmes
  12. Ray Bradbury, Summer Morning, Summer Night
  13. Matthew E. Bunson, Encyclopedia Sherlockiana
  14. Jeremy Paxman, The English
  15. Nicholas Meyer, The Canary Trainer
  16. Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles
  17. Sebastian Wolfe, (Hrsg.); The Misadventures of Sherlock Holmes
  18. Stephen Fry, The Fry Chronicles
  19. James Branch Cabell, As I Remember It
  20. John R. Hammond, A James Hilton Companion
  21. Hans Scholz, Am grünen Strand der Spree +
  22. John Edgell, John Edgell’s Ghosts
  23. Slightly Foxed No. 29
  24. Max Frisch, Graf Öderland
  25. Heinrich Heine, Die romantische Schule
  26. Norton Juster, The Phantom Tollbooth
  27. Gottfried Benn, Probleme der Lyrik
  28. Max Frisch, Homo faber °
  29. C.M. Kornbluth, His Share of Glory
  30. Achim von Arnim, Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe
  31. Eliot Glazer (ed.), My Parents Were Awesome
  32. Reif Larsen, The Selected Works of T.S. Spivet -
  33. Ira Strübel und Kathrin Passig, Strübel & Passig
  34. Manuela Martini, Sommernachtsschrei
  35. Edgar Wallace, Der Hexer
  36. Christopher Fowler, The Victoria Vanishes
  37. Ned Beauman, Boxer Beetle -
  38. Ken Bruen, The Guards
  39. Jerome K. Jerome, Three Men on a Bummel
  40. Christopher Isherwood, A Single Man
  41. Alice Berend, Die Reise des Herrn Sebastian Wenzel
  42. William Tenn, Here Comes Civilization °
  43. Wolfgang Herrndorf, In Plüschgewittern
  44. Claude Lalumière, The Door to Lost Pages
  45. John Steinbeck, East of Eden +
  46. Slightly Foxed No. 30
  47. William Tenn, Indecent Proposals
  48. Hans Fallada, Jeder stirbt für sich allein
  49. George R. Stewart, Names on the Land
  50. Fredric Brown, What Mad Universe? °
  51. Peter S. Beagle, Sleight of Hand
  52. Jens Gallenbacher, Abenteuer Informatik
  53. Walt Simonson, Thor Omnibus
  54. S.T. Joshi, H P Lovecraft: Four Decades of Criticism
  55. Jack Vance, Tales of the Dying Earth °
  56. Snorri Sturluson, Die Edda
  57. Peter Hubwieser, Didaktik der Informatik
  58. Nigel Slater, Toast
  59. Lev Grossman, The Magicians °
  60. Linus Reichlin, Er
  61. Lev Grossman, The Magician King -
  62. Guy Bodenmann, Depression und Partnerschaft
  63. G. K. Chesterton, The Man Who Knew Too Much
  64. Günther Hoegg, Wie Schüler denken
  65. Slightly Foxed No. 31
  66. Alan Wiseman, The World Without Us
  67. Herbert O. Yardley, The Education of a Poker Player
  68. Kurt Floericke, Nagetiere -
  69. Ingeborg Bachmann, Die Radiofamilie
  70. Terry Pratchett, I Shall Wear Midnight
  71. James Wood, How Fiction Works
  72. Slightly Foxed No. 32
  73. Keri Hulme, The Bone People +°
  74. Neal Stephenson, Cryptonomicon

(Bücher 2010.)
(Bücher 2009.)

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