Speed Dating

Habe ich mir von einer Kollegin abgeguckt: Heute im Englisch-LK haben wir Speed Dating gemacht. Dafür braucht man möglichst gleich viele Schülerinnen wie Schüler, sagen wir jeweils zehn. An jedem Tisch sitzt eine junge Dame, zu ihr setzt sich ein Herr, die beiden haben 3 Minuten Zeit, miteinander zu plaudern und separat auf ihrem Merkblatt anzukreuzen, ob sie an einer Verabredung mit dem Gegenüber interessiert sind. Danach wird gewechselt: Jeder Herr geht an einen anderen Tisch. Und so hat man nach gut dreißig Minuten zehn kurze Gespräche geführt. Am Schluss sammelt der Veranstalter die Zettel ein und gibt den Paaren, bei denen beide ein Interesse an einem Wiedersehen geäußert haben, per E-Mail die jeweiligen Adressen, so dass sie eine Verabredung ausmachen können.

Eine Anleitung gibt es es hier, zusammen mit pdf-Dateien der Merkzettel für die Teilnehmer.

Wir haben das natürlich nicht mit Ankreuzen gespielt, geschweige denn mit Einsammeln. Aber ich hatte Frank Sinatra dabei („soft music“ hieß es als Vorschlag bei der Adresse oben; und Kuschelrock-CDs habe ich keine) und Aufkleber, so dass sich jeder Nummer und Vorname auf den Pullover kleben konnte. „Hello how are you my name is Herbert“ und so weiter.

Ich musste als Herr aushelfen. Ich hoffe, meine Flirtversuche sind als plumpe Übertreibungen erkannt worden. („But forget about me. Let’s talk about you for a while.“ Oder: „Oh, do you act? I was sure you were a model or something.“)

Man könnte das auch variieren, indem jeder Spieler ein Adjektiv/Adverb kriegt, nach dem er oder sie sich benehmen muss, und die anderen müssen das herauskriegen. Arrogant, timid, creepy, desparate fallen mir da ein. Aber das ist vielleicht für Fortgeschrittene.

14 Thoughts to “Speed Dating

  1. Das habe ich bei einem Sprachurlaub in England auch schon mal gemacht. Wenn man die Leute überhaupt nicht kennt ist es wirklich lustig, auch wenn man immer so ungefähr das Gleiche sagt. Und man lernt sich schon ein bisschen kennen, um das Eis zu brechen ist es auf jeden Fall gut geeignet. Um das Dating ging es eher weniger, zum Glück, fand ich damals…
    Im Unterricht käme man dann immerhin mal zum Reden, das kommt eindeutig zu kurz, finde ich. In meinem LK zumindest… Aber es gibt auch immer Leute, denen das keinen Spaß macht. Ich würde es gerne auch mal hier ausprobieren!

  2. Generell sicher eine gute Idee, gerade in Sprachfächern und noch mehr im LK.
    Nur … nichts für mich. Ich komme mir bei sowas einfach so vollkommen deplaziert vor …
    Und wenn man nichts Interessantes zu sagen hat (weil sich die Interessen zu stark unterscheiden o.Ä.) bringt es leider auch sprachübungstechnisch nicht sonderlich viel (und ab und zu schaltet jemand auch aus Versehen auf Deutsch um …).
    Von daher generell für andere Schüler wohl weiterzuempfehlen, für mich nichts.

    Was man dem Speed-Dating – wenn auch von meiner Seite her eher widerstrebend :P – wohl anrechnen muss, ist, dass so immerhin jeder – egal bei welcher Kursgröße – fast die ganze Zeit reden muss.

  3. Bei Ihnen wird wirklich für das Leben gelernt. Nur daß das Speed-Dating dann später nicht in England oder den USA, sondern in Schwabing oder Prenzelberg stattfindet. ;-)

  4. Ja, das war die Absicht, dass möglichst alle Schüler mal was sagen. Ich habe mich übrigens mit manchen Schülerinnen auf diese Art mehr unterhalten als je zuvor. Wir haben ja so ein paar eher Schweigsame.

    Hallo Christiane, schön von dir zu hören! Bei mir ist das leider genauso, dass die Schüler zu wenig zum Reden kommen. Das ist den meisten Schülern sicher auch nicht unrecht. (Ist verständlich.) Immerhin spielt ihr Theater und macht Improvisationsübungen, das würde ich auch gerne können.

    Wie kriegt man Schüler am besten zum Reden? Das fragen wir uns alle. Natürlich muss man auch den Stoff durchkriegen (was ich gerne mache und nicht als Pflicht empfinde) , aber Zeit genug dafür hätte man auch so.

  5. Improvisationstheater war echt gut, zugegeben! Mir hat es jedenfalls wirklich Spaß gemacht, es war einfach mal etwas anderes. Nur mit Englisch hatte es nicht so sehr viel zu tun, was meiner Begeisterung aber nicht geschadet hat.

    Das mit dem Reden ist schwierig, das sehe ich schon ein. Aber im Moment habe ich das Gefühl trotz Englischunterricht nur alles, was ich ich letztes Jahr, als ich in England auf einem Internat war, gelernt habe, wieder verlernen würde… Dadurch habe ich natürlich auch meine Angst vor dem Reden komplett verloren und würde am liebsten nur noch den Mund offen haben. Dass das nicht bei allen Schülern der Fall ist, ist mir auch bewusst. Aber nur durch viel reden lernt man es auch! Die Aussprache ist auch im LK bei vielen noch in keiner Weise besonders gut ausgeprägt. Perfekt kann man nicht werden, das ist klar, aber schon mit richtigen Betonungen ist viel gewonnen.
    Ich hätte Lust auch einfach mal Diskussionsrunden zu machen, das könnten ja auch Schüler – vielleicht in Teams – vorbereiten. Für sowas würde ich mich schon gewinnen lassen. Auch dann reden nicht alle, das ist auch wieder klar, aber wenigstens die, die wollen, hätten die Möglichkeit. Und die gibt es ja auch, das weiß ich!

    Das Problem ist natürlich auch die Größe der Kurse, 23 sind einfach zu viele. In Französisch, wo wir nur elf Schüler sind, ist es viel besser. Und es macht dann auch gleich mehr Spaß! Dafür können die Kursleiter nichts und das wird sich auch nicht ändern lassen. Aber man sollte das beste draus machen und ich will so viel wie möglich lernen (auch solche Schüler solls geben…) und nicht nur Texte analysieren und mehr oder weniger sinnvolle Fragen beantworten.

  6. Gedacht ist das auf dem Gymnasium ja wohl so, dass in der Oberstufe eh schon jeder Schüler Englisch kann (und wenn nicht, so der historische Snobismus, kann man das ja auf der Volkshochschule nachholen), und dass man die Zeit für all die anderen interessanten Sachen verwenden soll.
    Bei der Kursgröße gebe ich dir völlig recht. Zumal man als Lehrer nicht einfach nur mit denen reden darf, die gerne reden, sondern alle einbeziehen muss. An der Uni ist das anders.

    „Ich hätte Lust auch einfach mal Diskussionsrunden zu machen, das könnten ja auch Schüler – vielleicht in Teams – vorbereiten.“ Gute Idee. Vorbereiten heißt: Argumente sammeln, Vokabellisten, feste sprachliche Wendungen, leiten. Ich schlag’s mal meinen vor. Oder gleich der eine LK gegen den anderen?

  7. Die Idee mit den Diskussionsrunden fand ich auch nicht schlecht. Am wichtigsten wäre wohl ein Thema, zu dem jeder sowohl vokabeltechnisch als auch inhaltlich etwas sagen kann; sonst können einfach nicht alle mitreden. Und natürlich ergibt sich dann noch das Problem, wann und wo man sowas dann macht. Ich wäre ja eher für weniger Vorbereitung und mehr Spontanität (darf man das in der neuen Rechtschreibung jetzt auch ohne das „e“ schreiben?), und vor allem dafür, dass das nur interessierte Schüler machen. In Freistunden/einer siebten Stunde mal? Die zwei Englisch-LKs sonst unter einen Hut zu bringen, dürfte sonst eher schwierig sein, sind ja immerhin auf verschiedenen Schienen…

  8. Perfektes Konzept für einen Englisch LK. Frei plaudern ohne viel Zeit zu haben. Was gibt es besseres, um den Smalltalk ungeblühmt zu üben? Echt klasse Idee! So einen experimentierfreudigen Lehrer hätte ich mir damals auch gewünscht. Naja…

  9. Hallo Herr Rau und *,

    reden im Sprachunterricht ist in der tat ein Problem. Die Schweigsamkeit von Schuelern ist aber auch oft genug von Lehrern mitverursacht. Ich koennte mich nicht erinnern, dass ich waehrend meiner Abiturzeit auch nur einen Satz haette duerfen zuende sagen. Meine Englisch oder Franzoesischlehrer haben immer einen Grund gefunden mich zu unterbrechen. Man lernt bekanntlich duch Wiederholung, das Lernziel fuer weniger begabte Schueler scheint also „Klappe halten“ zu sein. (‚tschuldigung, das war polemisch).
    Bis ich vor 2 Jahren begonnen habe am wissenschafrlichen Austausch aktiv teilzunehmen(und gezwungenermassen auf Englisch). War ich fest davon ueberzeugt, dass mein Englisch rein passiv ist.

    Hier in Belgien hab ich dann Sprachunterricht kennengelernt wie er sein sollte. Klar, die Bedingungen sind hier zum Teil besser (die Lehrer sind Muttersprachler) aber auch wieder zum teil schlechter. Im Basiskurs gab es keine gemeinsame Hilfssprache, einige hatten keine Sprache mit dem Lehrer gemeinsam und 50% des Kurses kamen aus dem asiatischen Sprachraum. Auch waren viele nicht oder kaum Motiviert, da sie diesen Kurs verpflichtend (fuer ihre aufenthaltsgenemigung) machten. Trozdem wurde nie jemand im Saz oder Wort unterbrochen und die Lehrer gaben sich bei schwachen Schülern auch mit einer Antwort zufrieden, die zB in der Aussprache nicht 100% pefekt war.

    Was ich allerdings auch da nicht gelernt hab und was ich eigentlich als das allerwichtigste im Sprachunterricht finde ist, wie man Vokabeln richtig lernt, so das ein aktiver Wortschatz entsteht. Und nun sind wir wieder bei den schweigsamen Schuelern, fragen Sie mal warum diese Schueler schweigen, die meisten werden vermutlich – wenn sie ehrlich sind – sagen das sie einfach nicht wissen wie sie es sagen sollen. Vermutlich koennen sie auf eine entsprechende Ja/Nein Frage aber bestens antworten. Was nur zeigt, dass sie genau an meinem Problem kranken: Sie kennen durchaus eine ganze menge Vokabeln, aber entweder nur in eine Richtung (Fremdsprache zu Muttersprache) oder (passiert mir sehr oft) fragt man sie nach den noetigen Vokabeln so wie sie in der Wortliste stehn, dann antworten sie korrekt. Ihnen faellt also einfach der Weg nicht ein, wie sie mit ihren natuerlicherweise begrensten Vokabeln klarommen.

    Beste Groese aus Flandern
    Stefan

  10. Also ich lerne englische Vokabeln indem ich sie mit etwas assoziiere.
    Ich zum Beispiel gucke mir Clips auf englisch an, wie z.B. Animies welche auf japanisch sind aber mit einem englischen Untertitel.. das bewirkt Wunder- haufenweise Vokabeln die man nicht so einfach wieder vergisst. Im Englischunterricht hilft es mir sehr.
    Des Rätsels Lösung ist einfach nur “ Lernen mit Spass verknüpft „. Und was auch noch gut wäre ist einfach mal Zuhause, oder mit Freunden ,aus Jucks, englisch sprechen.

  11. Stefan, es stimmt, dass Lehrer zu häufig Schüler unterbrechen. Lehrer reden selber einfach zu gerne, ist eine Berufskrankheit. Tatsächlich gilt oft nur auf dem Papier, dass Kommunikation statt Sprachrichtigkeit weitgehend im Vordergrund zu stehen hat.
    Ich glaube, die Schüler, die auf Englisch nichts sagen, sagen auch auf Deutsch nichts, jedenfalls nicht zum Lehrer. Es dürften wenige sein, die schweigen, weil ihnen die Vokabeln fehlen. Ich glaube, es liegt vor allem am fehlenden Kommunikationsbedarf oder -bedürfnis.

    Aber es stimmt, dass man viele Vokabeln kennen und doch nicht reden kann. Allerdings braucht man für die meisten Kommunikatiosnsituationen im Alltag gar nicht so viele verschiedene Wörter – die Kombinationen der Wörter sind es, die Art, wie man Sätze formuliert. Sätze muss man lernen, nicht Vokabeln. Das macht man in der Schule wirklich zu wenig.

    Huso, Filme schauen bringt auf jeden Fall sehr viel, japanische oder englische, jeweils mit englischen Untertiteln. Gehörte Sätze merkt man sich auch leichter als gelesene, ich zumindest. „Lernen mit Spaß verknüpft“ ist richtig, aber manchen Leuten machen sehr wenig Arten von intellektueller Herausforderung (wie es Animes sicher auch sind) Spaß. Denen kann man nur begrenzt entgegenkommen.

  12. Ich bin schonmal beeindruckt, dass die Erkenntnis, dass Kommunikationsfaehigkeit im Vordergrund steht irgendwo als „Papierbekenntnis“ steht. Leider wird dem schon in der Benotung nicht oder wurde zumindest zu meiner Zeit (das is nun auchs chon 8 jahre her) nicht nachgekommen.

    Zum Thema Mitteilungswilligkeit/ Beduertigkeit. Das traf und trifft auch wieder in meinem jetzigen Niederlaendischkurs nicht zu ich wuerde schon was sagen wollen nur weiss ich nicht wie, wenn mir Vokabeln zur Situation einfallen, dann ist die Situation vorbei – meist shcon lange.

    Was das „pasive“ der Sprache aussetzen bringen soll, konnte ich noch nie nachvollziehen. Ich lese seit Jahren buecher die auf englisch geschrieben wurden auch auf englisch. Am aktiven Wortschatz bringt das nichts. Was das betrifft lebe ich ja quasi im Paradies, meine Alltagssprache auf Arbeit ist englisch 3 meiner Kollegen sprechen englisch auf Muttersprachlerniveau. Trozdem, wenn ich englische Texte schreibe, was ich fast den ganzen tag mache, schaue ich immerwieder die gleichen unlernbaren Worte nach. Ich weiss, dass ich dieses oder jenes Wort schon haeufig im Woerterbuch nachgeschalgen hab, aber das Ergebnis verbluefft mich immer wieder. Nungut aber so schlecht wie meine Englischleher immer glauben machen wollten ist mein Englisch ja nicht.

    Mein Kommentar bezog sich mehr auf meine Erlebnisse in der letzten Zeit die ich mit meinen Niederlaendischambitionen habe. Vom passiven aussetzen lernt man nichts. Ich bin umgeben von milionen von niederlaendischen Muttersprachlern, jedes Schild jeder Hinweis ist auf Niederlaendisch und wenn ich das Radio einschalte – Niederlaendisch. Kurz zusammengefasst ich kann es lesen oder verstehn, sagen kann ich es nicht.

    Der immerwiederkehrende Tip: „Mit Spass verknuepfen“ ist sicher gut gemeint, doch eben so nutzlos wie passive vokabular auszubauen und zu hoffen das es duch Wunderheilung aktiv wird. Sich stumpf mit einem Vokabeltrainer hinzusetzen und jeden abend 200 Vokabeln zu wiederholen macht keinen Spass, ist aber bisher, das einzige was wenigstens ein bischen hilft, erfolgreich nenne ich aber etwas anderes.

    Nur mal kurz warum ich das schreibe: Ich habe einfach das gefuehl, dass die meisten Sprachlehrer denen ich bisher begegnet bin keinen blassen schimmer haben, wie weniger sprachbegabte Menschen das Sprache lernen warnehmen und wo die Probleme liegen.

  13. Beim Speed Dating, das wir hier in Nürnberg speed Talk nennen, merkt man, daß bestimmte Dinge eichtig für Sympathie sind, wie z.B: Lächeln, Mimik oder Gestik. Das ist tatsächlich in 7 Minuten abgecheckt. Sowas fehlt total, wenn man sich über CHiffre-Anzeigen kennenlernt.

  14. Speeddating-Karten kann man aber auch dazu benutzen, mal andere als immer nur dieselben Leute in eine Partnerarbeit zu schicken.

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