Pimp my Rollwagen

Zur Ausstattung unserer Schule gehören auch Rollwagen mit Beamer, Lautsprechern und Rechner dazu (mal als Workstation, mal Laptop). Für einen davon bin ich zuständig, und gelegentlich schraube ich daran herum. Mit Autos habe ich ja gar nichts am Hut, aber manchmal genieße ich es, auf dem Rücken unter einem Tisch zu liegen und Festplatten ein- oder auszubauen. Andere Leute würden die Rechner vielleicht auf den Tisch stellen, aber wo bleibt dann das Schraubergefühl?

So sieht er aus, der Rollwagen, und vor kurzem habe ich zwei Neuerungen eingebaut. Eine Fahrradklingel für den Verkehr im Gang und einen… Haken? Dorn? fürs Verlängerungskabel. Gedacht ist das so, dass man das lange Kabel zusammengerollt und lässig wie ein Lasso dort einhängt.

Die Kabelbinder gibt es schon seit einiger Zeit. Ich bin auf Klettverschluss umgestiegen, da früher oder später sowieso immer ein Kollege meint, die Kabelbinder aufschneiden zu müssen, weil er sich die Hardware an einem anderen Platz schöner vorstellt. Morgen kommt ein Schild hin, dass mir die lieben Kollegen den Buckel runterrutschen können, wenn noch einer unbedingt die Boxen verstellen muss oder den Beamer anderswo schöner findet als auf dem Wagen. Dann kann sich ein anderer unserer vielen technik-erfahrenen Kollegen darum kümmern.

Fehlt noch am Rollwagen:

  • ein blechernes Nummernschild
  • ein Aufkleber „How’s My Driving“
  • ein Aufkleber „My other projector is HD“ (für echte nerds)
  • ein Revolverhalfter für die Maus und ein Gewehrholster für die Tastatur
  • ein Fuchsschwanz oder Wimpel

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20 Thoughts to “Pimp my Rollwagen

  1. Wenn ich derley schulische Technikkonglomerate sehe (bei uns wirkt so etwas ganz ähnlich), stelle ich mir immer gern vor, wie die entsprechende Lösung aussähe und wie viel sie kostete, wenn eine Bank, eine Versicherung oder ein anderes Unternehmen der freien Wirtschaft sie beauftragte.

    Schülerinnen und Schüler nehmen die Ärmlichkeit des öffentlichen Schulwesens, vermute ich, unterschwellig durchaus wahr und ziehen ihre Schlüsse daraus …

    [Die angekündigten anarchischen Roadster-Accessoires könnten das Ensemble natürlich nur verbessern.]

  2. Sehr schicker Beamerwagen. An meiner Schule trägt man die Beamer in der Schultertasche. Den Rechner dafür bringt man entweder selbst mit (mache ich immer, weil ich dann zu Hause probieren kann, ob alles so klappt, wie ich möchte), oder man nimmt das Schullaptop, ebenfalls in einer Schultertasche. Das hat allerdings keine Soundkarte, da spart man sich die Lautsprecher dann komplett.

    An meiner Ausbildungsschule gab es aber einen (!) Beamerwagen, allerdings war der nicht so „gepimpt“ wie Deiner. Die Idee mit der Fahrradklingel finde ich super, und die weiteren Zusatzfeatures solltest Du unbedingt noch anbauen! Und dann natürlich hier nochmal einige Fotos einstellen…

    (Fünf Minuten später, und ich lache immer noch über die Klingel! :-D )

  3. Der „Pimp-my-Rollwagen“-Artikel hat bei mir ein „Pimp-my-evening“-Gefühl ausgelöst: nach 5 min Lachen (Fuchsschwanz! Wimpel! rofl) geht’s mir jedenfalls wesentlich besser als vorher. Danke!

  4. This Rollwagen rocks :-)
    Was sich auch nett machen würde, wäre vielleicht ein Aufkleber: „Sag: Ja, ich will!“ :-))

    Du könntest dich ja mal umhören, eventuell ließe sich „Jim Beam“ als Sponsor gewinnen …

  5. Ist das Ding denn durch den TÜV? Also, ist dafür gesorgt, dass sich am Cowboy-Sattelhorn niemand das Auge ausstechen kann, wenn man im Gang drüberfällt? (oder klingelt man dann SOS?)

    Anregungen für „Pimp my Lehrerstuhl“ sind abzuholen auf der unplugged-DVD der Ärzte (inkl. Holzperlensitz, Großwildhörner bei 4:15, elektrisch betrieben). http://youtube.com/watch?v=y0Kq6JEig-o

  6. > Eine Fahrradklingel für den Verkehr im Gang

    Falls die im allgemeinen Lärm untergeht: Wir hatten mal eine kleine Lateinlehrerin die sich ihren Weg mit einer an der Schultasche befestigten richtig lauten Tröte (so mit Gummi zum Zusammendrücken) freigetutet hat.

  7. Großes Lob, finde ich wirklich toll.
    Vorschlag für einen Wimpel: mal die Handarbeitslehrerin fragen – vielleicht könnte man das Schullogo in Kreuzstich ausführen…. :).
    Oder alternativ: eine Art Fuchsschwanz aus Freundschaftsbändchen, die von den Schülern gebastelt werden…

  8. Ich nehme übrigens auch meist meinen kleinen Laptop (Subnotebook) mit und schließe es an den Beamer an. Da weiß ich, welche Software installiert ist. Einen frei beweglichen Schul-Laptop gibt es bei uns nicht.

    Danke für die vielen Vorschläge, ich halte die Augen offen. Ich bräuchte dann noch eine Art Kotflügel oder Schutzblech für die Seite, damit die Aufkleber Platz haben. Ich bleibe hoffentlich dran und poste Neuigkeiten.

  9. Mein Kollege Andreas hat sich was Ähnliches gebaut, aber mehr so wie ein Infusionsständer. Problem: Der ist mir zu schwer. Dieser hier gefällt mir besser. Das Problem, wie man den die Treppe hoch- und wieder runter bekommt, bleibt aber bestehen. Ich hätte gern nähere Einzelheiten. Ist der aus Metall? Oder vielleicht Leichtbau-Kunststoff oder so was? Und vor allem: wo gibt es den? Die Rohversion natürlich meine ich. Statt ’nem Rechner-Riesenexemplar würde ich meinen Pilotenkoffer draufpacken. Die Präsentationscontainer (vornehme Version), die bei uns auch existieren, kann man nur zu zweit über eine Treppe befördern, sind also nur dann nutzbar, wenn man zufällig im richtigen Stockwerk ist und keinen Konkurrenten hat. Wenn schon keinen eigenen Unterrichtsraum, Rollwagen for everybody!

  10. Treppe geht auch bei uns nur umständlich, aber auf den meisten Stockwerken gibt es solche Rollwägen. Die unseren sind aus Plastik… ich würde gerne: Hartplastik sagen, weil das vielleicht eher so klingt, als kennte ich mich aus mit so etwas. Plastik halt.

    Der Wagen ist tatsächlich nicht schwer, aber für die Treppe bräuchte es auch zwei Personen. We discourage the practice.
    Zur Sicherheit beim Schieben und Tragen haben wir allerdings zusätzliche Schrauben gebraucht. (Am Anfang hofften wir, der Wagen würde über Schwellen getragen statt geschubst werden, umd die Beamerbirne zu schonen.)

    Die anderen Rollwägen haben Laptops drauf statt großem Rechner, was sinnvoll ist. Die Laptops sind durch einen angeschraubten abschließbaren Metallbügel vor dem Mitnehmen geschützt. Genutzt werden die Beamerrechner vor allem zum DVD-Zeigen, aber erst heute habe ich gemeinsam mit der Klasse am Beamer (mit eigenem Subnotebook) ein Protokoll über die gestrige Stunde erstellt – aus gegebenem Anlass und ums Protokoll zu wiederholen. (War Schülerwunsch.)

  11. Die multimediale Ausstattung vieler Schulen, selbst im reichen Süden der Republik, ist skandalös. Die bisher beschriebenen Lösungen sind interessant, ja kurios, führen aber nicht weiter. Es gibt nur eine Lösung. Jede Schule braucht eine Komplettvernetzung. Jedes Klassenzimmer braucht Internetzugang. Und alle Schüler erhalten ein eigenes Notebook. Es gibt Länder, das ist so etwas Standard! Zu finanzieren ist das nur durch eine kollektive Anstrengung. Schulleitung, Kollegium, Eltern müssen die gewünschte Lösung bei den Kommunen einfordern und beide Seite müssen konsequent nach Drittmitteln (Industrie vor Ort) Ausschau halten. Oftmals liegt es aber nicht an den Finanzen, sondern an der Innovations- und Technikfeindlichkeit vieler Lehrer (meist über 50, häufig – sorry, ich muss es leider sagen – auch weiblich), warum wir in vielen Schulen noch immer im analogen Neandertal vegetieren.

  12. Die multmediale Ausstattung kann man durchaus aus skandalös bezeichnen. Vor dem Ausmaß anderer skandalöser Zustände an den Schulen verblasst das meiner Meinung nach aber, so dass ich das Adjektiv für anderes Fälle reservieren würde. Ich bin immer skeptisch, wenn es heißt: „Es gibt nur eine Lösung.“ Innovationsfeindlich sind Lehrer aber tatsächlich. (Dabei bietet das Kultusministerium regelmäßig Innovationen an, kann ich gar nicht verstehen.)
    Technikfeindlichkeit: Die mag unter älteren Lehrern tatsächlich ein wenig häufiger sein als unter jüngeren. Aber das sehe ich nicht als Hauptproblem, es gibt genügend Gegenbeispiele in beide Richtungen.

    Komplettvernetzung und eigene Notebooks halte ich für eine tolle Idee. Hätte ich sehr gerne. Und ein Sprachlabor auch. Ich bin aber skeptisch, wenn es heißt, dass das der bestmögliche Einsatz der verfügbaren Ressourcen ist.

  13. >ein blechernes Nummernschild

    In den USA gibt es dazu noch das Schild „IF YOU CAN READ THIS, THANK A TEACHER“ :-)

  14. Wie wär’s mit einer Wegfahrsperre mit Sprachkennung? Dann dürften nur die Kollegen das Ding benutzen, die vorher einen Rollwagen-Führerschein machen;)

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