Hallo, Sie haben da eine Karte

Ich versuche wirklich nicht, originell zu sein. Aber ab und zu habe ich nun einmal eine Spielkarte hinter dem Ohr, und werde dann häufig darauf angesprochen. Gerade eben wieder, hundert Meter vor der Haustür, sprach mit eine Dame mittleren jüngeren Alters an: “Hallo, entschuldigen Sie”, worauf ich mich umdrehe und zwei Schritt ezurück gehe, “Sie haben da eine Karte”, und die Dame zeigt vage mit dem Finger in die ungefähre Richtung meines Ohres.

Ich lese viel, auch im Gehen, und benutze dazu oft Lesezeichen. Und ich habe früher viel Karten gespielt, wobei die Karten bald alt und abgegriffen waren, weil sie so oft benutzt wurden. Dann ersetzte ich sie durch neue Karten – bis auf die Joker, die ich nie brauchte. Also habe ich einen Stapel unbenutzter Joker, und nehme die gerne als Lesezeichen her.

Während der Uni hatte ich mir angewöhnt, den Lehrstuhl-Bibliotheksausweis hinter die Brille zu klemmen, um dann beide Hände frei zu haben und fröhlicher pfeifend durch die Gänge zu laufen. Bei den Lesezeichen stellte sich bald das gleiche Verhalten ein: Man klemmt sich das Teil einfach zwischen Brillenbügel und Schläfe. Das ist praktischer als jede Hemd- oder Jackentasche, praktischer als das Belassen im Buch, wo es nur dauernd rausfliegt.

Erst jetzt habe ich mal ein Foto davon gemacht, vor dem Spiegel. Es sieht tatsächlich dämlicher aus, als ich dachte.

8 Antworten auf „Hallo, Sie haben da eine Karte“

  1. Thomas,
    lassen wir Frau Rau als befangen und nett mal weg.
    Deine These trifft schon zu!

    Beste Grüße

    Andreas

  2. vielleicht hat es auf Dauer auch den positiven Effekt, dass man in Ruhe gelassen wird :-).
    Was sagen denn die Schülerlein dazu?

  3. Ich werde nur gelegentlich am S‑Bahnhof darauf angesprochen, in der Schule laufe ich nicht so herum. Es sind eher die Schüler aus Klassen, die ich gerade nicht unterrichte, die mich darauf ansprechen. (Vielleicht kommt es mir nur so vor, weil es davon natürlich mehr gibt.) Die fragen ganz gelegentlich nach, und ich erkläre es ihnen. Was die dazu sagen, weiß ich nicht. Nicht viel, vermutlich. Die sind von Erwachsenen/Lehrern ja unerklärliches Verhalten gewöhnt.

  4. Regt doch vielleicht zum Lesen an, wenn man den Grund weiss. Der “Look” ist für die “Kids” natürlich “uncool”!

  5. Vielleicht gar nicht so uncool. So gangstamäßig Kartenzocker (was ja sogar zutrifft).

    Abwer ich dachte zuerst Herr Rau währe vielleicht Hobbyzauberer. Sehr nett hier.

  6. Hobbyzauberer: Keinesfalls. Aber tatsächlich übe ich mit dieser Karte dann auch gerne das Palmieren – die Karte verschwinden lassen. Das kann man mit einer Hand machen, während man liest. Richtig gut bin ich aber nicht.

  7. Gabs für sowas früher nicht diese schönen roten Schnüre am Buch .. rücken? … Kopf? … Whatever? Sind offenbar vom Aussterben bedroht.

    Alternative bei mir: Rechnungen, die ich nicht anschaun will und Flyer von allen möglichen Events. Und nachher hab ich nix zum Eintragen. Typisch.

    cu, w0lf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.