Kultusminister Siegfried Schneider gibt Tipps

Aus der Pressemitteilung zur heutigen Pressekonferenz:

Im kommenden Schuljahr wird der Freistaat zusätzlich 55 Stellenäquivalente zur Verfügung stellen, damit keine Klasse mit mehr als 34 Schülern mehr an Gymnasien gebildet werde.

Das ist besser als nichts. Aber 34 klingt immer noch nach vielen Schülern.

Kultusminister Schneider betonte, dass das Bayerische Gymnasium einen anhaltend hohen Zulauf erlebt. Gleichzeitig sinke der Zahl der Wiederholer am achtjährigen Gymnasium gegenüber der am neunjährigen.

Und was sagt uns das? Ist der Zusammenhang zwischen diesen beiden Sätzen kausal, konsekutiv, final, tatsächlich nur temporal, oder bewusst offen gelassen? (In der 7. Klasse wiederhole ich gerade Adverbialsätze: Da sollen die Schüler es ihren Lesern erleichtern, indem sie solche Zusammenhänge explizit machen, durch Adverbien oder Adverbialsätze.)

Und was sollen wir aus dem Sinken der Zahl an Wiederholern schließen?

Ansonsten hat er sicher recht damit, dass der Lehrplan noch verbessert werden muss. Es muss allerdings nicht “noch klarer” gestellt werden, was Pflicht und Kür ist, es muss überhaupt erst einmal dazwischen unterschieden werden. Ob da ein “tabellarische[r] Überblick über den Aufbau und die Schwerpunkte der einzelnen Fächer von der Jahrgangsstufe 5 bis zur Jahrgangsstufe 12” vom ISB reicht?

6 Antworten auf „Kultusminister Siegfried Schneider gibt Tipps“

  1. Hallo Herr Rau.
    Da hat uns unser Kultusminister aber wirklich lange schmoren lassen (hieß es nicht damals, zu Beginn der Pfingstferien, innert 4 Wochen würde über durchaus gravierende Änderungen am G8 befunden werden?? Stundentafel verändern, zweite Fremdsprache wieder nach hinten schieben – nichts sein Tabu…)
    Der Berg kreißte und gebar ein Mäuslein. Nun werden in den künftigen Neuauflagen der Bücher also ein paar farbige Kästlein mehr da sein – na das hilft dann (in mehreren Jahren!) aber phänomenal.
    Neben der durchwachsenen Logik nicht nur der Presseverlautbarungen aus dem KM ärgert mich dreierlei:
    Die Schüler an der “Spitze” des G8, die ja rückwirkend das Glück hatten “dabei zu sein”, und die Schüler in der “Gelenkklasse” des G9 werden als Versuchskaninchen missbraucht, vor Ort versucht man trotz fehlender oder mangelhafter Bücher und ohne tatsächlich zu wissen, “wohin” man die Schüler schlussendlich bringen soll, das beste daraus zu machen.
    Trotz ständigen herumeierns (vor Pfingsten war der Druck der Elternverbände zu stark, da musste ein Ventil her – oder wenigstens die ANKÜNDIGUNG…) und handwerklich unsauberer Arbeit (wie soll es auch anders gehen, wenn ständig mit heißer Nadel gestrickt wird) klopft sich das KM ständig selbst auf die Schulter.
    Und dann werden die Erfolgsschritte des schönen neuen Gymnasiums auch noch so präsentiert, dass jeder den Braten riechen muss, wenn er darüber nachdenkt. Klassen über 34 Schüler werden nun also vermieden. Hurra, vor der Budgetierung gab´s das sowieso nicht. Dazu sind “Stellenäquivalente” geschaffen. Aha, da wird also irgendwo wieder bei der Entlastung für ältere Kollegen, für die Fachbetreuer, die Bücherei, den Stundenplaner, die Theatergruppe gekürzt und das wird einfach summiert, als ob das schon ein neuer Lehrer wäre. Aber das Publikum wird es wieder abnicken und wir Lehrer werden “noch besser” die Dauerbaustelle Gymnasium irgendwie über Wasser halten.
    Ich bin ja mal gespannt wie die Pressemitteilungen aussehen, wenn die Lehrerversorgung offensichtlich gravierend mangelhaft ist und vielleicht gleichzeitig das ganze System der neuen Oberstufe (Seminarfächer 1 und 2 – sicher auch mal einen Blog-Beitrag wert) knirscht.
    Dennoch macht man seinen Job ja gerne – und hoffentlich besser als manche “da oben” (sind halt auch nur Menschen, aber das sollen sie halt auch zugeben…).

  2. >auch nur Menschen, aber das sollen sie halt auch zugeben

    Och nö, bitte nicht. Ich will nicht am Anfang des nächsten Rundbriefs lesen:

    “Liebe Lehrkräfte!
    Wir bemühen uns zwar kräftig, aber wir sind halt auch nur Menschen. Also wissen’S schon, es kann schon sein, dass uns der aktuelle Entwurf auch wieder ein bisserl danebengegangen ist. Aber – was soll’s! Mir ham kein andern net, also nemmer halt den solang her.”

  3. Vielleicht wissen wir nicht, wie gut es wir haben. Was Fontanefan immer wieder mal über die hessische LUSD (Lehrer-und-Schüler-Datei) schreibt, mit der Zeugnisse erstellt werden sollen, klingt noch schlimmer.

    Am schlimmsten stört mich bei solchen Pressemitteilungen der “wir haben alles richtig ggemacht”-Tonfall. Was will man von einer Presseerklärungen aus einem Ministerium aber schon anderes erwarten? Die internen Mitteilungen, spärlich wie sie sind, klingen allerdings genauso.

    Kann sein, ich lande nächstes Schuljahr in einer Arbeitsgruppe beim ISB, dann kann ich wenigstens ein bisschen über das Arbeiten dort bloggen. Im gebotenen Rahmen.

  4. Ich bin schon einen Schritt weiter – ich warte darauf, daß Schule in der BRD irgendwann mal ihren Offenbarungseid leisten muß.

  5. >

    Ach was. Die wiederholen ja auch alle nicht, sondern wechseln auf die Realschule oder gehen nach Hessen, weil für viele das G8 anscheinend auch im “2. Anlauf” zu schwer ist. (Von anfänglich 7 5. Klassen an unserer Schule im SJ 2004/05 sind jetzt noch 5 7. Klassen (soweit sind die damaligen Fünftklässler mittlerweile – oder auch nicht) übrig. Der Rest ist jetzt (glücklich) auf der Realschule oder in Hessen. Im G9 war das bei uns nie so krass. Da ist vll. im Laiufe dieser 3 Jahre mal eine Klasse weggefallen – aber das war dann auchs chon viel.

  6. Ups, ich bezog mich auf diesen Abschnitt der Pressemitteilung:

    Kultusminister Schneider betonte, dass das Bayerische Gymnasium einen anhaltend hohen Zulauf erlebt. Gleichzeitig sinke der Zahl der Wiederholer am achtjährigen Gymnasium gegenüber der am neunjährigen.

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