Hochzeitsbräuche

Gerade in einer Edda-Übersetzung gelesen, wie die Riesin Skadi sich einen der Asen zu Hochzeit auswählen darf. Sie hätte am liebsten Balder, den jüngsten und schönsten Gott. Der Haken bei der Sache: Sie kriegt nur die Füße der Götter zu sehen und muss anhand derer wählen.

Auf so einer Hochzeit war ich auch schon.
Altes germanisches Brauchtum?

Wandertag und richtiges Präsentieren

Den ersten Wandertag im Jahr hatte ich bestimmt, über das Ziel des zweiten dürfen die Schüler entscheiden. Dazu schlugen sie Ziele vor, manche fade, andere interessanter. Für jedes Ziel fand sich ein Pate, der Details recherchieren und der Klasse einen Plan präsentieren sollte.

Heute fanden diese Präsentationen statt. Manche waren ordentlich, andere – darunter auch das später gewählte Ziel – nur rudimentär, so dass die Vorbereitung noch einiges an Besprechung kosten wird.

Und eine Präsentation war head and shoulders über den anderen. Das war auf mehreren Ebenen eine Vorführung.
Das Ziel: Salzburg. Statt Powerpoint gab es ein Dutzend sorgfältig gestaltetet DIN-A-3-Bögen, riesige cue cards sozusagen, mit denen die Schülerin ihren Vortrag in rascher Folge visuell unterstützte. Die kurze Anspielung auf Bob Dylan musste ich mir danach erst von Kollege Z. erklären lassen, dem ich das natürlich alles brühwarm erzählt habe.
Nicht nur waren Fahrtzeiten, Eintrittspreise und Sehenswürdigkeiten gründlichst recherchiert. Dazu kam ein gesunder Sinn für Timing und das Absurde. Auf einem Blatt waren Gemälde des Wiener Aktionismus nachgemalt, die nackten Frauen allerdings zensiert. “Salzburger Nockerln” wurden vorgestellt: “Sie bestehen fast nur aus” (neues Blatt) “Ei und Zucker” (auf dem Blatt, fein säuberlich, die Worte “Ei” und “Zucker”). Von einer weiteren kulinarischen Spezialität berichtete ein Blatt mit der Aufschritt “Die Entdeckung der Currywurst Bosna”*.

Klasse. So trocken wie möglich vorgetragen, auf so vielen Ebenen ironisch, aber auch aus echtem Anliegen heraus: Die Schülerin wollte wirklich am Wandertag nach Salzburg, und nicht wenige – aber leider zu wenige – mit ihr. Allein aufgrund der Präsentation hätte ich als Schüler für Salzburg gestimmt. Um das zu honorieren.

So stelle ich mir heimlich übrigens schon länger Abstimmungen in der Schule vor, auch Klassensprecher- und vor allem SMV-Wahlen: Mit Wahlkampf, Argumenten, Informationen, Positionen.

*Die Bosna: Heute verbreiteter, kannte ich sie in meiner Jugend außerhalb von Österreich nur in Augsburg. Schweinsbratwurst, glaube ich, vor allem rohe Zwiebel und viel Paprikapulver, lange Semmel dazu. Die noch schärferen Varianten hießen zu meiner Schulzeit “Jaguar” oder “Super-Jaguar”, und gekriegt hat man sie in einem kleinen Laden unterhalb des Judenbergs, nur ein wenig unterhalb des besten kleinen Ladens für gebrauchte Comics und Heftromane und Taschenbücher, den es damals gab.

Colloquium

Diese Woche waren Colloquiumsprüfungen. (Mündliche Abiturprüfung in Bayern.) Ich war nur als Beisitzer/Schriftführer dort, aber auch zwei volle Nachmittage. Wie immer hat mich überrascht, wie gut die Referate der Schüler über ihr Spezialgebiet sind. Im Schnitt viel, viel besser als ihre Referate. Natürlich stellen Lehrer dabei an die Colloquiumsprüfungen auch höhere Amsprüche.

Aber wenn mir Schüler schon vorehr demonstrierten, dass sie zu so etwas in der Lage sind, ich wäre bass erstaunt. Und voller Respekt.

Warum sind Referate und auch Aufsätze im Vergleich dazu oft so oberflächlich?

Es liegt wohl daran, dass Schüler das Colloquium ernster nehmen als Referate und dass sie zwei Wochen Zeit haben, sich ausschließlich darauf vorzubereiten.

Das wäre doch eine schöne Idee: Ums Zwischenzeugnis gibt’s eine Woche schulfrei ab der 10. Klasse (so dass die Lehrer Zeit für Konferenzen haben), die Schüler kriegen Bücher zu lesen oder Aufgaben zu erfüllen, und jeder Schüler muss danach in einem Fach seiner Wahl einen Colloquiumsvortrag halten. Wenn sich die Schüler auf ihre Fächer verteilen, sind das 5–6 pro Fach, die kriegt man unter.

Vielleicht kriegte man dann vorher schon solche Leistungen zu sehen. Vielleicht würden die Schüler die Gelegenheit aber auch nicht nutzen. (Und dürfen tun wir das wohl sowieso nicht.)

Zurück aus dem Urlaub. Und Vögelchen.

Ich bin also wieder aus dem Urlaub zurück. Schön war’s.

Ich habe keinen Unfall mit dem Mietwagen gebaut. Das Auto ist nicht geklaut worden. Die Batterien des Weckers versagten auch am Rückflugmorgen nicht. Wir haben alle Hotels gefunden. Das Flugzeug ist nicht abgestürzt. Die gebuchten Hotels waren auch wirklich gebucht. Es gab keinen Terrorangriff.
Ich sollte wirklich irgendwann aufhören, mir so viele Sorgen zu machen.

Jetzt bin ich jedenfalls hier, hoffentlich sehr viel entspannter. War auch dringend nötig. ‘Nuff said.
Mein Mailordner ist schon aufgeräumt, aber mein Feedreader enthält noch einige extrem interessante Blogeinträge (vor allem von norberto42), die ich gründlich lesen und verlinken möchte.

Vorerst nur ein paar Kleinigkeiten zu Spatzen. Die gibt es in Madrid im Park zuhauf. Für sie fällt viel ab von den Besuchern dort.

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Der Junge im Bild war begeistert und rief seinem Vater ständig “¡Pajarito, pajarito!” zu. “Pájaro” heißt Vogel, “pajarito” ist die Verkleinerungsform.

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Da fielen mir meine Origamikenntnisse ein. In Deutschland kennt man ja neben Papierfliegern nur den Papierhut und das eng verwandte Schiffchen. In Spanien gibt es auch nicht viel mehr, aber eine traditionelle Figur gibt es und die heißt “pajarita”. Sie soll ein Vögelchen darstellen und sieht so aus:

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Für mich sah das ehrlich gesagt immer eher etwas nach einem Pferdchen aus. Vielleicht wegen des Schach-Springers? Ich habe jedenfalls noch nie jemanden getroffen, der ebenfalls an ein Pferdchen gedacht hätte. Allerdings sieht eine pajarita wirklich nicht sehr nach Spatz aus. Dachte ich jedenfalls immer. Bis ich dieses Bild eines Spatzen im Park gemacht habe:

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Und da sieht man die Ähnlichkeit dann schon.

Nebenbei: “Pajarita” bedeutet nicht nur “Papiervögelchen” sondern heißt – zumindest laut meinem einbändigen Wörterbuch – ganz allgemein “Papierfigur”. Das zeigt auch folgende Papiermülltonne aus dem Urlaub, an der ich etliche Male vorbeigegangen war, bevor ich die pajarita darauf entdeckte.

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Das wusste auch meine Mitreisende nicht. Allerdings konnte sie das Wortspiel erklären: “papel” heißt nicht nur “Papier”, sondern auch “Rolle”, also etwa: “Deine Rolle ist wichtig.”

Was eine pajarita ist, weiß ich übrigens aus einem Origamibuch, das ich vor fünfzehn Jahren meinem kleinen Bruder geschenkt habe und das ich mir erst vor kurzem selber gekauft habe: Complete Origami von Eric Kenneway. Ein so gutes Buch, dass ich mal extra darüber schreiben muss. Es nähert sich dem Thema Origami von vielen verschiedenen Seiten: Windeln, Kopftücher, Geschichte, modulares Origami, Serviettenfalten und vieles mehr.

(Beim nächsten Mal: Ein scheißender Storch.)

Diner sequence

JochenEnglisch hat mich darauf gebracht, auch mal was mit dem Bild Nighthawks von Edward Hopper zu machen.

  • Kurzgeschichte lesen: Ernest Hemingway, “A Clean, Well Lighted Place” (CliffsNotes). Tolle Geschichte, kann man viel damit machen, hat die Schüler auch interessiert, denke ich. Wir haben erst einmal an der Tafel gesammelt, was uns an der Geschichte irritiert und was wir nicht verstehen und sind dann und dadurch auf eine Interpretation gekommen. (Warum wollte der alte Mann sich umbringen? Was ist der Unterschied zwischen den beiden Kellnern? Warum ist es so wichtig, dass das Café sauber und hell ist?)
  • Dann das Bild Nighthawks und ähnlich wie bei Jochen Dialoge und Hintergrundgeschichten zu den Personen im Bild verfassen lassen. Bei Slate gibt’s eine Diashow über Hopper, im Text wird “The Killers” von Hemingway damit in Verbindung gebracht. (In den Kommentaren wird dann auch “A Clean, Well Lighted Place” vorgeschlagen.)
  • Zum Schluss noch ein paar frühe Lieder von Tom Waits, etwa Bad Liver And A Broken Heart oder “Invitation To The Blues”.
  • Nicht mehr gemacht habe ich aus Zeitmangel einige Blogeinträge von waiterrant.net. Sind aber schöne Sachen dabei:
    Diadem.
    Dignity
    Amanda 7
    Double O Poseur
    Failed
    Twenty Year Payback

Wir mischen hier zwar Café, Diner und Restaurant, aber die Stimmubng ist doch allemal ähnlich.