Visitenkarten

Sei einiger Zeit habe ich endlich Visitenkarten. Im letzten Jahr bin ich etliche Male ohne dagestanden, wenn es zum allgemeinen Tausch kam. Also habe ich online die ersten besten bestellt – Querformat, einfacher Text, schlicht. Vorerst nur mal 50 Stück, denn die werde ich ohnehin nicht so schnell los, und ich will lieber eine Menge verschiedener Visitenkarten haben. Philip Marlowe hatte auch mindestens zwei Sorten: Die einen mit der kleinen Pistole in der Ecke und die anderen ohne. Je nach Art des Klienten konnte Marlowe die passende auswählen.

Was ich gerne hätte:

Die Version mit der kleinen Hängematte in der Ecke, wegen der ungetrübt freien Nachmittage in meinem Beruf.
Eine mit meiner Sprechstunde. Da kann ich dann nur mal schnell mit Rotstift draufschreiben: „Bitte kommen Sie doch mal vorbei.“

Früher wollte ich mal die hier haben:

Thomas Rau
Consulting Philosopher

Oder auf deutsch:

Thomas Rau
Privatphilosoph

Lehrerleute haben, glaube ich, keine Visitenkarten.
Über kurzfristige Notlösungen, die ich schon bei Kollegen gesehen habe, will ich lieber nicht schreiben. (Ich sage nur ein Wort: laminiert.)

18 Thoughts to “Visitenkarten

  1. Dass Lehrer keine Visitenkarten haben, habe ich auch schon bedauert und bemängelt. Hat heutzutage nicht einfach jeder Visitenkarten? Bislang sah ich nur nicht ein diese (neben meinen Rot-, Folienstiften, Druckerpapier und -patronen) auch noch aus meiner Privatkasse zu finanzieren. Ich behelfe mir in solchen Fälle immer mit Rückseiten irgendwelcher alter Arbeitsblätter auf die ich mal eben meinen Namen und manchmal meine Nummer schreibe. Sieht zwar blöd und unprofessionell aus – aber so ist es eben.

  2. Jeder ab 16 sollte Visitenkarten haben. Das ewige Aufgeschreibe von Mailadressen und Telefonnummern auf abgerissene Freßzettel ist nämlich einfach nur lästig. Und so schöne Kommunikationswerkzeuge wie der Skype-Account gehören da auch drauf!

  3. Visitenkarten haben – meiner Ansicht nach – ausgedient: Wir finden uns im openBC bzw wie es seit kurzem heisst xing. Also so ganz klappt das noch nicht aber es ist vermutlich fast so verbreitet wie Visitenkarten und passt zu manchen gelegenheiten wohl besser.

  4. @Stefan: Ich hab mir die „Guided Tour“ bei xing.com gerade mal angesehen (war mir neu). Ist sicher sehr interessant, vor allem für Leute in Wirtschaft und Forschung – für Lehrer eher weniger. Wenn ich einem Schüler oder einer Schülermutter meine E-Mail-Adresse geben will, dann sollen die nicht gleich auch mein Geburtsdatum, meinen beruflichen Werdegang und das Thema meiner Magisterarbeit nachlesen können. Eher schon, wenn man Kollegen auf Fortbildungsveranstaltungen trifft – da ist ja ein weiter gehender Austausch von Daten vielleicht hilfreich und erwünscht.
    *Mein* Geburtstag ist übrigens am … äh. Hm. Nein, das will ich jetzt hier doch nicht sagen ;-)
    @Thomas:
    >Lehrerleute haben, glaube ich, keine Visitenkarten.
    Ich schon ;-) Nicht dass ich schon viele unters Volk gebracht hätte, aber ab und zu ist es schon praktisch. Mein Lieferant ist der gleiche wie bei naDine – die machen ja Werbung wie verrückt, und meistens bekommt man irgendwo ein Gratisangebot von denen nachgeworfen (z. B. auf einem Gutschein, der einer Amazon-Sendung beiliegt). Ich finde die Qualität ganz beachtlich, nur muss man sich im klaren darüber sein, dass es nicht wirklich völlig gratis ist, mit Porto und Steuer ist man schnell bei sieben oder neun Euro, aber das ist ja okay für die gelieferte Ware. [Die sind dann übrigens nicht laminiert ;-)]

  5. Meine habe ich bei Vistaprint bestellt. Die sind gratis. Man hat nur einen kleinen Werbeaufdruck auf der Rückseite. Super Auswahl. Kann ich nur empfehlen. :-)

  6. Wir sind in der glücklichen Lage, dass nach Erscheinen unseres neuen Schullogos jeder Kollege einen SAtz (100) Visitenkarten von der SChule gestellt bekam. Damit kann man relativ lange leben. Zumindest für den Beruf sind sie gut einsetzbar, privat – naja!

  7. Zurück zu den Wurzeln! Diese Urvariante in der unglaublichen Schlichtheit:

    „VisitenkarteThomas Rau
    Consulting Philosopher

    Oder auf deutsch:

    Thomas Rau
    Privatphilosoph“

    erinnert mich an unsere Studentenvisitenkarten, angefertigt an Automaten, die Mitte der 90er Jahre auf den Bahnhöfen zu finden waren.

    Hans Sachs
    Ferienjobspezialist

    Hans Sachs
    Student Lehramt

    Und wenn dann doch einmal ein Telefonnummernaustausch stattfand, waren wieder wichtige Minuten der Kommunikation um einen Stift gesichert.
    Die Diskussion auf dieser hübschen Seite lässt mich deshalb über einen Neuerwerb solch schlichter Karten nachdenken.

    H. Sachs
    Lehrer

    Bei Problemen mit Schülerinnen und Schülern in der Stunde reiche ich dann nur noch die Karte + handschriftlich notierter Nummer an sie weiter: „Richte deinen Eltern /deiner Mutter aus, dass ich sie zu sprechen wünsche, zeitnah.“
    Außer den Visitenkarten bei R. Chandler fallen mir seine legendären Mixgetränke ein. Erinnert sich jemand an die Highballs oder Gimlets? Tolle Rezepturen.
    Viel Spaß mit Visitenkarten und Mixgetränken wünscht
    Hans Sachs

  8. @Emely: Selber hallo. Sag mal was.

    @Doireann: Visitenkarten vom Arbeitgeber – so einfach, und würde uns Lehrer wohl beeindrucken. Richtig wichtig käme man sich vor, zumindest ein Weilchen. Allerdings müsste man den Verantwortlichen vorher dringend Designberatung geben.

    @Hans Sachs: Gimlet am späten Nachmittag in der fast leeren Bar, noch bevor der abendliche Ansturm einsetzt. Ja. (Und so ganz schlichte Karten nur mit Namen brauche ich natürlich auch.)

  9. Lieber Herr Rau
    Wobei ich doch den Highball nach 18.00 Uhr mit dem abendlichen Ansturm bevorzuge. Vor 18.00 Uhr ist ein „Kännchen“ Kaffee empfehlenswerter, Philipp Marlow hatte nachmittags einfach zu wenig mit eigenen oder fremden Kindern zu kämpfen.

    Ich habe das Rezept noch einmal nachgeschlagen:
    – Four Roses Whiskey
    – Ginger Ale
    – Eiswürfel
    – etwas Zitrone.
    So macht Alkoholismus richtig Spaß und schmeckt nicht mehr nach dem hochprozentigen Teufelszeug.
    Na dann, zum Wohl!

    MfG

    Hans Sachs

  10. Visitenkarten sind für Lehrer besonders im Bereich Elternarbeit, Kontakten bei Messen und anderen PR-Maßnahmen unabdingbar. Ich schließe mich aber einigen Vorschreibern an – das Schlimmste sind unprofessionel gestaltete 0815-Karten. Projekte mit einem Etat für PR helfen hier einmal über den ‚Lehrer‘-Tellerrand zu schauen.
    Wie der Name schon sagt, soll eine Visitenkarte ja „für“ und nicht „gegen“ die Person sprechen.
    Vielleicht schaffen wir es mit der Zeit ein bischen professioneller nach aussen aufzutreten, damit man in Messen nicht schon meilenwert merkt wer Lehrer und wer Businesspartner ist.

  11. Hmmmmmm…. moo… das sieht schön aus. Danke für den Tipp.

    Sinnvoll wäre wirklich, wie oben schon mal geschrieben, wenn die Schule für ihre Lehrer Visitenkarten besorgte. Klar, das wären jedes Jahr neue – kommt auch darauf an, ob die Amtsbezeichnung darauf muss oder nicht. Könnte man andererseits auch drauf verzichten, sagt heutzutage nicht viel aus.
    Für Messen, Kongresse, Tagungen sind die wirklich praktisch, und ich welche für mich auch schon mehrfach vermisst.

    Das professionelle Auftreten an sich… dann müsste ich mich wohl auch anders anziehen, mindestens.

  12. @rofessionelles Auftreten: Was gibt es auf KLassenfahrten in den Dreck im Bayerischen Wald rofessionelleres als alte Jeans, jede Menge alter T-Shirts und REgenjacke? :-)

  13. Das ist genau die Professionalität, die ich meine. Alte Jeans beim Wandertag – aber dunkler, lässiger Anzug auf der Systems (die IT-Leute haben dies eben so) und einfaches, aber korrektes Auftreten am Elternabend. Es gibt ja auch nur wenige Banken, bei denen ein Fondmanager in der Jeans dem Unternehmer Tipps für die Geldanlage macht – und Bildung ist aus meiner Sicht auf jeden Fall mehr Wert als ein paar Aktien. Das Kapital, das wir zu verteilen haben ist eigentlich unbezahlbar. Unsere Schüler sind der lebende Beweis. ;-)

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