Hinpinkeln im Lehrerzimmer

Unser Lehrerzimmer war für weniger Lehrer gedacht, als sich jetzt darin aufhalten. Die verschlungenen Umwege, die ich vom Eingang zur Kaffeemaschine oder zu meinem Fach zu nehmen gezwungen bin (immer brav die Füße hebend wegen der auf dem Boden liegenden Schultaschen), lassen mich schon etwas brummig werden.

Im anderen Teil des Lehrerzimmers gibt es Tische und Stühle, wenn auch nicht genug für alle.
Manche Kollegen versuchen edelmütig, ein Eckchen Tisch freizuhalten für den allgemeinen Gebrauch, andere Tische sind tatsächlich für die allgemeine Ablage gedacht, weitere Tische sind traditionell von bestimmten Kollegen belegt. Und die machen sich zuweilen recht unkollegial breit mit Handbibliothek, Heftstapeln, Ordnern.
Ich war immer zu sehr Snob, als dass ich da mitgespielt hätte, und habe mich mit meinem Fach begnügt. Aber jetzt habe ich doch beschlossen, an einem Eck (an dem ich gerade einen Rechner warte), mein Fähnchen aufzustellen. Das sieht, weil ich ja jetzt Visitenkarten habe, so aus:

visitenkartenfahne.jpg

Ich weiß noch nicht, was ich mache, wenn ich den Rechner weggeräumt habe. Hinpinkeln?

18 Thoughts to “Hinpinkeln im Lehrerzimmer

  1. Das ist ja auch ein Abenteuer…Kampf um ein Fleckchen Tisch ;) Wenn Sie fertig sind mit der Reparatur, würde ich das Fähnchen einfach stehen lassen – am besten in einer üppigen Palme. Das verleiht dem Arbeitsplatz einen Urlaubsflair und verschönert das triste durch Hefter und Ordner geprägte Lehrerzimmer. ;) Oder vielleicht die Stückzahl der Fähnchen erhöhen…
    Also dann toi toi toi beim Verteidigen des „Lehrerfleckchens“

  2. > Ich weiß noch nicht, was ich mache, wenn ich den Rechner weggeräumt habe.

    Angebissene Käsesemmel, eingetrocknete Kaffeetasse, Kekskrümel …

    Jauchzet, frohlocket – in absehbarer Zukunft werden wir den GANZEN Tag lang um unser Flecken kämpfen müssen.

  3. Lieber Herr Rau, wenn Sie da in der großen Pause vor versammelter Lehrerschaft hinpinkeln, ist Ihnen dieser Platz in Zukunft – fürderhin, wie Goethe sagen würde – garantiert sicher! Und mal unter uns: wer hätte schon jemals so außergewöhnlich seinen Platz in einem Lehrerzimmer markiert? :D

  4. … passend dazu kann man von nun an nicht mehr häusliche Arbeitszimmer steuerlich absetzen. Schließlich könne man ja auch in Klassenräumen seinen Unterricht vorbereiten, meint die Stadt Bonn hierzu.

  5. … passend zum Handtuch könntest du ja einen halb ausgetrunkenen „Pangalactic Gargle Blaster“ hinstellen ;-)

  6. Wenn man alle Lehrer dauz bekommen könnte, zur gleichen Zeit gemeinsam in die Lehrerzimmer zu pinkeln – vielleicht wird das Arbeitszimmer dann wieder steuerlich absetzbar… ;-)

  7. Nana! Das sind ja Widerstandsphantasien aus den Alt-68er Tagen – Rainer Langhans-mäßig nachgerade! Hätt ich Ihnen, Herr Rau, ja gar nicht zugetraut! ;-) Wenn Sie’s machen und über die Folgen hier berichten, dann spendiere ich eine Lage fürs ganze Kollegium!

  8. Naja aber so ein paar revolutionäre Gedanken darf man doch haben. Es ist schon bemerkenswert welche Phantasien und kreative Ideen hier zum Vorschein kommen, um seinen Platz im Lehrerzimmer zu markieren…grins. Aber je spektakulärer die Aktion ausfällt, desto medienwirksamer und durchschlagender wird sie sein. Also Herr Rau, viel Erfolg. Aber vielleicht gibt es ja acu eine demokratischere Lösung? Wie wäre es mit einer kommunikativen Lösung…also einer hitzigen verbalen Debatte (argumentativ fundiert). ;)

  9. …Also irgendwann muss sich doch diese Debatte erschöpft haben, ich sehe hier nicht sooooo viel Kreativität… Es ist natürlich unschön, wenig Platz zu haben – aber es gibt doch noch andere Probleme, die auf eine Erörterung warten!

    Aber vielleicht redet es sich auch einfach, wenn man unter luxuriösen Bedingungen arbeitet: Eigener Raum, in dem alle Stunden stattfinden (mit überquellenden Schränken), eigenes Fach im Lehrerzimmer und ein ungemütliches Lehrerzimmer, in dem viele freie Plätze darauf warten, von jemandem freundlich mit Fähnchen in Besitz genommen zu werden!

  10. Es wird Frühling, da blüht halt in allen Beamten der Widerstand. Und wie könnte er sich harmloser äußern als in Fäkalhumor? Von Ben Elton, Pate der englischen Standup-Comedy, gibt es eine schöne Nummer zu toilet humour auf seiner Platte Motorvation.

    (Wenn jemand übrigens mal im Deutschunterricht Robert Gernhardts „Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs“, vulgo „Sonette find ich so was von beschissen“ macht und seinen Zöglingen das Wort „Fäkalsprache“ beibringt: Obacht! Danach steht in jeder weiteren Gedichtinterpretation, Goethe oder Heine oder was auch immer, als Gliederungspunkt II.1 Sprache: „In diesem Gedicht verwendet der Autor keine Fäkalsprache.“ Is so. Mehrfach ausprobiert.)

    (Vielleicht spricht aber auch nur der Highball aus mir.)

  11. … wobei zu sagen wäre, dass so ein higball extrem vom mischungsverhältnis seiner komponenten abhängt… in diesem sinne, all ihr leidgeprüften lehrerlein! Let the sunshine in-prost! (ich in diesem falle mit tee, aber nur der gesundheit geschuldet…)

  12. Die Idee mit der Fahne finde ich köstlich. Das ganze Szenario erinnert mich gerade ganz stark an die beklopten deutschen Touris im Urlaub, die morgens schon um 5.00 Uhr aufstehen, um sich ihr Plätzchen Elend zu reservieren.

  13. In unserem Lehrerzimmer gibt es auch das Gegenmodell: den ewig wandernden Lehrer, der oft nicht da ist, sein Zeug überall herumliegen lässt und andere dann fragen muss, ob jemand dieses „äußerst wichtige Arbeitsblatt“ irgendwo gesehen hat. Der entspricht dann dem bekloppten deutschen Rucksacktouri im Urlaub, der jede Menge Elend in Kauf nimmt, nur damit er sich einbilden kann, er sei gerade das nicht: ein Touri. Die entsprechende Lehrerhaltung dazu ist „Ich bin kein Territorialfürst.“ Lehrer sind ein merkwürdiger Berufsstand, aber das sagte ich schon irgendwo.

  14. Habt ihr keine Mäuse? Die pinkeln ganz wunderbar, zumindest war das bei uns eine Zeitlang so. Das Problem mit den Arbeitsplätzen bzw. dem Platz auf den Tischen haben wir auch. Die Fächer sind in der muffigen Garderoge, sie sind bei weitem zu klein und keiner weiß wohin mit seinem Kram. Ja doch, ich würde pinkeln ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.