Kriegsende 1945

Zeitzeugen hatten wir gestern an der Schule. Das Wort selber mag ich gar nicht, aber die Sache war gut: Jede Klasse hatte Gäste eingeladen, die das Kriegsende 1945 bewusst miterlebt hatten – die Großväter der Kinder waren es meistens. Und die erzählten, wie sie das Kriegsende und die Zeit danach und davor erlebt hatten.
Das war sehr interessant. Über die Kriegszeit weiß ich am meisten aus den Kriegserinnerungen von Spike Milligan, oder aus anderen englischen Quellen – um deutsche hatte ich mich nie so gekümmert. Gerne würde ich Details posten, aber ich bin todmüde, erschöpft und muss noch Abituraufgaben korrigieren. (Nicht die idealen Voraussetzungen, zugegeben.)

Die Schüler hatten Fragen vorbereitet, teilweise sinnvoll, teilweise nicht ganz so. “Was dachten Sie damals vom Faschismus?” Frag mal heute einen Zehnjährigen, was er von Demokratie hält. Manche Schüler wollten einfach nur ihre vorbereite Frage an den Mann bringen, andere warteten, bis sich ein Zusammenhang ergab.
Die Schüler (6. Klasse) verhielten sich alle ordentlich, ein paar waren interessiert bis zum Schluss, einigen ging vorher die Konzentration aus. Dass man während einer solchen Stunde nicht isst und die Mützen abnimmt, konnte ich durch Gesten verdeutlichen. Ich dachte selber allerdings erst daran, Wasserflaschen und Gläser für unsere Gäste zu besorgen, als diese schon angefangen hatten zu reden. So oft kriegen wir nicht Besuch an der Schule, und die Universitätszeit ist lang her. (Damals war es üblicher Teil des Hiwi-Jobs, für Wasser und Gläser zu sorgen.)

Bei Gelegenheit vielleicht mehr zum Inhalt. Ich habe die ganzen 90 Minuten mit einem Mikrophon aufgenommen; die Qualität ist recht gut, ich müsste das jetzt nur zusammenschneiden. Eine Schulradio-AG bräuchten wir.

Eine Antwort auf „Kriegsende 1945“

  1. “…konnte ich durch Gesten verdeutlichen.”

    Schön geschrieben. Kenn ich irgendwoher. Kriege jedesmal Schweissausbrüche, wenn die bei Besichtigungen oder eingelandenen Referenten wie nebenbei eine Tüte Daims rumgeben und womöglich der Referentin auch anbieten… Ich sage es vorher, aber nützt nichts, die Referate von Fachleuten sind einfach meistens zu lang, egal was abgemacht war.

    Die Idee ist trotz des “Zeitzeugen”-Wortes sehr gut und ich bin sicher, der Aufwand hat sich gelohnt. Ich sage manchmal Zeitgenossen/Zeitgenossenschaft (nach Max Frisch der meinte, bei der Beurteilung der Literatur müsste man die Zeitgenossenschaft beachten).

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