Gewissensfrage

9. Klasse, Deutsch, mal eine andere Textsorte:

Gewissensfrage:

Wies’n Besuch

Ich will schon immer mal auf die Wies´n, aber meine Eltern weigern sich mit mir dort hin zu gehen. Sie mögen den Trubel nicht. Jetzt bekam ich vor kurzem einen Anruf von einer Freundin. Sie will mit anderen auf die Wies´n und hat mich einladen. Es würde sogar ein Erwachsener mitkommen. Meine Eltern haben sofort abgelehnt, was ich total ungerecht fand. Auch wenn ich mich mit einer Freundin treffen will, die sie nicht leiden können, wimmeln sie mich immer gleich ab!
Wie kann ich ihnen klarmachen, dass mich das nervt?

Antwort:

Ich kann dich gut verstehen. Du möchtest dazu gehören und deine Eltern lassen das nicht zu. Versuche doch noch mal mit deinen Eltern in Ruhe zu reden und weise sie darauf hin, dass auch ein Erwachsener euch begleiten würde. Bestehe auf das Gespräch, auch wenn sie dich abwimmeln wollen. Wenn deine Eltern dir nicht zuhören wollen und sofort wieder abblocken, bitte doch die Eltern deiner Freundin mal, mit deinen Eltern zu reden. Einem anderen Erwachsenen hören sie vielleicht mehr zu und eure Eltern können sich austauschen. So sehen deine Eltern, dass auch andere sich um ihre Kinder Sorgen machen, aber ihnen trotzdem einen gewissen Freiraum lassen.
Wenn du dich mit deinen Eltern zusammen setzt, kannst du bei der Gelegenheit auch gleich darauf zu sprechen kommen, dass du dir deine Freundinnen selbst aussuchen möchtest und spreche sie darauf an, wieso sie bestimmte Freundinnen von dir nicht leiden können. Wenn sie dir keine Antwort geben können, bohre auf keine Fall nach. Das bewirkt bei deinen Eltern nur, dass sie wieder auf Abwehr gehen. Sie werden selber merken, dass ihre Vorurteile gegen deine Freunde nicht gerechtfertigt sind.
Auf diese Weise wirst du dich sicher auch ohne riesigen Krach mit deinen Eltern einigen. Vermeide vor allem, dich ohne Aussprache gegen deine Eltern zu wehren. Das bestärkt sie nur in ihrem Verhalten und ihren Gedanken.

(Schülerin, 9. Klasse)

In der nächsten Ausgabe:

„Vor einigen Tagen habe ich auf meinem täglichen Schulweg im Bus gehört, wie mein Mathelehrer einem Kollegen erzählt, dass er eine Ex in unserer Klasse schreiben wird. Ich wusste, dass keiner meiner Mitschüler damit rechnete. Als der Lehrer mich bemerkte, bat er mich, keinem der Schüler etwas zu sagen. Ist es trotzdem okay, dass ich meine Mitschüler warne?“

16 Antworten auf „Gewissensfrage“

  1. Auf jeden Fall.
    Sorry ist nicht persönlich gemeint, aber in dem Fall ist der Lehrer sozusagen Feind, und es wäre meiner Meinung nach unkameradschaftlich. Allerdings sollte man dann schon sicherstellen dass es jeder erfährt. Wenn man nur einzelne warnt wäre es noch unkameradschaftlicher.
    Und mal ernsthaft: Der Lehrer rechnet doch damit verraten zu werden oder?

  2. Verstehe ich das richtig: Die Aufgabe ist das Verfassen der Antworten? Oder das Verfassen von Frage und Antwort?
    Ich bin nicht vom Fach und kenne die Textsorte nicht. Würde sie aber gerne weiterempfehlen.

  3. Der erste Teil der Aufgabe war das Verfassen einer solchen Gewissensfrage (nach dem Muster der gleichnamigen Kolumne im SZ-Magazin). Dann wurden die Fragen blind weiter gereicht; der interessantere Teil der Aufgabe für jeden Schüler war es, die Antwort zu schreiben.

    Problem: Was macht man, wenn man keine gute Frage kriegt? (Ein paar Fragen habe ich doppelt vergeben, weil andere Fragen nicht brauchbar waren.)

    Trotzdem finde ich, man sollte mehr Kolumnen schreiben lassen. In der 9. Klasse lernen die Schüler gerade meinungsbildende Textsorten der Zeitung – meist nur Kommentar und Glosse, vielleicht noch Kritiken, aber kaum Kolumnen. Dabei finde ich das Format zugänglicher für Schüler als Glossen, und das Begründen der Meinung können die Schüler immer brauchen.
    Außerdem finde ich es gut, dass man den Schülern eine Wortzahl vorgibt, und einsichtig macht, warum diese Vorgabe erfüllt werden muss.

  4. @erpel: Hab ich was gesagt? Haaaaab ich was gesagt? Ich hab doch nichts gesagt. Nicht mal gedacht. Höchstens. Vielleicht. Viiiielleicht. :-))))

    Anyway, hier die Schülerantwort auf die Schülerfrage:

    Das ist eine gute Frage! Ich weiß nicht, was du auf die Bitte deines Lehrers geantwortet hast, aber ich gehe davon aus du hast ihm diese Bitte bejaht!
    Natürlich hast du ihm damit eine Art Versprechen gegeben das du eigentlich halten müsstest. In diesem Fall allerdings, denke ich, könnte man ein Auge zudrücken, denn dein Lehrer wusste, dass er in der Öffentlichkeit und in einem Bus, in dem Schüler sind, sitzt. Wenn er über so etwas “Vertrautes” redet, muss er damit rechnen, dass es jemand mitbekommt.
    Du bist ein Schüler und ich glaube, im Schulleben herrscht immer “Schüler gegen Lehrer und Lehrer gegen Schüler”.
    Deswegen glaube ich, wäre es kein Problem deine Mitschüler zu warnen.
    Außerdem schreibt dein Lehrer sicher noch mehrere Exen und wird ein nächstes Mal mit Sicherheit schlauer sein und nicht in aller Öffentlichkeit von der heutigen Ex erzählen. Ich glaube auch, dass ein Lehrer davon ausgeht, dass wenn ein Schüler mitbekommt, dass eine Ex geschrieben wird, es gleich die ganze Klasse weiß! Deshalb brauchst du das nächste mal kein schlechtes Gewissen zu haben, deiner Klasse zu berichten was du in deinem Bus gehört hast!

  5. Erstmal vorneweg: Das ist ne supertolle Idee für nen Spamfilter.

    Mir war schon klar dass sie die Frage nicht in den Raum gestellt haben, aber mir war danach sie zu beantworten zwecks allgemeinem Meinungsaustausch.
    gruß
    Erpel

  6. Wie wahr, wie wahr, das mit der Begründung… Manchmal denke ich, jetzt haben wir doch eine ganze Generation herangezogen, die auf jedes Warum eine Antwort gekriegt hat (der Buchmarkt jedenfalls lässt daruf schliessen) und sogar weiss, weshalb sie was lernen sollte, weil das schon rein didaktisch unsere Frage Nr. 1 der Unterrichtsvorbereitung ist.

    Und nun kriegen wir mehr unbegründete Antworten dnn je (ich jedenfalls)! Und manchmal sogar entsprechenden Entschuldigungen: “Ich bin halt tendenziell gelangweitl in der Schule.” “Ich bin halt von Natur aus nicht so effizient.”

    Die ganze Idee, auch die der SZ, ist sehr interessant und ich hatte mich bis anhin noch gar nicht so mit der Unterscheidung Glosse/Kolumne befasst. Sehr anregend, danke.

    Und nochwas: Ich weiss nicht was eine Ex ist.

  7. Hm, eigentlich ist der Unterschied Glosse/Kolumne doch gar nicht so groß. Trotzdem macht man im Unterricht immer nur das Streiflicht… Eine Ex ist ein unangekündigter schriftlicher Test über den Stoff der letzten Stunde – plus Grundwissen, was allerdings so gut wie nie genutzt wird. Es gibt Vorschläge, über den Stoff der letzten Stunden abzufragen; das KuMi kriegt das aber nicht auf die Reihe (siehe älteren Eintrag).
    In manchen deutschen Bundesländern ist die Ex (“das Extemporale” oder “die Stegreifaufgabe”) völlig unbekannt. Sie ist pädagogisch angreifbar, aber technisch hilfreich: Die Gerichtsklagen über mündliche Noten häufen sich, und es ist schwer, mündliche Noten wirklich gerichtsfest zu machen. Mit einer Ex geht das leichter.

  8. Danke für die Erklärungen! Wir machen solche Ex auch nicht. In den didaktischen Weiterbildungen, die ich besucht habe, wurden stets Studien zitiert, die beweisen (sollten), dass unangekündigte Tests die Lernenden demoralisieren, die Schwächeren noch schwächer machen und die Stärkeren auch nicht gescheiter. In meinem letzten Kurs hat die Leiterin sogar einen solchen unangekündigten Test mit uns Teilnehmenden durchgeführt, es war der reinste Horror, auch von den Ergebnissen her.

    Dein Argument verstehe ich allerdings gut. Vielleicht sollte man bei euch besser das Rekursverfahren ändern und Kriterien und Urteil der Lehrpersonen stärken, z.B. mit einer Art “Schlichtungsstelle” (gibt es bei uns, auch wenn sie nicht in allen Kantonen gleich gut ist).

  9. Hmm,bei uns sind solche Ex-en erlaubt, da heißen sie schriftliche Wiederholungen und können, je nach Gusto angekündigt oder auch nicht sein. Und zugegebenermaßen: sie sind ein Instrument, mit dem nicht immer der Lernfortschritt erfragt wird, sondern zuweilen die Lerndisziplin.
    Mich interessieren die Studien, die Tanja erwähnt.

  10. Bei uns gibt’s regelmässig angekündigte schriftliche Tests, in den Sprachfächern sehr häufig. Für Drückeberger gibt’s Semestertests über den ganzen Stoff (schwierig), wenn sie dazu auch nicht erscheinen gibt es für “Arbeitsverweigerung” die schlechteste Note (bei uns eine “1”- auch “Nagel” genannt).

    Dazu gibt es auch angekündigte mündliche Tests, Referate, Überzeugungsreden, Gruppen-Präsentationen aber auch Einzelgespräche (in den Fremdspachen… mega-aufwändig). Denn wir sind verpflichtet, in allen Fächern, die mündlich geprüft werden, auch laufend mündliche Noten zu geben.

    @Stolle: Ich tue mich drum, die Quellen zu finden. Meine Meta-Lehrer waren nicht so wahnsinnig Inter-nett und E‑mailig, aber wer weiss. Sollte ich reüssieren, hinterlass’ ich einen Kommentar in deinem Blog.

  11. Mich interessieren diese Quellen auch. Aber ich schau ja auch bei Stolle vorbei, da seh ich das dann.
    Exen haben wirklich manchmal (und wohl zu oft) mit Disziplinierung zu tun. Wenn man sie gewohnt ist, erschrecken sie die Schüler aber auch nicht so sehr. Insgesamt bin ich sehr für “Rekursverfahren ändern und Kriterien und Urteil der Lehrpersonen stärken”. Und für mehr Semestertests. Die gibt’s bei uns nur im äußersten Notfall.

  12. Puh…der Spam-Filter macht mir Angst… witzig. ;-)

    Aber zum Thema: Titel und Verfasser der Studie würde mich auch interessieren. Muss ich die dann im Fall der Fälle bei Stolle suchen oder gibt’s die hier auch noch mal?

  13. Ehrlich gesagt: Mich interessiert die Quelle dann doch gar nicht so viel. Ich raffe mich doch eh nicht auf und geh in die Bibliothek, um die zeitschrift nachzuschlagen. Aber eine Zusammenfassung des Inhalts wäre schön: Tanja sucht die Quelle, Stolle liest und fasst zusammen, und wir lesen dann alle bei ihm. :-) Aber darauf hinweisen würde ich hier natürlich schon.

  14. Ich weise auch hin und hinterlasse sichtbare Spuren, wenn sich wirklich etwas Brauchbares ergibt. (Manchmal zitieren Lehrpersonen-Ausbilder auch Studien, die an ihrer letzten Lehrpersonen-von-Lehrpersonen-Ausbildung zitiert worden sind und wissen dann selber nicht mehr so genau, woher sie kommen, aber ich bleibe dran.)

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