Die letzten G9-Schüler

Bayerns Kultusministerium bietet Schülern der 9. Klassen des neunjährigen Gymnasiums zusätzliche Fördermaßnahmen an. (Pressemitteilung Nr. 49 vom 28. März 2007)

Das Problem ist nämlich Folgendes: Schüler der letzten G9-Klasse sollten tunlichst nicht durchfallen und das Jahr wiederholen müssen. Sonst landen sie nämlich im G8, mit zügigerem Lehrplan. Wenn sie schon die 9. Klasse im G9 nicht bestanden haben, wird die 9. Klasse im G8 eher noch schwerer sein.

Das Problem gab es die letzten Jahre über auch schon, und: welch ein Glück, es fielen tatsächlich kaum Schüler durch.
Das darf man aber keinesfalls als Freibrief für die letzten G9-Schüler missverstehen.

Dieses Jahr scheint es jedenfalls mehr Probleme zu geben – Kunststück, wir haben Pubertät, die mindestens so viel beiträgt zu schlechten Leistungen wie die fehlende Eignung für die Schulart. Jedenfalls stellt das Kultusministerium zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung gefährdeter G9-Schüler zur Verfügung:

1. Die Möglichkeit für Fördermaßnahmen werden pro Schule insbesondere an der Schnittstelle G9/G8 auf bis zu 6 Stunden Mehrarbeit ab Ostern ausgeweitet. Bisher waren es 4 Stunden pro Schule. Dazu werden zusätzliche Mittel bereit gestellt.

Das heißt, die Schule kann bis zu 6 Stunden Nachhilfe anbieten. Hoffentlich von motivierten Kräften, denn Geld gibt’s nicht viel dafür. Wie nachhaltig diese Nachhilfe nach Ostern ist, weiß ich nicht; das hängt sicher auch davon ab, wieviel Energie die Schüler investieren wollen. Nächstes Jahr wird man dann vielleicht auf 8 Stunden pro Schule gehen.

2. Die erweiterten Bestimmungen zum Vorrücken auf Probe von der neuen Gymnasialen Schulordnung (z.B. keine Bindung mehr an bestimmte Notenkonstellationen; Prüfung des Vorrückens auf Probe von Amts wegen, nicht mehr nur auf Antrag der Eltern) bereits auf das laufende Schuljahr vorgezogen.

Das heißt, man kann, wenn man noch nicht wiederholt hat, mit beliebig vielen 5ern oder 6ern in beliebig vielen Fächern auf Probe vorrücken, wenn die Lehrerkonferenz erwartet, dass man das nächste Jahr bestehen wird. Allerdings gilt das nur für die Jahrgangsstufen 5–8, nicht für 9–10. Jedenfalls im G8. Wohin die 9. Klasse des G9 gerechnet werden soll, um die es aktuell geht, wird aus der Pressemitteilung nicht klar. Wenn die Regelung für sie auch gilt, dann gute Nacht.

3. Schüler der Jahrgangsstufe 10, die das Klassenziel voraussichtlich nicht erreichen werden, können sich bewusst dafür entscheiden, im zweiten Schulhalbjahr des Schuljahres 2007/08 gezielt (d.h. u.a. ohne Unterricht in der zweiten/dritten Fremdsprache) auf die Besondere Prüfung zum Erwerb der Mittleren Reife vorbereitet zu werden.

Macht Sinn.

Ich bin für ein G8, und wenn es ein G8 gibt, kommt man an dem Problem der letzten G9-Klasse nicht vorbei: Die Schüler sollten tatsächlich möglichst nicht durchfallen, weil es dadurch für sie nicht leichter wird. Dass sich das Kultusministerium darum kümmert, wie man die gefährdeten Schüler unterstützen kann, ist sinnvoll. Ob die Maßnahmen ausreichen, müsste man mal untersuchen. Solange es ein gegliedertes Schulwesen gibt, darf man es dem Jahrgang aber auch nicht zu leicht machen.

Der Vollständigkeit halber: Ich unterrichte gerade keine 9. Klasse an meiner Schule und kenne die Schüler dieses Jahrgangs auch nicht. (Wenn das anders wäre, würde ich das hier nicht schreiben.)

18 Antworten auf „Die letzten G9-Schüler“

  1. Ja, das Vorrücken auf Probe in Klasse 9 “von Amts wegen” der Lehrerkonferenz zur Entscheidung zu stellen ist in diesem Fall vielleicht sinnvoll – allerdings bedarf es ebendieser Entscheidung der Lehrerkonferenz. Wer hat etwas davon, wenn ein Schüler/ eine Schülerin mit fünf Fünfen vorrücken kann, aber den entgültigen “blauen Brief” dann unter den Weihnachtsbaum gelegt bekommt, weil er/sie in der 10. Klasse auf keinen grünen Zweig kommt. Wohin dann? In der Realschule hat er/ sie keine Chance, weil dort andere Inhalte vermittelt werden. Bleibt nur die Hauptschule und das ist auch schon am Schuljahresende der 9. Klasse die einzige Alternative.
    Es ist wirklich vertrackt!

  2. Wie schön, dass jemand fuer das G8 ist! Offenbar (und an meiner Schule) jammert alles, soweit es noch jammerfähig ist. Mal ehrlich, Leute – wollen wir, dass längst Raus-ins-Leben-Sollende noch ein Jahr länger demotiviert bei uns rumsitzen?

  3. schon fuer den kleinen schritt jammert man? Also im vergleich zu einem Belgier ist ein maennlicher Bayer um 3 jahre benachteiligt. 1 Jahr spaeter eingeschult + 1 Jahr laenger bis zum Abi + 1 Jahr Wehr(ersatz)dienst. Leute in meinem Alter (und ich hab nur 2 jahre als Sachse) geben hier ihre dissertation ab, ich fang an. Ich werde mir vermutlich auf ewig bei bewerbungsgespraechen anhoeren muessen wie langsam ich studiert hab.

  4. Ja, schon deshalb wird viel gejammert. Allerdings kommt dazu, dass das G8 in Bayern überstürzt eingeführt wurde und noch etlicher Korrekturen bedurfte und noch bedarf. Mein Fach Informatik wurde zum Beispiel aus der 8. Klasse gestrichen, damit die Schüler nicht so überlastet sind. Es gibt mehr Nachmittagsstunden, aber keinen Plan, ob man jetzt eine Ganztagsschule will oder nicht.
    Kritik daran ist sinnvoll. Nicht verstehen kann ich die prinzipielle Abneigung gegen ein G8, die es auch gibt. Dabei sind die Schüler nach 8 Jahren alt genug und es tut allen Beteiligten gut, dass sie rauskommen aus der Schule.

  5. sorry man kann es eigentlich garnicht ueberstuertzt einfuehren. Es gibt Bundeslaender in denen es einen funktionierenden Weg in 12 Jahren ein Abi zu machen. Das kann man 1:1 uebernehmen. – aber gut da kommt der bekennende Europaextremist zum vorschein ich denke nicht das es noetig ist unterschieidliche Schulsysteme in Europa zu haben, aber vorallem ist es total ueberfluessig, dass jedes Bundesland sein eigenes kleingeistiges Sueppchen kocht. Die benachteiligten sind die Schlueler aber das interesiert ja keinen.

  6. Ich denke, Bayern muesste in einem mutigen Schritt die Curricula entschlacken – da wäre schon viel getan.

  7. Nachdem ich sowohl von Elternseite als auch als Lehrer das Kurzgymnasium (Klassenleiter 9. Jgst.) reichlich abbekomme, kann ich von Jammern gar nicht sprechen, das wäre mittlerweile eine erhebliche Untertreibung.
    Ich werde meinen Sohn für ein Jahr ins Ausland schicken, damit er die Schul-“zeit” (Hat etwas mit Dauer zu tun, nicht mit Rekordzeit) bekommt, die er verdient. Diese ewige Genöle über die zu lange Ausbildungsdauer in Deutschland ist doch Quatsch, das hängt doch vom Berufsfeld ab: Ein Lehrer ohne Lebenserfahrung, ein Chemiker ohne mindestens eine Promotion sind z.B. einfach schlechter als mit. Und wer macht eigentlich den Schülern von heute dauernd vor, dass sie zu alt sind? Generationen von selbsternannten Machern, die alle länger gebraucht haben als die meisten Studentewn heutzutage. Das dieser Unfug einer von Präpotenz besoffenen Jugend gefällt, ist ja voraussehbar gewesen, aber dass sich Erwachsene dem anschließen, ohne mal einen Blick auf die Praktikumsmisere zu werfen, in die man dann die Frühvollendeten schickt, wundert mich schon etwas.

  8. Ok die sogenannten Fruehvollendeten aus anderen Laendern haben in meinem Umfeld Typischerweise ca 10 Publiktionen mehr als ich, einen Doc und haben nun mit 25 oder 26 die Chance gefestig in der Wissenschaftswelt an Familie zu denken. Was sie auch tun. Bevor ich das kann, bin ich fast 30, zu schade wenn man im biologisch gesunden Ramen fuer die Frau bleiben will und keinne 5 bis 10 jahre juengere haben will (oder hat), und mehr als ein Kind, dann hat sich der Familenwunsch schon erledigt. Die Fruehvollendeten landen auch bei weiniger wissenschaftlichen Neigungen nicht auf der Strasse, die Arbeitslosenquote hier liegt bei unter 5% Jugendarbeitslosigkeit gibt es quasi nicht, das liegt natuelrich nicht nur am Schulsystem…

  9. Herrje, bei den Zeitungsberichten in den letzten Tagen könnte man ja fast meinen, dass die letzten G9-Schüler an der Schnittstelle seien völlig chancenlos bei einem Wechsel ins G8.
    Aus der Stufe meines Bruders (der eben jene 9. Klasse besucht) hat es letztes Jahr einige erwischt – von wegen “durchziehen auf biegen und brechen”, bei mir sind in allen sechs Schuljahren zusammen nicht so viele durchfallen.
    Großes Gejammer gibts von diesen Wiederholern allerdings nicht: ihre Noten haben sich verbessert, mit dem Nachmittagsunterricht haben sie sich mehr oder weniger abgefunden und insgesamt empfinden sie das G8 einfacher als das G9.
    Ein Wechsel nach der 9. Klasse mag vielleicht problematischer sein, unmachbar aber bestimmt nicht. Schließlich sind das im G8 ja auch keiner Wunderkinder ^.^

  10. ich weis zwar weder ob ich hier für die Frage richtig bin und ob jemand sie mir hier beantworten kann. Ich wohnen zurzeit noch in Stuttgart, werde aber spätestens nächstes Jahr nach Hamburg umziehen, und dort sind alle meines Alters ja in G9. Wenn ich dort also in die Schule komm muss ich dann ganz normal in die nächst höhere Klasse und hätte dann doch bis zur 13. also 9jahre oder dürfte ich eine klasse“überspringen” sodass ich doch nur 8jahre hätte?

  11. Hallo!
    Mich würde auch hier wirklich sehr interessieren, wie das mit dem letzten G9 Jahrgang verlief. Sind da viele durchgefallen oder eher nicht, und wenn ja, haben diese Schüler dann eher wiederholt oder sind sie vom Gymnasium gegangen? Hatten es die“G8/G9” Wiederholer schwieriger als normale Wiederholer? Und wie ist das diese Schuljahr, am Ende der 10.? Verlassen da jetzt mehr Schüler das Gymnasium nach der mittleren Reife, weil sie befürchten, in der Oberstufe hängen zu bleiben? Und wie ist es eigentlich mit der Zahl der Durchfaller im G8 verglichen mit dem G9? Ist die eher gestiegen, gesunken, keine große Veränderung? Man hört ja immer wieder von hohem Leistungsdruck aus den Medien, andererseits heißt es, die (in diesem Schuljahr noch verpflichtenden) Intensivierungsstunden würden das Verständnis des Stoffes verbessern.

  12. Für die versetzungsgefährdeten Schüler des letzten G9-Jahrgangs gab es auch dieses Jahr wieder mehr oder weniger sinnvolle Fördermaßnahmen. Statistiken dazu kenne ich keine. Es dürfte jedenfalls insgesamt deutlich weniger Durchfaller geben als bei anderen Jahrgängen.

    Wer die 10. bestanden hat, bleibt wohl am Gymnasium. Angst vor der Kollegstufe dürfte nicht sehr verbreitet sein. Es geht meist nur, wer muss.

    Ich kenne Schüler, die vom G9 ins G8 gewechselt haben und sich da auch nicht schwerer tun. Je später man das macht, desto schwieriger wird es natürlich.

    Ich denke, im G8 fallen weniger Schüler durch als im G8. Zumindest wird das so verkauft, über die Gründe darf man spekulieren. Ich kenne leider keine aktuelle Statistik, sondern nur eine der ersten drei Jahre des G8 (hier online gefunden). In den 5. und 7. fallen weniger durch (einen Trend fortsetzend), in der 6. mehr (Vorziehen der 2. Fremdsprache), aber weniger als früher in der 7.

  13. Zu den Durchfallern gibt es hier offizielle Statistiken: https://www.statistik.bayern.de/veroeffentlichungen/webshop/download/B1400C%20200600/B1400C%20200600.pdf (Seite 7 bzw. 5) https://www.statistik.bayern.de/veroeffentlichungen/webshop/download/B1400C%20200300/B1400C%20200300.pdf (Seite 7 bzw. 5, ältere Ausgabe)

    Man sieht: Die Durchfallquoten sind generell zurückgegangen, unabhängig vom G8.
    In Jahrgangsstufe 5 ist sie mit Einführung des G8 von 1,4% auf 1,7% zurückgegangen. (ähnlicher Rückgang wie die G9 Jahrgänge, also nicht durch das G8 bedingt).
    In Jahrgangsstufe 6 ist sie mit Einführung des G8 von 2,8% auf 4,5% deutlich entgegen dem Trend gestiegen (2. Fremdsprache)
    In Jahrgangsstufe 7 ist sie (1 Jahr später) von 6,9% (2004) auf 4,6% (2006) hingegen deutlich gesunken.

    Die Zahl 5,1% Jgs. 7 von 2005 ist der letzte G9 Jahrgang, diese Zahl sollte daher nicht mit den 4,6% (G8, 2006) verglichen werden. Hieran sieht man auch, dass im letzten G9 die Quote etwas niedriger ist, als anhand des allgemeinen Trends zu erwarten gewesen wäre (da auch in Jgs 8–11 die Quote gesunken ist, wäre für Jgs 7 eher so gut 6% zu erwarten gewesen). In der Jgs 8 im Jahr drauf ist es ähnlich, wenngleich der vermutete letzter G9 Bonus etwas geringer ist als im Jahr zuvor.

    Zahlen für das nächste Schuljahr (also 2006/07!) gibt es leider auch da noch nicht, die aktuellste Statistik ist aber vom letzten September, es könnte bald also eine Neue kommen.

    Noch eine Frage, wie war das eigentlich 2003/04 mit den 6. Klassen? Wurden die auch schon gefördert und so, weil die wären ja auch ins G8 gekommen, allerdings war das G8 da ja auch für die 5. Klassen noch nicht eingeführt, nur dieser “einmalige” neue G9 Lehrplan. Stimmt es eigentlich, dass dieser auch schon die 2. Fremdsprache in Jgs 6 vorsah? Wenn ja, gab es damals auch schon Überlegungen, wie mit Durchfallern aus dem alten in den neuen Lehrplan zu verfahren war, speziell mit denjenigen wegen der 2. Fremdsprache? Kann man diesen “neuen alten” G9 Lehrplan irgendwo noch anschauen, beispielsweise mit Stundentafel? Und wann war da die 3. Fremdsprache/Ausbildungsrichtungswahl vorgesehen, 8. oder 9.?

  14. Als das G8 eingeführt wurde: Ich kann mich nicht erinnern, dass es für die damaligen Sechstklässler besondere Maßnahmen gab, was das Zurücktreten ins G8 betrifft. War auch nicht nötig, die Lehrpläne für die 5. Klasse waren nicht so unterschiedlich, und außerdem waren die damaligen Fünftklässler ja auch noch nach einem G9-Lehrplan unterrichten worden.

    Zweite Fremdsprache im nie gebrauchten G9: Ich glaube, die ging tatsächlich schon in 6 los. Aber ich habe kein Exemplar mehr, und online ist auch keines leicht zu finden, ich bin mir also nicht sicher. Ob es irgendwelche Überlegungen gegeben hat… vermutlich nicht. :-)

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