Präsentation ersetzt Schulaufgabe

Ab nächstem Schuljahr, so die neue GSO in Kraft tritt, kann man unter Umständen Schulaufgaben durch andere Prüfungsformen ersetzen. Manche davon stehen in der GSO, manche sind sogenannte Modus-21-Maßnahmen, für die jeweils die Zustimmung von Lehrerkonferenz oder Elternbeirat oder die Zusammenarbeit mit den anderen Lehrern dieses Faches in dieser Jahrgangsstufe nötig ist.

In diesem Schuljahr kann ich allerdings noch unkomplizierter in meiner 11. Klasse eine Modus-21-Maßnahme durchführen: Das Ersetzen einer Schulaufgabe durch eine Präsentation.

Laut Maßnahmenkatalog verfolgt man damit folgende Ziele:

1. Schulung der Rhetorik- und Präsentationskompetenz
2. Förderung der Medien- und Methodenkompetenz
3. Förderung der Sozialkompetenz
4. fachliche Vertiefung zu einzelnen Themen
5. Vorbereitung auf die Facharbeit
6. Gezielte Förderung im Hinblick auf Erfordernisse der Berufs- und Lebenswirklichkeit

Gefordert ist von den Schülern:
– Fachwissen zu Thema
– Interaktion mit Zuhörern
– entsprechende methodische Aufbereitung
– Techniken: Recherche, Bibliographie, Diskussionsleitung

Themen können sein (jeweils am Lehrplan orientiert):
– Sachvortrag (z.B. Epoche)
– Schulaufgabentyp (Interpretation, Literarische Erörterung, Problemerörterung)

Das heißt, dass die Präsentation keinesfalls mit Powerpoint sein muss, und dass ich auch eine Interpretation oder eine Erörterung als Thema stellen kann.
Die Präsentation muss vor Publikum erfolgen, ist also keine mündliche Prüfung, kann also nur im Unterricht stattfinden. Aus Zeitgründen heißt das, dass ich zwei Präsentationen pro Schulstunde haben muss – sonst lässt sich das bei einer auch noch so kleinen Klasse nicht durchführen.

Mir fallen selbst Einwände dagegen ein, aber versuchen will ich es, das Einverständnis der Klasse vorausgesetzt, doch. Achten muss ich darauf, dass die Präsentation “schulaufgabenwertig” ist, die Leistung also einer Schulaufgabe entspricht, da sie ja auch so gewertet wird.
Andererseits: In jedes normale Referat investiert ein Schüler mehr Zeit als in eine Schulaufgabe. Wenn jemand zu Hause drei Stunden lang ein Gedicht interpretiert und den Text dann in der Schule vorliest, dann ist das eine schlechte Präsentation, keine Frage, entspricht aber der Leistung in einer normalen Schulaufgabe. Zuviel darf man also auch nicht verlangen, denke ich.

Ein Vorschlag, welche Kriterien und welchen Bewertungsmaßstab man anwenden kann, steht im Modus-21-Maßnahmenkatalog:

praesentation.png

Sicher würde ich das noch ein bisschen variieren.

12 Antworten auf „Präsentation ersetzt Schulaufgabe“

  1. Finde ich gar nicht schlecht. Man muss halt nur, je nach Altersstufe, genau mit den Schülern verabreden, was nun gefordert ist und ihnen vielleicht Gelegenheit zum Üben geben, bevor es dann “zur Sache” geht. Allerdings bereitet mir der Punkt “Kleidung” leichte Kopfschmerzen – ich frage mich, wann ist Kleidung wohl im Schulkontext (un-)passend?

  2. Der Punkt Kleidung ist mir auch aufgefallen. Ich denke mal, ich ersetze ihn durch Körpersprache/Haltung oder so etwas – Hände in den Hosentaschen etwa.

  3. Dann können ja endlich auch die Sportcracks in Mathe und Deutsch gute Noten kriegen.

  4. Ich finde das auch brauchbar (ausser Kleidung – ich meine sind wir Lehrpersonen wirklich sattelfest in deren Beurteilung? Körpersprache, Haltung und Blickkontakt ist sicher wichtiger). Ich mag aber lieber einfachere Punktesysteme, mache möglichst nur 0 = nicht erfüllt, 1=teilweise erfüllt, 2=erfüllt. Aber wenn es nicht so viele Kriterien sind, ist vielleicht differenzierter besser.

    Das mit der Gleichsetzung mit Schulaufgabe ist mir nicht ganz klar, es handelt sich hier ja – wie Herr Rau auch sagt – um einen Vortrag, der allein schon wegen Rhetorik und Visualisierung anspruchsvoller ist. Bei mir käme daher hinzu, dass ich hier im Voraus eine A‑4-Seite Grobkonzept (nach Vorlage) verlangen würde, damit jemand nicht auf dem “falschen Dampfer” bleibt, ich selber besser vorbereitet bin und das u.U. auch einfliessen lassen kann (“Chantal Sowieso wird uns darüber nächsten Donnerstag noch mehr sagen…”. Das würde ich dann auch in die Benotung einbeziehen, inkl. der termingerechten Abgabe.

    Auch wüsste ich nicht genau, wie ich hier mit einem Punkt ein Handout bewerten soll, wahrscheinlich ist nur vorhanden oder nicht vorhanden gemeint. Ist ja auch etwas, was man gut via Zuhörerfeedback (mache ich meist schriftlich) bewerten kann und nicht auch noch mitbenoten muss.

    Es soll ja darum gehen, dass die Lernenden erfahren, wo sie stark sind, wo sie noch mehr wagen können und wo sie noch arbeiten müssen.

  5. Stimmt, Tanja. Man müsste sich ja theoretisch noch Gedanken machen, wann man nun volle sieben Punkte vergibt, wann nur sechs, wann nur fünf, etc. Hatte ich gar nicht bedacht.

    Da wäre ein einfaches “+ o -” ‑System vielleicht einfacher zu händeln, zumal man bei der Beobachtung einer Präsentation nicht auf alles gleichzeitig achten und sich Gedanken darüber machen kann, ob man jetzt schon 6 oder 7 Punkte geben kann.

  6. Das mit dem Handout ist mir auch aufgefallen – die Wahl zwischen 0 und 1 Punkt, das ist nicht sehr sinnvoll. Ich bastle mal an dem Entwurf herum.

  7. Ich habe für die SekI auch immer wieder solche Projektschulaufgaben gemacht – einige Bewertungsbögen habe ich auf meinem Blog dazu. Eine 3‑Stufen-Bepunktung halte ich für nicht sinnvoll, das sollte etwas feinmaschiger definiert werden. Zwei Jahre danach: Macht ihr noch solche Projekte oder habt ihr das eingestellt?

  8. Deine Bewertungsbögen hatte ich schon gesehen und heruntergeladen (für später, wie man das so vorhat).

    Wir haben das eingestellt: Im Schuljahr darauf durfte ich laut Fachbetreuer/Schulleitung das nicht mehr als Schulaufgabe machen. Das war gearde ein großes Durcheinander um alte GSO, angekündige GSO, verschobene GSO und Modus-Maßnahmen, so dass man mir beschied, das Fenster für diese Art Schulaufgabe sei nun mehr geschlossen. Mir schien das ein bisschen zu furchtsam, will heißen, ich habe die Vorschriften anders interpretiert.

    Allerdings habe ich so etwas ähnliches gemacht, ohne es als Schulaufgabe zu werten. Projekt ist allerdings übertrieben dafür.
    Was ich in dem goldenen Jahr mit mehr Freiheiten bei Schulaufgaben noch versucht habe, war eine Shculaufgabe mit Gruppen-Arbeitsphase davor. Ein lohnenswerter Ansatz, auch wenn die Gruppenbildugn ein Problem ist.

    Die aktuelle Lage bei deutsch-Schulaufgaben… ich weiß gar nicht, was nach GSO/Modus-Maßnahme als Ersatz eienr traditionellen Schulaufgabe gemacht werden darf. Ist in diesem Schuljahr bei mir ohnehin nicht drin, deshalb kümmere ich mich erst nächstes Jahr wieder darum.

    Sonst gibt es bei uns nur mündliche Schulaufgaben im Fremdsprachenunterricht und Jahrgangsstufentests.

  9. Hallo!
    Ich hätte Frage bezüglich Präsentation im Unterricht. Meine Tochter, Jana, 11 Jahre alt besucht ein BG und hat, glaube ich jedenfalls, grosse Probleme mit ihrer Präsentation. Sie sollte schon mehrmals eine machen – zu Hause super vorbereitet – nach der Schule frage ich, ob sie es erledigt hat, sagt sie jedesmal entweder “der Herr Prof. hat vergessen oder, Sie, zum Prof. sie hat es vergessen”. Was muss ein Schüler überhaupt bei einer Präsentation machen? Bis jetzt glaubte ich als Mutter, dass sie den Ablauf der Stunde wiedergeben soll. Aber da ich jetzt diese Seite gelesen habe, glaube ich den vorigen Lernstoff nochmals wiederzugeben.
    Ist dies Richtig???
    Danke für Ihre Benachrichtigung im voraus und zeichne mit freundlichen Grüßen
    Romana

  10. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, in Österreich sicher auch anders, und darüber hinaus wohl auch noch von Schule zu Schule und Lehrer zu Lehrer – und von Anlass zu Anlass. Also: Das kann ich leider gar nicht beantworten.

  11. Eine Frage zur Durchführung: Wenn die Präsentation die Wertigkeit einer Schulaufgabe hat (angesagter Leistungsnachweis), dürfte der Schüler an diesem Tag in einem anderen Fach keine Schulaufgabe (evtl. sogar Stegreifaufgabe) schreiben. Wenn in einer U‑Stunde zwei Präsentationen gehalten werden, kann das bedeuten, dass bei 26 Schülern schon einmal 13 Tage von vornherein für die anderen Fachlehrer in der Klasse für schriftliche Leistungsnachweise gesperrt wären. Das wäre schwer zu vermitteln. Wie kann man das Problem lösen?

  12. Damals lief das unkompliziert, kleine Klasse, kurze Dienstwege, selber flexibel bei Terminen. Heute stellt sich das gleiche Problem bei den sogar vorgeschriebenen mündlichen Schulaufgaben in den modernen Fremdsprachen in mehreren (in der Praxis oft: zu vielen) Jahrgangsstufen. Da läuft das dadurch, dass man pro Tag gleich fünf, sechs, sieben Schülerpaare prüft, vor- oder nachmittags. Im Prinzip auch für Deutsch denkbar, wo es an manchen Schulen Debatten-Schulaufgaben gibt.

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